Das müssen Sie wissen: Vom Traum zur Wirklichkeit – der erste 4.000er!

Bereit für den Gipfel?
Die Belohnung nach dem Aufstieg: ein einzigartiges Panorama

Sie träumen schon lange davon, einen der Gletscherriesen in den Alpen zu besteigen? Trauten sich aber bisher nicht oder wussten einfach nicht wie? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Ausrüstung, Organisation und den besten Gipfeln für Einsteiger

Die 4.000er der Alpen üben auf alle, die gerne im Gebirge unterwegs sind, eine große Faszination aus.

Die Besteigung sollte jedoch gut geplant sein und nicht unvorbereitet angegangen werden. Dies betrifft beispielsweise auch die Frage ob Sie sich alleine oder mit einem Partner/Führer an die Besteigung wagen. Generell gilt hier, dass die Begleitung durch einen leistungsähnlichen Partner viele Vorteile bietet. Zur vernünftigen Vorbereitung gehört nicht nur die theoretische Planung, sondern auch das praktische Training.

Eine gewisse Kondition sowie Bergsteigerfahrung sollte vorhanden sein. Da das Wetter in den Bergen und besonders in Höhenlagen sehr wechselhaft sein kann, ist es wichtig die richtige und ausreichende Bekleidung mitzuführen. Atmungsaktivität und Tragekomfort stehen bei der Auswahl im Mittelpunkt. Neben der richtigen Kleidung ist eine vollständige und sichere Ausrüstung das A und O für die Besteigung von Bergen, besonders im 4000er Bereich. Wichtig sind unter anderem ein Eispickel, Seile und eine Reiseapotheke. Beim Bergsteigen sollte, wie bei allen anderen sportlichen Aktivitäten auch, auf ausreichende Nahrungs- und Getränkeaufnahme geachtet werden. Hier eignen sich zum Beispiel handliche Müsliriegel.

Wenn Sie unsere Tipps berücksichtigen, sich gut vorbereiten und ein Mindestmaß an Kondition mitbringen, dann benötigen Sie eigentlich nur noch das berühmte Quäntchen Wetterglück, um den Gipfel „Ihres" ersten 4.000er zu erreichen.

> Planung: Ordnung ist das halbe Leben

> Mit oder ohne Führer? – Selbsteinschätzung und Partnerwahl

> Training: Kondition, Spaltenbergung und Bergsteigen

> Was ziehe ich bloß an? – Kleidung für einen 4.000er

> Diese „sieben Sachen" sind unerlässlich an einem 4.000er

> Ohne Hungerast zur Gipfelrast: Die richtige Verpflegung auf Tour

> Hüttenaufstieg – der Beginn des Abenteuers

> So verläuft der Gipfeltag

> 4.000er für Alpin-Einsteiger

Im Wallis finden sich die meisten einfachen 4.000er

Planung: Ordnung ist das halbe Leben

Einen Plan zu haben ist gut, aber flexibel zu bleiben schadet nicht. Der Plan wird zuhause erstellt - vor Ort bestimmen das Wetter und die Verhältnisse am Berg den Ablauf.

Am besten lässt sich die Besteigung eines 4.000ers mit einem oder mehreren Freunden im Rahmen eines Trekkingurlaubs realisieren. Ein paar Wanderungen vor der Gipfelbesteigung erleichtern die HöhenanpassungHier geht's zu passenden Produkten auf Amazon.de! und ermöglichen es, auf gutes Wetter zu warten. Die beste Zeit für eine Besteigung sind die Sommermonate Juli bis September.

Dank vieler Bergbahnen können Sie einige 4.000er als Tagestour machen, ansonsten dauern Auf- und Abstieg zwei Tage. Am ersten Tag ist die Hütte das Ziel - dort wird übernachtet. Die Übernachtung mit Halbpension kostet ca. 50 Euro. Am zweiten Tag stehen dann der Gipfel und der komplette Abstieg bis ins Tal auf dem Programm. Achten Sie darauf, dass Ihre Kondition ausreicht.

Mit oder ohne Führer? – Selbsteinschätzung und Partnerwahl

Ob es besser ist, sich beim ersten 4.000er einem Führer anzuvertrauen, hängt vor allem vom persönlichem Können und der eigenen Erfahrung im Hochgebirge ab.

Ihre persönlichen Fähigkeiten müssen Sie selbst einschätzen. Dabei ist Ehrlichkeit das oberste Gebot. Wer nach dem Motto verfährt: „Es wird schon gut gehen", kann eine böse Überraschung erleben.

Um Ihr Können einzuschätzen sind diese Fragen hilfreich. Können Sie

  • eine sechsstündige Wanderung problemlos durchhalten?
  • sich für eine Gletscherbegehung richtig anseilen?
  • einen Gletscher mit Steigeisen und Pickel sicher begehen?
  • auf einem steilen Firnhang einen Sturz bremsen?
  • eine Spaltenbergung durchführen?
  • die HMS-Sicherung korrekt anwenden?
  • einen Standplatz im Fels einrichten?

Wenn Sie alle Fragen - oder zumindest die Fragen 1 bis 5 - mit "ja" beantwortet haben, können Sie einen 4.000er ohne Führer angehen.

Trotzdem gilt: Wer einen 4.000er ohne Führer besteigen will, sollte schon einmal im vergletscherten Hochgebirge unterwegs gewesen sein. Alle anderen vertrauen sich besser einem Bergführer an, dadurch wir der erste 4.000er sicherer.

Einen BergführerHier geht's zu passenden Produkten auf Amazon.de! buchen Sie am besten vor Ort in einer Bergschule oder beim Tourismusbüro. Die Preise variieren je nach Gipfel. Den Bergführer treffen Sie dann entweder am Abend vor der Tour auf der Hütte oder bei einer Eintagestour zu einer Vorbesprechung im Tal.

Für die Partnerauswahl gelten dieselben Kriterien. Ihr Partner sollte einen ähnlichen Leistungsstand wie Sie haben oder erfahrener sein. Ohne Bergführer liegt die ideale Gruppengröße für die Besteigung bei drei oder vier Personen. Eine Zweierseilschaft sollte die Ausnahme sein.

Für diese Aussicht auf Matterhorn und Obergabelhorn lohnt sich das Training.
Für diese Aussicht auf Matterhorn und Obergabelhorn lohnt sich das Training.

Training: Kondition, Spaltenbergung und Bergsteigen

Das Training für den 4.000er sollte drei Aspekte berücksichtigen: Kondition, Spaltenbergung und Bergsteigen.

Spaltenbergung und Anseilen trocken zu üben ist lästig, erhöht aber Ihre Sicherheit.

Viele Bergschulen und der DAV bieten für die auf Hochtouren nötigen Grundkenntnisse so genannte Gletscherkurse an. Bei solchen Kursen bringt Ihnen ein Bergführer alles bei, was Sie wissen müssen, um leichte Hochtouren selbstständig zu meistern. Unter anderem auch, wie Sie Seil, Pickel und Steigeisen richtig einsetzen.

Konditionstraining schadet nie. Ein 4.000er erfordert ein hohes Maß an Ausdauer. Für das Training eignen sich am besten Joggen und Rad fahren. Fangen Sie rechtzeitig an – etwa ein bis vier Monate vor der Besteigung – und trainieren Sie zwei bis dreimal pro Woche.

Um Bergsteigen zu üben gibt es nichts Besseres als Bergsteigen. Bei vorbereitenden Touren gewöhnen Sie sich wieder an die Ausgesetztheit und erlangen mehr Sicherheit. Zu guter Letzt sind die Touren der angenehme Teil des Konditionstrainings. Daher sollte der 4.000er eher am Ende Ihres Bergurlaubs liegen.

Video: Spaltenrettungsgerät Mammut Rescyou




Die richtige Ausstattung für den erfolgreichen Aufstieg
Die richtige Ausstattung für den erfolgreichen Aufstieg

Was ziehe ich bloß an? – Kleidung für einen 4.000er

Jeder kennt diese Frage, aber selten hat die falsche Kleidung so schwerwiegende Folgen wie bei einer Bergtour. Deshalb kommt von outdoor ein Dresscode.

Grundsätzlich gilt das Zwiebelprinzip, die Kleidung! wird in mehreren Schichten übereinander getragen. Dadurch lässt sich das Körperklima leichter regulieren.

Das haben Sie an:

  • Funktionsunterwäsche hält warm und nimmt den Schweiß auf,
  • darüber kommt ein dünner Fleece-Pullover,
  • in den kalten Morgen- und Abendstunden leistet eine dickere Fleece-Jacke oder eine Soft-Shell gute Dienste,
  • eine kurze Hose über der Funktionswäsche hält Blase und Nieren warm,
  • als oberste Schicht kommt eine Tourenhose zum Einsatz - sie ist winddicht, atmungsaktiv, robust und warm,
  • als Socken eignen sich am besten spezielle Trekking- bzw. Wandersocken,
  • Schuhe müssen mindestens bedingt steigeisenfest sein, der Lowa Mountain Expert GTX ist ein gutes Beispiel,
  • dazu kommen noch Kleinigkeiten wie Mütze, Schal und Handschuhe.

Das muss in den Rucksack:

  • eine leichte Funktionsjacke, die robust und wasserdicht ist. Das Wetter sollte aber nicht so schlecht sein, dass Sie diese brauchen. Sie ist primär Reserve für den Notfall und ein Schutz bei starkem Wind,
  • eine lange Fleece-Hose,
  • ein Ersatz-T-Shirt (bleibt am Gipfeltag auf der Hütte),
  • 1 Paar Ersatzsocken (bleiben am Gipfeltag auf der Hütte),
  • 1 Satz Unterwäsche (bleibt am Gipfeltag auf der Hütte).

Diese „sieben Sachen" sind unerlässlich an einem 4.000er

Bestimmte Sachen müssen einfach mit auf Tour – wir erklären, warum.

Die meisten Leute tragen zu viel auf ihrer Besteigung, was den Rucksack nur unnötig belastet. Folgende Utensilien sollten Sie aber unbedingt bei sich tragen, wenn Sie sich Richtung Gipfel aufmachen.

Zur unverzichtbaren Ausrüstung gehören:

  • Pickel: Er verschafft mehr Sicherheit im Firn und ermöglicht es Stürze zu bremsen;
  • Steigeisen: Sie müssen unbedingt vor der Tour auf die eigenen Schuhe angepasst werden;
  • Gurt: unerlässlich zum Anseilen;
  • Bandschlingen: 2 Stück mit einer Länge von 1,2 Metern sollten dabei sein. Sie dienen zum Aufbau einer Sicherung im Fels;
  • Eisschrauben brauchen Sie für die Spaltenbergung, eine pro Person ist Pflicht;
  • zwei einzelne Karabiner und eine Express-Schlinge;
  • zwei Schraubkarabiner zum Sichern und Anseilen;
  • Reepschnüre in drei Längen: halbe, einfache und doppelte Körperlänge. Sie sind bei der Spaltenbergung unerlässlich;
  • Seil: unerlässlich auf Gletschern mit Spalten;
  • Teleskopstöcke erleichtern in erster Linie den Hüttenaufstieg, beim Gipfelaufstieg bleiben sie besser auf der Hütte;
  • Gletscher- oder hochwertige Sonnenbrille: schützt die Augen vor UV-Strahlung;
  • eine Stirnlampe, damit Sie nachts den Weg zur Toilette finden und morgens die Gletscherspalten sehen;
  • ein Biwaksack: leichter Sack aus wasserdichtem Material. Im Notfall ein zusätzlicher Wetterschutz;
  • Rucksackapotheke.

Muss ich alles kaufen?

Nein, gerade bei Touren mit einem Bergführer lässt sich die nicht alltägliche Ausrüstung (Pickel, Steigeisen, Gurt usw.) ohne Probleme ausleihen. Nur Ihre Kleidung, Stirnlampe und die Gletscherbrille müssen Sie selbst mitbringen.

Ohne Hungerast zur Gipfelrast: Die richtige Verpflegung auf Tour

Essen und Trinken sind enorm wichtig, um die Leistungsfähigkeit des Körpers zu erhalten. Für den Hüttenzu- und den Gipfelaufstieg gelten im Prinzip dieselben Regeln.

Essen:

Alles, was Sie auch auf Trekking-Touren zu sich nehmen: Müsliriegel, Schokolade und Käse. Machen Sie vor dem Gipfel nur eine einzige große Pause für das zweite Frühstück. Nehmen Sie lieber während des Laufens ein Stück Schokolade oder einen Müsliriegel in den Mund.

Trinken:

Auf der Hütte alles, was Sie wollen, auf Tour sind 2 Liter das Minimum im Rucksack. Ein Liter muss warm sein und bleiben. Für die Thermoskanne eignet sich Marschtee am besten – den gibt es auf der Hütte, meistens nach dem Abendessen. Der zweite Liter kann auch kalt sein – zum Beispiel in einer PET-Flasche. Für Liter 2 reicht Wasser mit Getränkepulver versetzt.

Ein Trinksystem ist nur hilfreich, wenn es isoliert ist, sonst wird der Inhalt zu schnell kalt. Trinken Sie regelmäßig, ungefähr alle 45 bis 60 Minuten. Bei den Trinkpausen reicht ein Becher für alle, es muss nicht jeder seine Flasche rauskramen.

Der Weg zum Gipfel beginnt
Der Weg zum Gipfel

Hüttenaufstieg – der Beginn des Abenteuers

Der Hüttenaufstieg ist der Auftakt zu Ihrem Unternehmen und der Beginn eines Abenteuers.

Bei den Eintagestouren:
Bei den Touren auf Breithorn bzw. Allalinhorn entfällt der Hüttenaufstieg. Stattdessen verbringen Sie vorher einen gemütlichen Tag im Tal ohne zuviel Anstrengung. Morgens ist es wichtig, die erste Bahn zu erreichen, damit Sie eine Zeitreserve haben.

Weissmies, Bishorn und Gran Paradiso:
Bei diesen Zielen übernachten Sie einmal auf einer Hütte. Es ist daher sinnvoll, zwei Tage vorher auf der Hütte anzurufen, um die Lager und die Halbpension zu reservieren.

Beim Weissmies ist der Hüttenaufstieg am einfachsten mit der Bergbahn zu bewältigen und ist schnell geschafft. Am Bishorn und Gran Paradiso dauert der Aufstieg bis zur Hütte dagegen bereits mehrere Stunden. Lassen Sie es gemütlich angehen. Je früher Sie an der Hütte sind, desto länger können Sie sich erholen. Deshalb ist auch beim Hüttenzustieg ein früher Aufbruch sinnvoll.

Der Nachmittag und Abend auf der Hütte:
Nach dem Hüttenaufstieg verbummeln Sie den Rest vom Tag in Hüttennähe. Wichtig ist es viel zu trinken, das erleichtert die Anpassung an die Höhe.
Außerdem lohnt es sich die ersten Meter des Weges zum Gipfel zu erkunden, damit Sie ihn in der Dämmerung auch finden. Letzte Infos über die Verhältnisse gibt Ihnen der Hüttenwirt. Der Rucksack für die Gipfelbesteigung packt man besser abends in Ruhe, das spart morgens schon 20 Minuten und viele Nerven.

So verläuft der Gipfeltag

Nach einer kurzen Nacht und meist magerem Frühstück beginnt der Aufstieg zum Gipfel.

Der Morgen in der Berghütte ist immer hektisch – wohl dem, der seinen Rucksack schon gepackt hat. Nach dem Frühstück, das aufgrund der Tageszeit bei den meisten spärlich ausfällt, geht's los.

In der kalten Morgenluft dauert es länger, bis die Muskeln warm sind. Laufen Sie deshalb nicht zu schnell los. Versuchen Sie ein Tempo anzuschlagen, das Sie gleichmäßig bis zum Gipfel durchhalten können.

Hosen lassen sich auf Tour nur schlecht ausziehen. Besser Sie frieren während der ersten Viertelstunde ein wenig, als dass Sie den restlichen Aufstieg über schwitzen. Jacken und Pullover zu wechseln ist dagegen kein Problem.

Es ist wichtig, während des Aufstiegs zu trinken. Machen Sie dafür alle 45 bis 60 Minuten eine kleine Pause von maximal 5 Minuten. Ein Stück Schokolade oder einen Müsliriegel können Sie nebenher essen.

Bei den langen Gipfelaufstiegen am Bishorn, Weissmies und am Gran Paradiso lohnt sich eine 30-minütige Frühstückspause, sobald die Sonne wärmt.

Verausgaben Sie sich nicht völlig! Nach der Gipfelrast folgt der Abstieg, der abermals volle Konzentration fordert.

4.000er für Alpin-Einsteiger

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