Was Männer zur Gewalt treibt

Männer – erst eine halbe Sache der Natur.

Hamburg – Gewalt ist Männersache. Frauen suchen eher nach Sozialität und Aussöhnung. Für Evolutionsbiologen ist dies nach einem Bericht des Männermagazins ”Men’s Health” kein Wunder, denn: Der Mann ist immer noch ein Versuchskaninchen der Natur. Während Frauen schon seit 150 000 Jahren mit einem kompletten Satz X-Chromosomen ausgestattet sind, haben die angeblichen Herren der Schöpfung nur einen halben Satz davon. Dafür werden sie von einem halben Satz Y-Chromosomen beherrscht, der zudem erst 28.000 Jahre alt ist. Forscher wie der Konstanzer Professor Rolf-Dieter Hesch sind der Ansicht, dass die Natur den Mann im Gegensatz zur Frau noch lange für eine halbe Sache halten und deshalb weiter an ihm herumexperimentie-ren wird.

Charakteristisch für das Y-Chromosom ist, dass es schon im sich entwickelnden Gehirn des männlichen Embryos eine Region aufbaut, in der Aggressionen und Gewaltbereitschaft hervorgerufen und an das übrige Gehirn weitergeleitet werden. Im Verein mit den späteren emotionalen Erfahrungen durch Erziehung und Umwelteinflüsse sowie mit dem Anstieg des Testosterons nach der Pubertät ist die lebenslange Gewaltbereitschaft des Mannes dann komplett.

Das Ergebnis: Männer bauen Rangordnungen und Regeln auf, fühlen sich ohne Rudel hilflos und allein. Droht diesem Gebäude Gefahr, entwickeln sie mittels abstrakten Denkens eine Form der Ethik, mit der sie sich guten Gewissens sogar das Töten erlauben.

Ganz anders die Frau: Von keinem Y-Chromosom geplagt, kommunizieren linke und rechte Hirnhälfte viel intensiver. Ihre Nervenzellen sind zudem höhergradig verknüpft. Mit einem Wort: Ihr Gehirn ist schon viel länger ”fertig”. Sie braucht kein Rudel, hat statt dessen viel mehr das Individuum im Blick. Bei Konflikten neigt sie nicht zu Unterdrückung, sondern zu Caritas und Unterstützung.

Dass der Mann im Vergleich zur Frau noch reichlich unausgegoren ist, zeigen auch seine Ängste. Seit alten Zeiten fürchtet er, von der gerechten Verteilung lebensnotwendiger Ressourcen ausgeschlossen zu werden. Zu seinen Ur-Ängsten zählt auch, der Arterhaltung nicht dienen zu können. Die Folge, so der Urologe und Bestseller-Autor Bo Coolsaet: Dem männlichen Gehirn ist ”fundamental bange” vor dem Hirn der Frau und ihrem Körper. Den Beweis liefert die Weltgeschichte: Beinahe alle großen Diktatoren und auch zahlreiche Gewaltverbrecher waren sexuell gestört.

Für den Evolutionsbiologen Hesch sind das Y-Chromosom und das männliche Hormon Testosteron Triebfedern der Gewalt, die bis heute die Weltpolitik beeinflussen. Und auch den Alltag: 90 Prozent aller Gewalttaten werden von Männern begangen,
13 Prozent aller Frauen wurden von Männern genötigt oder vergewaltigt, 30 Prozent aller Gewalttaten an Frauen begeht der Partner oder Ex-Partner, 95 Prozent aller Insassen in deutschen Gefängnissen sind Männer und 75 Prozent aller Selbstmörder sind Männer.

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