Wechselduschen: So kalt oder warm darf die Dusche sein

Die Duschtemperatur ist nicht egal: Wärme und Kälte wirken sich unterschiedlich auf Ihre Gesundheit aus

Warm, kalt oder wechselduschen – welche Wassertemperatur ist am gesündesten? Wir verraten, wie Sie Immunsystem, Hautbild und Psyche beim Duschen verbessern können

Warmes Wasser ist was für Weicheier? Kalt duschen härtet ab und stärkt das Immunsystem? Ums Duschen kursieren viele Mythen. Unsere Experten klären, welche Effekte unterschiedliche Wassertemperaturen beim Duschen haben:

In diesem Artikel:

Wie oft und wie lange sollte man duschen?

"2 bis 3 Mal in der Woche reichen aus medizinischer Sicht aus. Denn zu viel Duschen beschädigt die schützende Fettschicht der Haut", sagt Dermatologe Dr. Athanasios Theodoridis vom Centrum für korrektive Medizin in Freiburg. Allerdings kommt es auch auf Ihre Tätigkeiten an: Bei einem Bürojob müssen Sie nicht so häufig unter die Dusche wie bei einer Arbeit, bei der Sie dreckig werden. Für die Hygiene ist übrigens nicht die Duschtemperatur, sondern vor allem die Seife entscheidend: "Keime halten sich sozusagen an der Seife fest, so dass sie beim Abspülen gleich mit entfernt werden", sagt Dr. Ernst Tabori vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg. Wie lange Sie unter der Dusche verbringen sollten, hängt von der Temperatur ab: Zum Schutz der Haut sollten Warmduscher kürzer duschen, maximal 7 Minuten. Kaltduscher dürfen sich ein bisschen länger berieseln lassen, bis zu 10 Minuten sind optimal.

Um Ihre Haut zu schützen, sollten Sie öfter kalt duschen

Warum duschen wir so häufig?

Körperhygiene ist nicht der ausschlaggebende Grund, warum viele Männer sich sehr oft unter die Dusche stellen. "Menschen duschen hauptsächlich, um sich wohler zu fühlen", sagt Dermatologe Dr. Hartmann vom Venenzentrum in Freiburg. Duschen gehört zum Alltag vieler Menschen, obwohl gar kein hygienischer Bedarf besteht. Das macht eine Studie des Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid von 2017 deutlich: Die Hälfte aller Deutschen duscht sogar täglich. "Unangenehme Körpergerüche führen zusätzlich dazu, dass viele Menschen häufiger duschen", erklärt Dr. Theodoridis. Muss aber gar nicht sein. Eine gute Alternative wäre, mit einem Waschlappen den Intimbereich und die Achsel zu waschen, da meist nur von diesen Stellen unangenehme Körpergerüche ausgehen.

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Wie warm/kalt darf die Dusche sein?

Grundsätzlich gilt: Duschen Sie nur so warm oder kalt, wie Sie es auch ertragen. Liebhaber von besonders heißen Duschen sollten aber darauf achten, dass die Temperatur nicht 43 Grad übersteigt. Bei übermäßig heißem Duschen trocknen Sie die Haut zu sehr aus. Bei kaltem Duschen gilt zudem: Sie sollten sich niemals schlagartig mit kaltem Wasser abbrausen, sonst versetzen Sie Ihrem Körper einen Kälteschock. Fangen Sie am besten mit lauwarmem Wasser an und regulieren Sie die Temperatur langsam runter.

Warm, kalt oder wechselduschen: Das sind die Vorteile

Wenn Sie ein Dusch-Fan sind, sollten Sie sich definitiv Gedanken über die Wärme oder Kälte des Wassers machen. Denn die Duschtemperatur können Sie gezielt für Ihre Gesundheit einsetzen:

1. Was bringt Wechselduschen?

  • Wechselduschen stärkt das Immunsystem 

    Nicht kalt, sondern Wechselduschen stärkt Ihre Abwehrkräfte: "Die Blutgefäße werden durch das kalt-warme Wechselduschen sozusagen trainiert, das härtet ab", sagt Dr. Hartmann. In einer 2016 durchgeführten Studie an der Universitätsklinik Jena testeten Forscher den Wechsel von warmen und kalten Schauern bei Menschen mit chronischer Bronchitits. Nach 10 Wochen hatten sie 13 Prozent weniger Atemwegs-Infekte, weil ihr Blut mehr Lymphozyten enthielt, die für die Krankheitsabwehr zuständig sind. Wenn Sie also besonders wetterfühlig sind, ist Wechselduschen optimal für Sie geeignet.

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Euphorie pur: Wechselduschen wirkt sich positiv auf Ihre Laune aus
  • Wechselduschen macht glücklich

    Kennen Sie die Erleichterung, wenn Sie im Winter durchgefroren in die warme Wohnung kommen? So ähnlich empfinden Wechselduscher. Dr. Hartmann: "Je größer die Temperaturunterschiede beim Duschen, desto intensiver werden die Glücksgefühle wahrgenommen". Daher lohnt es sich auch, mit einer Wechseldusche in den Tag zu starten. Eine mögliche Erklärung für das Glücksgefühl: "Dadurch, dass das Lymphgefäßsystem besser arbeiten kann, werden mehr Giftstoffe aus dem Körper rausbefördert", sagt der Duschexperte.
  • Wechselduschen hilft gegen Muskelkater

    Entlasten Sie nach dem Workout Ihre Muskeln: "Ähnlich wie mit Kompressionsstrümpfen kann die Verengung der Blutgefäße beim Wechselduschen dazu führen, dass die Schmerzen beim Muskelkater etwas verringert werden", sagt Dr. Hartmann. Eine Studie, die im European Journal of Applied Physiology 2011 veröffentlich wurde, stützt die These: Die Muskelkater-Beschwerden bei Radsportlern waren geringer, wenn sie sich nach dem Training abwechselnd mit kaltem und warmen Wasser geduscht hatten.

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  • Hoher Blutdruck wird durch Wechselduschen gesenkt

    Wechselduschen zahlt sich auch für Ihren Kreislauf aus. Denn: "Durch das Trainieren der Blutgefäße senkt sich der Blutdruck etwas", erklärt Dr. Hartmann. Ideal also für Menschen mit Kreislaufproblemen.

2. Diese Vorteile hat Kaltduschen

Kaltes Wasser am Morgen? Für viele ein Albtraum! Doch diese Argumente sprechen dafür:

  • Kalte Duschen sind gut für Haut und Haare 

    Trockene Haut? Strohige Haare? Die Ursache könnte nicht (nur) das Shampoo, sondern auch zu heißes Wasser sein. Bei warmen Wasser löst sich die schützende Fettschicht der Haut ab, wodurch sie schneller austrocknet. Auch hier zahlt sich kaltes Duschen aus: "Vor allem Menschen, die zu Neurodermitis oder trockener Haut neigen, sollten daher eher kalt duschen", rät Dr. Theodoridis. Zusätzlich profitieren auch Ihre Haare: Kaltes Wasser vertieft die Haarfollikel, wodurch sie kräftiger und gesünder aussehen.
Mit kalten Duschen bleibt Ihr Haar kräftig und gesund
  • Kalt duschen treibt die Fettverbrennung an

    Die Duschtemperatur wirkt sich auch auf Ihren Abnehmerfolg aus: Kaltes Wasser aktiviert nämlich die braunen Fettzellen, die im Gegensatz zu dick machendem weißen Fett die Kalorien nicht speichern, sondern verbrennen. Braunes Fett ist jedoch nicht sonderlich aktiv in unserem Körper – mit kaltem Wasser lassen sich diese Fettzellen jedoch in Gang setzen.
  • Kaltduscher sind seltener krankgeschrieben

    Zwar ist der Glaube, dass kaltes Duschen das Immunsystem stärkt, weit verbreitet. Dr. Theodoridis: "Es gibt aber keine Studien, die das belegen". Was Forscher aber in einer Studie der Academic Medical Center in Amsterdam 2016 herausgefunden haben: Unter den knapp 3000 Teilnehmern waren die Kaltduscher 29 Prozent seltener krankgeschrieben als die Warmduscher.
  • Kalt duschen kann bei Depressionen helfen

    Auch Ihrer psychischen Gesundheit tun Sie was Gutes: Kaltes Duschen hat eine antidepressive Wirkung. Im North American Journal of Medical Sciences wird 2014 die Wirksamkeit gegen Depressionen mit der erhöhten Ausschüttung von Beta-Endorphinen und Noradrenalin bei kaltem Duschen erklärt. Der Neurotransmitter Noradrenalin reguliert zum Beispiel unsere Aufmerksamkeit, Konzentration und Motivation – Dinge, die depressiven Menschen oft fehlen. Daher wird ein Mangel an dem Botenstoff auch mit Depressionen in Verbindung gebracht. Also: Wenn Sie öfter depressive Verstimmungen haben, kann tägliches kaltes Duschen Ihre Symptome lindern. Jedoch müssen Sie das konsequent über mehrere Wochen durchziehen, denn von heute auf morgen wird sich keine Verbesserung zeigen.

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  • Sie schützen sich vor Keimen

    Ist die Temperatur zu warm, werden es Ihnen höchstens die Keime danken. "Heißes Wasser trocknet die Haut aus – so sind Sie ein gefundenes Fressen für Bakterien", sagt Hygieneexperte Tabori. Besonders, wenn Sie ohnehin schon zu trockener Haut neigen, sollten Sie lieber kalt Duschen – und nicht zu häufig.

3. Darum ist warm duschen gesund

Etwa 45 Prozent aller Deutschen duschen warm, ergibt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid. Dabei hat der Begriff "Warmduscher" kein gutes Image. Warm duschen ist aber besser als sein Ruf - wenn Sie die Temperatur nicht zu hoch schrauben:

  • Warm duschen ist der perfekte Stressabbau

    Wieder mal einen harten Tag beim Job gehabt? Dann ab in die Dusche! Am Abend darf das Wasser auch gerne mal heißer sein. "Durch höhere Wassertemperaturen weiten sich die Gefäße – das sorgt für Entspannung der Muskeln", sagt Hartmann. Bei Dauerstress ist eine warme Dusche am Abend jedoch keine langfristige Lösung, da sonst Ihre Haut darunter leidet.
Abends warm zu duschen ist entspannend und hilft beim Einschlafen
  • Erkältung warm bekämpfen

    Die Dämpfe bei einer warmen Dusche helfen Ihnen dabei, den Schleim in Ihrer Nase zu lösen. "Zudem sollten Sie bei einer Erkältung für Ihr körperliches Wohlbefinden lieber etwas wärmer duschen", rät Dr. Hartmann. Denn wenn Sie krank sind, belastet Kälte Ihr Immunsystem. Tipp: Dusch-Öle mit Eukalyptus und Thymian lösen den Schleim in Ihren Atemwegen noch besser!

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  • Warm duschen hilft beim Einschlafen

    Mal wieder kein Auge zugedrückt? Wenn Sie abends einfach keine Ruhe finden, berieseln Sie sich am besten mit warmen Wasser. Nach einer warmen Dusche sinkt Ihre Körpertemperatur und der Schlafbotenstoff Melatonin wird ausgeschüttet.

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Fazit: Für jede Situation gibt es die richtige Duschtemperatur

Ob warm, kalt oder im Wechsel: Alle Wassertemperaturen beim Duschen haben verschiedene gesundheitliche Vorteile. Wenn Sie Ihr Immunsystem stärken wollen, sollten Sie Wechselduschen bevorzugen. Nach einem stressigen Tag ist warmes Duschen ideal, um runterzukommen. Bei trockener Haut empfehlen wir kaltes Wasser, um Ihre Haut zu schützen.