Wie krank ist der Mann?

Ergebnisse der Men’s Health-Studie zur Männergesundheit 2001

Hamburg, 30. Oktober 2001. Männer haben in Sachen Gesundheit erheblichen Nachholbedarf. Sie schwänzen Vorsorgetermine, gehen krank zur Arbeit und schwindeln beim Arzt. Das ist das Ergebnis der ersten Men’s Health-Studie zur Männergesundheit, die heute im Vorfeld zum zweiten Internationalen Tag des Mannes am 3. November veröffentlicht wurde. Die Männermagazine Men’s Health und Men’s Health BEST LIFE hatten das Institut für Demoskopie Allensbach mit dieser repräsentativen Untersuchung beauftragt, befragt wurden 1071 deutsche Männer ab 18 Jahren. Unterstützt wurde die Studie vom weltgrößten Pharmaunternehmen Pfizer. "Die Ergebnisse erklären endlich mal, warum Männer laut Statistik sechs Jahre früher sterben als Frauen", kommentiert Dr. Frank Hofmann, Chefredakteur von Men’s Health und Men’s Health BEST LIFE.

Gesundheit? Unter ferner liefen
Gesundheit ist für Männer im Leben eher zweitrangig. Nur jeder Vierte interessiert sich besonders für medizinische Fragen (bei Männern unter 35 sind es sogar nur 14 Prozent), für seine körperliche Fitness nur jeder Fünfte. Viel wichtiger sind beispielsweise schöne Frauen und Musik (stehen für 44 Prozent aller Männer im Mittelpunkt), Autos (39 Prozent) und Sex (35 Prozent). Nur rund ein Viertel der Männer nimmt das Angebot medizinischer Vorsorgeuntersuchungen wahr – bei den Frauen sind es etwa doppelt so viele. Wichtige Gesundheitskennziffern sind nur begrenzt bekannt. Ihren Blutdruck und die Sehkraft kennt immerhin noch die Hälfte der Befragten, über ihre Cholesterinwerte wissen nur noch 31 Prozent, über die Blutzuckerwerte 21 Prozent Bescheid.

Kränker als Mann glaubt
Zwei von drei Männern schätzen ihren eigenen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein. Fragt man genauer nach, zeigt sich jedoch, dass fast jeder Dritte an Bluthochdruck leidet oder dies zumindest vermutet, fast jeder Vierte weiß oder glaubt, dass mit seiner Prostata etwas nicht in Ordnung ist. Ebenfalls weit verbreitet: koronare Herzkrankheiten, Hormonstörungen und Depressionen. Jeder fünfte Mann gibt zu, Erektionsprobleme zu kennen. Auch beim Gewicht wollen Männer die Realität nicht wahrhaben: Ein Drittel gibt an, zu Übergewicht zu neigen – in Wirklichkeit sind es doppelt so viele. Die Gefahren für die eigene Gesundheit werden teilweise ebenfalls unterschätzt: Nur 30 Pro-zent sehen einen Herzinfarkt als reale Bedrohung an – dabei sterben mit Abstand die meisten Männer (44 Prozent) an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Wenig verwunderlich, dass die Männer auch daneben liegen, wenn Sie vorhersagen sollen, wie alt sie werden: knapp 79 Jahre, glaubt der Durchschnittsmann. Doch laut Statistischem Bundesamt stirbt er vier Jahre früher (und damit sechs Jahre vor der Durchschnittsfrau).

Krank arbeiten statt gesund werden
Jeder zweite Mann ist in den letzten zwölf Monaten mehrmals arbeiten gegangen, obwohl er krank war. Hauptbegründung: "Ich dachte, es wird von allein wieder besser" (sagen 58 Prozent). Doch auch der Teamgeist spielt eine große Rolle: 45 Prozent der Befragten wollen ihre Kollegen nicht hängen lassen. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, schleppt sich immerhin jeder Fünfte krank zur Arbeit.

Do-it-yourself-Medizin
Rezeptfreie Präparate stehen bei Männern hoch im Kurs. Besonders beliebt sind Vitamin C (nimmt jeder dritte Mann regelmäßig ein), Multivitamin-Präparate (28 Prozent) und Kopf-schmerz-tabletten (27 Prozent). Zwei von drei Männern glauben, so Krankheiten vorzubeugen und die Abwehrkräfte zu stärken. 42 Prozent wollen einen (vermeintlichen) Mangel ausglei-chen, neun Prozent glauben, mit diesen Mitteln länger jung zu bleiben. Und einer von drei Männern geht davon aus, dass rezeptfreie Heilmittel keinesfalls schaden können.

Zum Arzt nur, wenn es unbedingt sein muss
Nur einer von zehn Männern war innerhalb der letzten zwölf Monate überhaupt nicht beim Arzt, die Mehrheit immerhin ein- bis viermal (am häufigsten beim Allgemeinmediziner, Augen-arzt oder Internisten). Allerdings zögern Männer den Arztbesuch so lange wie möglich hinaus – oft zu lange. Fast drei Viertel suchen erst Rat vom Arzt, wenn es ihnen richtig schlecht geht (bei den unter 35-Jährigen sind es sogar mehr als 85 Prozent).
Schuld ist sicherlich auch das Unbehagen beim Arzt, das Männer teilweise empfinden: Ein Drittel geht nur höchst ungern zum Arzt. Hauptgründe: lange Wartezeiten (sagen drei von vier Männern), Angst vor schlechten Nachrichten (22 Prozent) oder vor schmerzhaften Untersu-chun-gen (20 Prozent). Die Hälfte der Männer würde regelmäßiger zum Arzt gehen, wenn sich das positiv auf die Beiträge zur Krankenkasse auswirken würde.

Zu wenig Vertrauen zum Arzt
Mit der Wahrheit nehmen es die Männer beim Arztbesuch nicht immer genau. 42 Prozent geben zu, ärztliche Verordnungen und Ratschläge nicht zu befolgen. Besonders, wenn es um die Ein-nah-me von Medikamenten geht. Der Arzt erfährt vom Nichtbefolgen nur in den seltens-ten Fällen (lediglich neun Prozent geben es hinterher zu). Die Motive, sich nicht an die ärztlichen Verord-nungen zu halten, sind vielfältig: 57 Prozent der Männer glauben, dass es ihnen auch ohne die verordneten Medikamente oder Therapieverfahren wieder besser geht, 39 Prozent haben Angst vor Nebenwirkungen, 25 Prozent halten die verordnete Medika-menten-Dosis für zu hoch.

Der Wunsch: mehr Beratung beim Arzt
Eigentlich sind Männer mit ihrem Arzt zufrieden, starke Kritik äußert nur etwa jeder Zehnte. Am besten schneiden überraschenderweise Zahnärzte ab (67 Prozent der Patienten sind sehr zufrie-den, nur 4 Prozent überhaupt nicht), Chirurgen (66 Prozent /13 Prozent), Allgemeinme-diziner (63 Prozent/6 Prozent) und Internisten (62 Prozent/6 Prozent). Weniger begeistert sind Männer vom Dermatologen (nur 40 Prozent sind mit diesem Arzt sehr, aber 18 Prozent gar nicht zufrieden), Allergologen (41 Prozent/17 Prozent) und Neurologen (43 Prozent/16 Prozent). Die Liste der Wünsche an die deutschen Ärzte ist entsprechend lang: Neben kürzeren Warte-zeiten (für 60 Prozent wünschenswert) und kurzfristigerer Terminvergabe (39 Prozent) wollen die Männer beim Arzt vor allem mehr Beratung und Aufklärung. 36 Prozent hätten gerne ein ausführlicheres Beratungsgespräch durch den Arzt, jeder Vierte möchte über Wirkung und Nebenwirkung von Medikamenten sowie über Erkrankungen intensiver aufgeklärt werden. Rund 15 Prozent würden es begrüßen, wenn der Arzt sie erinnert, dass es wieder Zeit für eine Kontrolluntersuchung ist.

Alle Ergebnisse (inklusive der Grafiken) sowie Fotomaterial zu Men’s Health und Men’s Health BEST LIFE finden Sie unten angehängt. Die Ergebnisse als PDF-Datei für den Acrobat-Reader und die Fotos als JPEGs.

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