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Für ein starkes Immunsystem
Zu viel Alkohol getrunken? Der regelmäßige Konsum hat schwerwiegende Auswirkungen auf Ihre Gesundheit Syda Productions / Shutterstock.com

Folgen von Alkoholkonsum So schadet Alkohol deinem Körper

Gesund durch die Corona-Krise Zahlen belegen: Der Alkoholkonsum steigt seit der Corona-Krise. Wir erklären, welche Folgen zu viel Alkohol auf dein Immunsystem hat, und wie du es schaffst, weniger zu trinken

Seit Beginn der Corona-Krise kaufen die Deutschen deutlich mehr Alkohol als üblich. Laut den Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gingen im März 2020 - im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 - über ein Drittel mehr Wein über deutsche Ladentheken. Auch der Verkauf hochprozentiger Spirituosen wie Gin oder Korn verzeichneten einen Zuwachs von 31,2 Prozent.

In diesem Artikel:

Klar, vor Corona trank man mehr in Bars und Restaurants. Dennoch vermuten Drogenexperten, dass häusliche Isolation und Angst vor Ansteckung oder um den Arbeitsplatz den Alkoholkonsum in die Höhe treiben. Doch der wirkt sich kontraproduktiv auf deine Gesundheit aus. Wir erklären, wie Alkohol deinem Körper schadet und wie du es schaffst, weniger zu trinken.

Wie schadet Alkohol dem Immunsystem?

Indem es die Immunabwehr blockiert: Zum einem werden die weißen Blutkörperchen, die so genannten Fresszellen, die beim Eindringen von Viren und Bakterien an vorderster Front stehen, durch Alkohol lahmgelegt. Das hat überdies zur Folge, dass auch der körpereigene Botenstoff Interferon ausgebremst wird, der im Falle einer drohenden Infektion für die schnelle Aktivierung des Immunsystems zuständig ist. Auch scheidet der Körper nach dem Konsum von Alkohol vermehrt Mineralien und Vitamine wie Kalium und Vitamin C aus, die wichtige Bausteine eines gut funktionierenden Immunsystems sind.

Kann Alkohol Corona-Viren abtöten?

Ganz klar nein! In den Sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte, wonach das Trinken hochprozentigen Alkohols angeblich Corona-Viren abtöten könnte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor diesem "gefährlichen Mythos". Denn das Gegenteil ist der Fall: Zu viel Alkohol schwächt das Immunsystem und macht somit sogar anfälliger für die Lungenkrankheit Covid-19.

Häusliche Isolation steigert häufig den Alkoholkonsum
Ivan Kruk / Shutterstock.com
Häusliche Isolation steigert bei nicht wenig Männern den Alkoholkonsum

Natürlich schaden ein oder zwei Bier ab und zu nicht wirklich deiner Gesundheit. Ab wann der Konsum riskant ist und welche weiteren Folgen zu viel Alkohol hat, erklärt Prof. Dr. med. Florian Eyer, Leiter der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Wieviel Alkohol ist schädlich?

Auch beim Alkoholkonsum gilt: Die Dosis das Gift. Daher hat die WHO bestimmte Grenzwerte festgelegt, die du nicht überschreiten solltest, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Die Grenzwerte für einen tolerablen Konsum liegen bei 24 Gramm reinem Ethanol (bei Frauen 12 Gramm) pro Tag. Überschreitest du die Grenze, liegst du im riskanten Bereich und setzt deine Gesundheit aufs Spiel. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch ein geringerer Konsum von Alkohol negative gesundheitliche Auswirkungen haben kann.

Wer jeden Tag trinkt, wird zudem schnell süchtig nach der täglichen Dosis Alkohol. International wird daher empfohlen, an 2 bis 3 Tagen pro Woche ganz auf Alkohol zu verzichten. Eine Maßnahme, über die du nachdenken solltest, angesichts von zirka 74.000 Menschen, die in Deutschland jährlich an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums sterben – Unfalltote und Gewaltverbrechen nicht mit eingerechnet.

Die Grenzwerte für einen tolerablen Alkoholkonsum sind schnell überschritten, mit fatalen Folgen
Oleksandra Naumenko / Shutterstock.com
Die Grenzwerte für einen tolerablen Alkoholkonsum sind schnell überschritten, mit fatalen Folgen

Wie schnell die Grenzwerte erreicht werden, zeigen folgende Beispiele: Ein großes Glas Bier (500 ml) mit 5 Prozent Alkoholgehalt enthält 20 Gramm Alkohol. Ein kleines Glas Whiskey (4 cl) 13 Gramm, ein kleiner Gin-Tonic (200 ml) 10 Gramm und ein Mojito (300 ml) knapp 20 Gramm. Genießt du jeden Abend zwei kleine Flaschen Feierabendbier à 330 ml, hast du die Grenzwerte bereits überschritten.

Verringert Alkohol die Potenz?

Whiskey gilt als das Getränk echter Männer und strahlt Männlichkeit, Macht und Sex-Appeal aus. In Wahrheit bewirkt der Alkohol genau das Gegenteil, denn der Konsum von Alkohol kann die Potenz verringern. "Alkohol schränkt die Durchblutung ein und hat einen Einfluss auf die Hormonentwicklung", erklärt Eyer. "Zudem wirkt Alkohol auf den Hoden und beeinträchtigt so die Fruchtbarkeit." Langfristig kann Alkohol zu Leberschädigungen führen. Dadurch verliert deine Leber die Fähigkeit, das weibliche Sexualhormon Östrogen effektiv abzubauen. Gleichzeitig nimmt die Testosteron-Konzentration ab. Die Folge: Testosteronmangel und eine verringerte Libido. 

Aber auch das Feierabendbier kann Auswirkungen auf dein Stehvermögen haben. Wirkt Alkohol in geringen Mengen enthemmend, so beeinträchtigt er bereits ab einem Blutalkoholspiegel von zirka 0,4 Promille die Erektionsfähigkeit. Solltest du heute Abend also ein romantisches Tête-à-Tête geplant haben, verzichte lieber auf Alkohol oder trinke nur eine ganz geringe Menge.

Tote Hose? Das könnte an ihrem Alkoholkonsum liegen.
Kaspars Grinvalds / Shutterstock.com
Tote Hose? Das könnte an deinem Alkoholkonsum liegen.

Führt Alkohol zu einem Bierbauch?

Alkohol ist ein echter Dickmacher! Verzichte lieber auf Bier, Wein, Spirituosen und andere Sorten Alkohol, wenn du nicht möchtest, dass sich deine Bauchmuskeln im Speckmantel verstecken. Deine Gesundheit wird es dir gleich doppelt danken, denn Alkohol selbst führt nicht nur zu gesundheitlichen Schäden, sondern auch das entstandene Übergewicht wiederum begünstigt zahlreiche Krankheiten.

  • Alkoholische Getränke enthalten viele Kalorien: Ein Gramm Alkohol enthält 7 Kalorien, das sind fast so viele Kalorien wie ein Gramm Fett enthält (9 Kalorien). So wundert es nicht, dass ein Bier (500 ml) 215 Kalorien enthält, ein Glas Weiß- oder Rotwein (200 ml) zirka 150 Kalorien und ein Caipi (300 ml) 322 Kalorien. Nach ein paar Getränken hast du also schon die Kalorien einer ganzen Mahlzeit vertrunken. Doof nur, dass Alkohol auch noch hungrig macht.
  • Alkohol lässt dich zur Raupe Nimmersatt werden: Das kommt daher, dass Alkohol im Gehirn bestimmte Areale stimuliert, die an der Entstehung des Hungergefühls beteiligt sind. So werden spezielle Hormone und Neurotransmitter freigesetzt, die hungrig machen. Durch die dehydrierende Wirkung des Alkohols verliert der Körper außerdem wichtige Salze, wodurch ein Appetit auf deftiges und salziges Fast Food entsteht. 
Alkohol ist ein echter Dickmacher!
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Alkohol ist ein echter Dickmacher!

Ab wann tötet Alkohol Gehirnzellen?

Alkohol gilt, unabhängig vom Alter, als Hauptursache für Demenz. "Menschen, die regelmäßig größere Mengen Alkohol konsumieren, bauen im Alter kognitiv ab", so unser Experte. "Sie sind nicht mehr so leistungsfähig und können sich schlecht konzentrieren." Dennoch ist es eine Frage der Menge, ob Gehirnzellen absterben. Liegst du unterhalb der WHO-Grenze, ist es nicht zu erwarten, dass Gehirnzellen absterben. Konsumierst du größere Mengen, entstehen jedoch Schäden am Nervensystem und am Gehirn.

Die gute Nachricht: Deine kognitiven Fähigkeiten können sich wieder verbessern, wenn du dem Alkohol entsagst. Das funktioniert jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Hast du bereits Schädigungen, lassen sich diese nicht mehr rückgängig machen.

Führt Alkohol zu Leberschäden?

Alkohol gilt als Zellgift und wird über die Leber abgebaut. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Leber Schaden nimmt, wenn sie regelmäßig mit Alkohol überschwemmt wird. Die Folgen können dramatisch sein.

  • Alkoholische Fettleber: Regelmäßiger Alkoholkonsum verändert den Stoffwechsel der Leber und ihre Struktur. Das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd schädigt die Leberzellen und führt zu einer Verfettung der Leber. Die Leber ist dann weniger in der Lage, Fett abzubauen, während die Fettsynthese gesteigert wird. Und das ist gar nicht mal so selten: "Chronisch Alkohol-Trinkende, die deutlich oberhalb der Grenzwerte liegen, entwickeln zu 90 Prozent eine Fettleber", so unser Experte. Hinzu kommt, dass eine unbehandelte Fettleber zu einer Leberzirrhose führen kann.
  • Leberzirrhose: Wird weiterhin Alkohol konsumiert, können Entzündungen entstehen und Leberzellen werden durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber vernarbt und schrumpft, es entsteht eine Leberzirrhose. Das hat gefährliche Auswirkungen, denn durch die eingeschränkte Funktion der Leber ist auch der Hormonhaushalt und die Blutgerinnung gestört. Zudem können Giftstoffe nicht mehr richtig abgebaut werden und dadurch ins Gehirn gelangen. Langfristig vergiftet der Körper sich selbst.
  • Sorge vor: Sobald du dem Alkohol entsagst, kann sich eine Fettleber regenerieren. Durch eine ausgewogene Ernährung und genügend Sport kann deine Leber wieder gesund werden. Besteht jedoch schon eine Leberzirrhose, ist deine Leber bereits so stark geschädigt, so dass sie sich, selbst bei Alkoholabstinenz, nicht mehr erholen kann. Lass es nicht so weit kommen!
Alkohol schädigt die Leber und begünstigt eine Leberzirrhose
Emily frost / Shutterstock.com
Alkohol schädigt die Leber und begünstigt eine Leberzirrhose

Führt Alkohol zu Herzkrankheiten?

Beim Genuss von Alkohol werden die Stresshormone Cortisol und Noradrenalin ausgeschüttet. Diese bewirken eine Erhöhung des Blutdrucks. Bluthochdruck begünstigt jedoch zahlreiche Herzerkrankungen. So schädigt Bluthochdruck die Gefäße und führt zur Arteriosklerose, einer Verkalkung der Blutgefäße. Dadurch erhöht sich unter anderem die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall, Herzinfarkt, eine Herzschwäche und eine Niereninsuffizienz zu erleiden.

Erhöht Alkohol das Krebsrisiko?

Nach einer durchfeierten Nacht wachen viele mit einem Kater auf. Ein brummender Schädel, Übelkeit und Schwindel erinnern an die Drinks vom letzten Abend. Schuld daran ist unter anderem das Acetaldehyd, das beim Abbau von Alkohol entsteht. Der Alkohol wird in der Leber durch die Alkohol-Dehydrogenase (ADH) zu Acetaldehyd umgewandelt, bevor es dann zu Acetat verstoffwechselt wird. Das Acetaldehyd führt jedoch zu Schädigungen an der DNA und kann gleichzeitig zu Mutationen führen, der Hauptursache für Krebserkrankungen.

"Insbesondere die hochprozentigen Alkohole sind für die deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit an Karzinomen im Rachen, Kehlkopf und der Speiseröhre verantwortlich", erläutert Prof. Eyer, "Schon niedrigere Mengen Alkohol erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung."

Wie schaffe ich es, weniger Alkohol zu trinken?

Angst und Stress sind häufige Auslöser, die zu einem kontinuierlich sich steigernden Alkoholkonsum führen. Mit diesen 5 Tipps schaffst du es, die Suchtspirale zu durchbrechen:

  1. Führe ein Alkohol-Tagebuch: Notiere dir genau, welchen Alkohol du in welchen Mengen pro Tag zu dir nimmst. Wenn du erstaunt bist, wie viel du tatsächlich trinkst, wird dir schnell klar sein, dass du etwas unternehmen musst.
  2. Erstelle eine Pro- und Contra-Liste: Schreibe auf, welche Vor- und Nachteile das Trinken für deine Gesundheit hat (Argumente findest du oben in unserem Artikel), aber auch, wie zu viel Alkohol deine Beziehung beziehungsweise dein Familienleben beeinflusst, deine Arbeit, deinen Schlaf oder deine Psyche.
  3. Setz dir Ziele: Es gibt viele Zwischenziele, die helfen, deinen Alkoholkonsum langfristig zu reduzieren. Nimm dir z.B. vor, nur noch an vier Tagen in der Woche zu trinken, lege die alkoholfreien Tage genau fest. Lege zudem fest, was du trinkst und wie viel. Wechsele häufiger zu weniger alkoholhaltigen Getränken oder probiere mal alkoholfreies Bier aus.
  4. Lerne alternative Entspannungstechniken: Alkohol hilft dir womöglich, schnell Stress loszuwerden. Doch auf lange Sicht stressen Sucht und die körperlichen Folgen viel mehr. Probiere alternative Anti-Stress-Techniken aus wie Yoga, Meditation oder Tanzen.
  5. Such dir Hilfe: Wenn du merkst, dass du alleine nicht weiter kommst, such dir professionelle Hilfe. Beratungsstellen in deiner Nähe und Online findest du zum Beispiel bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZGA, mehr Tipps findest du zudem auf deren Seite Kenn dein Limit.

Wer sich gelegentlich ein alkoholisches Getränk gönnt, muss sich keine Sorgen machen. Übersteigst du jedoch die Grenzwerte von 24 Gramm reinem Ethanol pro Tag, schadest du deiner Gesundheit gravierend. Deshalb versuche, deinen Alkoholkonsum so gering wie möglich zu halten!

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