Allergischer Schnupfen gegen Pollen ist in den Industrieländern die häufigste Allergie wavebreakmedia / Shutterstock.com

9 Tools gegen Heuschnupfen im Test

Tools gegen Heuschnupfen Pollen-Saison: 9 Anti-Allergie-Tools im Test

Rotlicht-Nasenstecker, Selbsthypnose und andere kuriose Methoden versprechen Allergikern Hilfe bei Heuschnupfen-Symptomen. Was wirklich hilft und was Humbug ist

Die Heuschnupfen-Saison läuft auf Hochtouren und mit ihr die Nasen geplagter Allergiker. Ihr Leidensdruck ist hoch: Ohne Tabletten und Desensibilisierungs-Spritzen werden Aufenthalte in der Natur zur Tortur, an Sport entlang blühender Wiesen ist nicht zu denken. Deshalb tüfteln Wissenschaftler an immer neuen Methoden und Tools, die Heuschnupfen-Symptome lindern sollen. Doch halten sie, was sie versprechen? 9 skurrile Tipps für Allergiker hat Dr. Raman Garcha vom Telemedizin-Portal Fernarzt hier unter die Lupe genommen:

1. Anti-Allergie-Schutzmasken gegen Pollenallergie

Anti-Allergie-Masken aus Polyester mit austauschbaren HEPA-Filtern verleihen dem Gesicht einem den Charme eines Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer, versprechen dafür aber, die Atemwege zuverlässig vor Pollen zu schützen.

Expertenmeinung: Von der British Allergy Foundation wurde z.B. die Polyester-Maske der Marke Respro als allergiefreundliches Produkt ausgezeichnet. Auch Dr. Raman Garcha geht davon aus, dass gute Anti-Allergie-Masken halten, was sie versprechen. Aber: "Allergiker, bei denen auch die Augen betroffen sind, müssten zusätzlich eine Brille tagen", sagt Garcha. Zudem droht Hitzestau im Gesicht.

Fazit: effektiv, aber kaum alltagstauglich. Tipp: Setze bei akutem Pollenflug deine FFP2-Maske auch draußen stets auf.

2. Rotlicht-Nasenstecker (Medinose) gegen Heuschnupfen und allergische Rhinitis

Die tragbaren Nasenstecker bestehen aus zwei Dioden, die in die Nase eingeführt werden. Dort sollen sie mittels Rotlicht-Therapie Heuschnupfen und Allergische Rhinitis bekämpfen. Das Rotlicht soll in den betreffenden Zellen die Histamin-Freisetzung unterdrücken. Medinose-Gerät geben an, allergische Symptome wie tränende Augen und laufende Nase eindämmen zu können.

Expertenmeinung: "Die Nebenwirkungen der Rotlichtbestrahlung im Naseninneren sind derzeit nicht bekannt. Deshalb sind schwerwiegende Nebenwirkungen wie bösartige Wucherungen nicht auszuschließen", sagt Garcha.

Fazit: nicht empfehlenswert.

3. Luftbefeuchter zur Entfernung von Pollen aus der Raumluft

Luftbefeuchter und Luftreiniger gibt es inzwischen von verschiedenen Herstellern, z.B. den Connected von Philips. Die Konsolen lindern mit feuchter Luft und Filtersystemen Heuschnupfensymptome wie Husten und juckende Augen. Viele Hersteller versprechen, bis zu 99 % der in der Raumluft enthaltenen Pollen entfernen zu können. 

Expertenmeinung: Luftbefeuchter und -reininger sind durchaus wirksame Mittel gegen die Pollenbelastung in Innenräumen, meint Fernarzt Dr. Garcha, wenn auch nicht alleiniges Allheilmittel, d.h. die meisten Pollenallergiker werden um Medikamente trotzdem nicht herumkommen.

Fazit: empfehlenswert.

4. Bioresonanztherapie gegen Allergien

Die Bioresonanztherapie (wird nicht von den Krankenkassen bezahlt) verspricht Abhilfe bei Allergien über körpereigene Schwingungen. Das Prinzip dahinter stammt aus der Physik und besagt, dass vergleichbare Frequenzen sich verstärken oder aufheben können. Während der Therapie werden biophysikalische Frequenzen über Elektroden gemessen. Bei Allergie-Patienten misst das Bioresonanzgerät seine Allergie-Frequenz, verarbeitet sie und gibt sie als Anti-Allergie-Frequenz an den Patienten zurück. Der Körper des Patienten soll über mehrere Sitzungen hinweg lernen, die Frequenz des Allergens nicht mehr als schädlich zu identifizieren. 

Expertenmeinung: "Der Ärzteverband Deutscher Allergologen sieht das so wie ich: Mit solchen 'Heilpraktiken kann man eine Allergie nicht in den Griff bekommen'", sagt Garcha.

Fazit: nicht empfehlenswert.

5. Pollen-Barriere-Balsam bei allergischem Schnupfen

HayMax zum Beispiel ist ein organischer Nasen-Balsam, der um die Ränder der Nasenflügel aufgetragen wird. Dort soll er als Barriere für Allergieauslöser wirken: Pollen & Co. würden daran festkleben und auf diese Weise gar nicht erst in die Nase gelangen.

Expertenmeinung: "Gerne können Hilfsmittel wie dieses mit einem Heuschnupfen-Nasenspray oder einer Anti-Allergie-Tablette kombiniert werden", sagt Garcha, "Wichtig ist es aber, die Pollen von vorn herein von sich fern zu halten."

Fazit: In Kombination mit anderen Mitteln durchaus empfehlenswert.

6. Darmspülung gegen Pollenallergien

Unbestritten ist: Unser Darm spielt eine zentrale Rolle für das Immunsystem unseres Körpers. Viele unserer Großmütter schwören noch auf eine Darmspülung zur Abwehr von Krankheiten. Anwender der so genannten Colon-Hydro-Therapie gehen davon aus, dass der Darm durch schlechte Ernährung empfänglicher für Allergien wird. Sie empfehlen den Darm wiederholt mit mehreren Litern Wasser zu spülen, zum Beispiel mit einem Darmspül-Set, um Keime zu entfernen und das Immunsystem zu stärken.

Expertenmeinung: Darmreinigungen sind im Handling nicht so einfach. Ungeübte können leicht die Darmwand verletzen. Auch drohen Übelkeit und Kreislaufprobleme. "Besser für die Darmflora ist eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls Bakterienkulturen", sagt Garcha, "Eine starke Allergie wird man aber auch damit nicht heilen."

Fazit: nicht empfehlenswert.

7. Selbsthypnose gegen Heuschnupfen-Beschwerden

In einer Studie an der Universität Basel wurden 66 Allergikern Hypnosetechniken beigebracht – mit Erfolg. Symptome wie eine verstopfte Nase konnten sichtbar gelindert werden. Die Baseler Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Hypnose den Blutfluss in der Nase beeinflusst und dadurch die Verstopfung reduziert hat.

Expertenmeinung: "Gut möglich, dass die Hypnose unterstützend wirken kann", sagt Garcha, "Wer an einer starken Allergie leidet, wird diese aber nicht allein durch Hypnose eindämmen können."

Fazit: Eine Besserung der Begleiterscheinungen eines Heuschnupfens ist möglich.

8. Anti-Allergie-Staubsauger gegen Pollen und andere Allergene

Spezielle Staubsauger-Sets für Heuschnupfengeplagte bietet z.B. die Firma Dyson mit dem Allergy 2 an. Der besonders weiche Bürstenaufsatz soll nicht nur Staub, sondern auch andere Allergene besonders gut aufsaugen können.

Expertenmeinung: "Grundsätzlich ist es absolut richtig, die eigene Wohnung regelmäßig zu säubern und so die Pollen von Oberflächen und aus Teppichen zu entfernen", sagt der Fernarzt, "Ob dafür eine extra Bürste notwendig ist, ist allerdings fraglich."

Fazit: Eine Verbesserung der Allergie-Symptome ist möglich.

9. Heuschnupfen-Sonnenbrillen mit grünen bzw. türkisen Gläsern

Grün- und türkisfarbene Sonnenbrillen-Gläser sollen beruhigend wirken und bei der Regeneration helfen. Einige Sonnenbrillenhersteller werben mit der Minderung von Allergiesymptomen.

Expertenmeinung: "Brillen sind generell kein schlechter Tipp, um den Kontakt mit Pollen zu reduzieren", sagt Garcha, "Allerdings hat allein die Farbe leider keinen Einfluss auf die Beschwerden."

Fazit: Eine Linderung der Allergie-Symptome ist eher unwahrscheinlich. Ob das bei Hausstauballergien anders ist, erfährst du hier.

Wen im Frühjahr regelmäßig tränende Augen, eine tropfende Nase und ein kratzender Hals plagen, ist schnell bereit, ausgefallenen Mitteln gegen Heuschnupfen eine Chance zu geben. Doch Vorsicht: Einige gefährden deine Gesundheit, andere kosten viel Geld, ohne wirklich Linderung zu verschaffen. Mit manchen allerdings kann man durchaus Verbesserungen erzielen. Doch es bleibt dabei: Wer stark unter Allergie-Symptomen leidet, wird wohl um Medikamente nicht herum kommen.

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