Mehr Me-Time für Väter

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Work-Family-Balance Me-Time: Warum Pausen für alle wichtig sind

Family first ist heutzutage das Motto vieler Väter. Dabei vergessen Männer oft sich selbst und bleiben hinter ihren Erwartungen zurück. Unser Experte plädiert deshalb für Family second

„Ich bin der Meinung, die Familie sollte nicht an erster Stelle stehen“, sagt Jörg Kundrath aus Biberach, Coach für Unternehmer (www.mindsetmovers.de) und Vater von drei Kindern. Er findet das Motto "Family first", mit dem sich viele Väter in ihren Social-Media-Profilen schmücken, nicht ideal. Kundrath plädiert deshalb für "Family second". Das neue Motto des Coaches lautet: Me first.

Was bedeutet Family First?

Der Hashtag #familyfirst ist in Social-Media-Kreisen sehr beliebt. 17,6 Millionen Einträge gibt es alleine dazu bei Instagram. Der amerikanische Multiunternehmer Gary Vaynerchuk, Vater von zwei Kindern, hat es sogar in seinem Twitter-Profil stehen, so dass es dort seine zwei Millionen Follower auf den ersten Blick sehen können. "Die Kernaussage davon ist, dass Familie über dem Beruf steht", sagt Business-Coach Kundrath, der auch Host des Podcasts "Familienmensch" ist. "Aber es gibt etwas, das noch wichtiger als die Familie ist."

Was ist überhaupt Me-Time?

"Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder selbst sich an erste Stelle setzen sollte", sagt Kundrath und erklärt auch warum: "Viele wollen ein liebevoller Vater sein und gleichzeitig Erfolg im Beruf haben, beides können sie aber nur erreichen, wenn sie körperlich wie mental in der Verfassung sind, diese Ziele auch zu erreichen." Deshalb brauchen sie am Tag auch Zeit, die sie exklusiv für sich haben: Me-Time. Oder auf gut Deutsch: Ich-Zeit. Kundrath: "Man kann an seine Belastungsgrenze kommen, aber man darf nie an den Punkt kommen, wo man sich komplett vernachlässigt." So nimmst du eine Auszeit.

Wieso ist Me-Time wichtig?

Kundrath: "Ambitionierte Väter stellen oft Beruf und Familie über sich selbst und beuten sich damit aus." Dass das auf Dauer schädlich für jeden ist, versucht der Coach an einem Beispiel aus dem Luftverkehr zu verdeutlichen: "Bei den Sicherheitsanweisungen im Flugzeug heißt es ja immer, dass man im Falle eines Druckabfalls in der Kabine erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen soll, bevor man anderen Passagieren hilft." Das heißt: Erst, wenn man für sich selbst gesorgt hat, kann man auch für andere da sein. Zudem hat auch unsere Leistungsfähigkeit ihre Grenzen. "Wie das Handy, das wir ganz selbstverständlich immer wieder ans Ladekabel anschließen, müssen wir auch uns selbst regelmäßig aufladen"“, erklärt der Berliner Psychologe René Träder, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat. In "Das Leben so: Nein! Ich so: Doch!" beschreibt er 8 Bausteine für ein stabiles Leben, die dabei helfen können, besser mit Stress und Krisen umzugehen.

Wie kann meine Me-Time auch meiner Familie weiterhelfen?

Das die eigene Erholung auch der Familie zu Gute kommt, ist für Coach Kundrath nur die logische Konsequenz: "Kinder haben nichts davon, wenn ihr Vater unausgeglichen, gestresst oder unglücklich ist. Das spüren die Kinder und hat auch negative Auswirkungen auf ihr Leben."

Wie viel Me-Time sollte ich mir am Tag nehmen?

"Viele meiner Coaching-Kunden fühlen sich zerrissen und sind der Meinung, dass sie niemanden gerecht werden, weder der Familie, noch dem Arbeitgeber", sagt Kundrath. Me-Time kann hier ein Ausweg sein. Kundraths Slogan "Me first" heißt übrigens nicht, egoistisch zu handeln: "Meine Idee hat nichts mit Egoismus zu tun, sie besagt nur, dass man immer bei sich selber anfangen soll – das beginnt mit ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung. Seiner Meinung nach reichen darüber hinaus schon zum Start 15 Minuten am Tag, um sich zu sammeln und später eine gute Zeit mit der Familie, aber auch mit den Kollegen zu haben. Hat man diese 15 Minuten erstmal fest in seinen Alltag integriert, kann man die Zeit immer noch erhöhen.

Was mache ich in meiner Me-Time?

"In der Me-Time geht es darum, auf sich zu achten, sich wahrzunehmen und zu reflektieren, ob man in der bestmöglichen Verfassung ist, um den anderen in der Familie hilfreich dienen zu können", sagt der Job-Coach. Überdenke deine Gewohnheiten und frage dich, ob die Routinen, die du hast, dir wirklich gut tun. Frage dich beispielweise: Entspannt mich Binge-Watching wirklich? Wenn man noch keine bewusste Me-Time-Routine hat, empfiehlt Kundrath mit folgenden einfachen Routine anzufangen.

Nutze ein Tagebuch: Schreibe jeden Tag drei neue Dinge auf, wofür du dankbar bist. Notiere zudem in 2 bis 3 Sätzen dein Highlight der letzten 24 Stunden und beantworte dir selbst die Frage, was du gut gemacht hast. Das bringt den Fokus auf die Dinge, die positiv sind im Leben und bringt den Tagebuchschreiber in eine positive Grundhaltung. Kundrath: "Der Effekt ist vor allem dann spürbar, wenn man es konsistent macht. Da man gezwungen ist, jeden Tag neue Dinge zu finden, für die man dankbar sein könnte, fängt man automatisch im Alltag an, die Umgebung abzusuchen. Das führt dazu, dass man in jeder Situation auch Dinge erkennen wird, die positiv sind."

Mach eine Mini-Meditation: Nachdem du dein Tagebuch zur Seite gelegt hast, nimmst dir 5 Minuten und mache eine Mini-Meditation. Gerne mit Apps wie Headspace oder Calm, die einem sehr gut beim Einstieg helfen können. Auch auf YouTube gibt es unzählige sehr gute geführte Meditationen. "Diese zwei Schritte dauern nicht länger als 10 bis 15 Minuten und sorgen dafür, dass du mehr zur Ruhe kommst und bewusst wahrnimmst, was in deinem Leben passiert", sagt der Coach. Das musst du beim Meditieren unbedingt beachten.

Komm in Bewegung: Kundrath selbst integriert auch Sport in seine Morgen-Routine. "Ich absolviere morgens ein leichtes Sportprogramm von 8 Minuten, das etwa Liegestütze und Planks umfasst." Zweimal die Woche geht er zudem joggen. Wer noch ambitionierter dieses Thema angehen und etwas Übergewicht verlieren will, dem empfehlen wir den 8-Wochen-Trainingsplan "Weg mit dem Papa-Bauch im Home-Gym", den man hier herunterladen kann.

Familiy first oder Family second? Natürlich ist das letztendlich nur eine theoretisch Frage. Auch Jörg Kundrath weiß: "Am Ende des Tages ist es völlig egal, was an erster Stelle und was an zweiter Stelle steht, denn wir haben nur ein Leben. Deshalb sollte man in Endeffekt die Priorisierung rausnehmen." Dieses Thema hat der Business-Coach übrigens auch im "Echten Papas"-Podcast besprochen, hör gerne mal rein!

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