Führungskräfte: Familienfreundliche Karriere

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Führungskraft als Väter Wie jetzt weder die Karriere noch das Kind zu kurz kommt

Wenn Männer in Führungspositionen zum ersten Mal Papa werden, fragen sich viele, wie sie beides unter einen Hut bekommen. Wir haben die Antworten. Plus: Die besten Karriere-Tipps für frischgebackene Väter

"Ich bin gut im Job und habe alle Skills, die man dafür braucht – aber werde ich auch ein guter Papa sein?" Diese Frage von werdenden Vätern hört Robert Frischbier sehr häufig. Der Vater eines kleinen Sohnes ist selbstständiger Berater in Berlin und unterstützt zusammen mit seiner Frau Nadine Pniok und ihrer gemeinsamen Firma 2PaarSchultern Unternehmen und Führungskräfte dabei, familienfreundliche Prozesse einzuführen und zu leben. Auf die Frage oben antwortet der Business-Coach meistens mit folgendem Ratschlag: "Dreh die Frage mal um: Wie bist du denn gut im Job geworden und war das von Anfang an so? Einige Dinge fielen dir sicher leicht und andere Dinge musstest du dir mühsam aneignen. Und war das beim Sport und beim Führerschein nicht genauso? In all diese Sachen bist du doch erst reingewachsen. Eines hatten diese Dinge aber wahrscheinlich gemeinsam, du hattest eine Idee, wie toll es sein würde, wenn du sie eine Zeit lang gemacht hast." Genauso verhält es sich auch mit dem Nachwuchs. Deshalb fragt Frischbier seine Klienten weiter: "Wie wird es sein, wenn du dein Baby auf dem Arm hältst? Wie wird der erste Schultag deines Kindes aussehen? Und was wünschst du dir, soll es als erwachsener Mensch über dich als Vater sagen? Mach dich bereit dafür, dich in diese Richtung zu entwickeln. Sei offen für neue Dinge und schaffe vor allem auch den Raum und die Zeit dafür, denn nichts von alldem, worin du heute gut bist, hast du wahrscheinlich nur nebenbei und mit vielen Kompromissen gemacht."

Abgesehen von der Frage zu Beginn wird der Business-Coach in Seminaren von Führungskräften, die bald Vater werden, oft noch weiter gelöchert. Seine Erfahrung: Der Wunsch der Papas in spe ihre Vaterschaft aktiver zu gestalten, als frühere Generationen es getan haben, ist groß. Hier sind die Antworten auf die häufigsten Fragen, die Männer in diesem Lebensabschnitt haben.

Wie gehen Kollegen und Vorgesetzte damit um?

Was denken meine Kollegen und Vorgesetzten über mich, wenn ich offen über meinen Wunsch nach einer aktiven Vaterschaft rede? "Hier ist es stark davon abhängig, wo dein Unternehmen beim Thema Familienfreundlichkeit heute schon steht. Ich empfehle immer den Austausch mit anderen Vätern und Müttern im Unternehmen. Gerade beim ersten Kind haben Eltern eine große Unsicherheit, wie die Kolleg:innen und Vorgesetzten mit Eltern umgehen. Elternnetzwerke, -stammtische oder einfach Kaffeeküchengespräche sind hier gute Instrumente, um die Stimmung zu erfragen. Wichtig ist hierbei, sich selbst treu zu bleiben. Väter und Mütter sollten ihren eigenen Wunsch nach der aktiven Elternschaft nicht verstecken oder infrage stellen. Dieser Wunsch ist richtig und wichtig. Einen Arbeitgeber wechselt man vielleicht irgendwann, die Familie ist da etwas ganz anderes und die Prioritäten sollten dementsprechend gesetzt werden."

Nimmt mich mein Team noch ernst, wenn ich der Superdaddy bin?

"Nimmt dich dein Team denn als 'Nichtdaddy' ernst? Respekt und Akzeptanz haben nichts damit zu tun, ob du ein Kind hast oder nicht, es sind ganz andere Faktoren, die da reinspielen. Klar, einige Dinge werden sich ändern. Du bist vielleicht nicht mehr so flexibel, nimmst an Freizeitaktivitäten mit dem Team nicht mehr regelmäßig teil oder kommst mit einem Milchfleck am Kragen ins Büro, aber was hat das nochmal mit Respekt zu tun? Fachlich bleibst du die gleiche Person. Deine Arbeitsweise wird wahrscheinlich sogar fokussierter und effizienter, weil du in anderen Prioritäten denken wirst. Und mal ganz ehrlich, wie cool und selbstverständlich sind die Väter von heute denn bitte? Entwickle für dich selbst eine Vision vom coolen Daddy, der auch im Job Spaß hat und gut ist und sorge dafür, dass du dich in diese Richtung weiterentwickelst. Sprich im Kollegenkreis offen über Herausforderungen, aber auch über die schönen Seite deiner Elternschaft, um bei denen, die sich schwer mit deiner neuen Rolle tun Verständnis aufzubauen."

Ist Elternzeit hinderlich für mein berufliches Vorankommen?

"Nach wie vor gibt es in vielen Bereichen der Arbeitswelt die so genannte gläserne Decke. Das Phänomen also, dass Mitarbeiter, die sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden und dies auch offen gegenüber dem Arbeitgeber kommunizieren, bei weiteren Karriereschritten übergangen werden (gleiches gilt natürlich auch für Mütter). Was ganz klar nach Diskriminierung klingt, war und ist vielerorts gängige Praxis, denn sowohl die Rechtslage als auch die Beweisführung machen ein Vorgehen dagegen schwer. So weit, so schlecht. Soll man sich deshalb jetzt gegen eine aktive Vaterschaft und gegen längere Elternzeiten entscheiden? Auf keinen Fall. Denn verschiedene Faktoren stärken Müttern und Vätern heute den Rücken. Zum einen gibt es die Bestrebung, die Elternschaft als Diskriminierungsmerkmal ins Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen. Heißt: Künftig könnte es eine eindeutige Rechtsgrundlage geben, um gegen die gläserne Decke vorzugehen. Viel stärker wirken aber heute schon der Fachkräftemangel und die gesellschaftliche Entwicklung auf die Arbeitgeber. Qualifizierte und gleichzeitig motivierte und arbeitswillige Arbeitnehmer auszuschließen, ist ein Luxus, den sich kaum eine Branche in Deutschland mehr leisten kann. Unternehmen, die heute noch anders agieren, haben das schlicht noch nicht erkannt. Spätestens beim nächsten eindeutigen Eintrag auf mit dem Hinweis auf 'Familienunfreundlichkeit' werden viele künftige Bewerber abgeschreckt und der langfristige Schaden für das Unternehmen spürbar sein."

Kann ich Führungsrolle und Vaterschaft gleichermaßen gut ausfüllen?

"Stell diese Frage auf keinen Fall an den Anfang deiner Überlegungen. Sie impliziert, dass du dich zwischen Kind und Karriere entscheiden musst. Sehr oft starten meine Gespräche mit Berufseinsteigern genau mit dieser Frage. Wenn du Vater wirst, stehen dir Herausforderungen und Veränderungen bevor. Etwas anderes zu sagen, wäre gelogen. Du musst Fähigkeiten erlernen und entwickeln, die du nicht hast, du schläfst in den ersten Monaten (vielleicht sogar Jahren) weniger und du wirst vom Rhythmus eines anderen Menschen mehr oder weniger fremdbestimmt. Das heißt auch, dass es eine Phase geben wird, in der du nicht so arbeiten kannst, wie du es von dir selbst gewohnt bist. Das heißt aber auch, dass es allen Führungskräften so geht, die Eltern werden und dass jedes Team, jedes Unternehmen darauf vorbereitet werden kann. Wie jeder andere Mitarbeiter auch müssen Führungskräfte in ihrer Elternschaft vom Unternehmen unterstützt werden – organisatorisch wie emotional. Sei bereit, diese Unterstützung zu erfragen und auch anzunehmen."

Wird noch Platz sein für Beziehung, Hobbys, Freunde und Sport?

"Es klingt vielleicht zu einfach, aber das liegt an dir. Wenn du dir die Frage so stellst, wie es hier der Fall ist, dann betrachtest du Beruf und Familie als fixe Positionen in deinem Leben und alles andere als Variablen. Lange Zeit verstand man auch genau das unter dem Motto Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beschäftige dich mit dem, was heute als neue Vereinbarkeit oder Work-Life-Balance bezeichnet wird. Da geht es nämlich genau darum, wie du deine Lebensumstände, -entscheidungen, Familie, Hobbys, Ehrenämter, Job, Freunde und vor allem dich selbst im Alltag nicht verlierst. Denn all das macht dich aus und hat dich zu der Person gemacht, die du heute bist. Auch hier wirst du merken, dass sich deine Prioritäten schon von ganz alleine verschieben, wenn du Vater wirst. Dennoch wird es Möglichkeiten geben, die anderen Dinge nicht dauerhaft aus den Augen zu verlieren. Dazu kann ich auch ein Buch empfehlen, nämlich den Titel "Eltern als Team: Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit“ von Birk Grüling."

Können Skills, die ich als Vater erworben habe, auch für den Job nützlich sein?

"Dein ganzes Vaterwerden und Vatersein sollte dir eigentlich als Weiterbildung angerechnet werden. Du merkst es selbst vielleicht gar nicht, aber du entwickelst jede Menge Fähigkeiten durch die Elternschaft, die du auch im Joballtag nutzen kannst. Denk doch nur mal an die Motivation: Kinder sind häufig nicht auf Anhieb an Tätigkeiten und Ausflügen interessiert, umso motivierender müssen die Eltern hier agieren können. Ist das bei Mitarbeiter:innen nicht manchmal ähnlich? Genau wie die Budgetierung: Kostenoptimierung und Ressourcenplanung sind in den meisten Familien so selbstverständlich wie notwendig. Oder Marketing: Hast du schon mal einem Kleinkind grünes Gemüse schmackhaft gemacht? Und dann ist da ja auch die Verhandlungsführung: Die Kompromissbereitschaft eines Vierjährigen ähnelt in der Regel der eines Schlüssellieferanten mit Monopolstellung."

Budgetierung, Marketing, Verhandlungsführung: Die Aufzählung oben von Robert Frischbier kann unendlich erweitert werden - und sie funktioniert in beide Richtungen. Mehr Impulse von dem Business-Coach erhält man übrigens auch in seinem Podcast.

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