Disneyland Paris: Erfahrungsbericht & Tipps für Väter

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Disneyland Paris: Urlaub inmitten von Prinzessinnen, Traumschlössern und lebendig gewordenen Zeichentrickfiguren © Disneyland Paris

Urlaub in Disneyland Paris So funktioniert Vater-Tochter-Urlaub im Themepark

Urlaub inmitten von Prinzessinnen, Traumschlössern und lebendig gewordenen Zeichentrickfiguren. Unser Autor hat seine kleine Tochter das gemeinsame Reiseziel wählen lassen: Disneyland Paris. Eine gute Idee? Sein Erfahrungsbericht

"Wie lange noch?", fragt mich meine 4-jährige Tochter Lilli. Wir sitzen auf dem Boden in einer abgesperrten Seitengasse der Hauptflaniermeile der Walt Disney Studios, einer der 2 großen Themeparks, die zu Disneyland Paris gehören. Neben mir übt ein kleines Mädchen Klimmzüge an den Geländern, die den Wartebereich einzäunen. Einige Eltern tippen lustlos auf dem Smartphone herum. Ich antworte, was uns die Frau am Eingang vor 2 Minuten gesagt hat: "60 Minuten."

Nein, wir warten nicht vor einem beliebten Thrill-Ride, auch nicht auf den Auftritt irgendeines Megastars. Obwohl, eigentlich doch: Denn in dem Gebäude, vor dem wir ausharren, befinden sich Lillis momentan absolute Superstars: Anna und Elsa aus dem Disneyfilm "Die Eiskönigin". Und um die einmal in "echt" zu sehen, mit ihnen ein bisschen zu plaudern oder ein Foto zu machen, warten wir. "60 Minuten". "Kein Problem", sagt meine Tochter und turnt zusammen mit den anderen Mädchen am Geländer.

Urlaub allein mit kleinen Kindern in einem Themepark?

Ein mehrtägiger Besuch mit kleinen Kindern im Herzstück der kitschigen Kinderunterhaltung ist für einige Eltern sicherlich eine Horrorvorstellung. Tatsächlich höre ich, nachdem wir uns entschlossen haben, für ein paar Tage zu zweit nach Disneyland Paris zu fahren, ein paar der klassischen Einwände. "Ist sie dafür nicht noch zu klein?" "Sind das nicht ein bisschen zu viel Aufwand, Stress und Eindrücke? Die findet doch bestimmt auch den Jahrmarkt super." Natürlich habe ich mir ebenfalls ein paar kritische Fragen gestellt: Erträgt mein Kind so viel künstliche Unterhaltung? Wird es zum Konsummonster im Angesicht der vielen Reize und Versuchungen? Will es dort vielleicht nie wieder weg?

Kinder können hier genau das tun, was ihnen gerade in den Kopf kommt, einfach nur Kind sein
Kinder können hier genau das tun, was ihnen gerade in den Kopf kommt, einfach nur Kind sein
© Marco Demuth

Fakt ist, jeder kennt sein eigenes Kind am besten. Und so war ich mir nahezu sicher, dass der Trip ein voller Erfolg wird. Wir beide mögen Vergnügungsparks und verreisen gerne zusammen – egal ob mit Flugzeug oder auch lange Strecken mit dem Auto. Klar ist es ein wenig stressig, mit einem Kind einen Freizeitpark zu besuchen. Aber es kann auch sehr entspannend sein. Denn insbesondere Disneyland – ein Großteil der Rides und Attraktionen, wie auch die gesamte Infrastruktur – ist sehr auf kleine Kinder ausgerichtet. Es gibt Leih-Buggys, Baby-Care-Center, überall Wickeltische, Kindersitze, Kindermenüs. Heißt: Alles, was man als Eltern nur irgendwie braucht, ist vorhanden. Und für durchgehende Unterhaltung ist auch gesorgt.

Einige Fahrgeschäfte sind zwar nur für größere Kinder und Erwachsene, wer allerdings abgefahrene Achterbahnen mit immer krasseren Loopings sucht, ist in Disneyland ohnehin falsch. Denn die Ursprungsidee des Spaßparks war, einen Ort zu schaffen, an dem Jung und Alt sich gemeinsam amüsieren können. So zumindest soll Gründer Walt Disney das persönlich formuliert haben. Und das funktioniert tatsächlich, wenn man sich als Erwachsener darauf einlässt. Plus: Neben den Rides und Karussells gibt es auch jede Menge andere Dinge zu entdecken: Piratenhöhlen und -schiffe, ein Baumhaus, ein Heckenlabyrinth, den ein oder anderen Spielplatz. Hinzu kommt die Liebe zum Detail: Jedes Haus, jede Laterne, jedes Blumenbeet der unterschiedlichen Themenbereiche ist hier haarklein durchgestylt – bis hin zur passenden Musik, die selbst in den abgelegensten Ecken des Parks mehr oder weniger subtil ins Ohr plätschert. Dass alles nur Fassade oder Fake ist, scheint keinen hier zu stören. Warum eigentlich? "Schau einmal in die Gesichter der Menschen, die du hier siehst", rät mir Giona Prevete, Ambassador von Disneyland Paris. Und tatsächlich: nahezu überall gute Laune. Auch bei Lilli ist die Stimmung gut bis leicht überdreht. Denn Kinder können hier genau das tun, was ihnen gerade in den Kopf kommt, einfach nur Kind sein. Und so tanzt und rennt Lilli bereits an unserem ersten Morgen laut singend durch den Park.

Was hat Disneyland für kleine Kinder zu bieten?

Einiges. Denn auch wenn viele Disneyfiguren schon viele Jahrzehnte alt sind, begeistern Micky Maus, Simba und Arielle auch heute noch viele Kinder. Und auch Disneyland Paris ist nach knapp 30 Jahren und trotz anfänglicher Kritik, einen kitschigen amerikanischen Freizeitpark direkt vor die Tore der ehrwürdigen französischen Hauptstadt zu bauen, immer noch ein Publikumsmagnet. 15 Millionen Besucher waren es laut Statista im Jahr 2019.

Disneyland Paris besteht eigentlich aus 2 Parks, den Walt Disney Studios und dem Disneyland Park. Wobei Letzterer insbesondere im Themenbereich Fantasyland für kleinere Kinder ideal ist. Hier können die Kleinen mit Peter Pan ins Nimmerland fliegen oder in "It's a small World" eine Weltreise per Boot durch Hunderte singender Kinderpuppen unternehmen – heftiger Ohrwurm inklusive.

Alle Attraktionen enthalten zwar klare Alters- und Größen-Empfehlungen, aber auch hier ist jedes Kind unterschiedlich: Nach der abenteuerlichen Fahrt – sozusagen auf Rattengröße geschrumpft – durch Küche und Restaurant des Pixar-Hits "Ratatouille" nimmt Lilli mich zur Seite: "Das machen wir nie wieder, Papa. Versprich es mir!" Lärm und Dunkelheit haben ihr einfach zu viel Angst bereitet. Die Piraten der Karibik – obwohl auch laut und im Dunkeln – findet sie großartig. Das müssen wir sogar mehrmals nacheinander machen. Auch der Laser-Ride von Buzz Lightyear aus "Toy Story", bei dem man aus fahrenden Raumschiffen im Dunkeln mit Laserkanonen Punkte sammelt, hat es ihr angetan. Ihr Highscore: 156.000 (meiner: 30.000). Keine Ahnung, was für ein geheimes Ziel sie da getroffen hat.

Urlaub mit einem kleinen Kind in einem Vergnügungspark kann auch sehr entspannend sein
Urlaub mit einem kleinen Kind in einem Vergnügungspark kann auch sehr entspannend sein
© Marco Demuth

Lillis Laune kann selbst die größte Herausforderung im Park nicht trüben: die Wartezeiten. Denn diese können bei einigen Attraktionen locker mal 60 Minuten oder länger sein. Dagegen hilft leider nur Geduld – und antizyklisches Verhalten. Die App des Parks gibt die Wartezeiten für jede Attraktion in Echtzeit an. Diese regelmäßig zu checken, lohnt sich. Früh am Morgen, abends kurz vor Schluss und während der Mittagszeit ist meist weniger los. Und so raffen wir uns nach einem frühen Abendessen im Hotel (Lillis Idee) noch mal auf, um ein paar der beliebten Attraktionen ohne großes Schlangestehen auszuprobieren. Wichtigster Tipp gegen Wartezeiten: Besser nicht am Wochenende in den Park fahren. Und wer mehrere Tage vor Ort ist, nimmt den Druck, so viel wie möglich an einem Tag machen zu müssen.

Welche Herausforderungen birgt ein Urlaub allein mit Kind?

Wer allein mit Kind verreist, weiß, dass die Orga etwas aufwendiger sein kann, damit der Urlaub auch halbwegs entspannt verläuft. Da ich unterwegs wenig Zeit haben werde, mal eben in Ruhe ein paar Dinge zu organisieren oder zu recherchieren, erledige ich alles vorher. Dazu gehören: Wie genau kommen wir zum finalen Reiseziel und wieder zurück? Was brauchen wir alles (vom Lieblingskuscheltier und Dokumenten bis hin zu Verpflegung und Medikamenten)? Denn vor Ort kann ich nicht mal eben schnell wo hinlaufen, um etwas zu besorgen (zumindest nicht alleine). Selbst Fliegen ist weniger anstrengend, wenn man vorbereitet ist: etwa ein paar Snacks und etwas Ablenkung dabeihat. Das muss nicht zwangsläufig ein Disneyfilm auf dem Smartphone sein. Wir lösen zum Beispiel Rätselbücher. Auch vor Ort gilt übrigens: Mit einem Plan im Kopf (was machen wir, wo essen wir) läuft alles entspannter ab.

Tatsächlich muss und sollte das Verreisen mit dem Kind allein keine Herausforderung sein. Es bedeutet zwar, dass ich einige meiner Interessen zurückstelle. Dafür stehen die gemeinsamen Erlebnisse jetzt im Mittelpunkt. Klar würde ich gerne ein paar Runden in der halsbrecherischen Star-Wars-Achterbahn "Hyperspace Mountain" drehen, aber das ist selbstverständlich ausgeschlossen. Was ich aber überhaupt nicht schlimm finde. Denn die Zeit, die wir 2 zusammen verbringen, ist auch ohne Loopings aufregend.

Ein weiteres Problem können die vielen Verlockungen der Merch-Shops im Park sein. Wir haben vorher vereinbart, dass Lilli sich eine Sache, die ihr besonders gefällt, aussuchen kann. Das geht immerhin so lange gut, bis ein anderes Mädchen, das sie vor Ort kennengelernt hat, genauso ein Kleid trägt, wie sie vor kurzem in einem Geschäft gesehen hat. Das soll es jetzt zusätzlich sein. Unbedingt. Denn sie will als Prinzessin durch den Park laufen.

Micky und Minnie Maus begeistern auch heute noch viele Kinder
Micky und Minnie Maus begeistern auch heute noch viele Kinder
© Marc Piasecki / GettyImages

Einmal Prinzessin sein

Mit diesem Wunsch ist sie nicht allein. Ich sehe Dutzende Elsas, aber auch Schneewittchens und Cinderellas. Klar, nahezu jedes Mädchen möchte mal Prinzessin sein. Auch wenn die dazugehörigen Rollenbilder – insbesondere aus den frühen Disneyfilmen – nach meinem Empfinden überholt sein sollten. Sind die im Park noch sehr präsenten Figuren wie Cinderella überhaupt noch zeitgemäß? Frage ich auch Disneyland-Ambassador Giona Prevete. Der betont, dass auch Disney im Wandel ist. Immerhin setzt der Unterhaltungskonzern mit "Die Eiskönigin" (2013, 2017) und zuletzt "Raya und der letzte Drache" (2021) mehr auf starke, selbstbewusste Frauenheldinnen, die ohne die Hilfe von Prinzen ihr Leben meistern. "Du kannst hier sein, wer immer du auch sein möchtest. Jeder ist willkommen", fügt Prevete hinzu. Das Motto scheinen viele sofort in die Tat umzusetzen: Denn so viele kostümierte und gut gelaunte Erwachsene und Kinder sehe ich sonst nur beim Karneval. Lilli möchte Prinzessin sein und wählt zielsicher ein "Eiskönigin"-Outfit. Ein Besuch in deren Meet-&-Greet-Zuhause scheint daher der passende Abschluss unserer Reise.

Fazit: Der Zauber der Kunstwelt ist ansteckend

Als wir nach über einer Stunde geduldigem Warten endlich in das umgebaute Theater zu Anna und Elsa vorgelassen werden, ist die Aufregung bei Lilli kaum noch zu auszuhalten. Da stört auch nicht, dass ihre beiden Lieblings-Prinzessinnen nur ein paar Brocken Deutsch sprechen, ich dolmetschen muss. Nach gegenseitigen Komplimenten über die Wahl der Garderobe, ein paar gemeinsamen Tanz-Moves und diversen Erinnerungsfotos verlassen wir glücklich den Saal. Ein bekannter Grundsatz der Elternberatung besagt: "Geht's den Eltern gut, geht es auch dem Kind gut." In diesem Fall funktioniert es auch andersherum. Mir geht's sogar ausgezeichnet, denn Lillis Laune ist ansteckend. Auf dem Weg zum Airport gesteht sie mir dann doch, dass sie alsbald hier hinziehen möchte. Was ich vorerst abwenden kann, indem ich verspreche, dass wir wiederkommen. Denn selbst als Erwachsener kann man sich dem Zauber der Disney-Kunstwelt nicht völlig entziehen. Auch wenn wir zwei das nächste Mal erst mal zusammen wieder Outdoor-Urlaub machen werden.

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