So redest du mit Kindern über Krieg

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Mit Kindern über Krieg sprechen © Shutterstock / fizkes

Krisen-Kommunikation Wie spreche ich mit meinem Kind über Katastrophen?

Von Krieg bis Corona: Kinder haben viele Fragen, wenn sich in der Welt eine Tragödie ereignet. So beantwortest du sie altersgerecht

Kriege, Pandemien, Naturkatastrophen, Flugzeugunglücke, Amokläufe… die grauenvollen Nachrichten reißen leider nicht ab. Vieles davon ist schwer zu begreifen, erst recht, wenn man noch ein Kind ist. Aus diesem Grund müssen Eltern ihren Kindern erklären, was da gerade in der Welt (oder vor der eigenen Haustür) passiert. Wie das am besten gelingt, schreibt der Augsburger Generationenforscher und Buchautor Rüdiger Maas zusammen mit der Sonderschulpädagogin Dr. Eliane Perret in dem Ratgeber "Wie ich mit Kindern über Krieg und andere Katastrophen spreche". Hier kommen seine wichtigsten Antworten.

Wie rede ich mit meinem Kind über den Krieg?

Kinder bis 5 Jahre

"Ich muss dem Kind erstmal sachlich und altersgerecht erklären, was es da überhaupt gesehen hat, also den Stand des Kindes abfragen", erklärt Experte Maas. Beispiel: Dein Kind kommt nach Hause und sagt: "Hey Papa, in der Ukraine ist Krieg." Daraufhin musst du fragen: "Weißt du, was die Ukraine ist?" "Nein." "Weißt du, was Krieg ist?" "Nein." Bedeutet: Du musst erstmal das Kind abholen und klären, was das Kind tatsächlich verstanden hat und was es für Fragen dazu hat. Man muss verstehen, was das Kind versteht. Maas: "Wenn ich dann merke, das Kind hat schon viel mitbekommen und schlimme Bilder gesehen, dann muss ich das mit der Wirklichkeit des Kindes erklären." Etwa so: "Manchmal, wenn sich Menschen nicht mögen, streiten sie sich, das hattest du in der Kita auch schon." Stelle zum Beispiel folgende Fragen. "Was weißt du darüber?" "Was verstehst du darunter?" "Welche Bilder hast du gesehen?" "Was genau meinst du damit?".

Kinder von 6 bis 9 Jahre

In seinem Buch erklärt Maas, dass Kinder im Grundschulalter journalistische Beiträge als solche schon einordnen können. Sie wissen, es handelt sich um echte Nachrichten aus der Welt und nicht um einen Film oder eine Serie. Ihnen ist auch bewusst, dass immer irgendwo auf der Welt gerade Krieg herrscht. Im Laufe der Persönlichkeitswerdung entwickelt ein Kind seine moralische Identität. Dann beschäftigen das Kind Fragen wie: Wer hat Schuld? Warum greift das Land das andere Land an? Wird der Krieg bestraft? Wieder solltest du nicht zu sehr ins Detail gehen, aber die Fragen sachlich und altersgerecht erklären. Es ist wichtig, deinem Kind zu vermitteln, dass Kriege nicht immer wieder kommen und dass man versucht, etwas dagegen zu unternehmen.

Kinder ab 10 Jahre

"Nimm dir Zeit, mit deinem Kind ins Gespräch zu komme und zeige, wie du selbst mit all den Informationen einen konstruktiven Weg gefunden hast", rät der Experte. In diesem Alter möchten Kinder aktiv werden und ihren Beitrag leisten, durch Spenden oder Demonstrationen. In dieser Zeit ist oder wird Social Media auch immer wichtiger für Kinder. Maas: "Kinder bekommen das Kriegsgeschehen in anderen Dimensionen mit. Vieles von dem Krieg haben sie über Tiktok live mitbekommen. Wir schauen uns als Erwachsene einen durchdachten journalistischen Beitrag an, mit Auslandskorrespondenten etc. Junge Menschen sehen statt dessen oft Live-Aufnahmen von Betroffenen über Social Media. Das ist eine ganz andere Perspektive. Deshalb müssen wir uns auch damit beschäftigen, was unsere Kinder über Social Media alles mitbekommen können. Dafür müssen wir uns eine erweiterte Medienkompetenz aneignen. Es geht nicht mehr, dass wir uns da außen vornehmen." Tauscht euch gegenseitig über eure Quellen aus, zeig deinem Kind wie du versuchst Fake News zu umgehen. Eine sehr gute Nachrichtenquelle für Kinder ist zum Beispiel "Logo!", die Kindernachrichten vom ZDF und für Teenager "Funk", ein deutsches Online-Content-Netzwerk der ARD und des ZDF.

Wie rede ich mit meinem Kind über andere Katastrophen, etwa Pandemien?

Wie es sich in einer Pandemie lebt, weiß inzwischen jeder, egal wie alt er ist. "Im Gegensatz zu uns Erwachsenen, haben Kinder die Corona-Pandemie deutlich spielerischer aufgenommen als wir", sagt Maas. Tatsächlich wird in vielen deutschen Kitas schon "Testzentrum" gespielt. "Die Pandemie ist direkt hier vor Ort und begleitet die Kinder schon eine Weile", so der Experte. Jüngere Kinder kennen einen Alltag ohne Maske und Co. überhaupt nicht. Daher sind sie an das Leben während einer Pandemie schon gewöhnt und werden bei einer eventuellen erneuten Pandemie, die Herausforderung besser bewältigen als wir. Aber jede neue Pandemie kann natürlich andere Auswirkungen haben (Stichwort Affenpocken), bei aufkommenden Fragen halte dich am besten an die Tipps weiter oben.

Wie rede ich mit meinem Kind über Naturkatastrophen?

Nehmen wir als Beispiel die Überflutung aus dem letzten Jahr. "Das war eine temporäre Angelegenheit, die beschäftige die Kinder nicht so lange", erklärt Maas. Falls deine Kinder aber trotzdem von einer Naturkatastrophe mitbekommen sollten und Fragen haben, verhalte dich ähnlich wie bei den Fragen zum Krieg. Geh auf die Punkte ein, die dein Kind nicht versteht. Bei Naturkatastrophen kannst du auch sehr schnell aktiv werden. Spende mit deinem Kind zusammen, Kleidung und Spielzeug an die Betroffenen.

Sollte ich proaktiv agieren oder abwarten, bis mein Kind auf mich zukommt, um darüber zu reden?

Jein, es gibt auch Kinder, die so etwas gar nicht mitbekommen oder in einem sehr geringen Ausmaß. Das kommt ganz aufs Alter an. Ab 10 Jahren könnte man mit den Kindern auch schon präventiv darüber sprechen. Du musst nur aufpassen, keine Bilder in den Kopf zu setzen, die vorher gar nicht da waren. Wichtig ist, dass du nicht panisch wirst, und irgendwelche Ängste verbreitest.

Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind große Angst vor einem Krieg in Deutschland hat?

Reden hilft, auch hier. Maas: "Ich muss dem Kind erklären, dass es hier in Sicherheit ist. Wir als Eltern müssen ihm Hoffnung geben und Mut machen. Wir dürfen keine potenziellen Gefahren heraufbeschwören." Kann das Kind seine Ängst nicht in Worte fassen, ist es manchmal einfacher, ihm ein Blatt Papier und ein paar Stifte zu geben und es zu bitten, zu malen, was ihm Angst macht. "Kinder können sich manchmal besser mit Bildern ausdrücken als mit Worten", sagt er Experte. Achte im anschließenden Gespräch darauf, nicht zu detailliert das Thema zu besprechen. Laut Maas kann das zu bösen Vorurteilen führen, wie "die bösen Russen." Übrigens: Vermeide den Satz "Du musst keine Angst haben". "Diesen Satz sollte man vermeiden", sagt Maas. "Man benutzt schon direkt das Wort Angst. Dann bekommen die Kinder direkt Angst. Das ist das Gleiche, wie wenn ein Hundebesitzer sagt, der spielt nur. Das ändert nichts, wenn man als Kind Angst hat vor Hunden. Da kannst du andauernd sagen, der tut nichts, ich habe trotzdem Angst."

Fazit: Nimm dir Zeit, alles in Ruhe zu besprechen

Katastrophen sind ein heikles Thema und sollten in Ruhe besprochen werden. Achte darauf, im Gespräch mit deinem Kind sachlich zu bleiben und alle Fragen altersgerecht zu beantworten. Wenn du ängstlich und panisch wirst, merkt dein Kind das und wird selbst ängstlich und panisch. Letzter Tipp: Mach ruhig etwas Positives mit deinem Kind, auch wenn sich gerade eine Katastrophe ereignet hat. Sich ständig mit dem Unglück zu beschäftigen, kann zu belastend werden – für euch beide. Eine Auszeit vom Alltag gibt dir und deinem Nachwuchs den nötigen Abstand, um der momentanen negativen Weltlage mit neuer Kraft entgegenzutreten.

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