Krank durch Sex: Alles über Geschlechtskrankheiten

Kampf gegen HIV
Seien Sie offen im Bett – auch beim Thema Geschlechtskrankheiten

Wie Sie sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen und wie Sie eine mögliche Infektion früh erkennen und behandeln

In diesem Artikel

Geschlechtskrankheiten werden heute genauer als "sexuell übertragbare Infektionen" (Sexual transmitted Infections, kurz: STI) bezeichnet. Der Überbegriff steht für Infektionen, mit denen Sie sich beim Sex anstecken können. Weil diese Infektionen oft mit schwer erkennbaren Symptomen einhergehen, bleiben sie in vielen Fällen unentdeckt und werden unwissentlich weitergeben. Doch keine Sorge: die meisten STI sind mit Medikamenten behandelbar und hinterlassen keine bleibenden Schäden, sofern sie rechtzeitig erkannt werden. Leider sind STI's immer noch ein großes Tabuthema. Niemand spricht gerne über Jucken oder Ausschlag im Schritt, weswegen mit  der Behandlung oft zu spät eingesetzt wird und dann Folgeschäden drohen. 

Wie kann man eine Geschlechtskrankheit kriegen?

Sexuell übertragbare Krankheiten gibt auf der ganzen Welt, einige sind in bestimmten Regionen mehr verbreitet als in anderen. Ausgelöst werden sie durch Bakterien, Viren oder Pilzen. Wer häufig wechselnde Geschlechtspartner hat, läuft höhere Gefahr eine sexuell übertragbare Infektion zu bekommen, als Menschen mit einem festen Sexualpartner. Ungeschützter Sex birgt immer ein Risiko für einer Ansteckung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelte in einer aktuellen Studie, dass sich täglich 1 Millionen Menschen neu anstecken. Allein mit Genitalherpes sind weltweit 500 Millionen Menschen infiziert. Wie genau eine Infektion beim Sex übertragen wird, hängt von der Art der Krankheit ab. Mögliche Ansteckungswege sind beispielsweise:

  • Küssen
  • Oralsex
  • Vaginalsex
  • Analsex
  • Petting

Auch durch infiziertes Sexspielzeug kann eine Krankheit übertragen werden. Die Erreger gelangen entweder per Körperflüssigkeit oder über krankhafte Hautveränderungen über die feuchtwarmen Schleimhäute in den Körper. Solche Schleimhäute, die ein idealer Nährboden für die Erreger sind, sitzen an:

  • Mund
  • Auge
  • Eichel
  • After
  • Harnröhre
  • Schamlippen

Wie gefährlich sind Geschlechtskrankheiten

Ganz abgesehen davon, dass eine STI Ihre Mitmenschen gefährdet, kann eine nicht oder zu spät erkannte Krankheit auch für Sie lebensbedrohlich sein. Unfruchtbarkeit, Krebs und chronische Erkrankungen können die Folge sein. Da eine bestehende Infektion außerdem die Schleimhäute beschädigt, tragen Infizierte ein höheres Risiko, sich zusätzlich mit einer weiteren Krankheit anzustecken.

Welche Krankheiten gibt es und woran erkenne ich sie?

Ein Interview mit Prof. Dr. Hartmut Porst, Facharzt für Urologie in Hamburg, gibt Aufschlüsse:

Die Nahkampfsocke alias Kondom hat Sie im Stich gelassen, als Sie sie am dringendsten brauchten? Und jetzt fürchten Sie, sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert zu haben? Tipp zur Sofort-Hilfe: „Es kann helfen, zu urinieren, so dass Erreger aus der Harnröhre gespült werden“, sagt Prof. Dr. Porst. Spülen Sie Ihren Penis vorsichtig ab, reiben Sie aber nicht daran. Sonst treiben Sie mögliche Erreger in kleine Wunden.

Symptome: Wenn es die Bakterien oder Viren doch geschafft haben, Sie mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren, ist die gute Nachricht: Sie werden die Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen. Bis auf HPV und HIV machen sich die meisten Geschlechtskrankheiten durch Brennen in der Harnröhre und Ausfluss bemerkbar, Herpes durch Bläschen und Geschwüre. „Dann sollten Sie sofort zum Urologen gehen und sich testen lassen“, so Porst.

Wenn die Symptome von selbst wieder verschwinden, ist das leider kein Zeichen von Heilung. „Die Infektion kann weiter gehen und wenn Sie sie verschleppen, kann es zu Folgeschäden kommen“, sagt der Urologe. Und die wollen Sie lieber nicht erleben: „Eine Entzündung der Harnröhre kann dazu führen, dass sie sich verengt und Sie Probleme beim Wasserlassen bekommen“, so Porst. Mit einer aufwendigen Operation muss sie dann wieder geweitet werden. Außerdem kann es zu Nebenhodenentzündungen kommen, die im schlimmsten Fall sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Zudem können die Erreger ins Blut übergehen und Gelenkerkrankungen verursachen. Deshalb: Lassen Sie sich mit Symptomen unbedingt untersuchen.

Untersuchung: „Der Urologe macht einen Harnröhrenabstrich oder prüft das Ejakulat“, so Porst. Beim Harnröhrenabstrich wird eine Art Wattestäbchen in die Harnröhre geschoben und Rückstände daran im Labor untersucht. Häufig sind Mischinfektionen. Bedeutet: Haben Sie sich eine eingefangen, ist die nächste auch nicht weit. „Die Schleimhäute sind dann verletzlicher und damit anfälliger für Infektionen“, erklärt der Urologe. Deshalb rät Porst: „Machen Sie nach drei Monaten unbedingt auch einen Test auf HIV und Hepatitis.“ Erst nach dieser Zeit kann eine Erkrankung festgestellt werden. Die Kosten für die Tests übernehmen die Krankenkassen, wenn Symptome vorliegen. Den HIV-Test zahlen Sie ansonsten selbst. Er kostet zehn bis 25 Euro.

Behandlung: „Die meisten Geschlechtskrankheiten sind mit Antibiotika behadelbar bzw. heilbar  mit Ausnahme der durch Viren übertragenen Krankheiten wie HPV, Herpes und HIV/AIDS“, so Porst. Wenn Sie befürchten, dass Sie sich mit Aids angesteckt haben, können Sie bis zu drei Tage danach eine HIV-Expositionsprophylaxe machen. „Die ist relativ teuer und Sie müssen die Kosten selbst tragen“, erklärt Porst. Heilbar ist die Krankheit nicht, aber: „HIV-Patienten haben heute eine nahezu normale Lebenserwartung.“ Die Behandlung der übrigen Geschlechtskrankheiten dauert durchschnittlich sieben bis zehn Tage. „Zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten zählen Mykoplasmen, Ureaplasmen, Chlamydien, HPV und Herpes“, so Porst. Sie denken, einmal und nie wieder? Leider nicht. „Gegen Geschlechtskrankheiten entwickeln Sie keine Immunität“, erklärt der Urologe. Und noch eine schlechte Nachricht: „Während der Behandlung sollten Sie keinen Sex haben und Ihre Partnerin auf jeden Fall über Ihre Infektion informieren“. Sie befürchten, eine Beziehungskrise heraufzubeschwören? Der Urologe weiß, wie Sie sie beruhigen können: „Chlamydien und Mykoplasmen beispielsweise kann man sich auch im Whirlpool holen“, so der Experte. Auch unhygienische öffentliche Toiletten können ein Übertragungsort sein. Und damit Ihre Partnerin nicht als nächstes Sie wieder ansteckt, sollte sie mitbehandelt werden.

Vorsorge: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich beim Sex mit den gewerblichen Damen was holt, ist viel höher als bei einem One-Night-Stand“. Deshalb gilt besonders im Rotlichtmilieu: Kondom verwenden. Um vor Infektionen sicher zu sein, sollten Sie auch beim Oralverkehr verhüten. Mit einem Lecktuch aus Latex oder einem aufgeschnittenen Kondom auf der Vagina schützen Sie sich nicht nur vor Geschlechtskrankheiten, sondern auch vor Krebs. Wer häufig ungeschützten Oralverkehr hat, kann Mundhöhlen-, Rachen- oder Kehlkopfkrebs bekommen“, erklärt Porst.

Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es rund 30 verschiedene Bakterien, Viren und Parasiten, die Infektionen auslösen können. In der folgenden Liste sind die häufigsten in Europa auftretenden sexuell ubertragbaren Krankheiten aufgeführt.

Pilze (Mykosen)
Zwar sind Frauen viel öfter von Pilzerkrankungen betroffen, aber auch 10 bis 20 Prozent aller Männer leiden an einer Pilzinfektion am Penis.
Symptome: Juckreiz, trockener, roter Ausschlag in der warm-feuchten Falte zwischen Hodensack und Oberschenkel. Später auch offene, wunde Hautstellen, aus denen Flüssigkeit austritt; Krustenbildung.
Ansteckung: Bösewicht ist der Hefepilz Candida albicans, der bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen wird.
Behandlung: „Sorgfältiges Waschen und gründliches Abtrocknen sowie Puder und Pilzsalben, in hartnäckigen Fällen Tabletten, sind die geeignete Behandlung“, empfiehlt Dr. Haydar Karatepe vom Sexualmedizinischen Zentrum in Frankfurt am Main.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Mykosen.

AIDS-Statistik
In den 70er-Jahren ließ die Pille das Kodom als aussehen: die Zahl der Syphilisfälle stieg. Im Zuge der Aids-Aufklärung holte das Kondom wieder auf. Seit einigen Jahren steigt jedoch die Zahl der Infektionen parallel zur Kondom-Müdigkeit wieder.

Syphilis (auch: Lues, harter Schanker)
Früher wurde sie auch die Franzosenkrankheit genannt. Am häufigsten betroffen sind Männer zwischen 30 und 40 Jahren, oft durch gleichgeschlechtlichen Sex.
Symptome: Das Bakterium dringt vor allem über Schleimhäute ein, also an den Genitalien, am After und im Mund. Dort entsteht etwa drei Wochen nach der Ansteckung 3 ein verhärtetes Geschwür, und der benachbarte Lymphknoten schwillt an. Schmerzen treten in Stadium I meist nicht auf. Unbehandelt greift die Krankheit innerhalb von einigen Wochen bis Monaten auf den gesamten Körper über (Stadium II). Es können Gliederschmerzen, Unwohlsein wie bei einer Grippe und Ausschläge auftreten, die oft als Allergien fehlgedeutet werden. „Die Symptome müssen jedoch nicht auftreten“, sagt Thoma-Greber. In Stadium III greifen die Erreger das Nervensystem an, was zu neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen und Lähmungserscheinungen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen führen kann.
Ansteckung: Durch Hautkontakte zu den Geschwüren, die auch innerhalb von Vagina oder Rektum liegen können, und vor allem im Stadium II über Sperma, Scheidenflüssigkeit und Speichel. Kondome schützen weitgehend. Eine Ansteckung über andere Wege als durch Körperkontakt (etwa ein gemeinsames Handtuch) ist extrem unwahrscheinlich. 
Behandlung: Ob eine Infektion vorliegt, kann der Hausarzt mit einer Blutprobe feststellen. „Syphilis spricht prima auf Penicillin an“, sagt Thoma-Greber. Die Behandlung dauert zwei bis drei Wochen. Das Antibiotikum wird meist gespritzt, mitunter täglich.
Sonst noch was? Bis zum Abschluss der Behandlung kein Sex. Der Arzt muss die Krankheit dem Gesundheitsamt (anonym) melden. Warnen Sie Ihre Sexualpartner. Schwangere müssen frühzeitig mit einer Therapie beginnen, um ihr Kind zu retten. Thoma-Greber: „Sonst kann es im ungünstigsten Fall zu einer Totgeburt kommen.“

Hier erfahren Sie mehr über Syphilis.

Trichomonaden
Die Trichomonaden-Infektion ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Weltweit stecken sich laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich rund 170 Millionen Menschen mit Trichomonaden an. Männer sind wesentlich seltener betroffen als Frauen.
Symptome: Verursachen milchigen Ausfluss aus der Harnröhre, Ziehen und Jucken am Penis, Nässen, Brennen, Entzündungen der Eichel und der Prostata. Hygiene mindert das Ansteckungsrisiko. Sind die Symptome schon da, dann hilft eine recht unproblematische Behandlung mit Medikamenten.
Ansteckung: Ausgelöst wird die Trichomonaden-Infektion durch den Parasiten Trichomonas vaginalis. Dieser siedelt sich gern im feuchtwarmen Klima der Vagina an und wird bei ungeschütztem Sex auf den Partner übertragen. 
Behandlung: Die Infektion wird in der Regel mit einer 1-wöchigen Antibiotika-Behandlung geheilt. Um sich vor erneuter gegenseitiger Ansteckung zu schützen, sollte der Partner sich ebenfalls der Tablettenbehandlung unterziehen.

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über Trichomonaden.

Chlamydien und Mycoplasmen
Die Chlamydien-Infektion ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Junge Frauen sind anatomisch bedingt besonders von einer Infektion mit Chlamdien gefährdet, da sich bei ihnen der Muttermund leichter infizieren kann.
Symptome: Großer Harndrang und schmerzhaftes Harnlassen, schleimig-gelblicher Ausfluß und morgens verklebter Harnröhrenausgang. Die Infektion verschwindet in etwa 50 Prozent der Fälle von selbst. Wenn sie es nicht tut, kommt’s zu schmerzhaften Unterleibsentzündungen und Unfruchtbarkeit wegen Verletzungen am Samenleiter. 
Ansteckung: Die Ansteckung erfolgt über Genitalsekrete. Die Ausbreitung von Chlamydien nimmt zu. Bei einer Studie mit mehr als 5000 Patientinnen waren rund 4 Prozent infiziert, bei Frauen die KOntakt mit drei bis fünf Partnern in den letzten fünf Jahren hatten, sogar 9 Prozent. Eine infizierte schwangere Frau kann die Chlamydien bei der Geburt auch auf das Neugeborene übertragen.
Behandlung: Die Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Je nach Präparat erfolgt eine einmalige oder eine bis zu zweiwöchige Einnahme.
Sonst noch was? Weil sich in Deutschland pro Jahr schätzungsweise rund 300000 Frauen mit Chlamydien infizieren und etwa ein Drittel davon aufgrund einer Chlamydien-Infektion unfruchtbar werden, ist es für Frauen empfehlenswert, einmal im Jahr beim Frauenarzt einen Chlamydien-Test durchführen zu lassen.

Hier erhalten Sie mehr Informationen zur Chlamydien-Infektion.

Feigwarzen
Neben Herpes Genitalis und Chlamydien gehören die Genitalwarzen, im Fachjargon Kondylome gennat, zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Vorwiegend Menschen zwischen 20 und 25 Jahren sind von der Viruserkrankunng im Genital- und Analbereich betroffen. Die für Feigwarzen ursächlichen humanen Papillomaviren (HPV) erhöhen bei Frauen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs.
Symptome: Zu erkennen an kleinen, weichen, schmerzlosen, rosa Warzenansammlungen auf der Vorhaut, an der Harnröhre, am Penisschaft oder am After. Bei Frauen treten die Warzen außerdem an den Schamlippen und am Scheideneingang auf.
Ansteckung: Ausgelöst werden Feigwarzen in der Regel durch sogenannte humane Papillomaviren (HPV), die in der Regel bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden.
Behandlung: „Es gibt eine einfache, schmerzlose Methode, Feigwarzen zu behandeln, und zwar mit einer Salbe mit dem Wirkstoff Imiquimod. Sie stärkt die lokale Abwehr. Sie muß nur dreimal wöchentlich aufgetragen werden, ruft keine Rötungen und Brennen hervor, ist effektiver als die bisherigen Verfahren“, berichtet Professor Karatepe. Alternativen: flüssiger Stickstoff, Laser und Chirurgie.

Was sie über Feigwarzen noch wissen sollten, finden Sie hier.

Herpes
Sie ist eine der weltweit am häufigsten übertragenen Infektionskrankheit.
Symptome: Herpes Typ I (früher auch als labialis bezeichnet) kommt normalerweise an den Lippen, Typ II (genitalis) im Intimbereich vor. „Heute weiß man, dass beide Herpes-Arten auch an jeweils beiden Stellen auftreten können“, erläutert Dr. Eva Thoma-Greber, Spezialistin für sexuell übertragbare Krankheiten an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Auch die Symptome sind gleich: kleine Bläschen sowie ein brennender und stechender Schmerz an den betroffenen Stellen. Im Genitalbereich werden die Bläschen oft sehr schnell aufgerieben.
Ansteckung: Schätzungen zufolge sind bis zu 90 Prozent der Bevölkerung mit Herpes infiziert. Bei manchen bricht die Krankheit nie aus, bei anderen im Abstand von wenigen Wochen immer wieder. Die Infektion erfolgt über Hautkontakt zu den akut befallenen Stellen. Kondome schützen nicht zuverlässig. Eine Ansteckung über Gläser oder Bestecke kann nicht völlig ausgeschlossen werden, ist aber eher theore
Behandlung: Bei begrenztem Lippenherpes reicht es oft, eine desinfizierende Salbe oder eine mit dem Wirkstoff Aciclovir aufzutragen. Bei häufigem oder großflächigerem Ausbruch muss die Substanz innerlich angewendet werden. Zusätzlich wird die befallene Region antiseptisch behandelt, um eine bakterielle Zweitinfektion zu vermeiden. Wenn es Sie erwischt, sollten Sie – wie übrigens bei jeder sexuell übertragbaren Krankheit – den Arzt um die Fahndung nach anderen Geschlechtskrankheiten bitten, falls er es nicht ohnehin selbst vorschlägt. Unter Experten gilt: Eine kommt selten allein.
Sonst noch was? Ganz wird man die Herpesviren niemals los; immer wenn das Immunsystem angeschlagen ist, können die Bläschen wiederkommen. Bei manchen reicht dafür schon ein Sonnenbrand. Sobald das charakteristische Stechen in der Haut auftritt, sind Küssen und vor allem Sex absolut verboten, auch mit Kondomen. Ein Impfstoff ist bisher nicht in Sicht, sagt Professor Sawko Wassilew von der Uni Düsseldorf.

Informieren Sie sich hier weiter über Herpes.

Gonorrhöe (auch: Tripper)
Der Tripper gilt als extrem ansteckend. Laut Schätzungen infizieren sich jedes Jahr 60 Millionen Menschen weltweit mit dem Erreger – Männer und Frauen gleichermaßen.
Symptome: Zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung mit Gonokokken (s. Foto) tropft aus dem Penis eine gelb-weiße Flüssigkeit, und beim Pinkeln brennt es. Auch bei der Frau kann eitriger Ausfluss auftreten, das fällt aber oft weniger auf. Unbehandelt verschwindet dieser Fluor nach einigen Wochen wieder, die Infektion „steigt auf“ und befällt beim Mann Prostata und Nebenhoden. Dann ist Tripper schwerer zu diagnostizieren. Man kann sich auch anal sowie oral anstecken. Bei analer Gonorrhöe sind die Symptome wenig typisch, in vielen Fällen wird zunächst ein Ekzem vermutet. Von der oralen Gonorrhöe merkt ein Betroffener kaum etwas, sie ist aber trotzdem ansteckend.
Ansteckung: Durch intime Kontakte. Kondome schützen zuverlässig. Eine Ansteckung über gemeinsame Handtücher oder Klobrillen ist äußerst selten, aber denkbar.
Behandlung: Bei Verdacht auf Tripper wird ein Abstrich gemacht. Als Therapie bei der unkomplizierten frühen Form reicht zumeist die einmalige Gabe von Antibiotika.
Sonst noch was? Bis zur Heilung abstinent bleiben und die Sexualpartner informieren. Außerdem sollten Sie unbedingt nach vier bis zehn Tagen eine Kontrolluntersuchung machen lassen, denn die Erreger können gegen das Medikament resistent sein.

Mehr zur Geschlechtskrankheit Tripper finden Sie in diesem Artikel.

Hepatitis B
Fünf bis acht Prozent der Deutschen sind schon einmal an einer durch den Heptatis-B-Virus ausgelösten Leberentzündung erkrankt. Bei jedem zehnten Betroffenen entwickelt sich die Infektion zu einer chronischen Krankheit.
Symptome: Die grippeähnlichen Anzeichen treten spätestens 6 Monate nach einer Ansteckung auf. Zu den Anzeichen von Hepatitis gehören unter anderem Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall, Appetitlosigkeit und Gelbsucht.
Ansteckung: Die Hepatitis-Viren befinden sich in allen Körperflüssigkeiten die beim Sex ausgetauscht werden.
Behandlung: In den meisten Fällen heilt die Erkrankung von selst aus. Ärzte verordnen in der Regel Bettruhe. Chronische Infketionen werden medikamentös behandelt.
Sonst noch was? Wirklichen Schutz gegen die Hepatitis-Infektion bietet eine Impfung.

Mehr Informationen zu Hepatitis B und Hepatitis C finden Sie hier.

Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome) / HIV
Die Immunschwächekrankheit Aids ist die gefährlichste sexuell übertragbare Infektionskrankheit.
Symptome: Drei bis acht Wochen nach der Ansteckung können Fieber, Durchfall, Hautausschläge, grippale Beschwerden und auch Lymphknotenschwellungen auftreten. Die eigentliche Krankheit bricht erst nach Jahren aus. Dann ist das Immunsystem durch das HI-Virus so weit geschwächt, dass Infektionen aller Art sowie bestimmte Krebsarten wie das Kaposi-Sarkom leichtes Spiel haben. Erstes Anzeichen ist oft eine Pilzerkrankung des Mundes (Soor).
Ansteckung: Durch Scheidenflüssigkeit, Sperma, Blut. Kondome schützen zuverlässig vor HIV. Am gefährlichsten ist ungeschützter Analsex, weil dabei häufig kleine Verletzungen entstehen, über die das Virus den Körper leichter entern kann. Auch Oralsex ist nicht ungefährlich und kann zu Aids führen. Ansteckung beim Küssen oder über gemeinsam benutztes Besteck ist nicht möglich, durch infiziertes Sexspielzeug, Rasierklingen und ärztliche Instrumente dagegen schon. Ungefährlich: der Stich einer Mücke, die zuvor an einem Infizierten gesaugt hat. „Das Virus kann sich in Mückenzellen nicht vermehren, da diesen der entsprechende Rezeptor fehlt“, sagt Professor Lutz Gürtler von der Uni Greifswald. „Und die am Stechrüssel haftende Blutmenge reicht nicht aus für eine Infektion.“
Behandlung: Ab der zweiten Woche nach der Ansteckung lassen sich Antikörper im Blut aufspüren. Sicher ausschließen kann man eine Infektion erst nach drei Monaten. Der Test wird grundsätzlich wiederholt, um Falschdiagnosen auszuschließen. Wer HIV-positiv ist, kann sofort mit der Medikamenten- Einnahme beginnen, muss es aber nicht. „Das hängt vom Zustand des Patienten ab“, so Thoma-Greber. Um diesen einzuschätzen, ermittelt man mindestens alle drei Monate die Viruslast und die Zahl der CD4-Zellen im Blut. Das sind die Immunzellen, die von den HI-Viren zerstört werden. Die Therapie umfasst immer drei oder vier Präparate, die die Viren in Schach halten sollen. Welche Kombination ausgewählt wird, hängt davon ab, wie sie der Patient verträgt und ob sie bei ihm wirkt. Die Tabletten müssen absolut zeitgenau eingenommen werden (alle acht bis zwölf Stunden) – sonst ist die Wirkstoff-Konzentration zeitweise zu gering, und die Erreger können resistent werden. Kürzlich hat eine Harvard-Studie unter Aids-Forschern für Aufsehen gesorgt. Danach schien das Immunsystem die Viren aus eigener Kraft in Schach halten zu können, wenn die Patienten innerhalb der ersten 180 Tage nach der Infektion eine hochaktive antivirale Behandlung (HAART) bekamen. Das Resultat gilt aber noch nicht als hundertprozentig gesichert.
Sonst noch was? „Wenn man HI-Viren ausgesetzt war, scheint die sofortige Medikamenten-Einnahme das Ansteckungsrisiko deutlich zu verringern. Darauf deuten Erfahrungen mit medizinischem Personal hin, wenn sich jemand beispielsweise mit einem kontaminierten ärztlichen Instrument geschnitten hatte“, sagt Thoma-Greber. Wer einen infizierten Partner hat, sollte sich vom Arzt über die Postexpositionsprophylaxe (PEP) beraten lassen – falls zum Beispiel mal ein Kondom reißt. Aber: Die bloße Angst nach einem One-Night-Stand genügt nicht für ein Rezept. Außerdem hat das Ganze auch schwere Nebenwirkungen.

Mehr zum Thema HIV finden Sie in diesem Artikel.

Kondome: Verhütung steht im Vordergrund
Der verlässlichste Schutz gegen Infektionen

Wie kann ich mich schützen?

Die verlässlichste Methode, um sich gegen Geschlechtskrankheiten zu schützen, ist den Wechsel der Geschlechtspartner so gering wie möglich zu halten. Ein Kondom schützt sie bei jedem Sex vor Erregern. Eine gute Intimhygiene kann das Risiko für Schmierinfektionen verringern. Gegen Impfen k Hepatitis A und B und humane Papillomaviren (HPV) können Sie sich impfen lassen. Wenn Sie bei einer Partnerin Warzen oder Bläschen erkennen, meiden Sie sexuellen Kontakt – auch Oralsex!

Habe ich mich angesteckt?

Weil die Symptome einer sexuell übertragbaren Infektion oft schwierig zu erkennen sind und sogar nach einigen Tagen nach der Ansteckung verschwinden, obwohl die Infektion noch da ist, ist es ratsam beim kleinsten Anzeichen sofort zu einem Arzt zu gehen. Dann riskieren Sie keine Folgeschäden und Ansteckung anderer. Im besten Fall zu einem Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder einem Urologen. Frauen können auch den Frauenarzt aufsuchen. Außerdem besteht bei vielen Gesundheitsämtern die Möglichkeit sich anonym auf eine STI testen zu lassen.

Diese Symptome sind verdächtig
Wenn Sie folgende Beschweren haben, sollen Sie nicht länger warten und den Arzt aufsuchen:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • Hautveränderungen wie Warzen, Bläschen oder Ausschlag
  • Jucken im Genitalbereich und am After
  • ungewohnter weißer oder unangenehm riechender Ausfluss aus dem Penis oder Anus 
  • Schmerzen im Unterbauch, Penis oder Hoden

Manchmal gehen allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, geschwollene Lymphknoten, Müdigkeit, Halsschmerzen und Appetitlosigkeit mit der Infektion einher.

Wie untersucht der Arzt
Die Untersuchung beim Arzt ist nicht schlimm und erledigt der Spezialist routiniert. Die wichtigsten Diagnoseverfahren sind:

  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Abstrich von Scheide, Harnröhre, Rachen oder Po
  • Blickdiagnose

Die Kosten übernehmen die Krankenkassen in der Regel dann, wenn Beschwerden oder ein konkreter Verdacht auf eine STI vorliegen – auch, wenn beim Partner oder der Partnerin eine sexuell übertragbare Krankheit bekannt ist.

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