Mit Crossfit zum Titel: Lukas für Deutschland 2014

Crossfitter Lukas Haensch war deutscher Kandidat beim Invictus Award Season 2. In den Bergen von Marokko musste er beweisen, dass er sich gegen 6 weitere Top-Athleten durchsetzen kann. Seine Trainingstipps im Video

Konzentriert stemmt Lukas einen schweren Felsblock über den Kopf. Danach geht er wieder in eine tiefe Kniebeuge, den gewichtigen Stein vor der Brust haltend. Die Anstrengung ist dem 27-jährigen Berliner ins Gesicht geschrieben, Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. Wie bei seinen 6 Mitstreitern. Kein Wunder: Es ist knapp 30 Grad heiß.

Das Besondere: Die 7 Jungs trainieren nicht etwa im Gym, sondern in luftiger Höhe – in den Bergen von Marokko auf etwa 2000 Meter Höhe. Das Ganze ist Teil eines ungewöhnlichen Herausforderung: dem Invictus Award Season 2. Bei diesem Wettbewerb treten 7 Athleten aus 7 Ländern gegeneinander an. Der Gewinner erhält 50.000 Euro für ein soziales Sportprojekt, das ihm am Herzen liegt. Und der Award wird online ausgetragen, die Internet-Community ist die Jury und entscheidet am Ende, wer gewinnt.

Crossfitter Lukas Haensch ist deutscher Kandidat beim Invictus-Award 2014
Lukas' Lieblingübungen: Liegestütze in verschiedenen Variationen

Mit Crossfit zum Alleskönner
Bevor es zur Internet-Abstimmmung kommt müssen die Teilnehmer in Marokko diverse Sportherausforderungen meistern. Die Voraussetzung dafür: Alle sollten sportlich topfit sein. Lukas’ Mitstreiter sind daher fast ausschließlich Top-Athleten in ihrer Disziplin: Stabhochspringer, Triathleten, BMX-Fahrer oder 800-Meter-Läufer. Lukas Haensch ist da die Ausnahme. Sein Sport ist Crossfit – eine Mischung aus Gewichtheben, Turnen und Ausdauersport. Das Training ist hochintensiv, abwechslungsreich und funktionell.

Das Ziel sind keine dicken Show-Muckies, sondern ein funktionell ausgeprägter Muskelapparat. „Man trainiert maximal 45 Minuten. Die Intensivphase dauert etwa 20 Minuten. Das lässt sich super in einen vollen Kalender einplanen“, erklärt Lukas die Vorteile seiner Sportart.

Mit Variationen aus der Komfortzone
Lukas' Lieblingstraining: Übungen mit dem eigenen Körpergewicht – insbesondere an der Klimmzugstange und alle möglichen Varianten von Liegestütze. Sein Tipp: die Standard-Bewegungsmuster ändern, Liegestütz auch mal zur Seite machen, Sprünge integrieren, Burpees auf einem Bein ausführen. Lukas denkt sich ständig neue Abwandlungen aus. Vorteil: Dadurch dass das Training ständig variiert, werden Körper und Muskeln immer neu gefordert. Crossfitter werden also nicht zu Spezialisten, sondern zu Könnern in allen Disziplinen. Lukas ist damit zwar Underdog neben den ganzen Topsportlern unter seinen Mitbewerbern, aber eben auch ein Allrounder. Und genau das könnte von Vorteil sein. Das sieht man zumindest beim Höhen-Workout mit Felsbrocken. Während andere bereits das Handtuch bzw. den Felsen werfen, absolviert Lukas noch locker 10 weitere Wiederholungen. Sein Crossfit-Training, bei dem er sich ständig aus seiner Komfortzone bewegt, zahlt sich hier aus.

Kandidat Lukas und seine Konkurrenten müssen sich in unterschiedlichen Disziplinen messen
Lukas macht sich für die nächste Challenge bereit: Speedklettern in den Bergen Marokkos

Klettern ist Kopfsache
Aus seiner Komfortzone bewegt sich Lukas in Marokko täglich. Denn die Teilnehmer müssen sich in unterschiedlichen Disziplinen messen, die sie vorher noch nie absolviert haben. So auch in der heutigen Challenge: Speedklettern. Doch davon wissen die 7 Teilnehmer noch nichts. Erst wenige Minuten vorher wird die Aufgabe bekanntgegeben. Dass es irgend etwas mit Höhe zu tun hat, ahnen die Jungs bereits bei der mehrstündigen Anreise. Mit Bus und Jeep geht’s ins Atlas-Gebirge südlich von Marrakesch. Das beschriebene Workout auf 2000 Meter Höhe und Wahnsinns-Ausblick auf die umliegenden teils schneebedeckten Gipfel ist als Aufwärmprogramm gedacht. Im Toprope geht’s dann 15 Meter die Felswand hoch. Anfangs kommt Lukas gut voran, weiter oben muss er Pausen einlegen, die nächsten Griffe und Tritte finden. Sein Fehler: Er klettert zu sehr mit gebeugten Armen. Folge: die Unterarme ermüden, die Hände haben nicht genug Druck. Tipp der Kletterexperten vor Ort: mehr aus den Beinen klettern, Gewicht auf die Füße verlagern, die Hüfte nah an der Wand lassen. Wer Hüfte, Beine und Rumpf eindreht, erhöht zudem die Reichweite seiner Arme. Plus: Der Kopf ist der wichtigste Körperteil beim Klettern – auch beim späteren Abseilen der Kandidaten.

Invictus-Award-Kandidat Lukas konzentriert sich auf seine nächste Aufgabe
Runter vom Berg: Invictus-Award-Kandidat Lukas beim Abseilen in den Bergen Marokkos

Den Sieger wählen Sie!
Heute geht Lukas nicht als Gewinner von der Wand, doch er ist sich sicher, eine der nächsten Herausforderungen für sich entscheiden zu können. „Mit Niederlagen probiere ich analytisch umzugehen. Was kann ich nächstes Mal besser machen? Statt mich zu ärgern, versuche ich daraus zu lernen“, erklärt der 27-Jährige. Gelernt hat Lukas heute einiges. Vor allem, dass er sich vor den anderen Kandidaten nicht verstecken braucht. Seine Vision: Er will sozial benachteiligte Kinder mit Sportangeboten von der Straße holen und sie als TeachFirst­Fellow in der Schule fördern.

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