Fruktoseintoleranz: Ohje, Obst!

Macht der Fruchtzucker in Obst dick?
Von Melone und Marmelade kriegen Sie Bauchschmerzen? Dann ist Fruktose schuld!

Wenn nach dem Genuss von Erdbeeren, Birnen, Trauben und anderer Obstsorten Bauchschmerzen auftreten, steckt nicht selten eine Fruchtzuckerunverträglichkeit dahinter. Jeder dritte Europäer ist betroffen. So kommen Sie im Alltag ganz easy zurecht – ohne völlig auf Obst verzichten zu müssen

In diesem Artikel:

Der Übeltäter: Fruchtzucker

Fruchtzucker versteckt sich nicht nur in Obst – © Shutterstock

Für Bauchschmerzen ist oft Fruktose, also Fruchtzucker, verantwortlich. Es liegt nämlich in der Natur des Menschen, diesen nur in begrenzten Mengen verarbeiten zu können. Isst man mehr, kann nicht aufgenommener Zucker Wasser anziehen und dann Durchfall auslösen. Verdaut wird er außerdem von Bakterien, die dabei Gase produzieren. Die Folge: Blähungen. Diese tun dann besonders weh, wenn sie sich durch eingewanderte Bakterien im Dünndarm bilden. Bleibt die Gasbildung dagegen im Dickdarm, hängt der Grad der Beschwerden vor allem davon ab, wie sensibel der Darm ist. Manche Menschen bekommen Krämpfe, andere sorgen nur für miese Luft.

Für Fruktose liegt die Transportkapazität aus dem Dünndarm normalerweise bei 15 bis 25 Gramm pro Mahlzeit. Seitdem moderne Lebensmittel häufiger mit Fructose statt mit normalem Haushaltszucker gesüßt werden, kann dieses Transporttempo schon zu langsam sein. Auch in Säften und Smoothies ist natürlicher Fruchtzucker hochkonzen­triert, kann so den Darm überfordern.

Bestimmte Nahrungsmittel können zudem die Kapazität für Fruktose weiter verringern, vor allem solche mit dem Süßstoff Sorbit (auch: Sorbitol). "80 Prozent der Menschen können Sorbit nur schlecht verarbeiten" erklärt der auf Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten spezialisierte Ernährungsmediziner Dr. Maximilian Ledochowski von der Universität Innsbruck. "Wenn ein Mensch eine Speise mal verträgt und mal nicht, kann es daran liegen, dass er vor- oder nachher Kaugummi mit Sorbit gekaut hat."

So schädlich ist Fruchtzucker wirklich

Unser Experte guckt ganz genau hin. Im Video sagt er Ihnen, wann Fruktose tatsächlich ungesund ist.

So schädlich ist Fruchtzucker wirklich
So schädlich ist Fruchtzucker wirklich

Die häufigsten Symptome der Fruktoseintoleranz

Die typischen Symptome der Fruchtzuckerunverträglichkeit treten in der Regel oft etwa 30 Minuten nach dem Verzehr fruchtzuckerhaltiger Lebensmittel auf.

Sehr oft kommt es zu:

  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Durchfall

Weitere häufige Beschwerden sind:

  • Bauchkrämpfe
  • Verstopfung
  • Sodbrennen und Aufstoßen
  • veränderter Harndrang
  • veränderter Stuhlgang
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen

Durch eine veränderte Darmflora leiden die Patienten auch nicht selten unter einem Mangel an Zink und Folsäure. Langfristig kann so das Immunsystem in Mitleidenschaft geraten und entzündliche Hauterkrankungen, Haarausfall, Kopfschmerzen und seelische Erkrankungen drohen. Treten die Beschwerden häufig und schon nach kleinen Mengen Obst oder Saft aus, sollte der Arzt klären, ob eine Fruktosemalabsorption vorliegt.

Wie wird Fruktoseintoleranz diagnostiziert?

Bevor Sie zum Arzt gehen, lohnt es sich ein so genannten Ernährungs-Symptom-Tagebuch zu führen. Darin verzeichnen Sie gegessene Lebensmittel und auftretende Symptome. Anhand Ihrer Einträge kann der Arzt eine erst Prognose stellen. Anschließend erfolgt die Diagnose üblicherweise mit Hilfe eines speziellen Atemtests, bei dem der Arzt den Wasserstoffgehalt in der Atemluft misst. Durch den bakteriellen Abbau der Fruktose bilden sich im Darm Gase, unter anderem Wasserstoff. Den kann der Test in der Atemluft nachweisen kann. Man misst den Wasserstoffgehalt vorab einmal auf nüchternen Magen und trinkt dann eine Fruktose-Lösung. Nun wird die Messung alle 30 Minuten wiederholt und beobachtet, ob beziehungsweise in welcher Geschwindigkeit und Intensität der Wasserstoffgehalt ansteigt. Anhand der Messkurve kann dann gefolgert werden, ob eine Fruktoseintoleranz vorliegt. Oft mal wird gleichzeitig auch auf eine Laktoseintoleranz, also eine Milchzuckerunverträglichkeit, getestet.

Behandlung von Fruktoseintoleranz

Gegen Fruktoseintoleranz gibt es keine Medikamente und keine spezielle Therapie. Sie müssen wohl oder übel damit leben. Das ist aber gar nicht so schlimm, wie es klingt. Völlig auf Fruktose zu verzichten, ist zumeist nicht nur unnötig, sondern sogar kontraproduktiv, denn: "Der Organismus würde mit der Zeit auch die noch vorhandenen Aufnahmekapazitäten abbauen", warnt Ledochowski. Die Konsequenz wäre, dass Betroffene dann nicht mal mehr kleinste Mengen Obst vertragen.

Was darf ich noch essen?

Die Betroffenen müssen nicht ganz auf Obst verzichten – © Shutterstock

Oftmals genügt es schon, mit Fruktose oder Sorbit gesüßte Produkte sowie Trockenfrüchte, Säfte und Smoothies links liegen zu lassen. Auch fruktosereiche Früchte wie Datteln und solche, die natürlicherweise Sorbit enthalten (Süßkirschen), sollten Sie meiden. Doch ehe Sie frisches Obst von Ihrem Speiseplan streichen, müssen Tests eine Fruktoseunverträglichkeit eindeutig bestätigt haben. Wer nach der Diagnose vor dem totalen Ernährungs-Chaos steht, kann sich bei einem Ernährungsberater Hilfe holen. Er kann einen Plan zusammenstellen. In der Regel finden die Betroffenen aber sehr schnell heraus, was und wieviel ihr Darm verträgt, ohne Beschwerden zu machen. Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt: Fruktose versteckt sich auch in fruchtlosen Produkten, wie Softdrinks oder Fitnessriegeln in Form von zum Beispiel Haushaltszucker (besteht zu 50 Prozent aus Fruktose) oder Maissirup.

Folgende Nahrungsmittel können Sie in der Regel ohne Angst vor den typischen Symptomen wie Blähungen und Bauchkrämpfen essen:

  • Getreideprodukte
  • Kartoffeln
  • Gemüse wie Gurken, Spinat, Salat
  • Reis
  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Pflanzenöle
  • Milchprodukte ohne Zuckerzusatz
  • einige Obstsorten

Welche Nahrunsmittel Sie meiden sollten und welche unproblematisch sind, erfahren Sie auch in den Datenbanken der Datenbank für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien. Dort finden Sie auch viele weitere Infromationen zu anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie zum Beispiel Laktoseintoleranz.

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