Zirkumzision: Ist eine Beschneidung sinnvoll?

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Ist die Beschneidung ein Klassiker unter den medizinischen Irrtümern oder heißt Vorhautentfernung mehr Spaß am Sex? Wir verraten's.

Die Beschneidung (Zirkumzision) des Penis dient der Entfernung der Vorhaut. Oft wird eine Beschneidung nötig, wenn eine Vorhautverengung – die sogenannte Phimose – vorliegt. Eine Beschneidung wird auch aus religiösen oder sexuellen Motiven vorgenommen.

Die Vorhaut ist ein Produkt der Evolution. Ihre Entstehung verdankt sie weniger zwingender Notwendigkeit, vielmehr ist sie eine luxuriöse Sonderausstattung. Am deutlichsten zeigt sich das bei der Beschneidung – sie ist auf den ersten Blick folgenlos. Keine Sorge also, wenn Ihr Arzt Ihnen vorschlägt, die Vorhaut zu entfernen: Sie können die paar Zentimeter Haut gut entbehren. Und vielleicht wird sogar ein Tauschgeschäft daraus, bei dem Sie im Gegenzug neuen und besseren Sex bekommen.

Zirkumzision: Das müssen Sie bei einer Beschneidung beachten

Eine Beschneidung ist aus medizinischen wie ästhetischen Gründen denkbar. Liegt eine Vorhautverengung (eine so genannte Phimose) vor, ist eine Beschneidung fast unumgänglich, da sich durch die Verengung die Vorhaut nicht mehr optimal zurückziehen lässt. Dadurch kann es dann zu Komplikationen beim Sex und auch bei der Harnentleerung kommen. Außerdem führt da sogenannte Smegma, eine unter der Vorhaut angesammelte Mischung aus Haut-, Urin- und Spermaresten nicht selten zu einer Entzündung der Eichel und schließlich zur Bildung von Narben.

Bei "normaler" Form der Vorhaut, macht es keinen Unterschied, ob beschnitten oder nicht. Bleibt ein Penis aber unbeschnitten, muss sein Besitzer ihn entsprechend pflegen. Männerarzt Professor Sommer rät deshalb: "Die Vorhaut sollte regelmäßig zurückgestreift und zumindest mit Wasser gereinigt werden."

Welche Methoden der Beschneidung gibt es?

  1. Inzision
    Durch einen kleinen Schnitt in die Vorhaut lässt sich diese wieder zurückziehen. Die Vorhaut bleibt dabei erhalten.
  2. Teilweise Zirkumzision
    Es wird nur ein kleiner Hautlappen abgetrennt. Die Eichel bleibt (zumindest zum Teil noch) von der Vorhaut bedeckt.
  3. Radikale Zirkumzision
    Die Vorhaut wird komplett entfernt und die Eichel dabei vollständig freigelegt. Es ist die sicherste und zugleich hygienischste Methode der Beschneidung.

Wie wirkt sich die Beschneidung auf den Sex aus?

Für manche Männer ist das beschnittene Glied anfangs noch gewöhnungsbedürftig, da es sich nackt und ungeschützt anfühlt, berichtet Männerarzt Professor Sommer. Zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff kann man aber schon wieder sexuell aktiv werden, vorausgesetzt die Wunde ist vollständig verheilt.  Auf das sexuelle Empfinden wirkt sich eine Beschneidung aber nicht aus. Behauptungen, dass beschnittene Männer bei Frauen beliebter sind oder ein besseres Stehvermögen haben, konnte wissenschaftlich bisher noch NICHT nachgewiesen werden.

Eine Tatsache ist jedoch, dass sich für Frauen die Gefahr einer Ansteckung mit dem HPV Virus (humane Papillonviren) deutlich verringert. Dieser Virus ist unter anderem für Schleimhautinfektionen und Feigwarzenbildung verantwortlich.

Hat die Beschneidung Einfluss auf die Libido?

Offenbar ist es ein Mythos, dass beschnittene Männer mehr Lust empfinden als unbeschnittene. Denn kanadische Wissenschaftler haben beschnittene und unbeschnittene Männer untersucht, jeweils in erregtem und normalen Zustand. Ergebnis: Kein Lust-Unterschied feststellbar. Berührungen und Impulse wie beispielsweise Schmerzen bewerteten alle Testpersonen gleich. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vorurteile über sensorische Unterschiede zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern unbegründet sein könnten“, so Studienleiterin Kimberley Payne vom Department of Psychology in Montreal. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass die Beschneidungsnarbe ein Faktor sein könnte, der indirekt auf die Empfindlichkeit des Penis wirkt, ähnlich der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs.

Mehr Hygiene durch eine Beschneidung?

Die Reinigung eines beschnittenen Penis fällt leichter, da sich automatisch weniger Bakterien anlagern können. Zwar können Talg, Urin und abgestoßene Hautzellen unter der Vorhaut zu einer übelriechenden, weißlichen Masse namens Smegma zusammenklumpen, die unter dem Ruf steht, Penis- und Gebärmutterhalskrebs zu begünstigen. Um dem vorzubeugen, bedarf es aber keiner Entfernung der Vorhaut – gründliches Duschen reicht völlig aus. "Die Entstehung von Smegma weist in erster Linie auf mangelnde Hygiene hin", erklärt Dr. Helmuth Schuster, Facharzt für Urologie in Hamburg. "Wer sich gründlich genug pflegt, braucht vor Smegma und den Risiken, die damit zusammenhängen können, keine Angst zu haben."

Schützt eine Beschneidung wirklich vor AIDS?

Sind beschnittene Männer resistenter gegen eine Ansteckung mit dem HIV-Virus als unbeschnittene? Sie sind es! Französische Forscher der Ambroise-Pare Klinik in Boulogne konnten das durch eine Studie nun belegen.Wo genau die Gründe liegen, kann bislang jedoch nur vermutet werden: "Die Eichel verhornt nach der Beschneidung. Nach sexuellem Kontakt trocknet die Eichel außerdem schneller. Das reduziert die Lebensdauer des Virus nach dem Sex mit einem HIV infiziertem Partner. Zudem ist die Hautfläche des männlichen Glieds geringer und redzuiert somit die Angriffsfläche für HIV, die vor allem in der Vorhaut gegeben ist", so Forschungsleiter Bertran Auvert.

Bevor Sie jetzt jedoch Ihre Kondome entsorgen und sich unters Messer legen: Die Beschneidung ist natürlich kein kompletter Schutz vor HIV und sollte keinen Grund zum Eingehen höherer Risiken geben oder dem Verzicht auf Kondome. Die Studie umfasste über 3000 Probanden in Süd-Afrika zwischen 18 bis 24 Jahren. Die eine Hälfte der Testpersonen war beschnitten, die andere mit Vorhaut und zu Beginn der Studie gesund. Nach 21 Monaten wurden 20 Fälle mit einer HIV-Infektion in der beschnittenen Gruppe und 49 Personen in der "Vorhaut-Gruppe" ermittelt.

Auch eine weitere  Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO hat bestätigt, dass eine Beschneidung das Risiko eine HIV-Infektion um bis zu 60 Prozent senkt. Möglicher Grund: Die Vorhaut ist besonders verletzungsgefährdet, was sie sehr anfällig für Viren macht. Natürlich ersetze eine Beschneidung nicht das Kondom. Brian Williams und sein Team sehen das Ganze eher global: 5,7 Millionen Infektionen und drei Millionen Todesfälle könnten innerhalb von 20 Jahren vermieden werden, wenn alle männlichen Jugendlichen im südlichen Afrika beschnitten werden würden.

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