Unangenehm! Eine entzündete Vorhaut sieht nicht nur unappetitlich aus, unbehandelt kann sie sich auch immer weiter ausbreiten. Kaspers Grinvalds / Shutterstock.com

Vorhautentzündung: Tipps zur Selbstbehandlung

Vorhautentzündung Wie gefährlich sind Entzündungen an der Vorhaut?

Eine entzündete Vorhaut erkennst du meist an Rötungen, Schwellungen und Jucken. Bei welchen Symptomen du noch selbst behandeln kannst und wann du unbedingt zum Arzt solltest

Erkrankungen im Genitalbereich sind nicht gerade das beliebteste Gesprächsthema bei Männern. Eine kleine Rötung hier, eine kleine Schwellung da und ein bisschen Jucken dort: Meistens werden Warnzeichen lieber erst mal ignoriert oder auf die lange Bank geschoben, bevor man sich mit ihnen auseinandersetzt.

Eine Bitte: Mach das nicht! Denn bei Genitalbeschwerden gilt: Vom Nichtstun wird gar nichts besser. Ein Beispiel: die Vorhautentzündung. Fühlt sich deine Vorhaut merkwürdig an, solltest du am besten zügig handeln. Nicht, weil eine Vorhautentzündung (bis auf seltene Fälle) besonders gefährlich wäre, sondern vielmehr, weil die Chancen dann gut stehen, sie mit Hausmitteln und Salben selbst in den Griff zu bekommen. Sitzt du das Problem hingegen zu lange aus, wirst du um Antibiotika & Co. kaum drumherum kommen. Und davon mal abgesehen: Eine Posthitis – wie die Vorhautentzündung im Fachjargon genannt wird – ist auch wirklich vermeidbar. Das weiß auch Dr. Regina Stredele, Urologin und Kinderurologin der Urologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum München, mit der wir zum Thema gesprochen haben.

Was ist eine Vorhautentzündung?

"Bei einer Vorhautentzündung unterscheiden Urologen drei Formen: Balanitis, Balanoposthitis und Posthitis", sagt Dr. Stredele.

  • Balanitis: "Von einer Balantitis spricht man, wenn es sich um eine Entzündung der Eichelspitze handelt", so die Expertin.
  • Posthitis: Bei einer Posthitis ist die Vorhaut ganz allein betroffen.
  • Balanoposthitis: "Bei einer Balanoposthitis betrifft die Entzündung nicht nur die Eichel, sondern betrifft auch die Vorhaut", erklärt Stredele. Eine Balanoposthitis kann sowohl von einer Balantitis als auch einer Posthitis ausgehen.

Es kommt nicht selten vor, dass eine Entzündung der Vorhaut mit einer Entzündung der Eichel einhergeht. Schließlich kann sich der Erreger der Entzündung (wenn denn einer Vorhanden ist) auf Vorhaut oder Eichel ausbreiten. Die häufige Folge ist dann die angesprochene Balanoposthitis.

Was sind Ursachen einer Vorhautentzündung?

Je nachdem, um welche Ursache es sich handelt, gibt es unterschiedliche Wege, wie eine Vorhautentzündung entstehen kann. Klassische Erreger einer Vorhautentzündung sind Bakterien, Viren und Pilze. In einigen Fällen gibt es aber auch gar keinen Erreger. Aufgepasst: Das sind die häufigsten Ursachen, die du in Zukunft vermeiden solltest:

    • Mangelnde Hygiene: "Bei Patienten, die ihre Vorhaut zu selten reinigen, sammeln sich viele Zellablagerungen – das sogenannte Smegma. Das ist das perfekte Milieu für die Vermehrung von Keimen, die dann wiederum die Vorhautentzündung auslösen können", sagt Stredele. Was gegen Smegma-Ablagerungen hilft.
    • Übertriebene Hygiene: "Umgekehrt ist es aber auch so, dass eine Vorhautentzündung auch durch eine Reizung auftreten kann. Heißt: wenn man zu oft und zu aggressiv reinigt und ein Reinigungsmittel verwendet, das nicht sanft genug ist." All das führt auch dazu, dass du deiner Vorhaut schützende Fette entziehst. Bakterien und Co. haben es so natürlich leichter. Tipp: PH-neutrale und parfümfreie Reinigungsprodukte wie diese Basis Pflege von Eubos.
    • Geschlechtskrankheiten ("STD" Sexually Transmitted Diseases): Hierzu gehören Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und parasitäre Erkrankungen. Folgende Infektion finden sich durchaus häufiger bei Patienten: HIV-Infektion, Hepatitis B, Herpes genitalis, Chlamydien, Trichomonaden Infektion, Filzlausbefall, Humane Papillomaviren.
  • Diabetes: Diabetiker, deren Zucker nicht adäquat eingestellt ist, können einen erhöhten Zuckergehalt im Urin haben. Dieser ausgeschiedene Zucker kann die Ansammlung von Keimen begünstigen. Übrigens: Die Zahl der Diabetiker steigt rapide an. Hier sind 6 Methoden, um vorzubeugen.
  • Hauterkrankungen: Auch eine sogenannte Psoriasis – das ist die Schuppenflechte – , die seborrhoische Dermatitis und ein Lichen sclerosus können eine Vorhautentzündung begünstigen. "Vor allem die Lichen sclerosus sehen wir im Zusammenhang mit einer Vorhautentzündungen durchaus häufig", so die Expertin. "Diese chronische Hauterkrankung kann massive Veränderungen auf der Hautoberfläche hervorrufen. Zum Beispiel kann die Vorhaut an Elastizität verlieren, infolgedessen sie sich irgendwann nicht mehr richtig zurückziehen lässt." Das begünstigt wiederum die Vermehrung von Bakterien unter der Vorhaut.
  • Vorhautverengung (Phimose): Bei einer Vorhautverengung lässt sich die Vorhaut nur begrenzt zurückziehen. Heißt: Gründliche Reinigung und Entfernung von Ablagerungen fällt schwer. Die Folge kann eine Entzündung sein. Hier könnte eine Beschneidung Sinn machen.
  • Adipositas: "Bei sehr übergewichtigen Patienten fällt die richtige Intimhygiene wegen ihrer Körperfülle oft sehr schwer, manchmal ist der Penis für den betroffenen Patienten selbst gar nicht mehr sichtbar und so fallen auch kleine Veränderungen nicht oder erst zu spät auf. Adipöse Patienten klagen auch häufiger über Pilzinfektionen im Bereich der Leisten. Hier liegen zwei Hautareale aufeinander und wenn der Patient dann auch nur ein klein bisschen schwitzt, bildet sich sofort eine Art feuchte Kammer, wodurch sich leichter Pilze ansammeln und im Genitalbereich verbreiten können", führt Dr. Stredele aus.
  • Allergische Reaktion: Intimschmuck, Kondome, Waschmittel: alle können Materialien und Stoffe enthalten, auf die man unter Umständen allergisch reagiert. Sie verursachen eine Hautreizung und schließlich eine Entzündung.
  • Idiopathische Ursache: "Das heißt, dass es keinen klassischen Erregernachweis gibt", so die Expertin. Sie fährt fort: "Manchmal ist ein Gewebe auch nur gereizt, weil es ständig durch den reizenden Urin benetzt ist und der Hautbereich nicht unbedingt die Möglichkeit hat zu trocknen. Somit trifft Hautflora auf Hautflora und es kann schonmal zu einer Entzündung kommen, ohne dass es einen klassischen Erreger gebraucht hat."

Wie erkenne ich eine Vorhautentzündung?

Die Symptome einer Vorhautentzündung können sich unterschiedlich manifestieren. Sie äußern sich nicht bei jedem Mann gleich und hängen auch mit der Entzündungsursache zusammen. Das Resultat ist manchmal ein bunter Mix aus unterschiedlichen Symptomen. So unterscheidest du sie von einer Eichelentzündung. Allerdings sei gesagt: Die Symptome sind zwar unterschiedlich, wenn du ein paar von ihnen verspürst, kannst du aber relativ gut auf eine Vorhautentzündung schließen.

  • Schwellung und Rötung des entzündeten Bereichs
  • Jucken und Brennen im entzündeten Bereich
  • Bläschenbildung im entzündeten Bereich
  • Eitriger Ausfluss
  • Schmerzen beim Zurückziehen der Vorhaut
  • Schmerzen/Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Druckschmerz im Penis
  • Fauliger Geruch

In seltenen Fällen kann es auch zu systemischen Reaktionen, wie zum Beispiel Fieber, kommen. Diese können Vorboten einer möglichen Blutvergiftung (Sepsis) sein. Diese ist lebensgefährlich und erfordert daher unmittelbar notärztliche Behandlung.

Wie kann ich eine Vorhautentzündung selbst behandeln?

"Als aller erstes sollte man eine ganz milde Reinigung durchführen, bei der man alle Ablagerungen entfernt. Anschließend würde ich empfehlen zwei Mal täglich Kamillenbecherbäder durchzuführen." Dazu kannst du zum Beispiel Kamillosan verwenden. "Ich würde empfehlen, diese Therapie für zwei bis drei Tage durchzuführen und dabei zu beobachten, ob sich eine Verbesserung einstellt." Eine zweite Möglichkeit ist die Anwendung von entzündungshemmender Salbe. Hier kannst du zum Beispiel eine schützende Zinksalbe auftragen, zum Beispiel diese hier.

"Wenn man Bläschenbildung am Penis entdeckt, so behandelt man mit dem gleichen Wirkstoff wie beim Herpes simplex (Lippenherpes), nämlich Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir", so die Expertin. Enthalten zum Beispiel in Zovirax. Bei wiederkehrenden Infektion erfolgt die Therapie dann nicht nur lokal sondern auch systemisch, sprich in Tablettenform. Übrigens: Manchmal entsteht eine Vorhautentzündung sogar genau durch diese Bläschen, und zwar durch eine Kreuzinfektion. Das heißt: Du berührst die Bläschen an deiner Lippe oder im Mund und infizierst dich anschließend, wenn du deinen Genitalbereich auf der Toilette berührst.

Aber bitte immer beachten:

  • Verwende stets unterschiedliche Tuben für z.B. die Lippen und den Genitalbereich
  • Verzichte im akuten Infektfall auf Geschlechtsverkehr, auch nicht oral oder anal
  • Verwende Kondome, wenn du nicht in einer monogamen Partnerschaft bist und beide Partner nachweislich gesund sind

Wann brauche ich bei einer Vorhautentzündung ärztliche Hilfe?

Das hängt vom aktuellen Zustand deiner Entzündung ab. "Ganz am Anfang, wenn man merkt, dass da etwas nicht stimmt, kann man meistens noch selbst eingreifen", so die Urologin. Das heißt, wenn deine Vorhaut ein wenig errötet ist, ein wenig juckt, oder ein wenig angeschwollen ist. "Nicht jedoch, wenn man Fieber hat, massiven Druckschmerz verspürt und weißlich oder gelblichen Ausfluss entdeckt", warnt die Expertin. Systemische Reaktionen wie Fieber können Vorboten einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung sein.

Dazu kommt es zwar nur in den seltensten Fällen, es zeigt aber umso mehr die Wichtigkeit auf, der Entzündung schnell mit einer Behandlung entgegenzuwirken. Nochmal im Klartext: Bei Fieber & Co. solltest du umgehend eine:n Ärzt:in aufsuchen! "Und auch wenn die Therapie der Kamillenbecherbäder und/oder der Salben innerhalb einiger Tage nicht anschlägt, sollte man eine:n Ärzt:in aufsuchen", empfiehlt Dr. Stredele.

Welchen Arzt sollte ich bei einer Vorhautentzündung aufsuchen?

Zuerst zum/zur Hausärzt:in oder doch besser direkt zum/zur Urolog:in? "Es ist in vielen Fällen empfehlenswert, direkt eine:n Urolog:in oder Dermatolog:in, die sexuell übertragbaren Infektionen ebenso mitbehandeln, zu konsultieren", sagt Stredele.

"Auch wenn man beim Hausarzt vorstellig werden kann, so verweisen viele Hausärzte gerne an Facharzt-Kolleg:innen. Am Ende kannst du aber auch zum/zur Hausärzt:in gehen. Denn: "Oftmals wissen die sehr gut, wer welche Behandlungsbereiche bei ihnen in der Nähe abdeckt", so Stredele.

Wie wird eine Vorhautentzündung ärztlich behandelt?

"Um den Grund für die Vorhautentzündung herauszufinden beziehungsweise den Erreger zu identifizieren, muss der/die Ärzt:in zunächst einen Abstrich entnehmen", sagt die Expertin. Erst wenn die Ursache der Entzündung eindeutig geklärt ist, kann man eine adäquate Behandlung vorschlagen. Diese Maßnahme ist aber nicht immer notwendig, weiß Dr. Stredele: "Vermutlich werden die meisten Ärzt:innen, wenn es nach einer herkömmlichen Vorhautentzündung aussieht, noch keinen Abstrich machen. Das tun sie meist erst dann, wenn kein Erfolg mit einer Becherbad-Therapie oder Ähnlichem erzielt wurde."

Wenn die/der Ärzt:in dann tatsächlich weitere Maßnahmen ergreifen muss, weil die Entzündung sich nicht verbessert hat oder von vornherein schon fortgeschritten war, kommt es bei der Wahl der Therapie ganz auf das Ergebnis des Abstrichs an. Diesen entnimmt der/die Ärzt:in vorsichtig mit einem Wattestäbchen von der entzündeten Vorhaut und lässt ihn anschließend im Labor untersuchen.

Ist das Ergebnis ein bakterieller Erreger, kommen meist Antibiotika zum Einsatz. Ist der Auslöser eine Pilzansammlung, wird die/der Ärzt:in spezielle Antipilzmittel – sogenannte Antimykotika – verschreiben. Beide Mittel werden zunächst häufig nicht als Tabletten zur oralen Einnahme verschrieben, sondern meist zur lokalen Anwendung: zum Beispiel als Salbe. Steckt hinter der Entzündung eine nicht-infektiösen Ursache kann die/der Ärzt:in auch kortisonhaltige Mittel verschreiben. Diese können die Entzündung ebenfalls eindämmen.

Wie kann ich einer Vorhautentzündung vorbeugen?

"Die beste Vorbeugung ist eine gute und ausreichende Intimpflege", sagt Regina Stredele. Das heißt regelmäßig, aber nicht übertrieben. Gründlich, aber nicht aggressiv. "In den allermeisten Fällen, wenn man das wirklich jeden Tag macht, reicht ein warmer Waschlappen aus. Mit dem sollte man dann vorsichtig die kleinen Smegma-Ablagerungen entfernen.

Und wenn man dann noch möchte, kann man eine pH-neutrale Seife verwenden, die für die Intimpflege vorgesehen ist", so Stredele. Zum Beispiel diese von Deumavan. Die Expertin weiter: "Eine allgemeine Empfehlung ist noch, dass sich Männer mit entsprechenden Erkrankungen ihrem erhöhten Risiko für eine Vorhautentzündung bewusst sind." Das gilt zum Beispiel für Diabetiker, oder Männer mit starkem Übergewicht. So solltest du in diesen Fällen einfach etwas bewusster mit Intimpflege umgehen, um deinem erhöhten Risiko entgegenzuwirken.

Eine ebenfalls wichtige Maßnahme gegen Posthitis ist die Verhütung. "Glücklicherweise haben wir in Deutschland mittlerweile eine HPV-Impfung", sagt Stredele. Doch leider sehen manche Männer darin eine Art Freifahrtschein, sich nicht mehr um Geschlechtskrankheiten sorgen zu müssen. Das ist natürlich ein Trugschluss, denn man kann sich neben den humanen Papillomviren auch noch mit anderen Erregern infizieren", warnt die Expertin. Und dennoch gilt: Auch die Impfung gegen HP-Viren ist eine hilfreiche Maßnahme zur Vorbeugung einer Vorhautentzündung.

Eine Vorhautentzündung ist unangenehm, jedoch in den meisten Fällen sehr gut selbst behandelbar. Hast man die Entzündung zu spät entdeckt, oder eine Behandlung aufgeschoben, muss ärztlicher Rat hinzugezogen werden. Hier werden je nach Ursache Antibiotika, Antimykotika oder kortisonhaltige Präparate verschrieben. Zwar können hinter einer Posthitis viele verschiedene Auslöser stecken, jedoch sind diese meist einfach zu vermeiden. Ganz oben auf der Vorbeuge-Liste: eine angemessene Hygiene und Verhütung. Hast du spezifische Hauterkrankungen, Diabetes, oder eine Vorhautverengung, ist dein Risiko für eine Vorhautentzündung erhöht. Dann gilt es, ganz besonders auf Hygiene zu achten.

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