Aufklärung: Sind graue Haare wirklich Grund zur Panik?

Gepflegte graue Haare können Sie mit Stolz tragen
Klar können Sie graue Haare färben. Pflegen Sie Ihren Schopf jedoch ordentlich, können Sie die helle Pracht durchaus mit Stolz tragen

Wir erklären, was Männer gegen graue Haare tun können und wie sie attraktiv & sexy wirken

Graue Haare mit Anfang 20? Mit Mitte 30? Warum wir graue Haare bekommen und was Sie etwas dagegen tun können, erklären wir Ihnen hier genauso wie die aktuellsten Methoden, graues Haar vom Gelbstich zu befreien, es zu repigmentieren, zu tönen und in eine attraktive Farbe zu verwandeln.

In diesem Artikel:

Ursachen für graue Haare

Unsere Haare wachsen aus Haarwurzeln, in denen sich Zellen befinden, die für die Farbe unserer Haare verantwortlich sind. Im Fachjargon heißen diese Zellen Melanozyten, die Farbpigmente Melanin. Sobald die Haare an der Kopfhautoberfläche sichtbar werden, sind sie pigmentierte Hornfäden. Sie zeigen die Information, die sie in der Zelle mitbekommen haben. Sobald sie sichtbar werden, sind Haare quasi tote Materie, die keine Informationen aus der Wurzel mehr bekommen kann.

Um Melanin produzieren zu können, braucht der Körper die Aminosäure Tyrosin. Ist es nicht ausreichend vorhanden, wird in der Zelle kein Melanin mehr gebildet. Bei der Haarproduktion wird es dann durch Leerräume, s.g. „Vakuolen“, ersetzt. „Werden Melanin-Reste noch mit verbaut, entsteht graues Haar. Fehlt es ganz, wächst das Haar farblos bzw. weiß nach“, erklärt Dr. Frank-Matthias Schaart, Dermatologe und Haarexperte aus Hamburg. Graue Haare sind also in der Regel eine optische Täuschung: Durch die Kombination von weißen, farblosen und noch pigmentierten, dunklen Haaren wirken die Haare insgesamt grau. „Über die Ernährung zusätzliche Gaben von Tyrosin aufzunehmen, um das Ergrauen der Haare zu verhindern oder heraus zu zögern, haben sich als wirkungslos erwiesen“, sagt Dermatologe Schaart .

Dass im Laufe des Lebens immer mehr Haare grau nachwachsen, ist ein natürlicher, genetisch festgelegter Prozess. Die Melanin-Produktion in den Haarwurzeln verlangsamt sich, bis unser Körper sie irgendwann ganz einstellt. Bei Mitteleuropäern beginnt das in der Regel mit Mitte 30, bei Afrikanern und Asiaten deutlich später.

Stress- und ernährungsbedingte Ursachen für frühzeitige graue Haare

 „Stress kann ein Auslöser für Haarausfall und damit auch für frühzeitiges Ergrauen der Haare sein“, erklärt Haarexperte Schaart, „Wenn sich Abbauprodukte von Stresshormonen im Körper ansammeln, können sie einen hormonell bedingten Haarausfall auslösen. Da dunkle Haare weniger fest in der Haarwurzel verankert sind als unpigmentierte, fallen dunkle Haare bei anhaltendem Stress schneller aus, zurück bleiben die grauen Haare.“

Mangelnde Ernährung bzw. Übersäuerung stehen im Verdacht, durch Nährstoffmangel Auslöser die Entstehung von grauen Haaren zu sein. „Allerdings gibt es keine Studie, die belegt, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel graue Haare verhindern kann“, sagt Dermatologe Schaart. Da aber dunkle Haare aus medizinisch noch ungeklärter Ursache weniger fest in den Haarwurzeln verankert sind,  kann eine gesunde Ernährung und Lebensweise, die generell die Körperzellen schützt, dazu beitragen, das diese länger auf dem Kopf verbleiben. Die Empfehlungen sind bekannt: Obst, Gemüse und Proteine liefern dem Körper reichlich Nährstoffe, während Kaffee, Alkohol und Zucker Säurebilder und Nährstoffräuber sind.

Stadien des Grauwerdens  und was dagegen hilft

1. Stadium: Hier und da ein graues Haar
In Ihrem ansonsten kräftigen Haar sprießen ein paar graue Strähnchen? Das kann viele Gründe haben: Alter, Stress, Ernährung und Ähnliches. Prüfen Sie, ob und was sich bei Ihnen verändert hat, und stellen Sie es wenn möglich ab – vielleicht wächst es wieder raus.

Tipp:
Anti-Grau-Shampoos
versprechen, dass sich bei regelmäßigem Gebrauch Farbpigmente gezielt in den für die weiße Farbe verantwortlichen Leerräumen anlagern können, um die dort fehlenden Farbpigmente zu ersetzen (z.B. Alpecin Tuning Shampoo). „Ihr Haar erhält dadurch seinen natürlichen Farbton zurück“, erklärt Rudolf Reisbeck, Vizepräsident des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks.

2. Stadium: Graue Schläfen und erste weiße Barthaare
Die Vorstufe zum vollständigen Ergrauen sehen Sie zuerst an Schläfen und Bart, wo die Haare eine kürzere Lebensdauer haben. In diesem Stadium ist die Produktion des Farbpigmentes Melanin bereits gedrosselt.

Tipp:

Repigmentierung:
Möchten Sie das Ergrauen tarnen, hilft ein Produkt zur Repigmentierung (z.B. Re-Nature von Schwarzkopf), das Sie alle 6 bis 8 Wochen in das Haar massieren. Dabei wird tief in die Haarwurzeln eine Vorstufe der Farbpigmente eingeführt, wo sich diese dann entwickeln. Reisbeck: „Das Gute an einer Repigmentierung ist, dass die Farbveränderungen nicht so plötzlich passieren, weil das Haar seinen natürlichen Farbton erst nach ein paar Tagen zurückbekommt.“

3. Stadium: Voll und ganz grau
Sie sind bereits komplett grau? Dann fehlt Ihnen die Möglichkeit, Melanin zu bilden. Nachwachsende Haare sind weiß bzw. farblos. Verstärkend kommt hinzu, dass Sie keine dunkleren Haare mehr haben, die den Effekt optisch abschwächen.

Sie haben jetzt 2 Möglichkeiten:

  • Das graue Haar mit Stolz zu tragen und dafür zu sorgen, dass es gepflegt aussieht.
  • Oder die grauen Haare zu tönen oder färben. Wir empfehlen Ersteres!
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Graues Haar vom Gelbstich befreien

Gratulation, Sie haben sich entschieden, zu Ihrem grauen Haar zu stehen. Sie befinden sich in bester Gesellschaft: Rayan Reynolds, Ben Affleck und Bastian Schweinsteiger machen vor, wie attraktiv dieser Look sein kann. Wenn er richtig gepflegt ist. Denn weiße Haare sind empfindlicher als dunkle. So können sie sich gegen UV-Licht mangels Melanin nicht gut schützen. Chlor, Nikotin oder Autoabgase lagern sich in ihnen sichtbarer an. Folge: Das Haar bekommt einen Gelbstich. Spezielle Shampoos und –tönungen enthalten blaue Pigmente, um den Gilb-Effekt zu mindern (z.B. KayPro Silver no yellow Shampoo oder Anti-Gelbstich Kur von Guhl Silberglanz). Blau, die Komplimentärfarbe zu Gelb, bringt den kräftigen Weiß- und Silberglanz zurück, den Sie dann mit Stolz tragen können. „Für eine schönes, cleanes Grau empfehle ich gern das Bed Head by Tigi Dumb Blonde Purple Toning Shampoo“, rät Friseur und Experte für Männerhaar Frank Senner aus Reutlingen.
Friseur Markus Salm aus Bonn, Markenbotschafter für die Männerlinie Men von System Professional, empfiehlt, bei noch wenig weißen Strähnen die Haare in ein Perlgrau abzutönen. „Es kommt auf die Menge der weißen Haare an“, sagt Salm, „Bei fast 100 % weißem Haar wie bei Richard Gere reicht ein Silber-Shampoo für einen attraktiven, rauchigen Look.“

Tipp:
Im Sommer sollten Sie ein Sonnenschutzsprays für die Haare benutzen (z.B. Sun Sonnenschutz Spray von Wella Professionals).

Graues Haar tönen

Friseure können Männern helfen, ganz gleich, in welchem Stadium des Ergrauens sie sich befinden. Aber Vorsicht: gefärbte Haare sehen schnell unnatürlich aus – vor allem, wenn sie am Tag vorher noch komplett grau waren.
„Männer kommen selten mit dem Wunsch in den Salon, die Haare zu färben, da sie Angst haben, dass es zu unnatürlich wirkt“, sagt Markus Salm, „Ich würde graue Haare niemals komplett färben, sondern tönen, da es eine natürliche Wirkung hat und die weißen Haare nicht komplett abdeckt.“ Er überzeugt seine ergrauenden Kunden lieber von einer Grau-Reduzierung (z.B. “Color Camo“ von Redken oder „Gradual Tone“ von System Professional). Dabei handelt es sich um Farbschaum, der den Naturton wieder auffrischt. Es gibt ihn in verschiedenen Farbtönen. Diese wird ins gewaschene Haar eingekämmt und muss dann kurz einwirken. Das Haar erlangt seine Farbe zurück, indem graue Haare mit dem Naturfarbton dezent überdeckt werden, ohne sie einzufärben. Salm: „Je nach Häufigkeit der Anwendung kann man den Naturton bis zu 30 % verstärken.“
Tipp:
Am besten, Sie lassen sich vom Friseur bei der Farbwahl beraten. Zu dunkle Haare lassen Männer älter erscheinen als sie sind. Deshalb immer lieber einen Ton zu hell als zu dunkel wählen. Auch fallen verbliebene und nachwachsende graue Haare dadurch weniger auf. Da die Farbe nach und nach bei jeder Haarwäsche schwächer wird, lassen Sie diese Prozedur am besten regelmäßig durchführen, wenn Sie ohnehin zum Haareschneiden gehen.

Übrigens kann man auch graue Bärte tönen. „Die meisten grauen Bärte sehen in der Regel cool aus“, sagt Markus Salm, „Jedoch kann man bei einigen partiell mit einer Tönung nachhelfen. Auch hier gilt: Leichte Transparenz erhöht die Natürlichkeit.“

Graue Haare färben

Vom Färben raten fast alle Friseure ihren männlichen Kunden mit grauen Haaren ab. „Mehr als eine Intensivtönung nimmt man in der Regel nicht, um eine stärkere Grauabdeckung zu erreichen“, sagt Markus Salm. Da das Haar in der Regel 1 cm pro Monat wächst, käme die graue Wahrheit schnell wieder zum Vorscheinen.
Auch Starfriseur Tobias Tröndle aus Frankfurt findet, dass graue Haare Männer interessanter machen und erlebt in seinem Salon, dass Männer ganz selten nur damit Probleme haben. „Meine Kunden mit grauen Haaren sind eher an einer ‚Optimierung‘ der Naturhaarfarbe interessiert“, so Tröndle. Wenn sich ein Mann dennoch für eine klassische Haarfärbung mit 100 % Deckkraft entscheidet, orientiert Tröndle sich an der Farbtiefe der Augenbrauen. Tröndle: „Die Nuancierung ist dabei abhängig von der Augenfarbe. Damit ist man auf der sicheren Seite und trifft den passenden Ton. Grundsätzlich gilt: die Nuancierung muss möglichst kühl sein - egal ob Intensivtönung oder Farbe.“

Haarschnitte für Männer mit grauen Haaren

„Tendenziell rate ich bei grauen Haaren zu kurzen, präzisen Haarschnitten à la George Clooney, David Beckham oder Ben Affleck“, sagt Tobias Tröndle. „Längere Haare wirken oft trocken, spröde und lassen sich nur schlecht stylen. Sie benötigen intensive Pflege und viel Feuchtigkeit. Es gibt nur wenige Ausnahmen wie zum Beispiel das Haar von Colin Farrell.“

Fazit:„Ich beobachte, dass die heutigen Männer selbstbewusst sind und kein Problem damit haben, graue Haare zu bekommen“, sagt Trendfriseur Tröndle. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit leichten Tönungen, einem guten Schnitt und passender Pflege eine attraktives Grau zu kreieren, so dass der Farbverlust bei Männern zum Imagegewinn wird.

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