Bartwuchs anregen: Lässt sich Bartwuchs beschleunigen?

Frage: An einigen Stellen wächst mein Bart unregelmäßig. Kann ich das Wachstum anregen?
Michael L., Kamen
Das Bartwachstum lässt sich schlecht beschleunigen
Unregelmäßiger Bartwuchs ist kein Grund zur Komplettrasur. Viele aktuelle Bartstyles kaschieren Bartlücken unauffällig

Unsere Antwort:

Geben Sie die Hoffnung nicht zu schnell auf: Viele junge Männer leiden unter unregelmäßigem Bartwuchs. Falls Sie noch unter 20 Jahre alt sind, stehen die Chancen sogar ganz gut, dass sich ein verstärkter Bartwuchs noch einstellt. Denn die ersten Barthaare, die in der Pubertät zu sprießen beginnen, sind sehr dünn. Manche Lücke im Bart schließt sich noch mit dem Stärkerwerden der Barthaare gegen Ende der Pubertät Anfang 20.
Tipp: Rasieren Sie die anfangs dünnen Barthaare häufig ab. Nein, häufiges Rasieren beschleunigt den Bartwuchs nicht, und die Haare wachsen auch nicht dicker nach. Denn bei der Rasur kommen Sie mit der Haarwurzel, die für Wuchs und Qualität des Barthaarhaars verantwortlich ist, gar nicht in Kontakt. Aber die mittig abgeschnittenen Barthaare laufen nicht mehr fransig-spitz zu und sind rauer und kräftiger. Dadurch können Sie zumindest ein wenig mehr Bartdichte erschummeln. Ganz wichtig: Spielen Sie nicht mit Barthaaren herum, ziehen Sie nicht daran. Dadurch irritieren Sie die Wurzel, die schlimmstenfalls die Haarproduktion einstellt. Auf diese Weise züchten Sie selbst Bartlücken.

Bartwuchs-Turbo Testosteron
Auch die Schwankungen des „Männerhormons“ Testosteron in unserem Blut kann die Intensität des Bartwuchses im Laufe des Lebens noch verändern. Denn der Testosteronspiegel wirkt sich auch auf den Haarwuchs beim Mann aus – im Guten wie im Schlechten. In der Jugend steigt er erst einmal an und hat oft auch mit Ende der Pubertät noch nicht seinen Höchststand erreicht. Während ein Anstieg von Testosteron die Wurzeln der Kopfbehaarung negativ beeinflusst und zu Haarausfall führen kann, bewirkt er gleichzeitig eine verstärkte Körperbehaarung und damit auch einen stärkeren Bartwuchs, der ab einer gewissen Länge kleinere Lücken gut verdeckt.
Ihren Testosteronspiegel dem Bartwuchs zuliebe künstlich zu steigern ist übrigens keine gute Idee. Denn erstens können Hormonpräparate nur die Barthaarstärke beeinflussen, und nicht die Anzahl und Verteilung der Haarfollikel. Und zweites müssen Sie ins Kalkül ziehen, dass ein Hormonanstieg auch einen verstärkten Haarverlust auf dem Kopf nach sich ziehen kann.

Erfolgversprechende Therapien bei kreisrunden Bartlücken
„Die häufigsten Ursachen, warum Männer mit ungleichmäßigem Bartwuchs oder sogar echten Lücken im Bartbereich unsere Spezialpraxis für Haarerkrankungen aufsuchen, sind der kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata barbae) oder ein angeborener Minderwuchs der Barthaare“, berichtet Hautarzt und Haarspezialist Dr. Frank-Matthias Schaart aus Hamburg. Etwa 1 bis 2 mal im Monat suchen Männer mit Lücken im Bartbereich seine Spezialpraxis auf mit der Bitte um Diagnosestellung oder therapeutische Hilfe. Mit diesen Therapien kann der Facharzt den Betroffenen zumindest bei kreisrundem Barthaarausfall Hoffnung machen:

  • Hochdosierte Zinkbehandlungen;
  • Topische Immuntherapie durch ein äußerliches Auftragen von Cortison oder die Unterspritzung der haarlosen Bereiche mit Cortison-Kristallsuspensionen;
  • Behandlung mit dem Fractional-Laser. Schaart: „Hiermit kommt es in circa 50% der Fälle nach 15-18 Wochen zu einem kompletten Nachwuchs der ausgefallenen Haare.“

Allerdings: „Gegen anlagebedingte, also vererbte Lücken im Bart ist in der Regel kein Kraut gewachsen, da hierbei die Haarwurzeln fehlen oder gar nicht erst angelegt sind“, so der Experte, "In seltenen Fällen können auch Infektionen der Barthaarwurzeln durch Bakterien oder Pilze bzw. Bindegewebserkrankungen Ursache für Haarausfall im Bartbereich sein."

Unregelmäßig gewachsene Bartpartien sind kein Grund zur Verzweiflung -Shutterstock/Stokkete

Barthaar-Transplantation
Gibt es die Möglichkeit einer Barthaar-Transplantation ähnlich einer Kopfhaartransplantation? "Korrekturen im Oberlippenbereich und an den Wangen sind möglich", sagt Ursula Halsner, Haarchirurgin aus München. Vereinfacht ausgedrückt werden bei der Operation kleinste Hautteilchen (Durchmesser ungefähr 0,9 Millimeter) mit Haarwurzeln vom Kopf ins Gesicht verpflanzt. "Wichtig ist, dass das Kopfhaar kräftig genug ist, um als Bartersatz zu taugen. Zu dünnes Haar ist ungeeignet."
Die Operation dauert etwa sechzig bis neunzig Minuten, je nach Größe der Transplantate. "Die Heildauer beträgt nur etwa zehn Tage, ein Verband ist nicht notwendig." Nach zwölf Wochen beginnt das neue Barthaar aus den verpflanzten Wurzeln zu wachsen. Vereinbaren Sie einen Termin bei einem Haarchirurgen oder schicken Sie ihm ein Foto um festzustellen, ob die Operation durchführbar ist.

Ernährungs-Tipps für einen volleren Bartwuchs
Bevor Sie sich für so drastische Methoden entscheiden, sollten Sie erst einmal versuchen, Ihren Bartwuchs auf natürliche Art die optimalen Wuchsbedingungen zu bieten: So fördern die Nährstoffe Biotin und Kieselerde nachweislich ein gesundes Haarwachstum. Präparate gibt es günstig in Drogeriemärkten. Spezielle Bartwuchs-Mittel wie z.B. „BeardActive“ (gibt’s z.B. über amazon für rund 40 Euro) enthalten meist ebenfalls Biotin, Kieselerde, L-Cytein und B-Vitamine in Kombination mit weiteren Mineralien und Vitaminen. Mit einer gesunden Ernährung kann man sich diese Ausgabe jedoch sparen. Gesunde, proteinreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Haferflocken, Eier und Käse sollten feste Plätze auf Ihrem Speiseplan haben. Übrigens: Die Haut mit scharfem Senf oder Knoblauch einzureiben, um müßige Haarwurzeln zur Produktion anzuregen, funktioniert leider nicht und gehört ins Reich der Bart-Mythen.

Haarwuchsmittel
Manche Männer versuchen mit Haarwuchsmittel für den Kopf ihren Bartwuchs auf die Sprünge zu helfen. Seriöse Studien belegen z.B. die Wirksamkeit des Wirkstoffs Minoxidil bzw. Finasterid bei erblich bedingtem Haarausfall (gibt als Präparat z.B. Regaine) – auf dem Kopf. Ob Minoxidil  bzw. Regaine auch in der Bartregion wirkt ist umstritten: „Finasterid in Tablettenform hilft in aller Regel nicht gegen unregelmäßigen Haarwuchs des Bartes. Anders als im Bereich der Kopfhaare, wo es beim analgebedingten Haarausfall des Mannes, teilweise sensationelle Erfolge erzielt“, sagt Haarexperte Schaart, „Wenn überhaupt kann man einen Versuch mit Minoxidil (5%) haltiger Lösung machen, die man 2x täglich in die betroffenen Areale einmassiert. Ein Effekt ist aber auch hierbei nicht gewiss.“

Vollbart ist Trend, keine Frage. Falls Sie Lücken im Bart haben und diese Sie extrem stören oder belasten, sollten Sie sich über verschiedene Bartstyles informieren. Bartfrisuren, die sich mit unregelmäßigem Bartwuchs vereinbaren lassen, sind z.B. der Fu Manchu oder der wieder sehr angesagte Moustache. Mehr Inspiration finden Sie in unserer Bartfrisuren-Galerie.

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