Woran erkennt man einen guten Vater?

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Guter Vater Woran erkennt man einen guten Vater ?

Eine Frage, viele Meinungen: Was macht einen guten Vater aus? Wir haben 10 Papa-Experten um eine Antwort gebeten

Bin ich ein guter Vater? Diese Frage schwirrt jedem Dad wahrscheinlich ab und zu im Kopf herum. Die Antwort darauf muss jeder Mann für sich selbst finden und ist sehr individuell. Impulse von außen kann man sich aber durchaus holen. Was macht einen guten Vater aus, haben wir deshalb auch zehn Papa-Experten gefragt – vom Väter-Forscher bis zum Instadaddy. Hier sind ihre Antworten.

1. Ein Vater, der ein gleichberechtigtes Elternteil sein will

"Grundsätzlich ist für mich persönlich ein guter Vater zunächst einmal einer, der wirklich gleichberechtigtes Elternteil sein will. Der die entsprechende Arbeit und Verantwortung – mit allen Härten und allen Freuden, die damit einhergehen – zu übernehmen bereit ist. Und der diese Verantwortung auch für sich offensiv einfordert, wenn etwa der Arbeitgeber, die Gesellschaft oder auch die eigene Partnerin ihn nicht immer sofort als gleichwertigen Elternteil ernst nehmen. Ansonsten ist für mich derjenige Mann der beste, der bestmögliche Vater, der es schafft, er selbst zu sein, mit seinen Stärken, seinen Schwächen, seinen Eigenheiten. Der die Auseinandersetzung bezüglich der eigenen Vaterrolle beständig führt, der sich und sein Erziehungsverhalten auch kritisch hinterfragt, aber ansonsten keinen äußeren Idealen von einem vermeintlich #guten Vater' folgt. Wir brauchen keine 'Super-Papas', sondern ganz normale Männer, die gerne Vater sein wollen.“

Von Björn Süfke aus Bielefeld. Er ist Psychologe, Männertherapeut und Autor mehrerer Bücher, zum Beispiel "Männer. Was es heute heißt, ein Mann zu sein" und "Papa, Du hast ja Haare auf der Glatze!". Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.maenner-therapie.de.

2. Ein Vater, der keine Ersatzmutter ist

"Ein guter Vater will weder perfekt noch eine Ersatzmutter sein. Er ist ein männliches Unikat in der Partnerschaft und im Familiengefüge. Das ist für die Selbstachtung als Mann und zugleich als Vorbild für die Kinder wichtig. Nur am Vater können Töchter und Söhne lernen, was es bedeutet, als Mann durch das Beziehungsleben zu gehen. Für mich als Paarberater ist es sehr wichtig, dass die Mann-Frau-Beziehung in einer Familie nicht zu kurz kommt. Für den Mann bedeutet das, dass er eventuell seine Partnerin immer wieder herzlich und freundlich daran erinnert, auch ab und zu aus der Mutterrolle zu schlüpfen. Ein guter Vater kümmert sich zuerst um die Partnerin und dann um die Kinder. Denn für die Kinder ist eine funktionierende und zufriedene Partnerschaft der Eltern ein riesiges Geschenk."

Von Sascha Schmidt aus Kiel. Er arbeitet als Paarberater und Business-Coach und hat schon mehrere Bücher zum Thema geschrieben, u.a. "Wieder Paar sein" und "Neue Väter – neue Karrieren". Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.wieder-paar-sein.de.

3. Ein Vater, der nicht nur auf Quality-Time setzt

"Diese Frage habe ich mir auch vor mehr als 20 Jahren anlässlich der Geburt meiner ersten Tochter gestellt. Für mich bedeutet das, dass ich meine Rolle als Vater aktiv leben und am alltäglichen Leben meiner Töchter von Beginn an teilhaben wollte. Unsere zweijährige Elternzeit haben meine Frau und ich uns paritätisch aufgeteilt, was zu der damaligen Zeit noch sehr ungewöhnlich war. Dieser für mich kalte Sprung ins Wasser hat sich aber für uns alle in der Familie ausgezahlt, da ich mit den gesammelten Erfahrungen und der Vision einer familienfreundlicheren Wirtschaft (wie ich sie nicht erlebt habe), die Väter gGmbH gegründet habe. Ziel war es immer, andere Väter zu motivieren, ähnliche Erfahrungen zu machen, so dass sie diese in ihren Unternehmen im Rahmen von Väternetzwerken weitergeben können und einen Schneeballeffekt auslösen. So konnte ich in den letzten Jahren in vielen Unternehmen beobachten, das jungen Vätern eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Familie immer wichtiger ist. Denn sie wollen nicht nur 30 Minuten Quality-Time am Abend vor dem Schlafen mit ihren Kindern verbringen. Junge Väter wollen miterleben, wie ihre Kinder aufwachsen, die ersten Schritte machen und ihnen ein Vorbild sein."

Von Volker Baisch aus Hamburg. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Väter GmbH, die große Unternehmen und deren männliche Mitarbeiter bei dem Themenkomplex "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" unterstützt. Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.vaeter-ggmbh.de.

4. Ein Vater, der sich durch Alltagstaten auszeichnet

"Wenn mit guter Vater ein moderner Vater gemeint ist, dann unterscheidet er sich deutlich von der eigenen Vätergeneration. Er sieht es als persönlichen Gewinn, sich aktiv an der Betreuung und Erziehung seiner Kinder zu beteiligen. Moderne Väter zeichnen sich durch ihre Alltagstaten aus. Sie machen mit der Mutter Wechselschicht am Wickeltisch, schmieren Pausenbrote und unterstützen bei den Hausaufgaben. Sie bleiben zuhause, wenn das Kind krank ist, sie fahren nachmittags das Papa-Taxi und gehen abends zur Elternpflegschaftssitzung. All dies und noch mehr machen sie nicht nur während zwei Elternzeitmonaten, sondern auf Dauer und partnerschaftlich mit der Mutter. Deshalb setzen moderne Väter ihren Wunsch nach vollzeitnaher Teilzeit um – auch gegen Widerstände der Chefs, Augenrollen der Kumpels und Skepsis der Partnerin. Die Kinder profitieren davon: Zahlreiche Studien belegen, dass sich väterliches Engagement positiv auf ihre Entwicklung auswirkt. Moderne Väter sind auch starke Partner: Die geteilte Verantwortung bei der Kinderbetreuung und -erziehung entlastet die Mütter und gibt ihnen den Raum, berufliche Vorstellungen umzusetzen."

Dr. David Juncke aus Düsseldorf leitet beim Wirtschaftsinstitut Prognos den Beratungsbereich "Familienpolitik" und ist Autor verschiedener Väterstudien. Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.prognos.com.

5. Ein Vater, der cool ist, aber auch mal nervt

"Du wirst ein guter Vater, sagten sie. Und zwar alle! Kaum hatten wir verkündet, dass sich der erste Nachwuchs ankündigt, war das der Nummer-eins-Satz, den mir jeder der davon erfuhr in freudiger Erwartung entgegenbrachte. Ich erwiderte es meist mit einem kurzen "Danke!" ohne diesen fast schon floskelhaften Satz tiefgründiger zu hinterfragen. Ich hab selbst auch nie daran gezweifelt, einer von den Guten zu werden, aber was das eigentlich bedeutet, weiß ich erst jetzt so richtig, zwei Söhne später – ein 12-jähriges Pubertier und einen 3-jährigen Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Erst meine beiden Kids haben mir gezeigt, was es heißt, ein guter Vater zu sein. Ich hatte als kleiner Junge auch nur Blödsinn im Kopf, deshalb fällt es mir oft schwer, wahnsinnig konsequent zu sein. Und so hab ich meinen Weg in einer Art liebevollem Regelgerüst gefunden. Ja, es gibt zum Beispiel die Regel, dass wir alle irgendwann ins Bett müssen, aber wenn der Film noch nicht zu Ende geguckt ist, das Spiel noch zwei Runden dauert und die Popcorn-Tüte noch halb voll ist… ja dann wird es eben später! So what!? Und mit bestimmtem Blödsinn darf man es eben auch nicht übertreiben und das wissen meine Jungs, aber schmunzeln tun wir dann trotzdem gemeinsam darüber. Voller Respekt und irgendwie auch immer auf Augenhöhe. Ich will, dass sie die Welt sehen und andere Kulturen erleben. Mit allem was dazu gehört. Mit den richtigen Werten und dem Wissen, dass sie sich meiner stets sicher sein können an ihrer Seite. Manchmal als nerviger Papa und manchmal (zu 99 Prozent hoffe ich) als cooler Dad!"

Von Paul Dumitrescu aus Hamburg. Ihn kennen viele besser unter der Bezeichnung Daddy Channel, wie er sich auf Instagram nennt. Dort hat der inzwischen mehr als 43.000 Follower. Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.daddychannel.de.

6. Ein Vater, der es nicht total vermasselt

"Prinzipiell sollte sich ein guter Vater nicht von einer guten Mutter unterscheiden. Beide lieben ihre Kinder bedingungslos, sind für die Kinder da, wenn sie gebraucht werden, und sorgen dafür, dass es den Kindern geistig und körperlich gut geht. Im Alltag sollte ein Vater Zeit mit seinen Kindern verbringt. Und zwar nicht nur die vielfach beschworene 'Quality Time', bei der Vaddi am Wochenende mit den Kindern in den Zoo geht, während Mutti den nervigen Alltagskram an der Backe hat, sondern auch ganz normal unter der Woche. Ohnehin sollte sich ein Vater für alles, was die Familie und die Kinder angeht, genauso zuständig fühlen wie die Mutter. Außerdem sollten sich Vater und Mutter als Team verstehen. Zu zweit können sie sich mit ihren jeweiligen Stärken unterstützen. Zu zweit können sie die Kinder in Doppeldeckung nehmen und in Schach halten. Zu zweit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens einer weiß, was das Baby, das Trotzkind oder der pubertierende Teenager will. Und zu zweit schaffen es die Eltern – mit etwas Glück –, dass die Kinder keine egoistischen, rassistischen Arschgeigen werden, sondern zu toleranten, mitfühlenden und liebenswerten Menschen heranwachsen. Wenn das klappt, war man gute Eltern. Oder zumindest hat man es nicht total vermasselt."

Von Christian Hanne-Herkommer aus Berlin. Er ist Papablogger der ersten Stunde, zudem veröffentlicht er in schöner Regelmäßigkeit Bücher, sein neuestes Werk heißt "Papa braucht ein Fläschchen". Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.familienbetrieb.info.

7. Ein Vater, der sich seinen Schwächen bewusst ist

"Diese Frage stelle ich mir fast wöchentlich, nein, fast täglich. Vor allem an Tagen, in denen es mich innerlich zerreißt, wenn mein Sohn, 4,5 Jahre alt, mal wieder nur seine Mama verlangt, sie mehr kuschelt, mehr mit ihr spielen möchte. Es ist ein wiederkehrendes Muster und heute weiß ich, dass es mit mir zu tun hat, weniger mit meinem Sohn. Er ist, wie er sein soll – ein Kind, dass nach seinen Bedürfnissen handelt. Und das ist gut so. Ich dagegen bekomme die Chance, an meiner Angst der Ablehnung zu arbeiten. Ich finde, ein guter Vater hat Schwächen, hat Themen aus der eigenen Kindheit, die ihn sein Leben lang begleiten. Es zeichnet ihn aus, wenn er sich dieser Schwächen bewusst wird. Das ist sicher nicht selbstverständlich und einfach schon gar nicht. Oft gehen wir Jahre unbeschwert durchs Leben und erst unser Kind legt den Finger in die Wunde. Versucht das mal. Geht in euch und sucht nach Themen, die den Alltag mit euren Kindern schwer erscheinen lassen. Fragt euch, was des Pudels Kern ist und filtert nach und nach die Auslöser heraus. Oftmals findet ihr Ähnlichkeiten aus eurer eigenen Kindheit. Treffer! Und eine Chance, Freundschaft mit den Themen zu schließen. Ein guter Vater arbeitet stetig an sich, wie ich finde."

Von Florian Schleinig aus Hamburg. Er ist zusammen mit Dad-Redaktionsleiter Marco Krahl Host des zweiwöchentlichen Podcasts "Echte Papas", den man unter anderem hier hören und abonnieren kann: https://echtepapas.podigee.io/.

8. Ein Vater, der seine Kinder zum Lachen bringt

"Wenn ich das wüsste! Ich hatte nur einen Vater. Und den einen hatte ich auch nicht besonders lang, denn er starb, als ich 15 war. Was mir in dieser kurzen Zeit, die wir zusammen waren, aber gut gefallen hat: Er hat mich zum Lachen gebracht. Zum Beispiel hat er sich seine Unterhemden nicht normal ausgezogen – er hat sie einfach zerrissen! Zugegeben, das machte er nur bei den alten, die er sowieso wegwerfen wollte, aber ich fand es trotzdem unfassbar, wie ein Mensch so stark sein konnte. Ich bin dabei immer gescheitert. Außerdem war mein Vater sehr gelassen. Sogar als ich meine T-Shirts mit Scheren statt mit Muskelkraft bearbeitete – ich kann mich nicht erinnern, dass er mich jemals angebrüllt oder bestraft hätte. Und das lag definitiv nicht daran, dass ich das bravste Kind der Welt war. Ganz im Gegenteil. Also was macht einen guten Vater aus? Humor und Gelassenheit. Und das Gefühl, seine Kinder ohne Bedingungen zu lieben."

Von Ralph Caspers aus Köln. Er moderiert "Die Sendung mit der Maus", "Quarks" und "Wissen macht Ah!". Zudem veröffentlicht er regelmäßig Bücher, zuletzt "99 harmlose Fragen für überraschende Unterhaltungen zwischen Eltern und Kindern".

9. Ein Vater, der an seine Kinder glaubt

"Es gibt viele Aspekte, die wir uns bei dieser Frage anschauen könnten, doch für mich ist der Aspekt des Vertrauens und der bedingungslosen Annahme aus meiner persönlichen und meiner Beratungserfahrung am wichtigsten, um eine gelingende Vater-Kind-Beziehung aufzubauen. Deshalb möchte ich allen Vätern sagen: Habt Vertrauen darin, dass eure Kinder so in Ordnung sind, wie sie sind. Dass ihr sie lieben könnt, gerade weil sie so sind, wie sie sind. Wir müssen nichts anderes aus ihnen machen oder sie permanent formen wollen. Sie lernen so viel von uns, ohne dass wir ständig davon reden und gleichzeitig haben sie schon so viel Potenzial in sich, dass wir durch unsere Vorstellungen möglichst wenig zerstören sollten. Viele von uns hätten sich das als Kind gewünscht: bedingungslos angenommen sein als Mensch, auch und gerade wenn wir uns einmal nicht so verhalten haben, wie das andere erwarten. Vertrauen heißt für mich auch, davon auszugehen, dass das Verhalten unserer Kinder Sinn ergibt, egal ob wir das jetzt gerade verstehen oder nicht. Zum Vertrauen gehört ebenfalls, dass wir Vertrauen in uns selbst haben, dass wir gut genug für unsere Kinder sind und gerade dadurch jeden Tag einen kleinen Schritt mit ihnen wachsen können."

Von Carsten Vonnoh aus Weimar. Er ist Vätercoach, Seminarleiter und Buchautor von "Up to Dad". Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.vaterverantwortung.de.

10. Ein Vater, der sich nicht zu wichtig nimmt

"Ein guter Vater ist für mich der, der sich nicht vergleicht, der sein Vatersein als Entwicklungschance sieht, sich reflektiert, in seiner Persönlichkeit wächst und offen zu seinen Stärken und Schwächen steht. Der aktiv für sein Kind da ist, verantwortungsbewusst ist und dennoch selber ein Stück weit Kind bleibt, um seinen Kindern die Welt zeigen zu können, Türen zu öffnen und ein positives Lebenskonzept vorzuleben. Der seinen Kindern den Raum gibt, ihre eigene Individualität zu entwickeln und der es schafft, abseits der gelernten Werte durch die Augen seiner Kinder zu sehen, ohne sich selber allzu wichtig zu nehmen."

Von Mario Förster aus Görlitz. Er ist ein Urgestein in der Papabloggerszene, der schon seit zehn Jahren aktiv ist. Mehr Infos zu ihm gibt es unter www.netpapa.de.

Was macht einen guten Vater aus? Wir haben gefragt, zehn Experten haben geantwortet. Bist du nach ihren Antworten schlauer? Vielleicht? Bist du selbst ein guter Vater? Bestimmt! Die Tatsache, dass du diesen Artikel gelesen hast, ist der beste Beweis.

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