Hodenschmerzen: Die 8 häufigsten Ursachen für Beschwerden in den Hoden

Alles über Hodenschmerzen
Hodenschmerzen sollten Sie ernst nehmen: Alles über Ursachen und Hilfe bei Problemen im Schritt

Wer schon einmal einen Tritt in die Kronjuwelen erlebt hat, weiß: das tut verdammt weh. Im Vergleich zu anderen Hodenproblemen ist das aber harmlos. Wie Sie Symptome richtig deuten und was hilft

Solange sie gesund sind, spielen die Hoden – von den mehr oder weniger sanften Streicheleinheiten beim Sex mal abgesehen – nur eine Nebenrolle. Hauptsache, die Produktion läuft gut. Erst wenn sie richtig Beschwerden machen, drängen sie sich ins Rampenlicht. Doch dann kann es manchmal schon zu spät sein. Wir erklären, wie Sie die 7 häufigsten Hodenbeschwerden noch rechtzeitig erkennen.

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Warum bekommt man Hodenschmerzen?

Die Hoden sind eine der empfindlichsten – wenn nicht sogar die empfindlichste Stelle eines Mannes. Deswegen sind Probleme in dieser Region äußerst unangenehm. Die Ursachen für Hodenschmerzen sind sehr unterschiedlich, aber immer Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. In diesem Artikel erfahren Sie die häufigsten Auslöser für Hodenbeschwerden und was Sie dagegen tun können.

Wann sollte man bei Hodenschmerzen zum Arzt?

Neben Schmerzen in den Hoden, die Symptom für ein Problem sein können, gibt es aber auch Hodenerkrankungen, die sich nicht in Schmerzen äußern. Diese sind beispielsweise an tastbaren Veränderungen zu erkennen. Andere Erkrankungen werden erst sehr spät spürbar. Wenn Sie Schmerzen oder anderweite Veränderungen in oder um die Hoden entdecken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um sicherzugehen, dass keine schwerwiegende Erkrankung dahintersteckt. Keine unnötige Scham: Hodenbeschwerden treten häufiger auf als Sie denken, für den Urologen ist das reine Routine.

1. Ursache für Hodenschmerzen: Entzündung der Nebenhoden

Die Ursache für eine Entzündung der Nebenhoden sind meist verschleppte Bakterien einer Harnwegsinfektion. "Typischerweise ist nur ein Hoden betroffen", sagt Professor Joachim Noldus, Oberarzt an der urologischen Uniklinik Eppendorf in Hamburg.

Symptome: Es brennt, wenn Sie Wasser lassen. Die betroffene Seite ist heiß, geschwollen, rot und berührungsempfindlich. Häufig schmerzt schon das ruhige Hängen des Hodensacks; geht man in die Rückenlage, nehmen die Beschwerden ab.

    Ein Symptom: Schmerzen beim Wasserlassen
    Brennen beim Wasserlassen kann auf eine Entzündung der Nebenhoden hinweisen

    Behandlung: Sie sollten zum Arzt gehen, um sich Antibiotika und eventuell Schmerzmittel verschreiben zu lassen. Kühlen Sie zudem den betroffenen Hoden und lagern Sie ihn hoch (eine zusammengerollte Socke oder Mullbinde darunterlegen). Wenn Sie sich nicht hinsetzen oder -legen können, sollten Sie einen festen Slip tragen – auch das mindert das unangenehme Zuggefühl am Samenstrang.

    Vorbeugen: Männer sind zwar seltener von Harnwegsinfektionen betroffen als Frauen, aber wenn, dann meist heftig. Doktern Sie nur nicht allein daran herum, sondern gehen Sie besser gleich zum Arzt, wenn es beim Pinkeln brennt.

    2. Grund für Schmerzen im Hoden: Entzündung der Samenleiter

    Die Ursache für eine Entzündung des Samenleiters ist in der Regel nicht der Samenleiter selbst. Klassischerweise sind Bakterien wie E.coli, Enterokokken, Chlamydien, Treponemen oder Mykoplasmen die Ursache. Sie steigen – meist beim Geschlechtsakt – durch die Harnröhrenöffnung auf und gelangen so in den Samenleiter. Die Entzündung des Samenleiters tritt besonders oft nach Sex mit wechselnden Sexualpartnern auf oder nach einer Sterilisation.

    Symptome: Ist nicht allein der Samenleiter betroffen, kommt es zu Schmerzen beim Wasserlassen, einem vermehrten Harndrang und weißlichen Ausfluss. Ist lediglich der Samenleiter entzündet, tritt meist ein Schmerz und eine Schwellung in der Leiste auf. Wenn die betroffene Region berührt wird, ist der Schmerz besonders stark. Auch der Samenerguss ist sehr unangenehm.

    Behandlung: Bei einer fortgeschrittenen Entzündung verschreibt der Arzt meist ein Antibiotikum. Aber auch frei verkäufliche Medikamente, wie zum Beispiel Ibuprofen können Schmerz und Schwellung lindern.

    Vorbeugen: Da die Entzündung des Samenleiters häufig beim Sex übertragen wird, empfiehlt sich, ein Kondom zu tragen. Wer nach dem Geschlechtsakt die Blase entleert, schwemmt außerdem Bakterien aus dem Harnleiter. Weiterhin ist Hygiene wichtig, da die Bakterien auch vom Anus zur Harnröhre gelangen können.

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    3. Ursache für Hodenschmerzen: Entzündung der Hoden

    Eine Entzündung der Hoden tritt deutlich seltener auf als Nebenhoden-Beschwerden und wird fast immer durch Viren ausgelöst. Eine Hodenentzündung ist in den meisten Fällen die Folge einer Mumps-Infektion.

    Symptome: Wie bei Nebenhoden-Entzündungen, jedoch sind hierbei in der Regel beide Seiten betroffen. Die Rötung ist nicht so stark.

    Behandlung: Da Unfruchtbarkeit droht, kann der Arzt neben Schmerzmitteln auch Interferon verordnen, um damit die Infektion zu bekämpfen. Sie selbst sollten außerdem die Hoden kühlen und hochlagern.

    Vorbeugen: Kinder kann man gegen Mumps impfen lassen. Erwachsene Männer, die weder geimpft sind noch die Krankheit durchgemacht haben, sollten sich von infizierten Kindern fernhalten.

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    4. Ursache für Hodenschmerzen: Hodenprellung

    Ein Schmerz, so stark, dass man fast ohnmächtig wird: Ein Ball, ein Tritt oder das Knie der Bettgespielin landen gelegentlich an der falschen Stelle. Dadurch kann sich ein Bluterguss im Hoden bilden.

    Symptome: Auch, wenn Sie es im ersten Moment vielleicht glauben: Sie müssen nicht sterben. Der Schmerz, der Ihnen die Luft abschnürt, sollte nach wenigen Minuten soweit abgeklungen sein, dass Sie nur noch merken: Da war etwas.

    Behandlung: Wenn möglich: kühlen. Der Bluterguss muss von allein abklingen, was einige Wochen dauern kann (so lange tut es aber nicht weh). Heparinsalbe nützt in dem Fall nichts, da sie nicht weit genug ins Gewebe vordringen kann.

    Eine Hodenprellung ist sehr schmerzhaft

    Vorbeugen: Bei Sportarten mit Körpereinsatz sollten Sie ein Suspensorium (vulgo: Eierbecher) tragen. Wer mal so richtig eins auf den Sack gekriegt hat, der behauptet nicht mehr, dass dies nur was für Warmduscher ist – es kann schließlich noch schlimmer kommen.

    5. Grund für Hodenschmerzen: Krampfader Varikozele

    Krampfadern treten bei 19 Prozent der Männer auf, vor allem junge Männer sind häufig betroffen. Es handelt sich dabei um Erweiterungen der Venen, verursacht durch geschädigte Klappen. Die sollen eigentlich den Blutfluss in die falsche Richtung verhindern (der Begriff "Krampfader" ist also falsch). Die Varikozele liegt in 90 % der Fälle links, weil das Blut dort weniger gut abfließt. Die ausgesackten Venen können unfruchtbar machen, weil sie vermutlich zur Erwärmung des Gewebes führen.

    Symptome: Manche Männer spüren einen dumpfen, ziehenden Schmerz, andere überhaupt nichts. Die Venen lassen sich im Stehen als knubbelige Schwellungen ertasten; im Liegen sind sie nicht fühlbar.

    Behandlung: Nur, wenn man Beschwerden hat oder noch Kinder zeugen möchte, muss etwas unternommen werden. Die Krampfadern werden dann entweder durch Veröden oder durch Abbinden blockiert. Die Eingriffe werden unter lokaler Betäubung durchgeführt und dauern je etwa 30 Minuten.

    Vorbeugen: Nicht möglich. Es können auch immer wieder neue Krampfadern auftreten.

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    6. Ursache für Hodenschmerzen: Hodenruptur

    Es handelt sich um eine Hodenruptur, wenn bei einem Volltreffer unter die Gürtellinie auch die Tunica albuginea, eine den Hoden umgebende Haut, reißt.

    Symptome: Der Schmerz ist noch schlimmer als bei einem gewöhnlichen Schlag oder Tritt in die Zwölf. Außerdem klingt er auch nicht nach einer Weile ab, was Sie als deutliches Zeichen Ihres Körpers auffassen sollten. Ab zum Arzt!

    Behandlung: In der Zwischenzeit kühlen. Der Arzt kann mit Ultraschall und Abtasten gut feststellen, ob die Tunica albuginea eingerissen ist. Wenn ja, wird sie wieder zusammengenäht. "Selbst, wenn es äußerlich nicht erkennbar ist, kann das Gewebe so stark zerfetzt sein, dass der oder die Hoden entfernt werden müssen", sagt Urologie-Professor Noldus.

    Vorbeugung: Brauchen Sie nun wirklich noch ein weiteres Plädoyer für den Eierbecher?

    7. Ursache für Hodenschmerzen: Hodenverdrehung Torsion

    Auch akutes Skrotum genannt. Dabei ist einer der Hoden um die Achse seines Samenstrangs verdreht und schnürt sich dadurch die Blutzufuhr ab. Sie tritt vor allem bei Kindern und jüngeren Männern (bis etwa 25 Jahren) auf. Auslöser ist zumeist eine falsche Bewegung. In manchen Fällen verdreht sich ein Hoden allerdings auch ohne äußeren Einfluss, lediglich durch Zusammenziehen der Muskeln am Samenstrang.

    Dauerhafter Schmerz im Hoden? Sofort zum Arzt!
    Der Schmerz einer Hodentorsion ist einer der schlimmsten Schmerzarten

    Symptome: Ischämieschmerz (zu Deutsch: ausgelöst durch absterbendes Gewebe) gehört zu den stärksten überhaupt. Er setzt bei der Hodenverdrehung schlagartig ein und lässt sich auch durch eine Veränderung der Lage (Hochlegen des Hodens, Anziehen der Beine) nicht lindern. Der Schmerz kann bis in die Leiste und den Bauchraum ausstrahlen.

    Behandlung: Lassen Sie sich umgehend in ein Krankenhaus bringen, auch in der Nacht. Je schneller die Verdrehung beseitigt wird, desto größer ist die Chance, dass sich das betroffene Gewebe wieder erholt. "Bereits nach 6 Stunden ist die Schädigung des Hodens so gravierend, dass er entfernt werden muss", sagt Professor Noldus. Im Krankenhaus wird eine besondere Ultraschall-Untersuchung gemacht (die so genannte Doppler-Sonografie), bei der die Durchblutung gemessen werden kann. Manchmal verursacht nämlich auch eine akut einsetzende Nebenhoden-Entzündung ähnlich starken Schmerz. Das Zurückdrehen eines Hodens in die richtige Position erfordert nur kleine Schnitte; die Operation dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde. Dabei wird der Hoden so fixiert, dass er sich nicht erneut verdrehen kann.

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    Vorbeugen: Manchmal dreht sich der Hoden spontan von allein in die richtige Lage, die Schmerzen lassen urplötzlich nach. Auch wenn Sie den Doc bereits aus dem Schlaf geholt haben, muss Ihnen dies nicht unangenehm sein. Schildern Sie ihm Ihre Beschwerden und tun Sie auf diese Weise etwas, um einer erneuten Torsion vorzubeugen. Wenn der Arzt eine Nebenhoden-Entzündung ausschließt, wird er Ihnen sicher empfehlen, den drehfreudigen Hoden vorbeugend fixieren zu lassen. Schließlich könnten Sie sich ja gerade irgendwo in der Wildnis befinden, wenn wieder eine Torsion auftritt.

    8. Ursache für Hodenschmerzen: Hodenkrebs

    Es ist die häufigste aller bösartigen Gewebeveränderungen bei jungen Männern. Rein statistisch gesehen tritt Hodenkrebs bei 7 von 100.000 Männern auf.

    Symptome: Schmerzen bereitet so ein Hodentumor fast nie. Meist wird er beim Waschen ertastet; dann ist der Tumor in der Regel etwas größer als ein Stück Würfelzucker. Manchmal macht er den Betroffenen auch unfruchtbar und wird entdeckt, weil man sich wegen ausbleibenden Nachwuchses in Behandlung begibt. Einige Tumormarker im Blut können in erhöhter Zahl auftreten, müssen aber nicht.

    Behandlung: Der Arzt untersucht einen Knoten mittels Ultraschall. Bestätigt sich der Krebsverdacht, wird der befallene Hoden durch einen Schnitt in der Leiste samt Samenstrang entfernt. Die Zeugungsfähigkeit bleibt erhalten, denn nur sehr selten sind beide Hoden betroffen. Auch wenn der Tumor noch keine Metastasen ausgebildet hat, wird manchmal zusätzlich bestrahlt oder eine kurze Chemotherapie verordnet, damit es nicht zum Rückfall kommt.

    Ein Urologe erkennt die Ursache für Hodenschmerzen
    Ein Urologe erkennt meist schnell die Ursache hinter Hodenschmerzen

    "Wenn der Tumor noch keine Metastasen gestreut hat, liegen die Heilungschancen bei 95 %", sagt der Urologe Noldus. "Das ist eine bessere Quote als bei jedem anderen bösartigen Tumor." Auch für den Fall, dass sich der Krebs schon weiter ausgebreitet hat, stehen die Heilungschancen mit 80 bis 90 % besser als bei vielen anderen Krebsarten.

    Vorbeugen: Gute Heilungschancen haben Sie nur, wenn ein Tumor frühzeitig entdeckt wird. Deshalb sollten Sie Ihre Kronjuwelen mindestens alle 3 Monate gründlich abtasten, am besten, wenn Sie ganz entspannt unter der Dusche stehen. Rollen Sie den Hodensack Stück für Stück sanft zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her. Wenn Sie dabei eine Verhärtung entdecken, sollten Sie gar nicht erst versuchen, diese zu verharmlosen. Der Knubbel wird Ihnen sowieso erst wieder aus dem Sinn gehen, wenn Ihnen ein kompetenter Facharzt bestätigt hat, dass es eindeutig kein Krebs ist. Und falls doch: Zeit ist Leben.

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    Fazit: Die meisten Probleme sind gut behandelbar

    Die Hoden sind die empfindlichste Region des Mannes und verdienen deswegen besonders viel Aufmerksamkeit. Wenn Sie Schmerzen oder eine Veränderung spüren, sollten Sie so schnell wie möglich mit einem Arzt darüber sprechen, statt lange mit Schmerzen herumzulaufen oder viel Geld für unnötige Mittelchen auszugeben. Die gute Nachricht: die meisten Probleme sind sehr gut behandelbar – vorausgesetzt, Sie lassen sich auch behandeln!

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