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Was tun bei Schmerzen im Hoden
Warum Sie Ihre Hoden monatlich abtasten sollten HD92 / Shutterstock.com

Hodenkrebs Warum du deine Hoden monatlich abtasten solltest

Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren. Zur Früherkennung solltest du regelmäßig Hand anlegen. So machtst du es richtig

Wie oft im Jahr nimmst du deine Hoden in die Hand? Diese Frage ist ernst gemeint. Denn vermutlich tust du es seltener, als es für deine Gesundheit gut und richtig wäre. Wer regelmäßig wenige Sekunden dafür aufwendet, seine Hoden abzutasten, kann mögliche Veränderungen im Gewebe frühzeitig erkennen.

In diesem Artikel:

"Bösartige Hodentumoren gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Männern", erklärt Hans-Christian Schuppe, Professor für Andrologie am Universitätsklinikum Gießen. Jedes Jahr erkranken rund 4000 Männer in Deutschland an Hodenkrebs. Die Hälfte davon sind zwischen 20 und 34 Jahre alt.

Warum sollte ich meine Hoden regelmäßig abtasten?

Für Frauen ist es selbstverständlich, dass sie in regelmäßigen Abständen ihre Brüste auf Veränderungen abtasten. Spätestens beim ersten Frauenarztbesuch werden sie auf den Selbst-Check zur Brustkrebsvorsorge aufmerksam gemacht. Bei Männern gibt es nach der Untersuchung durch den Kinderarzt keine regelmäßigen Kontrollen mehr, welche die Genitalien einbeziehen. Als es die Wehrpflicht noch gab, wurden oft erst bei der Musterungsuntersuchung Auffälligkeiten des Hodens entdeckt. "Das war eine Art 'Filterfunktion'. Die Untersuchung und Früherkennung auf Prostatakrebs ist gesetztlich geregelt. Jeder Mann soll sich ab 45 Jahren einer Kontrolle unterziehen. Anders bei Hodenkrebs: Es gibt hier kein etabliertes Früherkennungsprogramm", so Prof. Schuppe.

Der Grund, wieso der Krebs oft erst spät entdeckt wird, liegt also meist daran, dass viele Männer nicht wissen, dass sie ihre Hoden abtasten sollten. Das ist aber wichtig, denn je früher Hodenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die sind positiv: 95 Prozent aller Betroffenen wird wieder gesund.

Wie tastet man die Hoden richtig ab?
Feel Photo Art / Shutterstock.com
Viele Männer wissen nicht, wann und wie sie die Hoden abtasten sollen.

Wie oft sollte man die Hoden abtasten?

Wichtig ist, dass du es regelmäßig tust. Wenn du deine Hoden bisher eher stiefmütterlich behandelt hast, solltest du jetzt damit anfangen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Damit du Unebenheiten leichter ertastest, musst du wissen, wie sich die Hoden im normalen Zustand anfühlen. Einmal im Monat solltest du dir Zeit für die Selbstuntersuchung nehmen.

Was kann man am Hoden ertasten?

Um einen möglichen Tumor oder eine andere Anomalie frühzeitig zu erkennen, solltest du auf bestimmte Symptome achten. "Im gesunden Zustand ist die Oberfläche der Hoden, die sich im Hodensack gut beweglich durch die Haut tasten lassen, glatt und leicht eindrückbar ('prall-elastisch'); die seitlich anliegenden Nebenhoden kann man ebenfalls fühlen", erklärt Schuppe. Die folgenden Symptome können auf eine Krebserkrankung hinweisen:

  • Ein Knoten oder Knubbel im Hodengewebe. Im frühen Stadium misst ein Knötchen oft nur die Größe eines Reiskorns oder einer Erbse und ist nicht schmerzhaft.
  • Änderungen der Gewebedichte oder -struktur. Der Hoden fühlt sich hart oder uneben an.
  • Ein vergrößerter Hoden. Es ist normal, wenn einer der Hoden tiefer oder höher hängt oder größer als der andere ist. Hat sich einer der Hoden aber erst in letzter Zeit vergrößert, ist das ein Alarmzeichen.
  • Ein Schweregefühl oder Ziehen im Hodenbereich.

Wenn du eines der Symptome beim Hoden abtasten entdeckst, muss das noch nicht bedeuten, dass du an Hodenkrebs erkrankt bist. In vielen Fällen steckt auch eine harmlose Ursache hinter den Warnzeichen. Es können zum Beispiel auch eine Infektion, eine Verletzung oder Nierensteine zu einer Umformung der Hoden führen. Bei Auffälligkeiten solltest du jedoch sicherheitshalber unbedingt einen Arzt hinzuziehen, der die Symptomatik durch eine genauere Untersuchung besser beurteilen kann.

Hoden abtasten: Selbstcheck unter der Dusche
VGstockstudio / Shutterstock.com
Während oder nach einer warmen Dusche ertastest du Knötchen am Hoden leichter.

Selbstcheck: Wie taste ich meine Hoden richtig ab?

Am besten tastest du die Hoden nach der Dusche oder einem Bad ab. Durch die Wärme wird die Haut des Hodensacks (Skrotum) weicher, sodass ungewöhnliche Änderungen leichter spürbar sind. Geh beim Check folgendermaßen vor:

  1. Schritt beim Hoden abtasten: Betaste den gesamten Hodensack zunächst in der geöffneten Handfläche von unten und bewege ihn leicht auf und ab. So bekommst du ein Gefühl für Gewicht und Größe der Hoden.
  2. Schritt beim Hoden abtasten: Anschließend tastest du jeden Hoden einzeln ab. Dafür rollst du die Hoden vorsichtig zwischen Daumen (an der Oberseite) und Zeige- und Mittelfinger (an der Unterseite) hin und her. Achte auf Unebenheiten und Knoten. Jetzt kannst du auch die Nebenhoden spüren. Sie liegen an der Außenseite und oben auf den Hoden. Sie können leicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden.
  3. Schritt beim Hoden abtasten: Zuletzt kannst du vor einem Spiegel kontrollieren, ob eine Schwellung oder anderweitige äußerliche Veränderung an den Hoden erkennbar ist.

Je öfter du die Selbstuntersuchung durchführst, desto routinierter wirst du. Der Selbstcheck kostet dich dann nur wenige Sekunden.

Was verursacht Hodenkrebs?

Die Ursachen für Hodenkrebs sind nicht vollständig geklärt. Es gibt allerdings Risikofaktoren, welche die Entstehung von Hodenkrebs begünstigen. Männer, bei denen einer oder mehrere Risikofaktoren vorliegen, sollten neben der Selbstkontrolle auch regelmäßig eine Kontrolle beim Urologen durchführen lassen. Die Risikofaktoren sind:

  • Hodenhochstand in der Kindheit: "Lag in der Kindheit ein Hodenhochstand vor, bleibt das Erkrankungsrisiko auch nach Behandlung erhöht. Es ist etwa 4- bis 6-fach höher, insbesondere wenn die operative Korrektur spät erfolgte", so der Experte.
  • eine Hodentumorerkrankung in der Familie: "Hodenkrebs tritt familiär gehäuft auf. Heißt: Hodenkrebs bei Vater oder Bruder erhöhen das Risiko selbst zu erkranken", so Schuppe.
  • eine Fruchtbarkeitsstörung: "Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auf Störungen der Hodenfunktion hinweisen: Bei 0,5 bis 1 Prozent der Männer, die primär wegen Fertilitätsstörungen untersucht werden, findet sich ein Hodentumor", erklärt der Androloge.
  • Männer, die schon einmal an Hodenkrebs erkrankt waren: "Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, ist besonders bei Patienten erhöht, die bereits an einem Hodenkrebs erkrankt waren; bis zu 5 Prozent der Betroffenen entwickeln im Verlauf einen bösartigen Tumor auf der Gegenseite", so Schuppe.
  • Genetische Störungen: "Genetische Störungen sind in der Regel eher seltener Risikofaktor. Die anderen Faktoren sind deutlicher", erklärt der Experte.
Ein Urologe überprüft einen Verdacht auf Hodenkrebs
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Ein Urologe oder Androloge prüft den Verdacht auf eine Krebserkrankung

Welcher Arzt behandelt Hodenkrebs?

Wenn du bei der Selbstuntersuchung mit der Hand oder vorm Spiegel etwas Auffälliges entdeckst oder spürst, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen. "Ein Urologe oder Androloge kann durch Abtasten und Ultraschalluntersuchung der Hoden klären, ob ein krebsverdächtiger Befund oder andere Veränderungen vorliegen, die eine weitere Abklärung und Behandlung erforderlich machen", erklärt Prof. Dr. Schuppe. "Bei Patienten der genannten Risikogruppen, zum Beispiel nach Hodenhochstand in der Vorgeschichte, sind zusätzlich zur monatlichen Selbstuntersuchung auch ärztliche Verlaufskontrollen der Hoden (Tastbefund und Ultraschall) in jährlichen Abständen anzuraten", so Schuppe.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Hodenkrebs?

Die Heilungschancen bei Hodenkrebs sind sehr hoch. Rund 95 Prozent aller Betroffenen werden nach einer Therapie wieder ganz gesund. Voraussetzung ist, dass der Krebs früh erkannt wird. Beim Verdacht eines Hodentumors wird operiert. Es wird geklärt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. "Bestätigt sich der Verdacht bei der Schnellschnittdiagnostik von Gewebsanteilen noch während der Operation, wird der Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang komplett entfernt", so Prof. Dr. Schuppe. Anschließend findet eine so genannte Ausbreitungsdiagnostik statt. Dabei wird mittels Computertomografie untersucht, ob es auch an anderen Stellen im Körper Absiedelungen gibt. Dann wird entschieden, wie man behandelt. Man kann einige Tumore durch eine Bestrahlung des Lymphabflussgebietes oder mit einer Chemotherapie behandeln. Wenn der Krebs früh erkannt wird, kann man sich Bestrahlung und Chemotherapie jedoch ersparen. Daher ist die frühzeitige Erkennung sehr wichtig.

Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar
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Früherkennung ist wichtig: Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar

Hat eine Hodenkrebserkrankung Auswirkungen auf Fruchtbarkeit oder Potenz?

"Um bei der Fruchtbarkeit auf Nummer Sicher zu gehen, sollte vor dem Behandlungsbeginn bei Hodenkrebs unbedingt über eine Kyrokonservierung von Sperma als 'Fertilitätsreserve' gesprochen und diese auf Wunsch auch durchgeführt werden", so Schuppe. In einigen Fällen ist die Hodenfunktion infolge der Krebserkrankung allerdings so stark eingeschränkt, dass keine Spermien im Ejakulat zu finden sind. "In diesem Fall können Gewebsproben aus nicht vom Hodenkrebs betroffenen Bereichen, beziehungsweise dem Hoden der Gegenseite, eingefroren werden, um später eine Spermienisolierung hieraus zu versuchen. Bei Verlust beider Hoden ist für einen normalen Hormonhaushalt – und damit die Aufrechterhaltung der Potenz – eine Testosterontherapie erforderlich", erklärt der Androloge.

Wie finde ich bei Verdacht auf Hodenkrebs einen geeigneten Arzt?

Die Diagnose Hodenkrebs stellt nur ein Urologe oder Androloge. Er kann auch bei Auffälligkeiten beraten. Wenn du dir nicht sicher bist, wo der nächste Mediziner in deiner Nähe ist, kannst du deinen Hausarzt befragen. Auf dem Urologenportal, der Internetseite der deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), findest du außerdem einen Urologen-Finder. Weitere Informationen zum Thema Hodenkrebs finden Männer bei der aktuellen Kampagne gegen Hodenkrebs der DGU: www.hodencheck.de.

Jeder Mann sollte die Vorsorgeuntersuchung seiner Hoden selbst in die Hand nehmen: Einmal im Monat solltest du dir Zeit für so eine Selbstuntersuchung nehmen. Bei Auffälligkeiten gehst du unbedingt zum Arzt. Die gute Nachricht: Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar. 

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