Zahnschmelz stärken: 8 Tipps für schöne, starke Zähne

8 Tipps für schöne, starke Zähne
Voraussetzung für schöne, gesunde Zähne ist ein starker Zahnschmelz

Autsch! Auf Hitze und Kälter reagieren Ihre Zähne empfindlich? Könnte am Zahnschmelz liegen. So behalten Sie einen starken Biss

Ihr Zahnschmelz leistet jeden Tag Schwerstarbeit. Dank ihm können Sie selbst ein zähes Stück Fleisch essen oder beim Workout die Zähne zusammenbeißen. Zahnschmelz ist das härteste Material im ganzen Körper, und mit der richtigen Pflege bleibt das auch so. Wenn Sie Ihren Zahnschmelz aber vernachlässigen, wird er irgendwann dünner oder kann sogar abbrechen. Diese Schäden können nicht mehr rückgängig gemacht werden und dann bereiten selbst Kleinigkeiten wie ein kaltes Bier oder ein Apfel auf einmal Schmerzen. Auch Krankheiten wie Karies können viel schneller den Zahn angreifen. Damit Ihnen das nicht passiert, zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihren Zahnschmelz stärken können.

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Ohne intakten Zahnschmelz werden die Zähne schmerzempfindlicher
Ohne intakten Zahnschmelz werden die Zähne schmerzempfindlicher

Warum löst sich Zahnschmelz?

Die Außenschicht des Zahns, auch Enamelum genannt, besteht aus einer gitterförmigen Verbindung von Kalzium und Phosphat, dem sogenannten Hydroxylapatit. Das ist zwar ziemlich robust, hat aber einen Erzfeind: Säure. Ein saurer pH-Wert entsteht im Mund vor allem, wenn Sie saure oder kohlenhydratreiche Lebensmittel essen. "Das entzieht dem Zahnschmelz Mineralien und das Gitter des Zahnschmelzes weicht auf", erklärt die Zahnärztin Julia Seidler vom Zahnmedizinischen Zentrum Berlin. Dadurch wird es viel anfälliger für Belastungen von außen, zum Beispiel beim Kauen oder Zähne putzen. Aber nicht nur Lebensmittel können den Speichel saurer machen. Bei etwa 20 Prozent der Deutschen läuft im Schlaf Magensaft durch die Speiseröhre hoch und endet im Mundraum. "Diese Reflux-Krankheit schadet den Schleimhäuten und den Zähnen, weil sie stundenlang der Magensäure ausgesetzt sind", erklärt Seidler.

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Auch die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Immer wenn Sie essen oder Zähne putzen, reiben die Zähne aufeinander und werden dadurch minimal abgerieben. Das ist nicht weiter dramatisch, aber wenn Sie zum Beispiel durch Stress mit den Zähnen knirschen oder eine zu harte Zahnbürste benutzen, kann dieser Abrieb zu stark werden und Probleme verursachen. 

Was passiert, wenn der Zahnschmelz kaputtgeht?

Wenn der Zahnschmelz nicht richtig gepflegt wird, wird er immer weicher und dünner. Wenn Sie dann etwas Hartes essen, kann die Schicht zerkratzt werden oder sogar absplittern. Dadurch ist das empfindliche Zahnbein weniger vor Temperaturschwankungen oder sauren Lebensmitteln geschützt. Kommen Ihre Zähne damit in Berührung, spüren Sie dann einen fiesen Schmerz, der bis in den Kiefer ziehen kann. Außerdem ist der Zahn dann anfälliger für Krankheiten wie Karies, weil Bakterien sich besser in den weichen und aufgerauten Zahnschmelz einnisten können. Im schlimmsten Fall bekommen Sie eine sogenannte Zahnschmelzhypoplasie, bei der ihr Zahnschmelz so stark zurückgebildet ist, dass Ihre Zähne matt und durchschimmernd werden und Sie starke Schmerzen bekommen.

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Nach dem Essen sollte man nicht sofort die Zähne putzen
Nach dem Essen sollten Sie dem Zahnschmelz zuliebe nicht sofort die Zähne putzen

Kann sich Zahnschmelz wieder aufbauen?

"Im Schmelz verlaufen weder Nerven noch Blutgefäße, so ähnlich wie bei Fingernägeln", erklärt die Zahnärztin. Deshalb kann sich der Schmelz nicht selbst regenerien. Im Gegensatz zu den Nägeln wächst die Schicht aber auch nicht nach. Was einmal kaputt ist, kann man also nicht mehr reparieren. In solchen Fällen kann nur noch der Zahnarzt versuchen, die betroffenen Stellen wieder aufzubauen, etwa mit Füllungen oder Kronen. Nur wenn der Zahnschmelz zwar weicher, aber noch nicht abgetragen ist, können Sie ihn mit der richtigen Pflege wieder stärken.

So können Sie den Schmelz stärken

Die gute Nachricht: Es ist gar nicht so schwer, seinen Zahnschmelz gesund zu halten. "Das Wichtigste ist, dass der Schmelz nicht zu lange einem sauren pH-Wert ausgesetzt ist und Sie unnötigen Abrieb vermeiden", erklärt Seidler. Mit diesen Gewohnheiten können Sie Ihren Zahnschmelz stärken:

  1. Vermeiden Sie zu viel Säure
    Bestimmte Lebensmittel sorgen dafür, dass der pH-Wert sinkt, also saurer wird. Das sind zum einen kurze Kohlenhydrate wie Zucker oder weißes Mehl, zum anderen können aber auch säuerliche Lebensmittel die Zähne angreifen. Beispiele dafür sind Softdrinks wie Cola oder Limonade, aber auch Wein, Säfte oder saures Obst weichen den Schmelz auf.
  2. Warten Sie mit dem Putzen
    "Nach dem Essen braucht der Zahnschmelz bis zu 90 Minuten, bis sich der Schmelz wieder komplett regeneriert hat", beschreibt Seidler. Nach dem Essen sollten Sie deshalb mindestens eine halbe Stunde die Zahnbürste liegen lassen, je länger desto besser.
  3. Putzen Sie richtig
    "Wenn Sie mit einer harten Zahnbürste mit viel Druck die Zähne schrubben, trägt das nach und nach den Zahnschmelz ab", warnt die Zahnärztin. Sieht Ihre Zahnbürste schon nach kurzer Zeit ganz plattgedrückt und unordentlich aus? Dann putzen Sie in Zukunft mit weniger Druck und langsameren Bewegungen
  4. Ziehen Sie das Essen nicht zu sehr in die Länge
    "Für die Zähne macht es einen großen Unterschied, ob Sie das gleiche Essen in ein paar Minuten oder über längere Zeit verteilen essen", so die Ärztin. Wenn Sie zum Beispiel eine Stunde an einem Glas O-Saft nippen, ist das für die Zähne schlimmer, als wenn Sie einen Liter auf einmal trinken. Denn so ist der pH-Wert im Mund viel länger sauer, und das bedeutet mehr Zeit, in der der Zahnschmelz geschwächt ist.
  5. Kombinieren Sie Lebensmittel
    Es gibt zwar Lebensmittel, die den Schmelz belasten, aber auch solche, die dem entgegenwirken. Vor allem Fette wie Kokosöl oder Milchprodukte helfen dem Zahnschmelz dabei, gesund zu bleiben. Schneiden Sie deshalb Ihr Obst in eine Portion Quark, oder essen Sie nach dem Hauptgang noch ein Stück Käse.
  6. Kauen Sie Kaugummi
    Keine Milchprodukte zur Hand? Dann nehmen Sie nach dem Essen doch einfach ein (zuckerfreies) Kaugummi. "Das regt den Speichelfluss an und sorgt dafür, dass die Säure im Mund schneller abgebaut ist", erklärt Seidler. Aber Vorsicht, wenn Sie zu Kieferproblemen oder Zähneknirschen neigen, kann das Kauen das Kiefergelenk zusätzlich belasten.
  7. Hellen Sie die Zähne nicht auf
    Hausmittel oder Zahnpasten, welche die Zähne aufhellen sollen, sind für den Zahnschmelz eine Katastrophe. Der Weiß-Effekt basiert entweder auf Säure oder Schleifpartikeln, die die verfärbten Stellen abtragen sollen. Dann sind die Flecken zwar weg, der Zahnschmelz aber auch. Außerdem wird die Schicht aufgeraut, sodass sich sogar noch schneller neue Verfärbungen bilden können. Plus: Durch den dünneren Schmelz schimmert irgendwann das dunklere Zahnbein durch.
  8. Ernähren Sie sich ausgewogen
    Sollten Sie dann nicht Ihrer Zähne zuliebe komplett auf Saures und Kohlenhydrate verzichten? Nein, denn eine ausgewogene Ernährung ist auch für die Zähne wichtig. "Vitamine und Spurenelemente fördern das Wachstum und die Aufrechterhaltung der oralen Strukturen, der Zähne und Schleimhäute", erklärt Seidler. Das heißt, dass Sie in jedem Fall regelmäßig in einen sauren Apfel beißen können (und sogar sollen).

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Flouridhaltige Zahnpasta stärkt den Zahnschmelz
Flouridhaltige Zahnpasta stärkt den Zahnschmelz

Ist Fluorid schädlich?

Ein weiterer Bestandteil der Zahnpflege ist die geeignete Zahnpasta, die enthält meistens Fluorid. Dieser Stoff steht momentan allerdings in der Kritik: Rein theoretisch kann man sich damit eine akute oder chronische Vergiftung oder eine sogenannte Fluorose zuziehen. Die giftige Dosis liegt bei Erwachsenen zwischen 32 und 64 Milligramm pro Kilo Körpergewicht, bei einem 80 Kilo schweren Mann also bei etwa 2560 Milligramm. Zum Vergleich: In einer Portion Zahnpasta stecken etwa 1 Milligramm Fluorid, und das wird sogar noch zum großen Teil wieder ausgespuckt. "Die gesetzlichen Grenzwerte in fluoridierten Zahnpasten stellen sicher, dass die Konzentration ungefährlich ist", beschreibt Seidler. Nur wenn Sie kleine Kinder haben, sollten Sie sich eine kindgerechte Zahnpasta mit einer niedrigeren Konzentration holen.

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Auf Fluorid verzichten sollten Sie aber nicht. "Es ist wissenschaftlich belegt, dass das lokal angewendete Fluorid die Zahl der Karieserkrankung deutlich verringert hat", erklärt Seidler. In der normalen Menge setzt sich dieses Salz in den Zahnschmelz und macht ihn dadurch resistenter gegen Säure. "Diesen Effekt konnte man bei den alternativen Pasten wie Biorepair noch nicht nachweisen", sagt die Ärztin. Unterstützend können Sie sich auch noch fluoridiertes Speisesalz oder sogar grünen Tee holen. "Die Teepflanze reichert während des Wachstums natürliches Fluorid an, deshalb remineralisiert grüner und schwarzer Tee den Zahnschmelz", so die Zahnärztin. Die Verfärbungen, die durch den Tee kommen, sind nicht schlimm und können weggeputzt werden.   

Schäden am Zahnschmelz sind zwar irreparabel, aber leicht zu vermeiden. Es liegt vor allem an den richtigen Gewohnheiten, den Zahnschmelz gesund zu halten.