Jobsharing: Vor- und Nachteile

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Vor- und Nachteile Jobsharing Wie Jobsharing eine bessere Vereinbarkeit ermöglicht

Als Führungskraft muss man immer 60 Wochenstunden abrocken? Denkste! Wir zeigen dir, wie du Dank Jobsharing deine Arbeitszeit reduzieren kannst und mehr Freiräume für deine Familie bekommst

Wenn du im Zoom-Meeting mit Breiflecken auf dem Hemd vor dem Bildschirm sitzt, wird es Zeit, Prioritäten zu setzen. Kind oder Karriere? Doch wer will schon wählen, wenn er beides liebt. Hier kann Jobsharing, das auch gerne als Topsharing bezeichnet wird, die Lösung sein: Du behältst deinen Job, arbeitest aber weniger und teilst dir die Verantwortung für deinen Bereich mit einem Kollegen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem neuen Arbeitsmodell.

Wie funktioniert Jobsharing?

Am besten erklärt man Jobsharing in dem man es von dem Begriff Teilzeit abgrenzt. Möchtest du deine Arbeitszeit reduzieren, dann trennt das Unternehmen im Normalfall deine Vollzeitstelle in zwei voneinander unabhängige Teilzeitstellen. Vollzeit-Light, sozusagen. Jobsharing jedoch ist da anders: "Beim Jobsharing teilen sich zwei Personen mindestens eine Stelle. Doch ist es nicht bloß eine neue Art der Teilzeit. Vielmehr ist es ein Management-Tool, das dem Mitarbeiter mehr Freiheit bietet, Familie und Beruf gleichberechtigt unter einen Hut zu bekommen. Und weil man nicht einfach nur auf zwei Teilzeitstellen nebeneinander her arbeitet, sondern sich kooperativ eine Stelle teilt, kann man trotz reduzierter Arbeitszeit auch noch sehr gut Karriere machen.", sagt Esther Himmen, Geschäftsführerin und gemeinsam mit Katharina Wiench die Doppelspitze von Pairforming, einer Jobsharing-Beratungsfirma für Unternehmen und Führungskräfte. Nicht mehr das Unternehmen teilt die Vollzeitstelle auf, sondern die Angestellten, die im Jobsharing arbeiten. So könntest du die konkrete Aufgabenverteilung deiner Stelle mit deinem Partner nach euren eigenen Vorlieben, Stärken und zeitlichen Anforderungen flexibel und eigenverantwortlich managen. Doch die wirkliche Magie besteht darin, dass man kooperativ miteinander arbeitet. Dadurch erlaubt Jobsharing es, komplexe Positionen wie Führungspositionen oder Expertenrollen – in denen einen harte Teilzeitaufteilung oftmals unmöglich ist – auf zwei Paar Schultern zu tragen und so einen anspruchsvollen Job bei gleichzeitig reduzierter Arbeitszeit zu ermöglichen.

Was ist der Mehrwert für Väter?

Die Vereinbarkeit von Familie und Job ist beim Jobsharing einfacher zu bewerkstelligen als bei einer Teilzeitstelle. Denn zum einen können grundsätzlich mehr Stellen im Jobsharing besetzt werden, als in Teilzeitstellen umgewandelt werden können. Für Väter, denen viel an ihrer Stelle liegt und die sich nicht zwischen ihrer Familie und ihrer Karriere entscheiden möchten, ist Jobsharing damit perfekt. Führungskräfte können so einfach in Doppelspitze weiterführen. Zum anderen gibt es durch den kooperativen Aspekt des Jobsharings für die Pairforming-Doppelspitze nicht nur einen zeitlichen Gewinn. Himmen: "Besonders bei den reinen Männertandems, mit denen wir arbeiten haben wir festgestellt, dass sie den Aspekt der Entlastung sehr am Jobsharing schätzen. Man muss die Last der Verantwortung nicht mehr allein tragen und gewinn noch einen qualifizierten Sparringpartner dazu. Viele sagen, dass sie dadurch im Job deutlich entspannter sind."

Ein sogenanntes Hop-On-Tandem – ein zeitlich begrenztes Tandem – wiederum erlaubt es Vätern, nach der Elternzeit einfach in das Unternehmen reintegriert zu werden. Hierfür wird der Vater mit einem Tandempartner gematcht, sodass er sich langsam wieder ins Unternehmen einarbeiten kann. Dies wäre ein guter Kompromiss für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und würde Elternzeit attraktiver machen.

Aber Jobsharing kann auch eine Möglichkeit für Männer sein, die gerne ihren Bereich wechseln möchten. Wer unzufrieden mit der Berufswahl ist oder sich in einem anderen, benachbarten Fachbereich ausprobieren will, aber der Familie wegen nicht auf das sichere Einkommen verzichten kann, kann sich einen Tandempartner suchen. Der Partner kann die fehlenden Qualifikationen ergänzen und den Kollegen anlernen. So wäre es möglich, seine alte Stelle im Tandem zu behalten und die freie Zeit für das Ausprobieren anderer Stellen zu verwenden.

Beeinflusst Jobsharing das Gehalt?

Tendenziell teilen du und dein Partner euch das Gehalt nach der prozentuellen Arbeitszeit. Doch in der Gehaltsverhandlung muss sich der Jobsharer nicht verstecken. "Wer seine Stunden reduziert, muss sich auf ein geringeres Gehalt einstellen. Im Verhältnis kann Jobsharing jedoch auch Chancen für die Gehaltsentwicklungen bieten. Man hat nämlich gute Argumente, denn man bietet 200 Prozent Brainpower für 120 Prozent Gehalt", so Himmen. 120 Prozent Gehalt, da die meisten Stellen, meist mehr als 40 Stunden Arbeit beinhalten und der wahre Vorteil des Jobsharings erst in der Überschneidung der Arbeitszeiten – Stichwort Synergien – liegt. Die Argumente für deine Gehaltsverhandlung lauten: die Stelle ist durch die Doppelung dauerbesetzt, du und dein Tandempartner seid ausgeruhter und zufriedener und dadurch deutlich produktiver und die Mehrkosten des Unternehmens sind dadurch in der Realität nicht exorbitant höher. Wichtig in der Verhandlung ist, dass man sich als die Lösung eines Problems präsentiert. Beispielsweise sind schwierig zu besetzenden Expertenstellen oder Schnittstellen zwischen Abteilungen im Tandem sehr viel effektiver zu bearbeiten.

Geteilte Verantwortung: Für wen ist Jobsharing geeignet?

Jobsharing ist nur etwas für Väter, die auch bereit sind, im Team zu arbeiten. Wer sich hier nicht mit seinem Tandempartner abspricht, kommt schnell aus dem Rhythmus und fällt im schlimmsten Fall vom Rad. Kommunikation, Planung, etwas Reflexionsbereitschaft und Kompatibilität mit dem Partner sind Grundvoraussetzungen. "Man muss bereit sein zu reflektieren und reflektiert zu werden. Das kann allerdings für Führungskräfte auch eine große Bereicherung sein, da sie so jemanden haben, der ihnen ehrliches Feedback geben kann", berichtet die Beraterin. Es ist ein stückweit wie in deiner Beziehung. Und auch diese Beziehung braucht Arbeit. Wortwörtlich, da man sich als Tandem Zeit zur Absprache und Organisation rausnehmen muss. Weiterhin musst du mit dem Gedanken leben können, deine unfertige Arbeit an deinen Partner abzugeben und andersherum. Die Dokumentation der eigenen Arbeit ist da selbstverständlich. Für Führungskräfte ist eine gemeinsame Zukunftsvision und Wellenlänge besonders wichtig. Alle wichtigen Entscheidungen müssen aus einem gemeinsamen Verständnis heraus getroffen werden. Sonst wird es für das Tandem und Unternehmen schnell vom 'Top' zum 'Flop'. Für Einzelkämpfer ist Jobsharing damit nicht geeignet.

Wer bietet Jobsharing-Jobs an?

Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, da es hierzu an aussagekräftigen Untersuchungen fehlt. Fakt ist, dass dezidierte Jobsharing-Ausschreibungen rar gesät sind. Im Kontext ihrer eigenen, beim Springer-Verlag veröffentlichte Studie zum Thema Jobsharing berichtet Esther Himmen: "Das Problem ist nicht das Angebot von Jobsharing. Die meisten Arbeitnehmer, allen voran Männer, wissen einfach nicht, dass Jobsharing existiert. Viele große Unternehmen in Deutschland bieten bereits Jobsharing an. Jedoch wird es den Mitarbeitern nicht offensiv und transparent kommuniziert." Es könnte also sein, dass auch deine Firma Jobsharing bereits anbietet oder grundsätzlich offen dafür wäre. Das Wichtigste wäre somit also, dass du dich mit deinem Chef zusammensetzt und ihm diese Lösung anbietest.

Wie funktioniert Jobsharing in der Realität?

Gesetzlich handelt es sich beim Jobsharing um eine Art der Teilzeit, sodass du die gleichen Rechte wie ein Vollzeitangestellter besitzt. Denn Teilzeitarbeit ist mit Vollzeitarbeit gesetzlich gleichgestellt. Gesetzlich bist du mit deinem Partner in keiner Weise verbunden. "Wenn mein Tandempartner kündigt, dann bin ich weiterhin eingestellt und mir kann deswegen nicht einfach gekündigt werden. Und es kann auch nicht über meinen Kopf hinweg entschieden werden, dass deine Arbeitszeit automatisch aufgestockt wird. Es gibt dann mehrere Optionen: Du bleibst allein in Teilzeit auf der Stelle oder du suchst gemeinsam mit deinem Arbeitgeber einen neuen Tandempartner", sagt Himmen..

Besitzt du ein Recht auf Teilzeit, hast du automatisch auch einen Anspruch auf Jobsharing. Hierfür suchst du dir einfach einen Partner und arbeitest mit ihm einen konkreten Plan aus, wie ihr die Stelle zu zweit besetzt. Um einen Tandempartner zu finden, kannst du jemanden aus deinem Bekanntenkreis nehmen oder – sollte sich dort niemand finden – eine Agentur engagieren. Einige Firmen bieten bereits Tools an, die dir Jobsharing-Partner vermitteln. Die Expertin rät: seinem Wunsch Ausdruck geben. Bei Xing und LinkedIn gibt es auch bereits Möglichkeiten, sich dahingehend zu vernetzen. Du siehst, es ist ein bisschen wie beim Dating. Sobald die Beziehung steht, arbeitet ihr einen beispielhaften Wochenplan aus, um zu zeigen, wie ihr das Jobsharing umsetzen wollt und sucht euch gute Argumente für die Doppelbesetzung. Du erinnerst dich: produktiver, glücklicher, 200 Prozent Brainpower. Damit geht ihr zu eurem Chef und präsentiert euer Konzept.

Wie gehe ich vor?

Für eine externe Stelle bei einem neuen Unternehmen schreibt ihr eine gemeinsame Bewerbung. Im Anschreiben solltet ihr eure gemeinsamen Stärken und wie ihr euch gegenseitig ergänzt hervorheben. Sollte es eine klassische Vollzeitstelle sein, auf die ihr euch bewerbt, solltet ihr unbedingt Argumente für die Doppelbesetzung der Stelle in den Mittelpunkt stellen. Die Lebensläufe solltet ihr der Übersicht halber lieber getrennt lassen; seine Individualität bewahren ist für jede Beziehung wichtig. Schließlich arbeitetet ihr ein Konzept für die Stelle und einen beispielhaften Wochenplan aus, um zu zeigen, wie ihr das Jobsharing umsetzen wollt und hängt optional noch ein gemeinsames Foto an. Auch eine Weiterbildung zum 'Arbeiten im Tandem' kann hier Unternehmen überzeugen, da ihr zeigt, dass ihr euch bereits mit dem Thema auseinandergesetzt habt und wisst was ihr tut.

Jobsharing kann eine gute Alternative für Väter zur Vollzeitstelle oder auch zur Teilzeitarbeit sein. Das Problem ist, dass viele Männer mit diesen Begriff bisher nichts anfangen konnten, aber diese Wissenslücke haben wir ja mit diesem Artikel geschlossen. Also überlege jetzt gerne mal, ob dieses Arbeitsmodell für dich eine Möglichkeit sein könnte.

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