So kommt dein Kind gut durch seine Grundschulzeit

Einschulung und Co
So kommt dein Kind gut durch seine Grundschulzeit

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.06.2026
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Ein Vater verabschiedet seinen Sohn vor der Schule und küsst ihn auf den Kopf
Foto: Getty Images / Eleganza

"Der Ernst des Lebens kann mich mal gernhaben", sagt Bildungsaktivisten Bob Blume, der im Internet auch als "Netzlehrer" bestens bekannt ist. Für ihn ist es am wichtigsten, dass ein Kind die Lust am Lernen nicht verliert.

Ebendarum hat er auch das Buch "Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?" geschrieben - ein Leitfaden für alle Eltern. Im Interview mit Men's Health Dad spricht er über Einschulung, Notendruck, Hausaufgabenstress und Lernfrust.

Herr Blume, Ihr neues Buch heißt "Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?" Was bedeutet für Sie dieses "gut durch die Schule kommen" eigentlich?

Mir geht es nicht zuerst um Abschlüsse oder perfekte Noten, sondern darum, dass Kinder ihren Schulalltag möglichst stabil, zuversichtlich und ohne dauernden Stress erleben. Schule darf anstrengend sein, klar. Aber sie sollte nicht zu einem permanenten Krisenmodus für die ganze Familie werden. "Gut durch die Schule kommen" heißt für mich deshalb: besser verstehen, was in Schule passiert, sinnvoll reagieren können und im besten Fall mehr Familienfrieden haben.

Rund um die Einschulung entsteht oft ein riesiger Hype – von der Schultüte bis zu Erwartungen an das Kind. Wie erleben Sie diesen Moment?

Die Einschulung ist natürlich ein großer Schritt, und es ist völlig okay, wenn Familien den feiern. Problematisch wird es nur, wenn aus diesem besonderen Tag gleich ein riesiger Erwartungsberg wird. Kinder spüren sehr genau, ob da vor allem Vorfreude mitschwingt oder schon Leistungsdruck. Für die Grundschule wäre mein Wunsch deshalb: Die Einschulung eher als Aufbruch verstehen denn als Startschuss für ein Optimierungsprogramm. Das Kind muss nicht am ersten Tag "schulreif perfekt" sein – es darf einfach erstmal ankommen.

Bildungsaktivist Bob Blume
PR (Oliver Forstner)

Und woran merken Eltern, ob ihr Kind wirklich bereit für die Schule ist?

Viele denken bei Schulreife sofort an Buchstaben, Zahlen oder daran, ob ein Kind schon stillsitzen kann. Aber mindestens genauso wichtig ist etwas anderes: Kann es sich auf neue Situationen einlassen, mit anderen Kindern klarkommen, Frust einigermaßen aushalten und sich Hilfe holen, wenn etwas schwierig wird? Gerade in der Grundschule geht es am Anfang nicht darum, dass schon alles sitzt, sondern dass ein Kind sich entwickeln kann. Eltern sollten deshalb nicht nur fragen: Was kann mein Kind schon? Sondern auch: Was braucht mein Kind, um gut starten zu können?

Viele Eltern machen sich schon vor der Einschulung Druck. Was ist aus Ihrer Sicht die beste Vorbereitung auf die Grundschule?

Ehrlich gesagt: nicht noch schnell das Alphabet pauken. Viel wichtiger ist, dem Kind Lust auf Schule zu machen. Also nicht ständig vom "Ernst des Lebens" sprechen, sondern neugierig machen: Da kommen neue Menschen, neue Themen, neue Erfahrungen. Kinder lernen ohnehin die ganze Zeit – beim Spielen, im Gespräch, beim Entdecken. Eltern sollten eher Vertrauen ausstrahlen als Vorleistung verlangen.

Das heißt also: weniger Üben, mehr Haltung?

Genau. Die Art, wie Eltern über Schule sprechen, macht enorm viel aus. Wenn Schule von Anfang an wie eine Drohung klingt, wird es schwierig. Wenn Kinder dagegen spüren: Lernen kann spannend sein, Fehler sind okay, wir schauen gemeinsam, was kommt – dann ist das eine viel bessere Grundlage. Gerade in der Grundschule wird ja oft das Fundament gelegt: nicht nur fachlich, sondern emotional.

Podcast-Tipp: Unser Experte war auch schon mal zu Gast in unserem Papa-Podcast, hier geht's zum Gespräch:

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Sie sprechen im Buch auch über Glaubenssätze. Welche sind für Kinder besonders problematisch?

Vor allem die Vorstellung: Entweder man hat Talent oder eben nicht. Das ist ein echtes Problem. Wenn ein Kind früh lernt, "Ich kann kein Mathe" oder "In unserer Familie kann das niemand", dann setzt sich das fest. Viel hilfreicher ist ein sogenanntes Growth Mindset: also die Überzeugung, dass Entwicklung möglich ist – durch Übung, Strategien und Zeit. Kinder sollten nicht denken, Können sei angeboren und unveränderlich.

Selbst Lob kann da problematisch sein, oder?

Ja, jedenfalls wenn es in die falsche Richtung geht. Wenn ein Kind eine Eins schreibt und man sagt: "Du bist eben ein Mathe-Talent", klingt das nett, kann aber nach hinten losgehen. Denn was passiert bei der nächsten schlechten Note? Dann denkt das Kind: Offenbar bin ich doch nicht talentiert. Besser ist es, Anstrengung, Strategien und Ausdauer zu würdigen – also das, was das Kind beeinflussen kann.

Viele Familien erleben gerade in der Grundschule Stress bei den Hausaufgaben. Was hilft ganz konkret?

Zuerst: Es gibt keine Patentlösung. Kinder sind unterschiedlich. Dem einen hilft es, mit dem Schwersten anzufangen, dem anderen gerade nicht. Wichtig ist, genauer hinzuschauen: Wo arbeitet das Kind am besten? Braucht es Ruhe oder die bloße Anwesenheit eines Erwachsenen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie lang sollten die Pausen sein? Hausaufgaben eskalieren oft dann, wenn man nur noch Druck erhöht. Viel hilfreicher ist es, gemeinsam herauszufinden, was funktioniert.

Und was sollten Eltern lieber lassen?

Das klassische "Jetzt setz dich halt nochmal hin" mit zusammengebissenen Zähnen bringt meistens gar nichts. Niemand arbeitet gut in dieser Stimmung. Eltern müssen nicht ständig kontrollieren oder verbessern. Oft reicht Präsenz: also da zu sein, ohne zu helikoptern. Und manchmal ist es auch okay zu sagen: Heute ging es einfach nicht mehr. Dann kann man das freundlich der Lehrkraft zurückmelden. Auch das ist besser, als wenn sich jeden Nachmittag alles hochschaukelt.

Ein großes Thema ist der Notendruck. Was machen Eltern da am häufigsten falsch?

Sie reagieren mit Belohnung und mit mehr Druck. Also etwa: "Wenn du eine Zwei schreibst, bekommst du Geld." Das wirkt vielleicht kurzfristig, aber es zerstört auf Dauer die innere Motivation. Lernen wird dann zur Tauschware. Dabei fühlen sich Kinder nach einer schlechten Note meist ohnehin schon schlecht genug. Dann hilft nicht noch mehr Druck, sondern Beziehung: ernst nehmen, beruhigen, gemeinsam überlegen, was der nächste Schritt sein könnte.

Buchtipp: Unser Experte Bob Blume hat schon einige Bücher zum Thema Schule geschrieben. Sehr zu empfhelen ist auch "Warum noch lernen?: Wie Schule in Zeiten von KI, Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss"

Sie sagen sogar: Wenn ein Kind mit einer schlechten Note nach Hause kommt, wäre ein Eis oft die bessere Reaktion als ein Vortrag.

Ja, weil es erst einmal um das Kind geht und nicht um die Zahl auf dem Papier. Natürlich nicht im Sinne von: schlechte Note gleich Belohnung. Sondern als Signal: Du bist nicht allein, wir kriegen das zusammen sortiert. Das entspannt. Und nur in so einer Atmosphäre kann man überhaupt sinnvoll überlegen, was beim nächsten Mal helfen könnte.

Welche Rolle sollten Eltern beim Lernen insgesamt einnehmen?

Vielleicht am ehesten die eines Mentors. Nicht als Dauer-Kontrolleur, nicht als zweiter Lehrer, sondern als Begleiter. Und vor allem als Vorbild. Wenn Eltern möchten, dass Kinder lesen, dann ist die naheliegende Frage: Sieht das Kind seine Eltern selbst lesen? Kinder orientieren sich stark daran, was Erwachsene tun, nicht nur daran, was sie sagen. Diese Vorbildfunktion ist im Grundschulalter enorm wichtig.

Ein Satz zieht sich durch Ihr Buch: "Bindung vor Bildung." Warum ist Ihnen das so wichtig?

Weil die Beziehung immer wichtiger ist als jede Checkliste. Bildung ist etwas, das sich entwickelt, verändert, auch nachholt. Aber wenn Vertrauen beschädigt wird, ist das viel schwerer zu reparieren. Kinder müssen wissen: Auch wenn etwas schiefläuft, auch wenn eine Note schlecht ist oder ein Schuljahr schwierig wird – die Bindung steht nicht zur Disposition. Gerade in der Grundschule ist das entscheidend. Kinder lernen am besten, wenn sie sich sicher fühlen.

Fazit