Schreibaby: Diese Tipps können helfen

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Erste Hilfe bei Schreibabys Was du tun kannst, um ein Schreibaby (und dich) zu beruhigen

Wenn der Säugling nicht aufhört zu weinen, braucht man Nerven aus Drahtseile. Oder diese Tipps. Wir erklären, wie wieder etwas mehr Ruhe bei dir zu Hause einkehrt

Ahhh! Das Leben mit einem Schreibaby ist eine wahnsinnige Herausforderung. Denn, ob man es will oder nicht, alles ordnet sich diesem kleinen, hilflosen, weinenden Baby unter. Ein Stück weit ist das auch unter normalen Umständen so, denn jedes Neugeborene braucht in der ersten Zeit generell viel Aufmerksamkeit. Allerdings sind Eltern von viel weinenden Babys noch einmal mehr gefordert, weil die permanente Geräuschkulisse und die scheinbare Unzufriedenheit des Säuglings sie schnell an körperliche und seelische Grenzen bringt. Das gilt insbesondere für stillende Mütter. Väter werden dagegen im Kontext von Schreibabys allzu oft vergessen, dabei können sie entscheidend dazu beitragen, wie die Familie durch diese schwierige Zeit kommt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was hilft bei einem Schreibaby?

Die schlechte Nachricht zuerst: Egal, was Apps, technische Hilfsmittel oder viele Ratgeber versprechen: Es gibt keinen Masterplan für Schreibabys, der dafür sorgt, dass von jetzt auf gleich alles besser wird. Es gibt 100 und 1 Tipp, was funktionieren könnte, damit das Baby weniger schreit und du und deine Partnerin könnt die natürlich alle ausprobieren. Wichtiger als in wilden Aktionismus zu fallen, ist aber, sich bewusst zu machen, dass es vor allem darauf ankommt, dass ihr als Eltern gut für euch sorgt. Der vollkommen überstrapazierte Spruch "geht es den Eltern gut, geht es dem Kind gut", stimmt bei Schreibabys nur in einem bestimmten Maße. Denn die Wahrheit ist, egal wie ausgeglichen und locker ihr seid, diese Stimmung wird sich leider nicht unbedingt auf den untröstlich weinenden Säugling übertragen. Für euch ist es aber wichtig, mental möglichst stark durch die Zeit zu kommen.

Woran erkennt man ein Schreibaby?

Wann ein Baby als Schreibaby gilt, wurde jahrzehntelang durch die sogenannte 3er- Regel festgestellt. Wenn ein Baby mehr als 3 Stunden am Tag (verteilt auf 24 Stunden), an mindestens 3 Tagen in der Woche über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen schreit, galt es als Schreibaby. Inzwischen ist diese Regel zum Glück nicht mehr so relevant, weil es Kinderärzten, Kinderärztinnen und Hebammen vor allem darum geht, hinzuschauen, wie es den Eltern mit der Belastung geht. Denn jede Familie ist anders, die einen kommen nach sechs Stunden Dauergeschrei noch nicht an ihre Grenzen, andere sind mit anderthalb Stunden schon überfordert.

Wer kann bei einem Schreibaby helfen?

Wenn vom Profi abgeklärt wurde, dass es keine organischen Gründe für das übermäßige Schreien gibt (der erste Weg sollte daher immer zum/zur Kinderärzt:in führen), dann könnt ihr euch an eine Schreibabyambulanz wenden. Ihr benötigt eine Überweisung von der Praxis, dann werden die Kosten nämlich von der Krankenkasse übernommen. Hier wird immer individuell geschaut, was die Eltern brauchen und auch, was es dem Kind erleichtern könnte, in der Welt anzukommen. Es gibt außerdem verschiedene Schreibabyexpert:innen, aber hier solltet ihr sehr genau hinschauen, ob das Angebot etwas für euch ist. Von einem körpertherapeutischen Ansatz bei den Eltern bis zu einer freundlichen Gesprächsatmosphäre sind viele Therapieansätze möglich. Wichtig zu wissen: Im Prinzip darf sich jeder Schreibabyexperte nennen, ihr solltet also schon schauen, was die entsprechende Person für einen Background hat.

Gibt es Therapien für Schreibabys?

Wenn auf der Website schon von Schreibabys als "Brüllaffen" die Rede ist, oder viel Homöopathie zum Einsatz kommt, das aber mit euren Grundsätzen überhaupt nicht zusammen geht, dann solltet ihr nach einer passenderen Unterstützung weitersuchen. Gleiches gilt auch, wenn ihr euch beim Termin überhaupt nicht wohlfühlt. Es gibt keinen Grund, Dinge auszuprobieren, die total gegen eure Überzeugungen gehen. Wichtig zu wissen: Oft handelt es sich bei Terminen mit Schreibabyexperten und -expertinnen im Gegensatz zur Schreibabyambulanz um eine Selbstzahlerleistung.

Was die sind Ursachen für ein Schreibaby?

Es ist der menschlichen Neugier geschuldet, dass wir immer nach Ursachen suchen. Das gilt natürlich auch für Schreibabys. Wir wollen verstehen, was der Grund dafür ist, dass Babys so viel weinen. Die frustrierende Antwort: Es ist nicht klar. Es gibt einfach Babys, die mehr Zeit brauchen als andere, um in der Welt außerhalb des Mutterleibes anzukommen. Die schreckhafter sind, Reize schlechter verarbeiten können und schneller überfordert sind von ihrer Umwelt als andere.

Ist die Schwangerschaft Schuld am Schreibaby?

Oft wird deine Partnerin gefragt, wie die Schwangerschaft denn so war, weil noch immer der Irrglaube herrscht, dass eine stressige Schwangerschaft der Grund für ein viel weinendes Baby ist. Das stimmt aber nicht. Natürlich kann sehr großer Stress, beispielsweise durch eine Trennung oder einen Todesfall im Umfeld der Schwangeren, sich negativ auf ihre Gefühlslage auswirken. Sie wird dann nach der Geburt mental vielleicht schlechter in der Lage sein, sich auf die neue Situation mit Baby einstellen können. Aber das geht Vätern ähnlich. Statt die Schuldfrage immer weiter vor euch herzuschieben und euch im schlimmsten Fall noch gegenseitig Vorhaltungen zu machen, ist es ratsamer, darauf zu schauen, wie ihr die nächsten Wochen bestmöglich meistern könnt.

Wie beruhige ich ein Schreibaby?

Indem du selbst ganz ruhig bleibst. Denn dein Baby hat durch das Geschrei schon viel Stress, der ganze Körper ist in Anspannung. Trifft das jetzt auf angespannte Eltern, steigert das die Erregung nur noch weiter. Es ist also durchaus hilfreich, einmal tief durchzuatmen und erst dann, wenn du dich einigermaßen ruhig fühlst, dein Baby hochzuheben und durch die Gegend zu tragen. Viele Eltern von Schreibabys berichten, dass generell das Tragen die Situation etwas erleichtert hat. Weitere Beruhigungsstrategien, die du ausprobieren kannst:

  • Abwechselnd für die Nacht zuständig sein. Wenn deine Partnerin auch Nächte hat, in denen sie durchschlafen kann ober wenigstens ein paar Stunden nicht zuständig ist, kann sie das schreiende Baby über den Tag besser begleiten.
  • Ein Tragetuch nutzen: Meist beruhigen sich Babys, wenn sie Körperkontakt spüren. Außerdem hast du die Hände frei, und kannst dich freier bewegen.
  • Apropos Bewegung, spazieren gehen geht auch mit untröstlich weinendem Baby. Manchmal muss man einfach rausgehen, gerade wenn man das Gefühl hat, es zuhause einfach nicht mehr aushalten zu können.
  • Gönnt euch gegenseitig Auszeiten: Es ist wichtig, dass deine Partnerin Zeit für sich allein bekommt, in der sie nicht für das Baby zuständig ist. Stillt sie euren Nachwuchs, ermutige sie zwischen zwei Stillmahlzeiten rauszugehen. Schon 30 Minuten ohne Babygeschrei helfen. Gebt ihr eurem Baby die Flasche, bist du ja im Training und deine Partnerin kann auch eine längere Auszeit nehmen.
  • Wenn ihr beide Elternzeit habt: Urlaub geht auch mit Schreibaby. Habt keine Scheu davor, denn wo ein Baby weint, ist letztlich egal. Vielleicht hilft es euch aber besser, die Zeit durchzustehen, wenn ihr eure Verzweiflung ins Meer brüllen könnt. Wichtig: Lieber eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus mieten, ein Hotelaufenthalt sorgt eher für zusätzlichen Stress.
  • Aufgaben an andere auslagern: Essen kochen, Einkaufen, Geschwisterkinder abholen, alles, was mit Zeitdruck versehen ist, können vielleicht auch Freunde oder Familienangehörige übernehmen. Solch geschenkte Zeit ist viel wertvoller als der 20. Body zur Geburt.
  • Auch über die dunklen Gedanken reden. Denn wer darüber spricht, handelt nicht danach. Du darfst dein Baby niemals schütteln, es könnte an den Folgen versterben! Sprich also über deinen Frust, deine Aggression und deinen Wunsch nach Ruhe. So kannst du Hilfe finden und bekommen.

Wann wird es besser bei Schreibabys?

Es ist sehr unterschiedlich, wie lange ein Baby untröstlich weint. Bei den meisten Familien wird es nach den ersten drei Monaten besser. Es gibt aber durchaus auch Familien, die das gesamte erste Babyjahr von dem dauernden Weinen ausgelaugt sind. Es ist verständlich, dass du dir einen verlässlichen Endpunkt wünschst, aber das entscheidet letztlich das Baby. Für euch als Paar bedeutet es durchzuhalten und gut für euch zu sorgen.

Können Schreibabys Autismus haben oder hochbegabt sein?

Diese Vermutung hört man immer wieder. Aber es gibt keine Studien, die das beweisen. Nachvollziehbar ist, dass Eltern sich immer Sorgen machen, wenn ihr Baby ein wenig anders ist als andere. Da ist das übermäßige Schreien nur eine Variante. Bis jetzt wurde aber kein Zusammenhang zwischen dem untröstlichen Weinen und Autismus nachgewiesen. Gleiches gilt auch für eine Hochbegabung. Natürlich kann es sein, dass dein ehemaliges Schreibaby später hochbegabt ist, aber das liegt dann nicht ursächlich am vielen Schreien.

Gibt es Spätfolgen beim Schreibaby?

In aller Regel bleibt bei den viel weinenden Kindern, wenn du dich gemeinsam mit deiner Partnerin angemessen und gut um sie gekümmert hast, nichts zurück. Die Babys haben erfahren, dass sie gehalten und geschützt werden und sich jemand ihrer annimmt, wenn sie Kummer haben. Du hast deinem Nachwuchs also viel Sicherheit und Urvertrauen mitgegeben. Das viele Schreien kann allerdings Folgen für dich oder deine Beziehung haben. Denn natürlich ist diese Zeit extrem herausfordernd und es gibt Paare, die daran scheitern. Deswegen ist es so wichtig, dass ihr euch gegenseitig Auszeiten gönnt und immer über eure Gefühle, Ängste und Überforderungen sprecht. Zusammen ist man im Fall eines Schreibabys wirklich weniger allein. Es kann auch sein, dass du oder deine Partnerin einen weiteren Kinderwunsch aufgrund der Schreibabyerfahrung auf Eis legen wollt. Hier kann ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Therapeuten durchaus hilfreich sein.

Fazit: Redet mit anderen Eltern

Die Zeit mit einem Schreibaby ist eine mental sehr kräftezehrende Zeit. Die Autorin dieses Artikels und ihr Mann wissen das nur zu gut, sie haben das Tal der Tränen gleich dreimal durchschritten, denn alle ihre Kinder waren Schreibabys. Deswegen ist der letzte Tipp auch der, nicht zu vergessen, dass ein Gespräch mit anderen, erfahrenen Eltern ebenfalls hilfreich sein kann. Wenn andere dir versichern, dass es wirklich irgendwann besser wird, dann kann auch das beim Durchhalten helfen. Weitere Tipps von vielen Schreibabyeltern und Expertinnen bekommst du im Buch "Wie du dein Schreibaby beruhigst". Hier kommen auch Väter zu Wort, denn Schreibabys sind ein Familienthema. Und wer keine Zeit oder Lust aufs Lesen hat: Das Buch ist auch als Hörbuch verfügbar. Obwohl, vielleicht solltest du deine Ohren auch mal etwas Ruhe gönnen.

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