Viele Väter sagen heute: "Ich helfe doch". "Aber das reicht nicht", sagt Philipp Macke. Aus diesem Grund hat der dreifache Vater DaddyDo gegründet. Die Idee entstand aus seiner eigenen Familienerfahrung und aus dem Wunsch heraus, Vaterschaft aktiv zu gestalten und Verantwortung klar zu übernehmen. Mit DaddyDo entwickelt er eine Plattform, die Vätern Orientierung gibt und sie dabei unterstützt, ihren Teil im Familienalltag bewusst zu tragen. Im Interview mit Men's Health Dad erklärt der Experte, was Männer dadurch gewinnen. Spoiler: Nicht nur die Herzen ihrer Kinder!
Warum reicht Helfen aus deiner Sicht nicht aus, um wirklich gleichwertige Verantwortung in der Familie zu übernehmen?
"Ich helfe doch" klingt engagiert, enthält jedoch bereits eine strukturelle Schieflage. Helfen bedeutet, dass eine Person die Hauptverantwortung trägt und eine andere unterstützt. Die Organisation, das Mitdenken, das Vorausplanen bleiben bei einer Person. Wer hilft, übernimmt einen Teil einer Aufgabe und steigt danach wieder aus. Wer Verantwortung trägt, behält einen ganzen Bereich im Blick. Wir sprechen hier über einen zentralen Punkt der Mental-Load-Debatte: Es geht um Zuständigkeit, Überblick und vorausschauendes Denken, nicht um einzelne Handgriffe. Dass diese Verantwortung häufig ungleich verteilt ist, zeigt auch der Väterreport 2023 des Bundesfamilienministeriums. Viele Väter beschreiben sich als engagiert und präsent, gleichzeitig übernehmen Mütter weiterhin einen größeren Anteil der Alltagsorganisation. Wahrnehmung und strukturelle Zuständigkeit klaffen oft auseinander.
Du unterscheidest zwischen situativer Hilfe und aktiver Verantwortungsübernahme. Woran erkennt ein Vater im Alltag, in welcher Rolle er sich gerade befindet?
Studien zeigen, dass sich häufiger Väter in der Rolle der situativen Unterstützung befinden. Das beschreibt jedoch kein starres Muster und ist kein Vorwurf. Entscheidend ist, ob die Aufteilung bewusst getroffen wurde. Gesundheit entsteht durch Klarheit. Wer sich unsicher ist, kann ein Gedankenexperiment machen. Ich nehme eine Alltagssituation und klammere meine Partnerin oder meinen Partner bewusst aus. Beim Spielplatzbesuch: Denke ich automatisch an Snacks, Wasser, Wechselkleidung und an die restliche Tagesplanung? Oder brauche ich einen Hinweis? Oder beim Kindergeburtstag: Organisiere ich Fahrdienst, Geschenk, Absprachen mit anderen Eltern und die Koordination mit weiteren Terminen? Oder bringe ich hin und hole ab? Der Unterschied liegt im Überblick. Wer einen Bereich eigenständig durchdenkt, trägt Verantwortung. Wer auf Impulse reagiert, unterstützt. Im Alltag wirkt das klein, strukturell ist es entscheidend.

Studien zeigen, dass wahrgenommene Fairness ein zentraler Faktor für Partnerschaftszufriedenheit ist. Was verändert sich in einer Beziehung, wenn Väter beginnen, eigenständig Verantwortungsbereiche zu tragen?
Wenn Väter eigenständig Verantwortung übernehmen, verändert sich die Dynamik auf mehreren Ebenen. Partnerschaftlich entsteht spürbare Entlastung. Viele Konflikte entstehen durch diffuse Zuständigkeiten. Wer plant voraus? Wer trägt dauerhaft den Überblick? Wenn Verantwortungsräume klar definiert und verlässlich getragen werden, reduziert sich Reibung. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin, zeigt, dass Paare mit partnerschaftlicher Aufgabenteilung von einer höheren Zufriedenheit berichten. Entscheidend ist die erlebte Fairness.
Hinzu kommt die gesundheitliche Dimension. Untersuchungen zeigen, dass eine einseitige mentale Dauerverantwortung mit erhöhtem Stresslevel bei Müttern einhergeht. Wenn Verantwortung bewusster verteilt wird, sinkt dauerhafte Anspannung. Das stabilisiert Beziehung und Individuum. Gleichzeitig verändert sich das Selbstbild des Vaters. Wer Verantwortung trägt, ist näher am Alltag der Familie. Man kennt Entwicklungen, Themen, Stimmungen. Vaterschaft wird als gestaltende Rolle erlebt. Das stärkt Selbstwirksamkeit und Identität. Und das wirkt auf Kinder. Forschung zur Vaterbeteiligung zeigt, dass verlässliches, eigenständig getragenes Engagement mit positiven Entwicklungsverläufen zusammenhängt. Kinder erleben zwei tragende Bezugspersonen, die Verantwortung übernehmen. Das schafft Sicherheit und ein Modell für partnerschaftliche Gleichwertigkeit.
Viele Männer empfinden sich als engagiert und präsent. Warum entsteht trotzdem oft das Gefühl von Ungleichgewicht, obwohl beide viel leisten?
Hier gibt es zwei Perspektiven. Zum einen kann es eine Wahrnehmungsfrage sein. Viele Männer erleben sich als engagiert, weil sie sichtbare Aufgaben übernehmen. Der unsichtbare Organisationsaufwand im Hintergrund wird oft unterschätzt. Wenn ich diesen nicht wahrnehme, halte ich mein Engagement für ausgewogen, obwohl strukturell noch viel Verantwortung bei meiner Partnerin liegt.
Zum anderen wird Erwerbsarbeit in der Debatte häufig isoliert betrachtet. Berufliche Verantwortung bedeutet ebenfalls Druck und mentale Präsenz. Sie trägt das System Familie finanziell. Problematisch wird es, wenn beide Bereiche getrennt bewertet werden, ohne das Gesamtgefüge zu betrachten. Der Schlüssel liegt in Kommunikation. Welche Form von Familie wollen wir leben? Welche Ansprüche haben wir an Einkommen, Ordnung, Freizeit, Beziehungszeit? Erst wenn klar ist, welche Verantwortungsfelder existieren, lässt sich über Fairness sprechen. Fairness entsteht durch Transparenz und bewusste Entscheidung. An dieser Stelle ist eine Einordnung wichtig. Wir sprechen hier über statistische Muster, über wiederkehrende Dynamiken aus Studien und Interviews. Das beschreibt kein Gesetz für jede einzelne Beziehung. Ziel ist keine Norm, sondern bewusste Gestaltung.
Podcast-Tipp: Das Thema Equal Care war auch schon mal Thema in unserem Papa-Podcast, hier geht's zum Gespräch:
Warum fällt es vielen Vätern schwer, Verantwortung proaktiv zu gestalten, obwohl sie engagiert und präsent sein wollen?
Ein zentraler Faktor ist Sozialisation. Wenn ich Verantwortung in meiner Kindheit nur in einer bestimmten Verteilung erlebt habe, ist es schwer, mir ein anderes Modell vorzustellen. Viele Väter bewegen sich in einem Bild von Familie, das nie aktiv reflektiert wurde. Role Models sind daher wichtig. Männer, die Verantwortung sichtbar eigenständig tragen, erweitern das Vorstellungsfeld. Gleichzeitig braucht es Kommunikation und Reflexionsbereitschaft. Sich ehrlich zu fragen, welche Rolle man lebt und welche man leben möchte, ist kein Automatismus.
Die meisten Väter leisten viel. Das Bewusstsein für strukturelle Verantwortung entsteht oft erst, wenn man das eigene Handeln im größeren Zusammenhang betrachtet. Dieser Reflexionsprozess ist entscheidend. Außerdem: Aktive Vaterschaft bedeutet nicht, dass alle Familien gleich organisiert sein müssen. Jede Familie hat unterschiedliche ökonomische, berufliche und strukturelle Voraussetzungen. Entscheidend ist, dass Verantwortung bewusst verteilt wird und sich für beide fair anfühlt.
Buch-Tipp: Mehr zu Thema erfährst du auch in dem Buch "Väter können das auch!: Es ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben".
Wenn ein Vater nach diesem Gespräch nur eine Sache verändern möchte: Was wäre der erste konkrete Schritt?
Ich würde jeden Vater ermutigen, sich einen klar abgegrenzten Verantwortungsbereich zu nehmen und bewusst zu sagen: Das ist jetzt meiner. Zum Beispiel die gesamte Kita-Kommunikation oder ein klar definierter Organisationsbereich. Wichtig ist, die Verantwortung vollständig zu übernehmen. Also sich zu fragen: Was gehört hier alles dazu? Welche Schritte sind nötig, damit dieser Bereich zuverlässig funktioniert?
Dann beginnt Lernen durch Praxis. Es wird Dinge geben, die noch nicht rund laufen. Verantwortung entsteht durch Erfahrung. Und danach braucht es das Gespräch. Wie fühlt sich diese Veränderung für meine Partnerin an? Was läuft im Hintergrund noch mit? Wo können wir Verantwortungsräume klarer definieren? Aktive Vaterschaft beginnt mit einem entschiedenen Schritt in einen eigenen Bereich und wächst durch Dialog.





