Starke Mädchen: Wie du deine Tochter empowerst

Mehr mutige Mädchen
Wie du als Papa deine Tochter empowerst

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.03.2026
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Ein Vater trägt seine Tochter auf seinen Schultern
Foto: Getty Images / Westend61

Auch wenn es in diesen Zeiten der multiplen Krisen schwerfällt, ist die Autorin Nathalie Klüver der festen Ansicht: Gerade jetzt sollten wir mutig sein. Wieso das so ist und wieso wir gerade unsere Töchter stärken sollten, hat die Journalisten und dreifache Mutter in ihrem neuen Buch "Sei mutig, gerade jetzt" geschrieben – und erzählt im Interview mit Men's Health Dad, wie das eigentlich geht: den Mut nicht verlieren.

Wieso gerade Mädchen stärken? Brauchen Söhne das nicht eben so?

Natürlich sollten wir all unsere Kinder stärken. Selbstbewusstsein und Resilienz brauchen wir alle, um gut durchs Leben zu kommen. Aber in diesen Zeiten geht es leider politisch in Sachen Gleichberechtigung nicht wirklich voran, teilweise hat man ja sogar den Eindruck, dass es gerade rückwärtsgeht. Wir haben immer noch all die Gaps vom Gender Pay Gap über den Gender Care Gap bis zum Gender Pension Gap, und leider werden sie nicht kleiner. Dazu kommen all die frauenfeindlichen Sprüche von Donald Trump und Co., die Frauen auf ihre Sexualität reduzieren und aufs Muttersein. Wir hatten zwar Me-Too – aber leider nicht wirklich daraus gelernt. Und all das sind gute Gründe, Mädchen ein besonderes Rüstzeug mitzugeben, um selbstbewusst ins Leben zu gehen.

Was kann man als Vater machen, um der Tochter Selbstbewusstsein und Mut mitzugeben?

Dasselbe wie als Mutter! In meinem Buch gebe ich verschiedene Gesprächsimpulse mit, wie wir das Gespräch suchen können. Das Wichtigste: unseren Kindern zeigen, dass sie sich nicht kleiner machen sollten, um andere größer aussehen zu lassen. Dass sie den Raum einnehmen, der ihnen zusteht. Und an ihre Träume glauben. Sich ihre Wut nicht ausreden lassen. Frauen neigen dazu, immer das nette Mädchen zu sein und Wut zu unterdrücken oder in Tränen umzuwandeln: Das ist nicht zielführend. Wut ist etwas sehr Kraftvolles – und Mädchen beizubringen, wie sie ihre Wut in produktive Bahnen lenken, macht sie mutig. Das gilt für alle Gefühle: Gefühle annehmen statt sie zu unterdrücken, sie richtig zu kommunizieren, das macht mutig.

Nathalie Klüver
Privat

Und was sollte man tunlichst unterlassen?

Mädchen kleinreden, sie in ihrer Mädchenrolle gefangen halten. Mädchen müssen nicht klein und niedlich sein! Und das sollten wir ihnen auch nicht als Ideal vorhalten. Genauso wenig, wie sie auf ihr Äußeres zu reduzieren. Die Reduktion aufs Äußere ist etwas, was Frauen kleinhalten soll. Denn wer viel Zeit für sein Äußeres aufwendet, hat keine Zeit, sich zu engagieren, zu rebellieren oder sich mit anderen zu verbünden oder fortzubilden. Und was wir auf jeden Fall vermeiden sollten: den Kindern zu vermitteln, es gebe ohnehin nichts mehr zu tun oder dass wir nichts ändern könnten. Jeder Schritt zählt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und wir alle haben es in der Hand. Die Zukunft ist kein Drehbuch, das bereits geschrieben ist!

Inwieweit hat die eigene Partnerschaft Auswirkungen auf die Entwicklung von Töchtern?

Wir leben unseren Kindern vor, wie eine gleichberechtigte Partnerschaft aussieht. Es gibt gute Studien, die belegen, dass Kinder bereiter sind, eine gleichberechtigte Partnerschaft zu führen, wenn der Vater sich an der Care-Arbeit beteiligt. Wir können unseren Kindern auch noch andere wichtige Dinge vorleben: wie man Konflikte und Meinungsverschiedenheiten löst. Von unserem Streitverhalten lernen sie fürs Leben! Und das ist nicht nur für zukünftige Partnerschaften wichtig, sondern ein Baustein unserer Demokratie: Wie halten wir Meinungsverschiedenheiten aus? Wie finden wir Kompromisse? Wie gehen wir mit den Gefühlen anderer um? Wir können unseren Kindern vorleben, wie das mit der Empathie funktioniert.

Podcast-Tipp: Autorin Nathalie Klüver war auch schon mal zu Gast in unserem Papa-Podcast, hier geht's zum Gespräch:

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Wie können wir die Ängste und Zweifel unserer Mädchen auffangen und ihnen Mut machen?

Ihnen zuhören. Ihre Gefühle ernst nehmen. Sie ihnen nicht ausreden. Es ist okay, Angst zu haben. Wir dürfen sie annehmen und auch benennen. Aber wir dürfen uns nicht von ihr lähmen lassen. Angst sollte unser Antreiber sein, etwas zum Besseren zu verändern. Für uns Eltern heißt das also: die Ängste ernstnehmen, sie nicht kleinreden und dann den Fokus darauf lenken, was wir ändern können, was in unserer Handlungsmacht liegt. Das hilft gegen das Gefühl der Ohnmacht. Beispiel Angst vor den Folgen des Klimawandels: Das kann gerade Kindern Angst machen. Denn sie müssen unsere Versäumnisse ja ausbaden. Es gibt aber immer noch vieles, was wir tun können. Und darauf können wir setzen: Mit den Kindern zusammen Wege finden, wie wir im Kleinen etwas ändern können. Mehr Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel statt Auto. Mit der Bahn in den Urlaub statt mit dem Flugzeug. Und ganz wichtig: Das mit dem Kind zusammen thematisieren.

In diesen Zeiten der multiplen Krisen ist es auch für uns Eltern schwer, den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren. Welche guten Gründe gibt es denn, gerade jetzt mutig zu sein?

Ich würde auch manchmal am liebsten den Kopf in den Sand stecken. Weckt mich, wenn dieser Irrsinn ein Ende hat! Ich verstehe jeden, der sich machtlos fühlt. Es ist auch gerade alles ein bisschen viel, oder? Aber wenn wir aufgeben, dann können wir auch nichts mehr ändern. Und wir haben es in der Hand, die Welt wieder zu einem gerechteren Platz zu machen, zu einem lebenswerten Ort für unsere Kinder.

Fazit