Ungewollte Einzelkind: Wenn ein zweites Kind nicht möglich ist

Ungewollt Einzelkind
"Und wann kommt das zweite Kind?"

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.02.2026
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Ein frischgebackener Vater präsentiert den Nachwuchs stolz den Großeltern
Foto: Getty Images / Nastasic

Die Frage nach dem zweiten Kind kommt oft schneller, als man selbst bereit ist, sie zu beantworten. Für viele Familien ist sie nicht nur eine organisatorische oder biologische, sondern eine zutiefst emotionale Frage – verbunden mit Wünschen, Abschieden und gesellschaftlichen Erwartungen.

Papablogger Richard Wenner ist Vater eines Sohnes und lebt mit seiner Familie als Dreierkonstellation. Im Interview mit Men's Health Dad spricht er offen darüber, warum ihre Familienplanung nach dem ersten Kind beendet ist, wie es ist, ein Einzelkind großzuziehen, und wie man mit Nachfragen von außen umgehen kann, wenn das eigene Leben nicht dem vermeintlichen Idealbild entspricht.

Du bist Vater eines Einzelkindes – und eure Familienplanung ist abgeschlossen. Wie fühlt sich dieser Satz heute für dich an, mit ein paar Jahren Abstand zu der Zeit, in der ein Geschwisterchen noch ein Thema war?

Heute fühlt sich dieser Satz ruhig und stimmig an – auch wenn er früher mit Traurigkeit verbunden war. Es gab keinen klaren Schnitt, sondern einen längeren Prozess, in dem wir uns Schritt für Schritt mit dem Gedanken angefreundet haben, dass wir zu dritt bleiben. Der Wunsch nach einem Geschwisterkind war da, aber mit der Zeit ist daraus Dankbarkeit geworden: dafür, dass wir unseren Sohn haben, dass es ihm gut geht und dass wir als Familie vollständig sind – so, wie wir sind.

Einzelkinder sind oft mit Klischees konfrontiert – von "verwöhnt" bis "nicht teamfähig". Wie erlebst du deinen Sohn in diesem Spannungsfeld zwischen Zuschreibungen von außen und deiner eigenen Realität?

Ich sehe diese Klischees ehrlich gesagt nicht bestätigt. Unser Sohn ist sozial sehr gut eingebunden, empathisch und kommt gut mit anderen Kindern zurecht. Natürlich merkt man, dass er ein Einzelkind ist – gerade in der Familie, wo er viel Aufmerksamkeit bekommt. Aber das heißt nicht automatisch, dass ihm soziale Kompetenzen fehlen. Im Gegenteil: Durch Kindergarten, Schule, Freundeskreis und Hobbys hat er viele Möglichkeiten, genau das zu lernen.

Richard Wenner
Privat

Eure Entscheidung für ein Einzelkind war nicht rein freiwillig, sondern von gesundheitlichen und altersbedingten Faktoren geprägt. Wie war der Prozess, euch innerlich von der Vorstellung einer größeren Familie zu verabschieden?

Das war ein schleichender Prozess über mehrere Jahre. Wir sind relativ spät Eltern geworden, und mit zunehmendem Alter spielten gesundheitliche Risiken eine immer größere Rolle – vor allem für meine Frau. Eine weitere Schwangerschaft hätte medizinische Eingriffe vorausgesetzt, mit Risiken und Belastungen, die wir für uns nicht mehr tragen wollten. Es war keine Entscheidung gegen ein zweites Kind, sondern eine Entscheidung für Sicherheit, Dankbarkeit und das, was bereits da war.

Gab es bei euch trotzdem Situationen, in denen besonders deutlich wurde: Wir bleiben zu dritt?

Ja, solche Momente gab es – vor allem ganz praktisch. Wenn man beginnt, Dinge wie Kinderwagen, Babybett oder bestimmte Spielsachen weiterzugeben oder zu verkaufen, wird sehr konkret spürbar: Das Kapitel ist abgeschlossen. Diese Situationen haben uns beide emotional berührt, aber sie haben auch Klarheit gebracht. Es waren kleine Abschiede, die geholfen haben, innerlich anzukommen.

Die Frage nach dem zweiten Kind wird gesellschaftlich oft als selbstverständlich gestellt. Wie seid ihr mit Nachfragen aus dem Umfeld umgegangen?

Überraschenderweise wurden wir gar nicht so oft gefragt. Und wenn doch, sind wir sehr offen damit umgegangen. Wir haben klar gesagt: Ein Geschwisterkind wäre schön gewesen, aber es gibt medizinische Risiken, und deshalb forcieren wir das nicht. Diese Offenheit hat geholfen, das Thema schnell zu klären, ohne Druck oder unangenehme Situationen. Ich glaube, es ist oft hilfreicher, ehrlich zu sein, als Dinge offen oder vage zu lassen.

Podcast-Tipp: Richard Wenner war auch schon mal zu Gast in unserem Podcast, hier geht's zum Gespräch:

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Welche Chancen siehst du darin, ein Einzelkind großzuziehen – gerade mit Blick auf Beziehung, Zeit und Nähe?

Ein großer Vorteil ist, dass ich mich nicht aufteilen muss. Ich kann meine Zeit, Aufmerksamkeit und Energie sehr bewusst auf meinen Sohn richten. Unsere Beziehung ist dadurch sehr eng geworden. Ich erlebe meine Vaterrolle intensiv und auf Augenhöhe – und weiß, dass diese Phase nicht ewig dauert. Diese Nähe, diese gemeinsamen Momente bewusst zu erleben, ist für mich etwas sehr Wertvolles.

Manche Eltern von Einzelkindern sorgen sich vor Einsamkeit im späteren Leben: Welche Gedanken hast du dazu – und was wünschst du dir für deinen Sohn?

Diese Gedanken hatte ich früher durchaus. Heute weniger. Ich sehe, wie gut er eingebunden ist – in der Schule, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Er kann gut auf andere zugehen, ist aber auch jemand, der gut mit sich allein sein kann. Ich wünsche mir für ihn enge Freundschaften, Gemeinschaft und Menschen, die er sich selbst auswählt. Familie entsteht nicht nur durch Geschwister, sondern auch durch Beziehungen, die man im Leben aufbaut.

Fazit