Doc Felix warnt: Viele High-Protein-Produkte sind einfach nur schnödes Marketing

Wie viel Eiweiß in meiner Ernährung ist gesund?
Doc Felix warnt: Viele High-Protein-Produkte sind einfach nur schnödes Marketing

Rat vom Health-Experten
ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.07.2026
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The athlete pours protein into a shaker. The concept of sports nutrition.
Foto: Getty / Alexey Koza

Die Lebensmittelindustrie bringt jedes Jahr mehr Produkte mit dem Label "High Protein" auf den Markt. Damit ist aber nicht nur der Umsatz, sondern auch die Kritik an solchen Waren gestiegen.

Ist Protein wirklich so gesund, wie es die Werbung verspricht? Kann man auch zu viel davon zu sich nehmen und damit seinem Körper schaden? Sind High-Protein-Produkte nur eine Marketing-Lüge, die einen krassen Muskelaufbau versprechen? Antworten auf diese Fragen findest du hier.

Wofür Eiweiß wichtig ist

Zunächst sei gesagt, dass Eiweiße in deinem Körper viel mehr bewirken, als die Muskeln wachsen zu lassen. Sie sind die Baustoffe für deine Zellen, versorgen Haut und Haare, bilden Hormone, stärken die Knochen und das Immunsystem. Stillende Mütter gehören übrigens zu den Gruppen mit dem höchsten Eiweißbedarf, weil ihr Körper täglich aktiv Protein produziert – und nicht nur verbraucht.

Deshalb sollte tatsächlich jeder – ob Sportler oder nicht – auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten. Doch wie viel ist eigentlich ausreichend? Da ist sich die Wissenschaft gar nicht so einig. Deshalb ist es auch schwierig, eine pauschale Aussage darüber zu treffen, ob jeder seinen Proteinbedarf mit natürlichen Lebensmitteln wie Quark, Fleisch oder Hülsenfrüchten decken kann. Ich persönlich achte zum Beispiel darauf, ungefähr 2 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht zu mir zu nehmen. Das schaffe ich jedoch auch nicht immer, da ich momentan mehr auf Fleisch verzichten möchte. Deshalb sind Proteinprodukte eine gute Ergänzung zu meinem Speiseplan.

Dein Proteinbedarf hängt also sehr von den Lebensumständen und deinem Körperbau ab. Wenn du jemand bist, der grundsätzlich viel Eiweiß braucht, oder wenn du dich vegetarisch ernährst, kann es durchaus sein, dass du es nicht immer schaffst, deinen Bedarf über deine tägliche Ernährung zu decken. Da kann ein High-Protein-Pudding sinnvoll sein. Und solange du dich nicht ausschließlich davon ernährst, brauchst du auch keine Angst vor einer Überdosierung zu haben.

Proteinpudding statt Quark

Trotzdem taucht in den Medien immer wieder die Kritik auf: Die Produkte seien hochverarbeitet, enthalten wenig Nährstoffe und dafür viel Zucker und seien insgesamt absolut unnötig. Brauchen wir sie also überhaupt? Meine klare Antwort: Nein! Aber wir brauchen auch keine Sonnencreme, wenn wir uns drinnen aufhalten. Meiner Ansicht nach hat diese Fragestellung einen falschen Ansatz: Nur weil wir etwas nicht zwingend brauchen, heißt es nicht, dass es für uns nicht auch sinnvoll sein kann. Wir müssen uns vielmehr fragen: Was ist die Idee hinter diesen Produkten, und wie können wir sie für uns nutzen?

Ein Proteinpudding kann natürlich nicht die Komplexität einer gesunden Ernährung abdecken. Selbstverständlich brauchen wir noch viel mehr Nährstoffe, als in diesem vorhanden sind. Die Idee ist aber auch nicht, nur noch Pudding zu essen. Er ist einfach eine Proteinquelle, die zusätzlich wenig Fett und Zucker enthält – und trotzdem deine Lust auf Süßes stillen kann. Denn seien wir mal ehrlich: Klar könntest du auch eine Packung Quark mit Haferflocken essen, um Eiweiß zu dir zu nehmen. Aber ich würde behaupten, dass den meisten Leuten dies weniger gut schmeckt. Und wenn etwas nicht schmeckt, wirst du es über kurz oder lang auch nicht essen. Meiner Meinung nach muss eine gesunde Ernährung vor allem Spaß machen, damit man sie auch durchzieht. Und wenn dich die Lust auf Süßes packt, dann ist es besser, du pimpst deinen Quark mit einem Geschmackspulver oder isst einen Proteinpudding, statt zum gezuckerten Vollfett-Pudding oder einer Tafel Schokolade zu greifen.

Blick auf die Zutatenliste

Selbstverständlich sind nicht alle High-Protein-Produkte empfehlenswert. Viele sind oft stark verarbeitet und können einen hohen Fett- oder Zuckeranteil enthalten. Außerdem sind die Proteinquellen sehr unterschiedlich. Im Proteinbrot wird das Eiweiß beispielsweise aus Weizenkleber gewonnen. Wenn man auf Gluten verzichten möchte, wäre dies also keine gute Wahl. Und leider sind solche Brote auch oft nur ein schnöder Marketingtrick, also Augen auf die Zutatenliste.

Letztlich lohnt es wie immer, sich mit den Lebensmitteln zu beschäftigen, die man zu sich nimmt. High-Protein-Produkte können eine sinnvolle und leckere Ergänzung zum ausgewogenen Speiseplan mit Ballaststoffen, gesunden Fetten und Vitaminen sein. Mittlerweile ist die Auswahl auch so groß, dass man mit einem Blick auf die Zutaten schnell erkennt, welche Produkte sich lohnen und von welchen man lieber die Finger lassen sollte.