Trotz geringer Rendite ist in Deutschland das Sparbuch die beliebteste Anlageform. mcjeff / Shutterstock.com

Geld anlegen – wie geht das?

Geld anlegen Mit diesen Geldanlagen sorgst du jetzt für die Zukunft vor

Früh zu sparen lohnt sich. Aber welche Geldanlage passt zu dir und nützt der privaten Altersvorsorge? Ein Finanzexperte klärt auf

Sammelte man als Kind noch Münzen im Sparschwein, liegt das angesparte Geld heute auf einem Konto bei der Bank. Damit das Vermögen dort wächst und du für deine Rente ausgesorgt hast, ist es sinnvoll, das Geld anzulegen. Welche Anlageformen es gibt und was gerade die Lukrativste ist, verrät Dirk Stein, Direktor in der Themengruppe Retail Banking und Verbraucherschutz beim Bundesverband deutscher Banken.

Was bedeutet Geld anlegen?

Geld anlegen heißt zu investieren und dabei möglichst große Gewinne zu erzielen. Dabei müssen Anleger immer die Risiken und ihren Profit abwägen. Denn wie hoch die Rendite, wie lange das angelegte Geld nicht verfügbar und wie sicher die Investition ist, hängt immer von der Anlageform ab.

Warum sollte ich Geld anlegen?

Gründe fürs Anlegen gibt es drei, so Verbraucherexperte Stein: sich eine Reserve für Notfälle anlegen, größere Anschaffungen ermöglichen und fürs Alter vorsorgen. Diese Ziele treffen sowohl für den Familienvater als auch den Single zu. Nur bei Studenten und Auszubildenden sei langfristiges Sparen meist noch nicht möglich. Hinzu kommt die Inflation. Dadurch, dass der Wert des Geldes seit Jahren leicht sinkt, schwindet auch der Wert deines Barvermögens, wenn du es nur unter dem Kopfkissen lagerst. Legst du deine Ersparnisse an, kannst du von Zinsen und Renditen profitieren und damit langfristig dein Geld vermehren.

Welche Möglichkeiten habe ich, Geld anzulegen?

Anlageformen gibt es viele. Deswegen verliert man im Finanz-Dschungel schnell auch einmal den Überblick. Hier sind die bekanntesten Optionen kurz und knapp zusammengefasst:

1. Tagesgeld

Jederzeit verfügbar und sehr sicher ist das Tagesgeld. Dabei parkst du dein Geld auf ein Konto, für das du Zinsen bekommst. Du kannst das Geld jederzeit abheben oder das Konto kündigen. Im Prinzip ist das Tagesgeldkonto wie ein Girokonto für Erspartes. Zudem ist dein Geld – wie auch beim Festgeld und Sparbuch – abgesichert. Das heißt: Falls deine Bank insolvent geht, erhältst du deine Ersparnisse bis zu 100.000 Euro zurück. Der große Nachteil: Die Zinsen beim Tagesgeld sind sehr niedrig.

2. Festgeld

Eine gute Planungssicherheit bieten auch das Festgeld. Hier legst du einen einmaligen, höheren Betrag für einen bestimmten Zeitraum bei der Bank an. Über diese Zeit erhältst du einen festen, derzeit aber niedrigen, Zinssatz. Bis die Frist verstrichen ist, kannst du aber nicht an dein Geld.

3. Sparbuch

Ein Sparbuch können Anleger hingegen schon mit wenigen Euros eröffnen. Auch hier erhalten sie Zinsen; die hängen allerdings vom aktuellen Kurs ab. Der Vorteil zum Festgeld: Du kannst jederzeit Geld einzahlen, monatlich eine bestimmte Summe abheben (meist 2.000 Euro) und hast nur eine dreimonatige Kündigungsfrist. Die Zinsen sind dafür aber meist niedriger.

"Zum längerfristigen Geld anlegen taugen die Klassiker Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch, solange wir Niedrigzinsen haben, nicht. Das ist höchstens etwas für eine Barreserve", fasst Finanzexperte Stein zusammen.

4. Aktien

Wer eine Aktie besitzt, dem gehört ein Anteil an einem Unternehmen, das er jederzeit an der Börse verkaufen kann. Wenn die Firma erfolgreich wirtschaftet, profitiert der Anleger gleich doppelt. Denn dadurch steigt nicht nur der Aktienkurs, sondern auch die Dividenden, der Teil des Unternehmensgewinns, den Anleger erhalten. Allerdings bekommen sie keine feste Rendite. Weiteres Manko: Aktien bergen ein hohes Verlustrisiko. Investoren müssen deswegen den Markt sehr gut kennen, um ihr eingesetztes Geld bei einem Kursabsturz nicht komplett zu verlieren. Das gelingt aber nur den Allerwenigsten, nicht einmal allen Profis, weiß Experte Stein. Deshalb empfiehlt er: "Nicht in Einzelaktien investieren, das ist zu riskant, sondern immer in einen Korb, wo mehrere Aktien aus verschiedenen Branchen drin sind." Ein Aktienfonds.

5. Fonds

Doch es gibt nicht nur Aktienfonds, sondern auch Rentenfonds, Mischfonds, Immobilienfonds, Dachfonds und Indexfonds (ETFs). Das Prinzip ist bei allen das gleiche: Viele Anleger zahlen einmalig oder in bestimmten Raten Geld in einen Topf. Dieses Geld investiert ein Fondmanager dann in Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, etc. – je nachdem welchen Fonds man erwirbt. Um das Verlustrisiko zu streuen und kurzfristige Kursschwankungen auszugleichen, muss der Fondmanager den Einsatz immer auf mehrere Anlagen aufteilen. Für seine Arbeit erhält er einen Anteil der erzielten Gewinne; der Rest geht an die Anleger. In Deutschland gibt es laut der Börse Frankfurt rund 7.000 Fonds, in die jeder investieren kann.

6. ETFs

Wegen ihrer geringen Verwaltungs- und Erwerbskosten sind ETFs, sogenannte Exchange Traded Funds, für Anleger besonders interessant, so Verbraucherexperte Stein. Sie orientieren sich am Börsenindex, hierzulande zum Beispiel am Deutschen Aktienindex, dem DAX. Er gibt an, wie viel die 30 größten Unternehmen in Deutschland wert sind. Ein ETF für den DAX enthält also Aktien für genau diese Firmen. Das ist auch die Stärke des Fonds, erklärt Stein: "Da ist das Risiko, dass alle 30 Unternehmen aus allen großen Branchen in Deutschland gleichzeitig in wirtschaftliche Schwierigkeiten gelangen, viel geringer, als wenn man Aktien an einem Einzelunternehmen erwirbt."

7. Anleihen

Durch Anleihen besorgen sich Kreditinstitutionen, Unternehmen oder auch Staaten Geld. Wer eine Anleihe von der Bank kauft, verleiht also sein Geld für einen abgemachten Zeitraum. Dafür bekommt er entweder feste oder variable Zinsen. Als eine der sichersten Geldanlagen gelten Staatsanleihen. Wie alle Anleihen müssen sie zurückgezahlt werden. Aktuell liegt die Inflationsrate aber über der Zinsrate von Anleihen. Mit anderen Worten: Wer so sein Geld anlegt, muss damit rechnen, dass er trotz Zinsen in einigen Jahren weniger Geld als einbezahlt zurückbekommt.

8. Vermögenswirksame Leistungen

Vor allem für Berufseinsteiger und junge Leute sind vermögenswirksame Leistungen, kurz VL oder VwL, laut Finanzexperten Stein eine gute Möglichkeit für das erste Sparen. Dafür legt der Arbeitgeber, wenn du Glück hast, für dich bis zu 40 Euro im Monat an. Ansonsten kannst du selbst mit deinem Lohn aufstocken. Dieses Geld kannst du für sieben Jahre entweder in einen Bausparvertrag oder Aktienfonds oder eine Kombi aus beiden Anlageformen investieren. Das Besondere: Beim Bausparen unterstützt dich der Staat mit 9 Prozent, bei Aktienfonds sogar mit 20 Prozent Zuschuss. Dein Einkommen darf dafür aber nicht zu hoch sein.

9. Immobilien

In das sogenannte Betongold zu investieren, "ist immer eine gute Sache", so Stein. Gerade zurzeit, wo die Zinsen zur Rückzahlung eines Kredites sehr niedrig sind und die Mietpreise kontinuierlich steigen. Immerhin kann man damit fürs Alter vorsorgen und die Miete in die Finanzierung seines Eigenheims stecken. Nichtsdestotrotz sind Immobilien sehr teuer und für junge Leute oft unerschwinglich.

10. Rohstoffe und Edelmetalle

Zu Rohstoffen zählen Energien wie beispielsweise Erdgas oder Heizöl, Edelmetalle, Industriemetalle und Agrarprodukte wie Zucker oder Milch. Diese können Anleger entweder klassisch in physischer Form zum Beispiel als Goldmünze, mit Verbriefungen (schriftlichen Zusicherungen), oder über Fonds erwerben. Der große Nachteil: Anleger erhalten keine Zinsen und profitieren lediglich von einer möglichen Kurssteigerung des Rohstoffs. Hinzu kommt: Rohstoffe, die in Fremdwährungen wie in Dollar gehandelt werden, unterliegen zusätzlich noch Schwankungen des Währungskurses. Deswegen empfiehlt auch der Finanzexperte Rohstoffe oder Edelmetalle wie Gold nur als kleinen Teil eines größeren Anlagedepots zu besitzen.

11. Bitcoins, Zertifikate und Sachwerte

Aufpassen bei Bitcoins, rät der Experte. Immerhin seien sie hoch spekulativ, die Abstürze zum Teil enorm und das Risiko dadurch sehr groß. Hinzu kommen oft auch illegale Machenschaften. Wer viel Geld anlegt, sollte sie höchstens als ganz kleinen Teil aufnehmen. Dasselbe zählt für Zertifikate, verbriefte Wertpapiere. Ihr Kurs richtet sich nach der Wertentwicklung eines Produkts, zum Beispiel Gold. Und zuletzt gibt es noch die Sachwerte: Oldtimer, seltenen Kunstgemälde, Spirituosen, teure Uhren, Briefmarken, Sneaker & Co. Wer sie als Geldanlage kauft, sollte aber ein Händchen dafür haben. Schließlich gibt es zum Teil viele Fälschungen auf dem Markt. Deshalb gilt, wie bei jeder Anlageform, die Faustegel: Wenn du die Anlage nicht verstehst, Finger weg.

Worauf sollte ich beim Geld anlegen achten?

Bevor das große Sparen losgeht, sollten Anleger bestehende Schulden tilgen. Denn die anfallenden Zinsen verursachen zusätzliche Kosten. Jeder sollte sich drei Fragen stellen:

  • Wie lange und auf welches Ziel möchte ich sparen?
  • Möchte ich einmalig einen großen, oder regelmäßig kleinere Beträge einzahlen?
  • Welches Risiko möchte ich eingehen?

Wer diese Fragen für sich beantwortet hat, findet mit einem guten Berater schnell die richtige Anlageform für sich. Prinzipiell gilt: Eine sichere und jederzeit verfügbare Geldanlage mit hohen Ertragschancen gibt es nicht. Hohe Gewinne sind immer mit mehr Risiken verbunden. Und wer flexibel bleiben will, hat entweder niedrige Rendite oder muss risikobereit sein. Sinnvoll ist es – wenn möglich – sein Geld langfristig anzulegen, um kurzzeitigen Kursschwankungen vorzubeugen. Der zweite Tipp vom Verbraucherexperten: Sein Geld streuen, also in verschiedene sowohl sicherheits- als auch renditeorientierte Anlageformen investieren. Und zuletzt solltest du natürlich immer die entstehenden Verwaltungskosten deiner Anlage im Blick haben.

Wie viel Geld sollte ich anlegen?

Im Prinzip spielt das laut Stein keine Rolle: "Man kann schon mit kleinsten Summen, etwa mit 50 Euro im Monat, sparen." Wer das kontinuierlich über Jahre hinweg mache, könne auch stattliche Gewinne erzielen. Und wer einmalig einen größeren Betrag investieren will, der sollte sich lediglich überlegen, wie er diesen am besten aufsplittet, um sowohl hohe Erträge zu erreichen, aber auch Sicherheit zu haben. Trotzdem sollte sich jeder immer eine Barreserve für den Notfall anlegen, falls beispielsweise das Auto, die Waschmaschine oder der Kühlschrank kaputt geht. Wichtig hierbei: Wähle ein Konto, was nichts kostet, um deine Ersparnisse nicht automatisch zu reduzieren.

Welche Geldanlage lohnt sich am meisten?

"Von der langfristigen Verzinsung her ist die Aktie nicht zu schlagen. Mit im Durchschnitt sieben Prozent Wachstum, gibt es keine Anlageform, die eine vergleichbare Rendite erwirtschaftet", erklärt der Verbraucherexperte. Das werde wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben. Trotzdem seien die Deutschen, was Aktien angeht, zu skeptisch. Im Lande ist nach dem Statistischen Bundesamt Deutschland immer noch das Sparbuch die beliebteste Anlageform – eine sehr sichere, aber auch wenig rentable Option. Schweden, Australier und Kanadier sorgen dem Deutschen Aktieninstitut zufolge hingegen bereits effektiv mit Aktien für ihr Alter vor. In Deutschland besitzt nur jeder siebte Bürger Aktien oder Aktienfonds. Darunter sind vor allem Besserverdiener ab 40 Plus.

Wie kann ich während der Corona-Krise Geld anlegen?

Auch wenn der DAX zu Beginn der Corona-Pandemie so tief wie zuletzt vor 18 Jahren fiel, seien die Auswirkungen der Pandemie erstaunlich gering. "Die Finanzmärkte haben sich sehr schnell erholt und sind auch weitergewachsen", erklärt Stein. Aktuell würden die Aktienmärkte weltweit, bis auf kleine Ausnahmen, sogar absolute Höchststände mit steigender Tendenz verzeichnen. Dementsprechend gering sei auch der Anpassungsbedarf für Sparer in der Krise.

Aber: Bei den beliebten Anlageformen Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch solltest du umdenken. Denn die niedrigen zum Teil sogar negativen Zinsen werden sich wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Konkret müssten Anleger also bereit sein, ein bisschen mehr Risiko einzugehen, um mit Aktien, Fonds oder ETFs höhere Erträge aus ihren Ersparnissen zu erzielen. Dieses Umdenken zeigt sich dem Marktforschungsinstitut Kantar zufolge bedingt. So verloren Tages- und Festgeld im Jahr 2020 zwar an Popularität, trotzdem bleibt den Deutschen Sicherheit beim Geld anlegen extrem wichtig.

Wie kann ich Geld clever für meine Rente anlegen?

Neben einem Depot, einem Konto mit Wertpapieren, empfiehlt der Experte zur privaten Altersvorsorge einen Riestervertrag abzuschließen oder eine Immobilie zu kaufen. Hier gilt laut Stein auch der Grundsatz: "Je früher ich damit anfange, desto besser."

1. Riestern

Bei der Riester-Rente zum Beispiel zahlt der Anleger kontinuierlich mindestens vier Prozent seines Jahreseinkommens bis zu seinem Rentenbeginn bei der Bank ein. Dabei profitiert er von staatlichen Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen. Junge Menschen erhalten einen Starterbonus, Eltern Kinderzulagen. Sobald der Anleger dann in die Rente eintritt, erhält er die angesparten Beiträge. Einmalig kann er sich das Ersparte aber nicht auszahlen lassen.

2. Bausparen

"Wenn ich beabsichtige in der Zukunft eine Immobilie zu erwerben oder zu bauen, dann ist häufig ein frühzeitiger Bausparvertrag sinnvoll", sagt Stein. Hier wird mit der Bank eine bestimmte Bausparsumme ausgemacht, also den Betrag, den du für dein Vorhaben später benötigst. Du sparst mit festen monatlichen Raten bis du einen ebenfalls abgemachten Anteil davon erreicht hast. Jetzt erhältst du die komplette Bausparsumme ausgezahlt. Den Kredit musst du anschließend zu einem vorher festgelegten Zinssatz zurückzahlen. Der große Vorteil am Ende: Deine Miete geht in dein Eigenheim und zugleich bist du sicher vor wachsenden Zinsen bei einem Kredit. Als reine Geldanlage — also ohne den Kredit in Anspruch zu nehmen — lohnt sich Bausparen nicht.

Eine flexible und hochrentable Geldanlage ohne Risiko gibt es nicht. Wichtig ist, sein Geld über verschiedene Anlageformen zu streuen und so früh wie möglich damit anzufangen. Die beste Rendite, aber auch das höchste Risiko, bieten Aktien.

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