So vielseitig ist Skifahren in Park City, Utah Deer Valley Resort
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Skiurlaub in Utah So vielseitig ist Skifahren in Park City, Utah

Der US-Bundesstaat Utah behauptet, den besten Schnee des Planeten zu besitzen. Wir haben das größte Skigebiet der USA getestet und waren überrascht: So cool ist Skifahren im Wilden Westen

"Schnee kann man nie genug haben", sagt Heidi Voelker, Ex-US-Skirennläuferin im Lift zum Empire Mountain. Kurze Zeit später stehen wir an einer steilen Kante und ich hoffe inständig, dass wir wirklich genug Schnee haben. Denn vor meinen Skispitzen geht es nahezu senkrecht nach unten. Heidi ahnt meine Unsicherheit: "Fahr einfach schräg mit einer Traverse in den Hang", rät sie und schon stürzt sich 3-malige Olympiateilnehmerin und Botschafterin des Skiresorts den Abgrund runter. Da ich nicht zurück zur Piste stapfen will, muss ich wohl hinterher. Nach einigen nervenaufreibenden Schwüngen mündet die Rinne in eine breite Bowl und ich durchpflüge tatsächlich tiefen Pulverschnee – und das Anfang Januar. Der Hang ist übrigens keine waghalsige Freeride-Abfahrt im ungesicherten Gelände, sondern gehört zu den offiziellen Trails im Skigebiet Deer Valley nahe der Stadt Park City im US-Bundesstaat Utah. Heißt: Ich darf hier ganz offiziell und legal abseits der geraupten Pisten auf unpräparierten Geländeabfahrten runterrauschen.

Park City liegt im US-Bundesstaat Utah, nur eine gute halbe Autostunde von Salt Lake City entfernt – am Rande der westlichen Bergkette der Rocky Mountains
Park City Mountain
Park City liegt im US-Bundesstaat Utah, nur eine gute halbe Autostunde von Salt Lake City entfernt – am Rande der westlichen Bergkette der Rocky Mountains

Wo liegt Park City?

Die ehemalige Silberminenstadt liegt im US-Bundesstaat Utah, nur eine gute halbe Autostunde von Salt Lake City, der Hauptstadt des Staates, entfernt – am Rande der westlichen Bergkette der Rocky Mountains. Mitten im Wilden Westen. Die Silbermine hat zwar bereits vor 100 Jahre dicht gemacht, aber spätestens seit den Olympischen Winterspielen, die hier 2002 stattfanden, ist in Park City wieder einiges los. Insbesondere beim Sundance-Filmfestival, das Film-Legende Robert Redford hier jedes Jahr im Januar organisiert. Zwei der ursprünglich 3 Skiresorts wurden 2015 zusammengelegt. Das neue Park City Mountain Resort ist seither nach Pistenkilometern (über 250) das größte Skigebiet der USA. Das benachbarte Resort Deer Valley (etwa 100 km Piste) ist weiterhin eigenständig.

Warum sollte ich zum Skifahren nach Utah?

"Greatest snow on earth" – der tollste Schnee der Welt – steht auf dem Autokennzeichen von Utah, übrigens direkt unter einem Bild von Ex-Skistar Heidi Voelker. Das ist einerseits ein Marketing-Slogan. Denn selbstverständlich ist der Schnee hier nicht jeden Tag der Saison toll. Aber tatsächlich ist der Schnee in der Region sehr trocken. Denn Park City befindet sich am Rande einer Wüste und des großen Salzsees. Die Wolken verlieren dort bereits viel an Feuchtigkeit. Ergebnis: perfekter Pulverschnee fürs Skifahren. Schwunghügel? Gibt’s hier selten. Schnee dafür genug, 8 bis 10 Meter im Jahr sind normal. Zumal das Gebiet sehr hoch liegt (2000 bis 3000 Meter). Weiterer Pluspunkt: Park City ist kein künstliches Skiresort. "Wir sind ein sehr authentischer Ort, und vor allem der am einfachsten erreichbare in den USA", sagt Chad Wassmer, Marketing-Direktor von Park City. Tatsächlich finden sich entlang der Main Street viele typische Häuser und Saloons aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts – echte Wild-West-Atmosphäre also. Und vom internationalen Flughafen in Salt Lake City dauert die Anreise gerade mal 35 Minuten. Ein Auto braucht man nicht, die Busse im Ort sind sogar umsonst. Insgesamt gibt es ein Dutzend verschiedener Skigebiete in der näheren Umgebung von Salt Lake City: Neben Park City Mountain und Deer Valley zum Beispiel auch noch Alta, Snowbird, Solitude, Brighton, Sundance, Snow Basin und Powder Mountain.

In Park City Mountain kann man ganz offiziell und legal abseits der geraupten Pisten auf unpräparierten Geländeabfahrten runterrauschen
Visit Park City
In Park City Mountain kann man ganz offiziell und legal abseits der geraupten Pisten auf unpräparierten Geländeabfahrten runterrauschen

Das beste Argument, um nach Utah zu reisen, ist allerdings das Skifahren selbst, beziehungsweise die unbegrenzten Möglichkeiten hier. Viele der Abfahrten sind keine platt gewalzten Pisten (davon findet man natürlich auch mehr als ausreichend), sondern unpräparierte Trails im Gelände. Ideal für Tiefschneefans. Anders als in vielen Resorts in Europa darf ich innerhalb der Grenzen des Skigebiets jederzeit die Piste verlassen. Um etwa die diversen Bowls (Talkessel oder Tiefschneeschüsseln) runter zu rauschen. Oder inmitten der lichten Tannen- und Espenwälder abzufahren. Und von denen gibt es hier jede Menge. Denn die Baumgrenze liegt weit über der 3000-Meter-Marke. Es gilt: "What you can see, you can ski." Das Beste: alles lawinengesichert. Heißt: Die Skipatrol kontrolliert auch die ausgewiesenen Abfahrten im Gelände.

Was sind die besten Spots zum Skifahren?

1. Ab durch die Bäume im Park City Mountain Resort

Die Silberminenvergangenheit ist im größten Skiresort der USA selbst beim Skifahren allgegenwärtig. Immer wieder fahre ich an alten Fördertürmen und Minengebäuden vorbei. Freerider werden die Tiefschnee-Abfahrten vom Ninety-Nine-90-Gipfel lieben. Zu den Top-Spots gehören auch die Bowls und Gelände-Abfahrten vom Jupiter und Jupiter Peak. Mein Favorit: Tree Skiing, also auf Skiern zwischen den Bäumen durchfahren. Perfekt dafür geeignet die Baumabfahrt "The Aspens" im Canyons-Teil des Skigebiets oder "Specter" beim Dream Peak. Tannen und Espen haben hier die idealen Abstände – auch für Einsteiger. Der ultimative Tipp fürs Tree Skiing: Um die engen Schwünge hinzubekommen, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam fahren. Und immer die Lücken zwischen den Bäumen anvisieren. Denn wer auf den Baum selbst starrt, fährt garantiert… genau: dagegen.

Ab durch die Bäume: Utah ist perfekt fürs Tree Skiing
Park City Mountain
Ab durch die Bäume: Utah ist perfekt fürs Tree Skiing

2. Tiefschnee-Bowls in Deer Valley

Das Besondere an Deer Valley: Snowboards sind hier nicht erlaubt. Skifahrer bleiben also unter sich. Auf den ersten Blick gibt es hier sehr viele perfekt präparierte Pisten. "Wollen wir Piste fahren oder willst du etwas mehr Fun?", fragt mich Skirennläuferin Heidi Voelker bevor wir morgens starten. Ich frage sie nach ihren Lieblingsspots. Das sind natürlich keine glatt geraupten Pisten. Kurze Zeit darauf stehen wir oberhalb der Mayflower Bowl. Später sausen wir die Lady Morgan und Daly Bowl hinunter. Also, Heidi saust, ich versuche irgendwie hinterher zu kommen. Alles im schönsten Tiefschnee. Insgesamt gibt es 6 Bowls, 103 Abfahrten auf 820 Hektar in Deer Valley. Und auf jedem Gipfel offizielle "Hosts", die einem den Weg weisen. Sehr komfortabel.

Diese 7 Dinge solltest du in Park City unbedingt machen

Neben Skifahren und Snowbarden bietet Park City jede Menge Nicht-Skifahr-Aktivitäten. Unsere Highlights:

  1. Bobfahren im Utah Olympia-Park: Im 4er-Bob geht's hier mit über 100 km/h und bis zu 5G, dem fünffachen Druck der Erdbeschleunigung, den Eiskanal runter. Echter Olympia-Nervenkitzel mit Temporausch-Garantie und vermutlich die längsten 50 Sekunden meines Lebens. Mehr Infos findest du auf der Seite vom Olympic Park, einen ersten Eindruck bekommst du in diesem Video:

  2. Schneeschuh-Wandern: zum Beispiel auf dem Gebiet der Blue Sky Ranch, etwa eine halbe Stunde von Park City entfernt:
  3. Mit den Skiern in den Saloon: Park City rühmt sich, die einzige Ski-In-Whiskey-Brennerei der Welt zu haben. Tatsächlich gibt's in dem alten Saloon direkt am Ende der Skipiste neben Whiskey auch gute Cocktails und Bier. Verlassen sollte man die "High West Distillery" besser nicht auf Skiern.
  4. Ein Bier im "No Name Saloon" trinken: eine sehr beliebte, rustikale Kneipe im Western-Stil im historischen Stadtkern von Park City.
  5. Straßenkunst bewundern: Der bekannte Street Artist Banksy war 2010 zum Sundance-Filmfestival in Park City. Einige seiner Grafitti kann man heute noch entlang der Main Street bewundern.
  6. Einen eigenen Gin herstellen: In Rob Sergent's "Alpine Pie Bar" an der Main Street kann man sich unter Anleitung seinen persönlichen Gin herstellen. Man darf sogar die Zutaten selbst wählen und lernt nebenbei jede Menge über die Herstellung des Wachholderschnapses.
  7. Tubing: Im Actionsport-Club "Woodward Park City" rauscht man in aufblasbaren Gummireifen den Hang runter.

Fazit: Das Land der unbegrenzten Ski-Möglichkeiten

Skifahren in Utah ist vor allem wegen seine nahezu unbegrenzten Möglichkeiten wie Tiefschneefahren und Tree Skiing so reizvoll. Hinzu kommen der nahezu perfekte Schnee und die entspannte Western-Atmosphäre. Günstig ist allerdings zumindest der Skipass nicht. Ein Tagespass für Deer Valley oder Park City liegt bei knapp 180 Dollar (über 160 Euro). Daher sollte man immer ein Angebot buchen, bei dem der Skipass inklusive ist.

Zudem ist Utah ziemlich schneesicher. Am Morgen meiner Abreise liegen 20 Zentimeter Neuschnee auf den Hängen. Als ich auf meinem Weg zum Flughafen die begeisterten Skifahrer und Snowboarder sehe, die sich auf einen perfekten Powderday freuen, muss ich an die Worte von Heidi denken. Ja, Schnee kann man wirklich nie genug haben.

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