Latexallergie: Das hilft bei Hautirritationen durch Kondome

Kondome können eine Latexallergie auslösen
Gereizt, geschwollen, gerötet: Nicht nur Latex kann der Übeltäter für Hautirritationen am Penis sein.

Der Liebesakt ist vollbracht und sie ist begeistert. Aber bei Ihnen fängt es plötzlich an zu jucken? So erkennen Sie die Anzeichen einer Allergie gegen Latex-Kondome

Kondome gehören zum Sex wie das Aufwärmen vorm Sport – beides schützt vor ungewollten Begleiterscheinungen. Aber Ihr bestes Stück fand den Sex reizend? Etwa 2 Prozent der Gesamtbevölkerung leiden unter Naturlatex-Sensibilisierung, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund e. V. Bei Beschäftigten im medizinischen Bereich, die häufig Latexhandschuhe tragen müssen, sind es sogar 10 bis 17 Prozent.

In diesem Artikel:

Was ist Latex?

Latex – das ist nicht zwingend SM- und Bondage-Kleidung, sondern auch: Kaugummi, Autoreifen und eben Kondome. Latex (vom portugiesischen Wort für Milch) wird der weiße, gummiartige Milchsaft von Pflanzenarten genannt, dessen Sekret besonders viel Kautschuk enthält. Der Milchsaft des Kautschukbaums (Ursprung: Brasilien) besteht zu 30 bis 40 Prozent aus Kautschuk. Der Rest ist vor allem Wasser. 

Der Milchsaft anderer Pflanzenarten enthält deutlich geringere Mengen Kautschuk. Dafür finden sich in Pflanzen wie Gewöhnlicher Löwenzahn, Gänsedistel, Giftlattich weitere Inhaltsstoffe, darunter Harze, Fette Alkaloide und Terpene. Milchsaft ist vielfältig verwendbar. Neben Gummiprodukten sind Rausch- und Schmerzmittel bekannt: Das weiße Sekret des Schlafmohns wird zu Opium und Morphium weiterverarbeitet.

Warum sind Kondome aus Latex?

Kautschuk ist kurz gesagt eine jahrhundertalte Allzweckwaffe: Schon die Maya und die Azteken nutzen es als wasserabweisende Quasi-Socke oder in Form eines Balls für rituelle Spiele. Gegen Syphilis oder Tripper half das freilich wenig. Für die schönste Nebensache der Welt musste etwas anderes her. Allerdings waren die damaligen Präservative aus Tierblasen und -därmen oder Marke Eigenbau nicht der Renner. Erst der US-Amerikaner Charles Goodyear hat die Menschen davor bewahrt, sich durch Geschlechtskrankheiten auf die Liste der bedrohten Arten zu kopulieren: Goodyear erfand das Verfahren der sogenannten Vulkanisation. Das ermöglicht aus hartem Kautschuk elastisches Gummi herzustellen. Damit war der Verkehr sichergestellt: Neben (Auto-)reifen aus Hartgummi wurde auch das Kondom geboren. Ab 1870 ging Goodyears "Gummi" in die Serienfertigung. Damals war es noch 2 Millimeter dick. Heute, nach etlichen Verbesserungen, sind es nur noch bis zu 0,02 gefühlsechte Millimeter.    

Außer in Kondomen ist Latex in Gummihandschuhen, Anti-Rutschsocken, Luftballons, Atemmasken, Schwimmbrillen, Katheter, Ohrstöpsel, Kaugummi oder auch Verschlusskappen von Getränkeflaschen zu finden.

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Kondome können eine Latexallergie auslösen
Das Immunsystem kann mit Allergie-Symptomen auf die Proteine in Latex-Kondomen reagieren.

Was sind die Ursachen für eine Latexallergie?  

Eine Latexallergie kann sich nach häufigem und längerem Kontakt mit Latex-haltigen Produkten entwickeln (etwa Handschuhe oder eben Kondome). "Die Übeltäter für die allergische Reaktion sind die wasserlöslichen Proteine im Naturkautschuk. Durch Kontakt und den Schweiß oder Sekrete lösen sich die Eiweiße von der Oberfläche etwa des Kondoms während des Geschlechtsverkehrs. Über die Haut und Schleimhaut (seltener auch die Atemwege) gelangen die Proteine dann in den Körper. Das Immunsystem reagiert mit Abwehrstoffen", erklärt Jana Witte, Fachärztin für Dermatologie und Oberärztin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 

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Welche Symptome der Latexunverträglichkeit gibt es?

Man muss zwischen 2 Reaktionen unterscheiden, erklärt Witte: 

  • Sofort-Typ-Allergie: Hier treten die Beschwerden meist innerhalb von 60 Minuten nach Haut- oder Schleimhautkontakt mit dem Kondom auf. Es können sich Schwellungen, Hautrötungen und Quaddeln am Penis zeigen. Manchmal treten auch Heuschnupfen-typische Symptome wie Fließschnupfen, Niesreiz, und Juckreiz in den Augen auf. In schweren Fällen kann die Reaktion zu Kreislaufbeschwerden bis zur Atemnot und allergischem Schock führen.   

    Dauer: In den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb eines Tages  

  • Spät-Typ-Allergie: Wie der Name sagt, treten die Reaktionen wie Rötungen, Juckreiz und Schwellungen verzögert auf. Der Schuldige ist weniger das Latex im Kondom, sondern Gummi-Zusatzstoffe: darunter Vulkanisationsbeschleuniger, auch das Betäubungsmittel Benzocain, das in sogenannten aktverlängeren Kondomen oder in Verzögerungscremes und -sprays enthalten ist. Außerdem: Konservierungs- und Duftstoffe und Aromen in Gleitmitteln und Cremes zur Intimpflege. Auch der spermienabtötenden Wirkstoff Nonoxynol-9 kann eine allergische Reaktion hervorrufen. Er ist in sogenannten spermiziden Kondomen vorhanden.  

    Dauer: Die Symptome sind langwieriger und können ein paar Tage bestehen.
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Was tun bei einer Kondomallergie? 

Die Behandlung richtet sich je nach Allergie-Typ. "Beim Sofort-Typ mit einem allergischen Schock kann man eine Notfalltherapie durchführen", sagt Witte, "Je nach Ausprägung mit Kortison, Antihistaminika und eventuell Adrenalin bei schweren Reaktionen – dann sollte auch immer ein (Not-)Arzt verständigt werden. Bei einem verzögerten Kontaktekzem dagegen empfiehlt sich eine lokale Behandlung mit einer Kortison-Creme." 

Wichtig: Keine Selbstbehandlung. Sollten Sie nicht wissen, ob Sie Latex-Allergiker sind, klären Sie die Symptome mit Ihrem Arzt ab.  

Latex-Allergiker können zudem am sogenannten Latex-Frucht-Syndrom leiden. Das ist eine Form der Kreuz-Allergie: Betroffene reagieren dabei allergisch auf bestimmte Obstsorten. Darunter Kiwi, Banane, Avocado, Walnuss und Esskastanie. Hintergrund: Diese Nahrungsmittel besitzen ähnliche Eiweiße wie Latex. Der Körper stuft diese Frucht-Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein. Aber: Man kann eine Reaktion nicht vorhersagen, warnt Witte. Eine Kiwi zu essen und zu schauen, ob der Körper ungewöhnlich reagiert, taugt also nicht als Latex-Allergie-Test. 

Gibt es andere Gründe für Hautirritationen am Penis?

"Grundsätzlich kann alles, was die Haut irritiert, zu Reaktionen wie Schwellungen oder Rötungen im Genitalbereich führen", sagt Witte. Darunter zu häufiges Waschen, Verwendungen von Seifen, Rasieren, Waxen oder trockener Geschlechtsverkehr. Zudem: Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder eine Schuppenflechte können sich im Genitalbereich festsetzen. Auch eine Geschlechtskrankheit kann hinter Hautirritationen stecken. Bläschen am Penis beispielsweise weisen häufig auf Genitalherpes hin, der beim Oralverkehr durch einen Lippenherpes übertragen werden kann.  

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Welche Alternativen für Latex-Kondome gibt es?

Latexfreie Kondome aus Polyisopren oder Polyurethane. Sie sind extrem dünn (0,02 mm) und geruchsneutral. Sie gelten daher als gefühlsintensiver, weil mehr Wärme durchgelassen wird, und angenehmer beim Oralverkehr als ihre Latexbrüder. Die meisten großen Marken wie Billy Boy, Durex und Skyn bieten diese Art an. Der Hersteller Pasante stellt latexfreie Kondome aus Kunstharz her. 

Nachteil: Latexfreie Kondome sind etwas teurer (8 Stück um die 10 Euro, Durex), weil ihre Produktion aufwendiger ist als konventionelle Latex-Kondome.

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Fazit: Hautirritationen vom Arzt abklären lassen

Der beste Schutz gegen eine Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten sind Kondome. Doch rund 2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland reagiert allergisch auf das Latex in den Präservativen. Betroffene können die von uns aufgeführten Alternativen zum Latex-Kondom ausprobieren. Aber: Ursachen für Hautirritationen im Genitalbereich sich vielfältig. Es muss nicht gleich eine Latexunverträglichkeit sein. Lassen Sie es vom Arzt abklären. 

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