Outdoor-Sport in den Rocky Mountains: So cool ist Outdoor-Urlaub in Aspen

So cool ist Outdoor-Urlaub in Aspen/Snowmass
Action-Sport in den Rocky Mountains: mit dem Mountainbike im Snowmass-Bike-Park

Aspen gilt als Ski-Resort der Promis und Reichen. Bis jetzt: Denn im Sommer können Outdoor-Fans hier jede Menge Sport-Action erleben. Wir haben's getestet: auf SUP-Board, Trail und Mountainbike

Es ist ein seltsames Gefühl. Ich sitze bei 25 Grad in einem Skilift, mit Vollvisierhelm und Protektoren am ganzen Körper. Vor mir baumelt ein neongrünes Enduro-Bike am Lift, unter mir der grasgrüne Hang. Der gehört Im Winter zu einem der beliebtesten Skigebiete Nordamerikas. Jetzt sind dort nur 2 Wanderer unterwegs. Zum Glück ist es auch noch angenehm leer, als ich wenige Minuten später auf dem Mountainbike mit über 30 km/h den so genannten Viking-Trail herunterrausche. Der kurvenreiche und steile Parcours hat es in sich, zumindest für mich als Downhill-Einsteiger. Die Handgelenke schmerzen, hin und wieder rutschen die dicken Reifen in engen Kurven unkontrolliert übers Geröll. Erste Panik macht sich breit. War das vielleicht doch nicht so eine gute Idee? Hätte ich nicht doch lieber einfach mit den anderen ein Bier trinken gehen sollen? Dann eine enge Kehre und es geht wellenartig durch ein großes Espenwäldchen – die Bäume, die dem naheliegenden Ort seinen Namen geben. Und plötzlich ist es da. Ein wahnsinnig euphorisches Gefühl. Das muss er sein: der so genannte Flow. Der gewagte Cowboy-Ritt mitten durch den Wilden Westen im US-Staat Colorado macht auf einmal wahnsinnig Spaß!

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Aspen liegt mitten in den Rocky Mountains und gilt als reichster Ort der USA
Aspen liegt mitten in den Rocky Mountains und gilt als reichster Ort der USA

Warum sollte ich zum Outdoor-Urlaub nach Aspen, Colorado?

Outdoor- und Bergsport-Möglichkeiten gibt es auch direkt vor der Haustür in den Alpen. Warum also nach Colorado reisen? Zum einen ist es die etwas schräge und relaxte Atmosphäre. Aspen steckt voller Widersprüche. Das spüre ich deutlich, als ich durch die Main Street zu meinem ersten Sporttermin (Yoga auf dem Aspen Mountain) schlendere. Aspen gilt zwar als reichster Ort der USA: Die Immobilienpreise können sich nur Millionäre leisten, auf dem Airport stehen mehr Privatjets als Linienmaschinen. Andererseits tragen die Leute hier Hoodys, trinken Craft-Beer, fahren Fahrrad und Skateboard. Protzige Sportwagen, Fehlanzeige. In der Nähe der Gondel entsteht gerade ein Wandbild des berühmten Street-Art-Künstlers Shepard Farley. Ja, vieles ist teuer und posh, vieles aber auch nicht. Die Busse etwa sind kostenlos.

Und dann wäre da die einmalige Lage: weit weg vom erzkonservativen Trump-Amerika, im liberalen und sehr toleranten Bundesstaat Colorado mitten in den Rocky Mountains auf 2.400 Metern über dem Meeresspiegel. An diese Höhe muss ich mich erst gewöhnen. Bei der relaxten Yoga-Session auf Aspens Hausberg auf 3400 Metern ist für mich nicht nur der Ausblick atemraubend. Die Luft ist dünn hier oben.

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Weitere Pluspunkte: Im Sommer sind hier am Tag meist 25 -30 Grad mit 11 Sonnenstunden, es gibt 6-8 Regentage pro Monat und das Klima ist sehr stabil. Das wichtigste Argument: Die Region um das ehemalige Silberminenstädtchen bietet nahezu unbegrenzte Outdoor-Aktivitäten, für Profis und Einsteiger. Diese hier solltet ihr unbedingt ausprobieren:

Outdoor-Sport: Stand up Paddling auf dem Roaring Fork River
Outdoor-Sport: Stand up Paddling auf dem Roaring Fork River

1. Mit dem SUP-Board über den Roaring Fork River

Eigentlich gehört ein Rafting-Trip auf den wilden Flüssen der Rockies zum Pflichtprogramm für jeden Adrenalin-süchtigen Outdoor-Sportler. Allerdings sind die Wasserstände in der Region gerade niedrig, und man müsste für einen richtig wilden Rafting-Trip etwas weiter fahren. Das sehe ich ein und entscheide mich spontan fürs Stand Up Paddling (SUP). Weniger Adrenalin, dafür mehr Ganzkörper-Workout. Das meint auch Extrem-Sportler und SUP-Pionier Charlie MacArthur, der mit mir zum naheliegenden Roaring Fork River fährt. "SUP ist wirklich simpel, das klappt sogar bei Niedrigwasser", erklärt der Kayak-Ausbilder (www.aspenkayakacademy.com).

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Im Vergleich zum SUP auf dem See gibt es auf dem Fluss ein paar Dinge zu beachten. Zum Beispiel nie barfuß oder ohne Neoprenanzug aufs Brett zu steigen. Spitze Steine und Felsen können sehr schmerzhaft sein, wenn man rauffällt. Bevor es losgeht, geht Charlie mit mir noch mal die Basics durch: hüftbreiter Stand in der Mitte des Bretts, Knie leicht gebeugt. Nicht aus den Armen paddeln, die Kraft kommt aus dem Rumpf. Dann geht's los. Aber ganz so einfach wie Charlie sagt, ist es für mich doch nicht. Die Strömung, kleinere Stromschnellen und Wirbel bringen mich immer wieder aus dem Gleichgewicht. Charlies Mental-Trick: Den Blick möglichst weit nach vorne richten. "Am besten du stellst dir vor, dass du aus deinem Bauch einen Energiestrahl über den Berg dahinten schießt", rät mir der Hobby-Philosoph, der mit den aufblasbaren Boards auch regelmäßig stehend durchs Wildwasser pflügt. Klingt schräg, funktioniert aber sehr gut. Und ich kann mich mehr auf die atemberaubenden Ausblicke auf die umliegenden Berge konzentrieren.

Die wichtigsten Tipps fürs Stand-up-Paddling auf dem Fluss

  • Das Paddel möglichst gerade bis zur Ferse durchs Wasser ziehen, sodass das Brett nicht sofort dreht. Damit du nicht alle 3-4 Schläge die Seite wechseln musst, rät Charlie das Paddelblatt nicht im 90- sondern im 45-Grad-Winkel zum Brett einzutauchen. Damit gleichst du die Drehung des Bretts aus.
  • Besser Stromschnellen manövrieren mit dem Surf Stance: Die Füße stehen wie beim Surfen quer auf dem Brett, der vordere Fuß leicht nach vorne, der hintere Fuß mittig auf dem Board. Knie leicht gebeugt.
  • Im ruhigen Wasser immer wieder das Gewicht (zum Beispiel vom rechten auf den linken Fuß) verlagern, um ein besseres Gefühl fürs Board zu bekommen.
  • Bei wenig Raum hilft die schnelle Pivot-Wende. Dabei im Surf Stance aufs Brett, bis sich die Spitze aus dem Wasser hebt und mit dem Paddel aus dem Stand drehen.

Als wir nach einigen Stunden unsere Boards aus dem eiskalten Wasser ziehen, bin ich erschöpft und überrascht, wie viel Spaß SUP mitten in den Bergen macht.

Auch für Trailrunner und Hiker sind die Rocky Mountains um Aspen ein Top-Ziel
Auch für Trailrunner und Hiker sind die Rocky Mountains um Aspen ein Top-Ziel

2. Höhentraining auf den Trails von Aspen-Snowmass

Auch die Optionen für Trailrunner und Hiker sind in den Rocky Mountains um Aspen traumhaft, insbesondere fürs Höhentraining. Denn oberhalb der 2500 Meter ist die Luft wesentlich dünner, woran sich der Körper anpassen muss. Und die Benefits sind nicht nur für Sportler attraktiv: bessere Sauerstoffversorgung der Muskulatur, eine kürzere Regenerationszeit nach Belastungen, eine Verbesserung des Fettstoffwechsels sowie eine Erhöhung des energetischen Umsatzes.

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Beste Trekking-Wahl zum Sonnenaufgang: die Maroon Bells. Die Zwillingsberge im Morgenlicht (4200 Meter hoch) finden sich auf jeder 2. Postkarte wieder. Daher sitze ich bereits um 6 Uhr im kostenlosen Shuttlebus. Wach bin ich nach der 20-minütigen Busfahrt auch, da Busfahrer John sein Gesangs- und Jodeltalent zum Besten gibt. An den Aussichtspunkten ist einiges los, auf dem sehr schönen Trail zum Crater Lake (6 km, 1:45 h) noch nicht. Schwieriger und herausfordernder ist der Willow Lake Trail (insgesamt etwa 20 km), der schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nimmt.

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Aber auch in Aspen selbst gibt es herausfordernde Trails: Auf dem Ute Trail geht's in gut 2 Stunden direkt aus dem Stadtzentrum zum Aspen Mountain – etwa 1000 Höhemeter. Tatsächlich muss man für nichts wirklich weit fahren. "Alles ist hier nur eine kurze Fahrradstrecke entfernt", meint auch Berg- und Naturführer Grayson Bauer, der aus Kansas hierhergezogen ist und mit uns den Hunter Creek Trail zum Red Mountain und dann zum Smuggler Mountain hochkraxelt. Bauer bringt Touristen auf die Berge und erklärt ihnen die Natur. Etwa, dass das helle Pulver der Espen, das die Rinde absondert, ein prima Sonnenschutz ist. Bauers Lieblingstrails führen allerdings abwärts und liegen am benachbarten Snowmass Mountain. Sie heißen Viking, Vapor, und Valhalla und gehören zum Snowmass Bike Park.

Beim Downhill geht's ähnlich wie beim Skifahren mit dem Lift aufwärts und dann auf natürlichen und präparierten Strecken zurück ins Tal
Beim Downhill geht's ähnlich wie beim Skifahren mit dem Lift aufwärts und dann auf natürlichen und präparierten Strecken zurück ins Tal

3. Downhill-Mountainbiking im Snowmass Bike Park

In Aspens Nachbarort Snowmass (im Winter das größte Skigebiet der Region) finden Mountainbiker perfekte Bedingungen fürs Cross-Country- und Downhill-Biking. Beim Downhill geht's ähnlich wie beim Skifahren mit dem Lift aufwärts und dann auf natürlichen und präparierten Strecken mitten durchs Gelände ins Tal. Da der Bike Park Trails in allen Schwierigkeitsgraden bietet, können sich hier auch Anfänger aufs Bike wagen. Aber es empfiehlt sich ein kurzes Training mit einem Profi. Wie zum Beispiel mit John Hartmann. Der Mountainbike-Lehrer aus Snowmass stattet mich erstmal mit der richtigen Ausrüstung aus. Fürs Downhillfahren brauche ich ein vollgefedertes (vorne und hinten) Downhill- bzw. Enduro-Mountainbike.

Weitere Pflicht-Ausrüstung fürs Downhill-MTB:

  • ein Full-Face-Helm mit Kinnbügel (ähnelt dem Motorradhelm), um den Kopf bei einem Sturz optimal zu schützen
  • eine Brille, die vor Dreck und Steinen schützt
  • Protektoren für Knie und Arme
  • Rückenprotektor, der Hals und Wirbelsäule schützt
  • Handschuhe, um Lenker und Bremshebel sicher zu greifen
Im Snowmass Bike Park geht es mit dem Mountainbike mitten durch die Espen
Mit dem Mountainbike mitten durch die Espen: im Snowmass Bike Park

Rad und Equipment gibt es direkt in Snowmass an der Liftstation zu mieten. In dieser Ritterrüstung geht's zum Trainingsparcours, wo John mir die Grundposition auf dem Rad und die wichtigsten Tipps für Anfänger zeigt:

Beim Downhillfahren steht man auf den Pedalen, man sitzt nicht, der Sattel wird für die Abfahrt sogar nach unten gestellt. Die Pedalen stehen parallel, also auf gleicher Höhe. Der Lieblingsfuß ist vorne. Knie und Ellenbogen anwinkeln, die Hüfte leicht nach vorne schieben, der Kopf ist über dem Lenker. So kann ich auf Hindernisse am Boden schneller reagieren. Je nur ein Finger ist am Bremshebel, um immer bremsbereit zu sein, aber auch noch den Lenker richtig greifen zu können. "Körperspannung halten, aber dabei nicht verkrampfen", rät mir John. Gar nicht so einfach. "Schau am besten weit nach vorne und nicht nur auf das, was 1 Meter vor dir passiert", so der MTB-Guide. "Nur so meisterst du sicher Hindernisse und Kurven." Nach ein paar Runden auf dem Trainingsparcours geht's auch schon in den Lift und auf den Berg.

In der Gondel nach oben zeigt John, an welchem Punkt es die Top-Fahrer beim offiziellen Big Mountain Snowmass-Enduro-Rennen regelmäßig aus der Strecke haut. Die steinig-steile Kurve sieht schon von hier oben unpassierbar aus. Tatsächlich sind Stürze und Verletzungen beim Downhill-Biking nicht selten. Daher ist es auch wichtig, sein Können nicht zu überschätzen und sich Fahrt für Fahrt langsam an die Strecke und Hindernisse heranzutasten. Es ist auch völlig ok, schwere Stellen zu umfahren oder erst einmal in Ruhe zu inspizieren.

Auch das Kurvenfahren muss ich lernen. Johns Tipps:

  • Die Geschwindigkeit immer vorher anpassen
  • Den kurvenäußeren Arm anwinkeln, den inneren nur leicht beugen
  • Das kurvenäußere Pedal zeigt nach unten, das kurveninnere Knie beugen
  • Der Schwerpunkt liegt mittig über dem Bike, den Blick auf den Kurvenausgang richten

Auch wenn es "nur" abwärts geht, Downhill-MTB ist wahnsinnig anstrengend. Die Schläge, Kurven, das Stehen auf den Pedalen, die ständige Konzentration und meine schmerzenden Handgelenke sorgen dafür, dass ich bereits nach 2 Stunden ziemlich kaputt bin – aber sehr glücklich. Denn die steilen kurvigen Abfahrten über Brücken, Wurzeln und mitten durch die Espen machen einen Wahnsinnsspaß. Etwas weniger Action gefällig?

Im Abenteuerpark
Im Abenteuerpark "Lost Forest" geht es durch einen rasanten Zip-Lining-Parcours ins Tal

5 Dinge, die du in Aspen/Snowmass unbedingt machen solltest:

1 . Ein Bier in der Woody Creek Tavern trinken: Mit dem Bike kommt man den Roaring Fork River entlang sehr entspannt ins nahegelegene Woody Creek. Die im Vergleich zum hippen Aspen eher rustikale, aber sehr coole Kneipe war die Lieblingsbar von Kult-Autor Hunter S. Thompson.

2. Den Tuesdays Cruiseday mitfahren: Jeden Dienstag treffen sich die Radfans zum Sundowner an der Aspen Brewing Company und radeln mit Drinks durch den Ort bis zum Smuggler Park.

3. Einen Shotski bestellen: Auf einen alten Ski sind mehrere Schnapsgläser montiert, die man dann mit anderen gleichzeitig und nebeneinander stehend wegext.

4. Ein Rodeo besuchen: Beim Snowmass-Rodeo gibt's jeden Mittwoch BBQ und echte Wildwest-Atmosphäre.

5. An Drahtseilen durch die Bäume fliegen: Im Abenteuerpark "Lost Forest" geht es neben Sommerrodelbahn und Hochseilgarten auch durch einen rasanten Zip-Lining-Parcours.

Tipps zur Unterkunft:

Aspen: zum Beispiel in der Aspen Mountain Lodge, ab etwa 110 Euro pro Nacht
Snowmass: etwa im Westin Grand ab zirka 100 Euro pro Nacht

Fazit: Outdoor-Action im hippen Wilden Westen

Der perfekte Abschluss nach einem Tag in den Bergen: ein Bier in der Red Onion Bar. Neben mir sitzt Chuck, der mit seiner Gitarre durch Colorado tingelt und immer wieder nach Aspen zurückkommt. Heute hat er mit seinen Songs in der Fußgängerzone 100 Dollar verdient. So viel bekommt er nirgendwo sonst, sagt er. Und leistet sich daher jetzt ein 6-Dollar-Bier. "Ich muss einfach immer wieder kommen", sagt er. Das trifft es ganz gut. Die Mischung aus Outdoor-Sport, Wildwest-Atmosphäre und hippen Bars und Restaurants wirkt tatsächlich sehr anziehend.