Bei einer Muskel-Dysmorphophobie handelt es sich um eine gestörte Körperwahrnehmung F8_studio / Shutterstock.com

8 Zeichen einer Muskel-Dysmorphophobie

Muskel-Dysmorphophobie 8 Zeichen für eine gestörte Muskelwahrnehmung

Deine Körperwahrnehmung und dein Muskelaufbautraining können krankhafte Züge annehmen. Wir zeigen Symptome – und was gegen den Muskel-Wahn hilft

"Egal wieviel ich trainiere, meine Muskeln wachsen einfach nicht", diese Klage hört Sportmediziner und Psychologe Dr. Kieran Kennedy immer häufiger. Und das nicht etwa nur von Hardgainern, sondern auch von extrem muskulös-definierten Männern.

Offensichtlich geht es ihnen nicht um Fishing-for-compliments, sondern um echten Leidensdruck, so die Beobachtung des Sportmediziners, der ebenfalls ambitionierter Kraftsportler ist. Seine Diagnose: Muskel-Dysmorphophobie. Was das genau ist, woran du erkennst, ob du selbst betroffen bist und was dann hilft, erklärt Dr. Kennedy hier.

Was ist Muskel-Dysmorphophobie?

Das Wort Dysmorphophobie setzt sich aus drei Wortteilen zusammen: "dys", eine Vorsilbe, die sich auf etwas nicht der Norm entsprechendes bezieht, "morph", das aus dem griechischen stammt und sich mit "Gestalt" oder "Form" übersetzen lässt, und "Phobie", die medizinische Bezeichnung für Angst, die beim Anblick bestimmter Dinge ausgelöst wird.

Muskel-Dysmorphophobie bezeichnet eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers. Dazu gehört auch, obsessiv kritisch den eigenen Körper zu beobachten. Oft betrifft das bei Männern die Nase oder den Haarwuchs, neuerdings jedoch immer häufiger die Symmetrie, Sichtbarkeit und den Umfang der Muskulatur. Betroffen sind vor allem Männer und im Besonderen Bodybuilder, aber auch Freizeit-Kraftsportler.

Der beste Schutz gegen übertriebenes Trainieren ist übrigens ein professionell strukturierter Trainingsplan:

Woran erkenne ich, dass ich unter einer Wahrnehmungsstörung meiner Muskeln leide?

Natürlich hat nicht jeder Mann, der seinen Körper bewusst und aufwendig in Form hält, auch ein "Adonis-Komplex" oder "Big-orexia" genanntes Syndrom. Und es ist auch ein Stück weit normal und gesund, dass wir unseren Körper kritisch betrachten. Krankhaft wird es erst, wenn eine dauerhafte Angst jemandem zu immer härterem Training treibt. Wenn diese Zeichen auf dich zutreffen, solltest du dir zumindest Gedanken machen, ob du vielleicht Hilfe brauchst:

  1. Konstante Unzufriedenheit über Umfang und Form der Muskeln. Die Gedanken drehen sich unwillkürlich ständig um dieses Thema und lösen Ekel und Niedergeschlagenheit aus.
  2. Ständiges Vergleichen mit anderen und dabei stets zu einer negativen Einschätzung der eigenen Muskulatur zu kommen.
  3. Zwanghaftes Kontrollieren der eigenen Muskeln und ihrer Entwicklung. Männer mit einer Muskel-Dysmorphophobie checken ihre Muskulatur meist ständig ängstlich im Spiegel, oft nutzen sie auch Maßbänder und Waagen, um sich abzusichern, dass ihre Muskelmasse nicht abgenommen hat.
  4. Verstecken des Körpers vor den Blicken anderer aus Scham. Oft tragen Betroffene weite Kleidung, um ihre vermeintlich geringe Muskelmasse zu verstecken.
  5. Strenge Trainings- und Ernährungspläne schränken das Leben krankhaft muskelfixierter Männer oft stark ein aus Angst, Muskelmasse zu verlieren, Fett zuzusetzen und gesetzte Trainingsziele nicht zu erreichen.
  6. Vernachlässigen von anderen wichtigen Lebensbereichen wie Job, Familie oder soziale Kontakte. Oft fühlen betroffene Männer sich dadurch in Konfliktsituationen gefangen oder haben Schuldgefühle.
  7. Gesundheitsrisiken werden eingegangen, nur um mehr oder definiertere Muskeln zu bekommen. Beispielsweise werden Verletzungen ignoriert, leistungssteigernde Drogen genommen oder die Gesundheit gefährdende Diäten gemacht.
  8. Ein Gefühl von Ausweglosigkeit plagt viele Betroffene. Ihre Gefühle schwanken zwischen Liebe und Hass bezüglich ihres Körpers und Trainings. Statt ihr Fitnessprogramm zu genießen, begleitet Ängstlichkeit, Unsicherheit und Scham jede körperliche Aktivität. Viele möchten aus dem Teufelskreis am liebsten aussteigen, wissen aber nicht wie.

Was hilft bei Muskel-Dysmorphophobie?

Wenn du dir über deinen Körper häufiger Gedanken machst oder dir wünschst, dass deine Muskulatur stärker und definierter wird, brauchst du dir noch keine Sorgen machen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn jedoch Angst und zwanghaftes Verhalten hinzukommt, und du dich in vielen der oben genannten Punkten wiedererkennst, solltest du versuchen, mit Hilfe unserer Checkliste einen Weg aus der Muskel-Sucht zu finden:

  • Balance finden: Erstelle dir wöchentlich im Voraus einen Zeitplan, in dem nicht nur deine Trainingszeiten, sondern auch Trainingspausen, dein Job und soziale Aktivitäten verzeichnet sind. Passe den Plan über die Wochen behutsam an, so dass Trainingszeit und "normales" Leben langsam wieder in eine gesunde Balance zueinander finden.
  • Sprich darüber: Such dir jemanden, dem du vertrauen kannst und sprich mit ihm oder ihr über deine Sorge, in eine Dysmorphophobie zu rutschen. Diese Person kann dir helfen, deine Bedenken realistisch einzuordnen. Sich über seine Situation bewusst zu werden, ist oft der erste Schritt aus einer Sackgasse.
  • Leg bewusst Pausen ein: Es ist purer Stress, wenn du dein Training und deine Ernährung permanent streng kontrollierst. Lerne es nicht als Katastrophe zu empfinden, wenn du mal weniger trainierst oder dir mal etwas jenseits deiner üblichen Essgewohnheiten gönnst. Da gelingt dir am besten, indem du bewusst Trainingspausen und Cheat Meals in deinen Wochenplan einbaust.
  • Such dir professionelle Hilfe: Wenn dir die oben genannten Tipps schwerfallen, zögere nicht, dir professionelle Hilfe beim Doc zu suchen, der dich möglicherweise an einen Psychologen überweisen wird. Das Bewusstsein für mentale Probleme wie die einer Muskel-Dysmorphophobie sind in den letzten Jahren enorm gewachsen, deshalb scheue dich nicht, dir Unterstützung von Profis zu suchen.

Wenn du das Gefühl hast, deine Gedanken über deine Muskulatur haben die Herrschaft über dein Leben übernommen, werde aktiv, mit unseren Selbsthilfe-Tipps oder auch mit ärztlicher Hilfe. Schäm dich nicht dafür, es leiden mehr Männer (und auch Frauen) darunter, als du denkst – bloß redet kaum jemand darüber. Durchbrich diesen Teufelskreis, um dich selbst und auch andere Betroffenen dort heraus zu befreien.

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