Väter im Wochenbett: Die To-do-Liste für Daddys

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Väter im Wochenbett Das ist während des Wochenbettes der Job des Vaters

Nach der Geburt braucht die junge Mutter möglichst viel Ruhe. Jetzt schlägt deine Stunde als Vater. Hier kommt die To-do-Liste für frischgebackene Daddys

Schwangerschaft? Check! Geburt? Check! Als nächstes steht das Wochenbett an. Was es damit auf sich hat und warum diese Zeit auch für Väter so wichtig ist, verrät der Väter-Coach Klaus Althoff, der mit der Bestsellerautorin Nicola Schmidt vom artgerecht-Projekt gerade einen Geburtsvorbereitungskurs für Väter geschrieben hat: "Vater werden – dein Weg zum Kind". Das Buch kannst du hier bei Amazon, oder hier bei Thalia (25 €, versandkostenfrei) bestellen.

Wochenbett – was ist das überhaupt?

"Jede Geburt ist mit großen körperlichen und emotionalen Anstrengungen verbunden, von denen sich die Mutter erholen muss", erklärt Experte Althoff. "Außerdem brauchen Eltern und Neugeborenes Ruhe und Zeit, um sich aufeinander einzustellen." Dies geschieht im sogenannten Wochenbett, der Zeit nach der Geburt des Kindes.

Wie lange dauert die Wochenbettphase?

Mindestens 6 bis 8 Wochen, manche Fachleute sagen sogar 8 bis 12 Wochen. "Die ersten zehn Tage werden als das Frühwochenbett bezeichnet. Hier sollte sich die Mutter konsequent im Bett ausruhen", rät der Experte. Später kann die Mutter ihren Radius behutsam erweitern. Wichtig ist, dass sie sich mindestens 6 Wochen lang schont – also so wenig körperliche Arbeiten wie möglich verrichtet, auch nicht im Haushalt. Einzige Ausnahme: Nur das Tragen des Babys ist erlaubt. Auch Stress ist übrigens zu vermeiden.

Welche Begriffe begegnen einem Vater in dieser Zeit?

Wochenfluss? Nachwehen? Sagt dir alles nichts? Macht nix, erklären wir dir kurz. Im Wochenbett hat der Körper der Mutter jede Menge zu tun, so muss er sich zum Beispiel um die erste Milch kümmern. Althoff: "Außerdem muss sich die Wunde, die die Plazenta hinterlassen hat, wieder schließen. Damit sind mehr oder weniger starke Blutungen verbunden, was als Wochenfluss bezeichnet wird." Auch Nachwehen sind im Wochenbett an der Tagesordnung, da sich die Gebärmutter während der inneren Wundheilung immer wieder zusammenzieht. Das passiert vor allem beim Stillen und kann ganz schön weh tun. "Eine warme Wärmflasche im Rücken und ein mitfühlender Vater können hier wohltuend sein", erklärt der Experte.

Auch seelisch tut sich bei der Mutter vieles nach der Geburt. "Durch die Hormonumstellung sind junge Mütter oft empfindsamer und verletzlicher", sagt der Buchautor. Wenn dann noch wenig Schlaf und die neuen Herausforderungen der Mutterrolle hinzukommen, führt das oft zu einem Stimmungstief, das als Baby Blues bekannt ist. Meist vergeht er nach einigen Tagen und erfordert keine Behandlung. Althoff: "Aber es ist wichtig, die junge Mutter mit ihren Gefühlen nicht allein zu lassen, sie in den Arm zu nehmen und ihr zu signalisieren, dass sie mit all ihren Gefühlen willkommen ist. Einfach da sein ist hier oft die beste Unterstützung." Hält das Stimmungstief länger als einige Tage an, kann es sich auch um eine postpartale Depression handeln. Die ist gut behandelbar, erfordert aber die Unterstützung eines Profis. Wenn du dir unsicher bist, ist eure Hebamme bei allen Fragen rund ums Wochenbett die erste Ansprechpartnerin.

Wer betreut die frischgebackene Mutter während des Wochenbettes?

Natürlich schaut auch die Hebamme oft vorbei, aber in erster Linie ist das die Aufgabe des Vaters. "Schnell kann das mehr als ein Vollzeitjob werden", sagt Althoff. Schließlich muss der Haushalt komplett übernommen, die Mutter mit dem Neugeborenen unterstützt und eventuell noch Geschwisterkinder liebevoll versorgt werden. "Es ist also klug, frühzeitig weitere Unterstützung zu organisieren, damit die junge Mutter nicht doch plötzlich auf sich allein gestellt ist, falls beim Vater nach einigen Wochen die Kräfte schwinden oder er nach wenigen Tagen wieder arbeiten gehen muss", so der Experte. Wenn die Unterstützung in Familie und Freundeskreis nicht zu finden ist, könnt ihr auf Profis zurückgreifen, beispielsweise vorübergehend bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen. "Das ist wichtig, denn eine Familie, die sich gut von der Geburt erholen kann, startet auch gut ins gemeinsame Familienleben", sagt Althoff.

Wann sollte im Wochenbett der erste Besuch kommen?

Wann immer es für die gerade gewachsene Familie gut ist. Wenn ihr unsicher seid, gilt eher: Nicht zu früh! "Hier sind Väter als Watchdog gefragt", sagt der Väter-Coach. "Anstrengender Besuch, zu früh, zu viel… das wird schnell stressig." Wäge also klug ab und entscheide im Zweifelsfalle für die Ruhe von Mutter und Kind. Seid ihr wirklich schon so weit, dass Besuch kommen kann? Wenn ja, welcher Besuch ist angenehm? Auf wen freut sich die Mutter? Bei wem kann sie sich entspannen? Und: Welcher Besuch bringt Essen mit? Wer kann auch mal eine Geschirrspülmaschine anwerfen oder schnell durchwischen? Schließlich braucht ihr jetzt Unterstützung. Was nicht gebraucht wird, ist Besuch, der vom Vater unterhalten werden muss, während die Wöchnerin "nur eben schnell" das Kaffeegeschirr wegräumt. Für alle schwierigen Gäste gilt: Es gibt noch monatelang die Möglichkeit, das Baby zu sehen.

Podcast-Tipp: Experte Klaus Althoff war auch schon mal Gast bei den "Echten Papas", zusammen mit Bestsellerautorin Nicola Schmidt, hier geht's zum Gespräch:

Worauf sollte ein Vater während des Wochenbettes achten?

"Das Wochenbett klappt am besten, wenn alle gut vorbereitet sind", sagt der Fachmann. Es ist sinnvoll, schon vor der Geburt das Lieblingsessen vorzukochen und portionsweise einzufrieren. Auch solltet ihr vorher bei Freunden, Familie oder Nachbarn nach Hilfe fragen: Wer kann eine kräftigende Suppe vorbeibringen? Oder einmal den Hausputz übernehmen? Oder einkaufen? Schließlich: Wer könnte für einige Tage kommen, um zu unterstützen? Althoff: "Wichtig ist, dass die junge Mutter so ein vertrauensvolles Verhältnis zu dieser Person hat, dass sie in ihrer Gegenwart wirklich entspannen kann. Wenn das funktioniert, kann es eine Riesenhilfe sein." Denn auch der Vater sollte bei seinem Wochenbett-Dienst auf sich achten und für die eigene Entlastung sorgen, wenn seine Akkus aufgebraucht sind.

Gibt es eigentlich eine Checkliste fürs Wochenbett?

Aber klar! Diese Punkte habt ihr am besten schon vor der Geburt geklärt, damit die Zeit des Wochenbetts möglichst angenehm verläuft.

  • Hebamme für die Nachsorge finden
  • Entscheiden, wer die U2 und U3 macht
  • Unterstützer mobilisieren, am besten feste Zeiten vereinbaren
  • Eventuell Haushaltshilfe verpflichten
  • Möglichst viel Papierkram schon im Vorfeld erledigen
  • Lieblingsessen vorkochen und portionsweise einfrieren
  • Kleine Snacks für zwischendurch besorgen (Müsliriegel, Nüsse)
  • Supermarkt mit Lieferdienst finden
  • Hygieneartikel kaufen (Vorlagen für den Wochenfluss, Still-BHs und Stilleinlagen)
  • Baby-Erstausstattung besorgen

Was kann ein Vater während des Wochenbettes tun?

Du ahnst es wahrscheinlich schon: sehr, sehr viel. Hier kommt eine (unvollständige) Aufzählung:

  • Der Vater kann den kompletten Haushalt schmeißen, also einkaufen gehen, gesundes, leckeres Essen kochen, den Abwasch machen, die dreckige Wäsche waschen und die Wohnung sauber halten.
  • Der Vater kann für das Baby da sein, sprich: Er kann es wickeln, baden oder einfach in den Arm nehmen. Und wenn die Mutter Stillprobleme hat, kann er sich auf die Suche nach einer Stillberaterin machen
  • Der Vater kann das "Besuchsmanagement" übernehmen, also darauf achten, dass der Besuch nicht zu früh nach der Entbindung kommt, dass nicht zu viele Gäste zur gleichen Zeit im Haus sind und nicht zu lange bleiben.
  • Der Vater kann sich um die Geschwisterkinder kümmern. Dabei geht es nicht nur darum, dass sie gut versorgt sind. Er sollte auch schauen, wie es ihnen emotional mit der neuen Situation geht. Was brauchen die Kinder? Bekommen sie genug Mama? Oder muss Papa ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken? Tipp von Experte Althoff: "Oft ist es viel besser, wenn Besuch den Geschwisterkindern ein Geschenk mitbringt, als dem Baby, das ja eh von Luft, Muttermilch und Liebe lebt und mit Mama bestens versorgt ist."

Warum ist die Zeit des Wochenbettes auch für die Vater-Kind-Bindung wichtig?

Klar, im Wochenbett geht es zunächst darum, dass Mutter und Kind sich von der Geburt erholen, aber auch für die Verbindung zwischen Vater und Kind sind die ersten Wochen ganz wichtig. Althoff: "Es ist die Zeit, in der wir einander kennenlernen und uns ineinander verlieben können." Daher ist es wichtig, dass auch für den Vater noch Zeit mit dem Baby übrigbleibt – zum Kuscheln und um tägliche Handgriffe wie das Wickeln frühzeitig einzuüben. So kann früh mit einer guten Aufgabenverteilung zwischen den Eltern begonnen werden. "Vor diesem Hintergrund würde es sehr helfen, wenn Väter künftig eine bezahlte Freistellung nach der Geburt eines Kindes bekommen würde, wie es ja gerade von der Bundesregierung geplant wird", sagt der Experte.

Fazit: Das gehört auf die Not-do-do-Liste fürs Wochenbett

Im Wochenbett wird die Basis für die neue Familie gelegt, diese Zeit ist also nicht zu unterschätzen. Noch mehr Tipps rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gibt es in dem Buch "Vater werden", das unser Experte Klaus Althoff zusammen mit Nicola Schmidt geschrieben hat. Darin enthalten ist übrigens auch eine Not-do-do-Liste fürs Wochenbett. Das Buch kannst du hier bei Amazon, oder hier bei Thalia (25 €, versandkostenfrei) bestellen. Auf diese Punkte solltest du verzichten: 1. massenweise Besuch einladen, 2. das Haus renovieren, 3. die Garage ausmisten, 4. die Schaukel im Garten aufbauen, 5. eine funktionierende Frau und Mutter erwarten, 6. mit den Kumpels um die Häuser ziehen, 7. die Leistung oder den Schmerz der Frau relativieren ("war doch gar nicht so schlimm, Schatz!"), 8. "Hauptsache, das Kind ist gesund" sagen (oder sagen lassen).

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