Vater-Vorbild: Was kannst du dir von deinem Dad abgucken?

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Taugt der eigene Vater als Vater-Vorbild? © Shutterstock / Monkey Business Images

Vaterrolle finden Taugt der eigene Vater als Vater-Vorbild?

Wer sich fragt, was für eine Art von Vater er für seine Kinder sein möchte, hat immer auch seinen eigenen Vater im Hinterkopf. Deshalb ist die bewusste Auseinandersetzung mit ihm auch extrem wichtig. Unser Autor erklärt, was man dabei bedenken sollte

In der vorangegangenen Väter-Generation gab und gibt es gute und weniger gute Vorbilder, oft sogar in einer Person. Mein eigener Vater zum Beispiel verbrachte mit mir viel Zeit, auch am Nachmittag als andere Väter noch im Büro saßen, las mir oft vor, baute viele tolle Sachen und wusste gefühlt auf jede Frage eine Antwort. Gleichzeitig war er ein absoluter Workaholic, überließ Haushalt und Küche meiner Mutter und hatte mit Gefühlen wenig am Hut. Kurz gesagt: Es gibt also einige Dinge, die ich für meine eigene Vaterschaft übernehme und Dinge, die ich bewusst anders machen möchte.

Warum jede Generation ihre eigenen Vater-Vorbilder hat

Eine ziemlich typische Erfahrung, wie mir Väter-Berater Heiner Fischer aus Krefeld bestätigt. "Für die meisten jungen Papas ist der eigene Vater ein wichtiges Vorbild, im positiven und im negativen. Gleichzeitig gibt es auch ganz eigene Kämpfe, die jede Generation ausfechten muss." In den frühen 1990er Jahren war es zum Beispiel eine größere Herausforderung, ein sichtbares Vorbild zu sein und möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Wer damals als Mann einen Kinderwagen schob oder sich in der Kita engagierte, galt als emanzipierter Vater. Fischer glaubt, dass viele Vertreter der viel zitierten "Neuen Väter" noch einen Schritt weitergehen wollen. Dass väterliche Präsenz gut für das Kind ist, hat sich inzwischen herumgesprochen.

"Neu für unsere Generation ist eine feministische Vaterschaft", sagt er. Männer also, die nicht nur in Elternzeit gehen, sondern auch langfristig Fürsorge-Arbeit in der Familie übernehmen und den Mental Load der Elternschaft mittragen. Bei diesem Wunsch stoßen sie auf Lücken oder Widersprüche im eigenen Vater-Vorbild und müssen eigene Wege gehen und auf andere Vorbilder, zum Beispiel aus dem direkten Umfeld zurückgreifen. Gleichzeitig stoßen sie auf ähnliche Widerstände wie die präsenten und emanzipierten Väter vor ihnen. Genau diese "Gemengelage macht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater so wichtig", sagt Fischer. "Die meisten Frauen machen sich viele Gedanken um die eigene Elternschaft und sprechen darüber auch mit ihren Müttern, oft schon vor der Familienplanung. Bei Männern ist das leider die Ausnahme."

Wieso die Beschäftigung mit der eigenen Kindheit so wichtig ist

Wir lernen vor allem durch und in Beziehungen zu anderen Menschen mit den großen und kleinen Fragen und Emotionen des Lebens umzugehen – mit Trauer, mit Schmerz, mit Wut, mit Konflikten, mit Überforderung. Die Eltern sind dabei ein besonders wichtiges Vorbild, immerhin sind sie unsere ersten und besonders prägenden Bezugspersonen – im negativen und im positiven. Wenn wir selbst Eltern werden, greifen wir auf einen breiten Erfahrungsschatz zurück und der stammt eben auch aus der eignen Kindheit. Wir bleiben in Konfliktsituationen mit dem Kind ruhig, trösten es, wenn es weint. Dinge, die wir im besten Fall eben als Kind erlebt und aber auch in späteren Beziehungen gelernt haben. Problematisch wird es erst, wenn wir keine Lösungen für eine Situation finden, zum Beispiel, wenn das Kind in der Autonomiephase unsere Grenzen austestet. In solchen Situationen können auch eigene Kindheitserfahrungen durchbrechen und plötzlich wird emotional und nicht rational gehandelt. Wenn man nun selbst viele positive Erfahrungen in der Kindheit gemacht habe, fällt es leichter, mit solchen Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Die Auseinandersetzung mit den Eltern als Vorbild ist deshalb eng mit einer Beschäftigung mit der eignen Kindheit verbunden. Psychologen sprechen hierbei gerne vom Konzept des "inneren Kindes". Doch natürlich ist die Beschäftigung mit der eigenen Kindheit nur ein Teilabschnitt auf der Suche nach einer eigenen Vorstellung über Vaterschaft.

Wie man sich auf die Suche nach einem eigenen Vaterbild macht

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Entwicklung einer eigenen Vorstellung über die zukünftige Vaterrolle. Fischer rät, damit schon vor der Geburt des ersten oder eines weiteren Kindes zu beginnen. Die erste und wichtigste Frage dabei lautet: Welches Bild von meiner Rolle als Vater habe ich selbst? Und: Welcher Vater möchte ich für meine Kinder sein? Dafür sollte man sich ruhig ein paar Stunden Zeit nehmen – mit Stift und Papier, einem Kaffee oder Tee, aber ohne Ablenkung. Auch der Austausch mit dem eigenen Vater oder Freunden, die bereits Kinder haben, kann hilfreich sein, gerade wenn sie als "Role Models" für eigene Vorstellungen stehen könnten – zum Beispiel ein Vater, der lange in Elternzeit war, ein Vater, der trotz Teilzeit eine Führungsposition innehat oder einfach jungen Eltern aus dem Freundeskreis, die ein interessantes Familienmodell leben. Und natürlich ist der Blick auf die Rollenverteilung im eigenen Elternhaus in diesem Zusammenhang sinnvoll. Immerhin beeinflusst unsere soziale Prägung sehr stark, in welchen Rollenbilder wir als Eltern denken und oft auch leben. Umso sinnvoller ist die Frage: Was hat mir bei meinen Eltern gefallen, was möchte ich anders machen? Abgesehen von Vorbildern und elterlichen Prägungen macht außerdem eine Beschäftigung mit eigenen Vorstellungen über die nahe und mittelfristige Zukunft einen Sinn – zum Beispiel, wie lange möchte ich in Elternzeit gehen, wie viel Zeit möchte ich danach mit der Familie verbringen, wie sehe ich meine berufliche Entwicklung in den nächsten Jahren?

Fazit: So findest du deinen eigenen Weg als Vater

Natürlich lassen sich nicht all diese Fragen oben exakt beantworten. "Darum geht es auch gar nicht, sondern eher um eine bewusste Auseinandersetzung mit eigener Prägung und zukünftigen Vorstellungen von Vaterschaft", sagt Fischer. Genau das verhindert auch das ungewollte oder unbewusste Abrutschen in traditionelle Rollenmuster, die vielleicht für einen selbst gar nicht mehr passen. Aktiv zu gestaltet ist immer besser als die spätere Erkenntnis: "So habe ich es mir nicht vorgestellt."

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