Ob im Büro, Auto, Flugzeug oder Hotel – Klimaanlagen gehören im Sommer längst zum Alltag. Sie sorgen für angenehme Temperaturen und können den Kreislauf bei großer Hitze entlasten. Gleichzeitig klagen viele Menschen nach längerem Aufenthalt in klimatisierten Räumen über trockene Augen, Halsschmerzen, Nackenverspannungen oder erkältungsähnliche Beschwerden. Warum das so ist und wie du dich davor schützt, erklärt HNO-Facharzt Dr. med. Bernhard Junge-Hülsing.
Klimaanlagen: Segen an heißen Tagen – mit ein paar Tücken
Grundsätzlich sind Klimaanlagen kein Gesundheitsrisiko. Im Gegenteil: Sie helfen dabei, Innenräume auf angenehme Temperaturen herunterzukühlen und können den Körper an Hitzetagen entlasten. Probleme entstehen meist nicht durch die Anlage selbst, sondern durch starke Temperaturunterschiede, trockene Luft, dauerhafte Zugluft oder schlecht gewartete Filtersysteme.
Können Klimaanlagen tatsächlich krank machen?
Viele Menschen bringen Sommererkältungen direkt mit der Klimaanlage in Verbindung. Tatsächlich verursacht sie keine Erkältung im eigentlichen Sinn – schließlich werden Erkältungen durch Viren ausgelöst. Dennoch können klimatisierte Räume Beschwerden begünstigen. Trockene Schleimhäute, starke Temperaturwechsel oder dauerhafte Zugluft reizen die Atemwege und schwächen die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers. Dadurch haben Krankheitserreger unter Umständen leichteres Spiel.
Diese 4 Gründe können Beschwerden durch Klimaanlagen begünstigen
Es gibt verschiedene Begleitfaktoren, warum eine Klimaanlage krank macht. Besonders diese vier Ursachen spiel laut Expert:innen eine Rolle.
1. Große Temperaturunterschiede belasten den Körper
Draußen ist es brühend heiß, und kaum gehst du in ein Gebäude, hast du das Gefühl, in einem Kühlschrank zu sitzen. Im ersten Moment fühlt sich das großartig an, doch mit der Zeit fühlen sich die meisten Gebäude und Transportmittel zu stark heruntergekühlt an. Diese großen Temperaturschwankungen sind für den Körper eine Belastung, erklärt Experte Dr. Junge-Hülsing.
Denn gerade im Sommer trittst du häufig aufgeheizt und verschwitzt in gekühlte Räumlichkeiten. Dadurch kommt es zu der sogenannten Verdunstungskälte: Der Schweiß auf der Haut, der schon dazu dient, den Körper zu kühlen, und dann noch die niedrigen Raumtemperaturen – all das lässt den Körper noch schneller auskühlen. Und ein ausgekühlter Körper schwächt das Immunsystem, was ihn wiederum anfälliger für Infektionen macht, da dadurch Viren weniger gut abgewehrt werden können.
2. Dauerhafte Zugluft verspannt Muskeln
Klimaanlagen pusten kontinuierlich einen gleichmäßigen Strom an kühler Luft in den Raum. Wer diesen Strom direkt an die Haut bekommt, steht oder sitzt im Luftzug. Wenn du diesem Luftstrom über eine längere Zeit ausgesetzt bist, zieht sich die Muskulatur wegen der Kälte zusammen und verspannt sich. Vielleicht hattest du ja schon mal einen steifen Nacken und kennst dieses Gefühl, wenn sich der Kopf einfach nicht mehr richtig zur Seite drehen lässt. In vielen Fällen verschafft Wärme eine Besserung.
3. Kühle Luft kann Ohren reizen
"Pustet die Luft die ganze Zeit aufs Ohr und der Gehörgang ist vom Pool oder Meer vielleicht noch feucht und dadurch sowieso anfälliger, dann begünstigt der Luftstrom der Klimaanlage eine Außenohrentzündung", so Dr. Junge-Hülsing. Das Gleiche gilt beim Cabriofahren oder bei Schiffsreisen, wenn einem der Wind um die Ohren weht. Für eine Entzündung muss der Luftstrom jedoch laminar – also gleichmäßig – über eine längere Zeit vorhanden sein, so der Experte. Eine Windböe ist einmal kurz und heftig, während eine Klimaanlage unerlässlich vor sich hin pustet.
4. Schlecht gewartete Anlagen können Schimmel begünstigen
Warme Luft kann viel Wasser aufnehmen, doch wenn die Klimaanlage die Luft herunterkühlt, wird das Wasser als Kondenswasser abgegeben. Darin können sich Erreger festsetzen und die Klimaanlage damit verpilzen, warnt Dr. Junge-Hülsing. Das kann vor allem für Menschen mit einer Schimmelpilzallergie zu Niesreiz, Husten oder einer laufenden Nase führen. Daher ist es wichtig, Klimaanlagen sauber zu halten und regelmäßig zu warten.
Sind Klimaanlagen wirklich Keimschleudern?
Das Argument, Klimaanlagen seien Keimschleudern, hast du bestimmt auch schon gehört. Aber das ist so nicht ganz richtig. "Viren gehen im System kaputt, das Herumwirbeln und die Temperaturveränderung halten sie nicht aus. Auch für Bakterien ist das schwer vorstellbar", sagt der Facharzt.
Aber: Viren mögen es lieber kalt und überleben dementsprechend länger in einem durch eine Klimaanlage gekühlten Bürogebäude, in dem viele Menschen zusammenarbeiten und vielleicht sogar Fenster geschlossen sind. Folge: Das Infektionsrisiko steigt auf diese Weise. Es ist also wichtig, trotz heißer Luft draußen, gelegentlich die Fenster zu öffnen, wenn mehrere Menschen in einem Raum arbeiten.
So schützt du dich vor Beschwerden durch Klimaanlagen
Da in Räumen mit Klimaanlage häufig die Luftfeuchtigkeit sinkt, trocknen die Schleimhäute in Nase und Rachen leichter aus. In Kombination mit einem ausgekühlten Körper haben Erkältungsviren dann ein leichtes Spiel. Auch führt die geringere Luftfeuchtigkeit (wie auch bei Heizungsluft) oft zu trockenen, gereizten Augen. Daher kann es hilfreich sein, zusätzlich zur Klimaanlage einen Luftbefeuchter in den Raum zu stellen. Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent die optimale Bedingung ist, um produktiv zu arbeiten und gleichzeitig das Risiko einer Infektion zu senken.
Als Soforthilfe gegen müde, trockene, oder juckende Augen können Augentropfen hilfreich sein, welche die Oberfläche mit einem Flüssigkeitsfilm benetzen.
Weitere Tipps und Tricks, um möglichst zu verhindern, durch die Klimaanlage krank zu werden, sind:
- Kleide dich im Zwiebellook, bzw. halte einen Schal oder Pullover griffbereit. So kannst du in den Innenräumen verhindern, dass du auskühlst.
- Stell die Klimaanlage im Auto, wenn möglich, nicht direkt auf dein Gesicht, um zu verhindern, den direkten Luftstrom abzubekommen.
- Versuche generell, dich nicht direkt in die Zugluft zu stellen oder zu setzen, damit du keine Verspannungen bekommst.
Infobox: Welche Temeratur ist für Klimaanlagen ideal? Eine Studie im International Journal of Hygiene and Environmental Health hat gezeigt, dass die perfekte Temperatur zum Arbeiten zwischen 22 und 24 Grad Celsius liegt. Der Unterschied zur Außentemperatur sollte möglichst nicht mehr als etwa 6 Grad betragen. So vermeidest du starke Temperaturschocks beim Betreten oder Verlassen klimatisierter Räume.
Du solltest dennoch eine Temperatur wählen, bei der du dich wohlfühlst und weder schwitzt noch frierst. Es ist wichtig, die Temperatur nicht zu kalt einzustellen, sodass der Temperaturwechsel nicht zu extrem ist, rät Dr. Junge-Hülsing. Am besten hast du immer Jacke oder Pullover griffbereit. Das ist vor allem dann ratsam, wenn du die Klimaanlage nicht so einstellen kannst, wie du es gerne möchtest.
Das solltest du im Sommer zusätzlich beachten
Klimaanlagen sind nur ein Baustein für ein angenehmes Raumklima. Genauso wichtig sind regelmäßiges Lüften, ausreichend Flüssigkeit und Pausen an der frischen Luft. Wer lange im Büro oder Auto sitzt, profitiert außerdem davon, zwischendurch kurz aufzustehen und den Kreislauf in Bewegung zu bringen. So lassen sich viele typische Beschwerden an heißen Tagen bereits im Vorfeld vermeiden.
FAQ: Häufige Fragen zur Wirkung von Klimaanlagen
Mindestens alle 3 Monate – bei täglicher Nutzung idealerweise monatlich. Verschmutzte Filter begünstigen die Verbreitung von Bakterien, Pilzen und Allergenen.
Für erholsamen Schlaf sollte die Klimaanlage nachts auf 22–24 °C eingestellt sein. Vermeide direkte Luftströme auf dein Gesicht.
HEPA-Filter entfernen Partikel wie Pollen und Staub, Ozon-Filter bekämpfen Gerüche. Für Allergiker und Asthmatiker sehr empfehlenswert.
Ja, besonders wenn die Luftfeuchtigkeit dauerhaft niedrig ist. Ideal sind Werte zwischen 40 und 60 Prozent.





