Blaue Flecken: 5 Zeichen, dass ein blauer Fleck gefährlich ist

Aua! In Gelenknähe sind blaue Flecken besonders schmerzhaft
Aua! Blaue Flecken in Gelenknähe sind besonders schmerzhaft und können das Gelenk schädigen

Die meisten blauen Flecken sind ungefährlich, aber manchmal deuten sie auf ernstere Probleme hin. Bei diesen 5 Warnsignalen sollten Sie damit zum Arzt

Sie haben sich einmal an der Tischkante gestoßen, und schon prangt an Ihrem Arm ein großer blauer Fleck. Der tut auch noch Tage später weh, obwohl das doch gar keine schlimme Verletzung war. In der Regel sind diese Blutergüsse aber nicht weiter dramatisch, nur nervig. Aber wieso bekommen wir überhaupt die dunklen Beulen? Und können sie auch manchmal gefährlich sein? Das erklärt uns die Hämatologin Julia Wiederhold von der Hämatologisch-Onkologischen Praxis Altona HOPA.

Wie entsteht ein blauer Fleck?

Ein blauer Fleck, in der Fachsprache auch Hämatom genannt, ist ein Bluterguss unter der Haut. "Der entsteht, wenn kleine Gefäße kaputtgehen und Blut in das umliegende Gewebe sickert", erklärt Wiederhold. Nach kurzer Zeit gerinnt das Blut an dem Riss und verschließt ihn dadurch. Die typische Ursache für einen blauen Fleck ist eine stumpfe Verletzungen wie eine Prellung oder eine Zerrung. Aber auch wenn an einer Stelle eine Quetschung oder ein starker Unterdruck auftritt (ja, die Rede ist hier vom Knutschfleck), können einzelne Gefäße reißen. "Das ausgelaufene Blut drückt dann gegen die Haut und umliegende Nerven, deshalb schwillt die Stelle an und schmerzt", erklärt Wiederhold. Seine Farbe bekommt der Fleck übrigens von den verschiedenen Phasen, in denen er abgebaut wird. Zuerst verliert das eigentlich rote Blut den Sauerstoff und wird deshalb blau-lila. Nach einiger Zeit wandeln Enzyme das rote Hämoglobin in das grünliche Biliverdin und danach zum gelben Bilirubin um. Nach etwa zwei Wochen hat der Körper dann alles abgebaut und der Bluterguss ist verschwunden.

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Blaue Flecken in Gelenknähe sind besonders schmerzhaft
Blaue Flecken entstehen meist als Folge von Zerrungen und Prellungen

Wovon hängt ab, ob man häufiger blaue Flecken bekommt als andere?

Einige Menschen neigen mehr zu Hämatomen als andere. Das kann zum Beispiel an der Hautfarbe oder dem Körperfettanteil liegen, denn bei dunklerer Haut oder weniger Unterhautfettgewebe sieht man die Blutergüsse nicht so leicht. Es kann aber auch an der individuellen Zusammensetzung Ihres Blutes liegen, vor allem an der Konsistenz. Eigentlich ganz logisch: Wenn das Blut dünnflüssiger ist, läuft mehr davon durch die kleinen Gefäßverletzungen aus und gerinnt langsamer. "Wie dick oder dünn Ihr Blut ist, hängt einerseits von körpereigenen Faktoren, aber auch von Ihrer allgemeinen Lebensweise oder von bestimmten Medikamenten ab", sagt die Hämatologin. Schmerzmittel wie Aspirin können das Blut beispielsweise verdünnen.

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Was hilft gegen blauen Flecken?

Wenn Sie sich beim Sport oder im Alltag eine stumpfe Verletzung zuziehen, befolgen Sie erst einmal die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlegen. Dadurch verhindern Sie weitere Schäden und drosseln die Durchblutung an der verletzten Stelle. So kann weniger Blut aus dem Gefäß austreten und das Hämatom fällt kleiner aus. "Ist der blaue Fleck aber einmal da, kann man wenig gegen ihn tun", so die Ärztin. Der Körper braucht dann einfach eine gewisse Zeit, um die Verletzung zu heilen und das Blut abzutransportieren. Es gibt nur einige medizinische Salben, die diesen Prozess ein wenig unterstützen können. Von Massagen, Wärme oder Bewegung rät Wiederhold dagegen ab: "Solche durchblutungsfördernden Maßnahmen führen nicht zu einer schnelleren Heilung, sondern verzögern sie sogar oft."

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Schnelles Kühlen hilft, dass der Bluterguss nicht weiter anwächst
Kühlen Sie einen blauen Fleck so schnell wie möglich, damit er nicht weiter anwächst

Wie kaschiert man als Mann einen blauen Fleck?

Sie haben einen unschönen Bluterguss im Gesicht oder einen dicken Knutschfleck am Hals? Dann können Sie die Stelle mit Make-up abdecken. Aber schminken Sie nicht einfach mit dem Puder Ihrer Freundin drauf los, sondern achten Sie auf den richtigen Farbton. Eine ungewöhnlich braune Stelle am Hals ist nämlich genauso verräterisch wie der Knutschfleck selbst. Suchen Sie lieber in einer Drogerie nach einem sogenannten Concealer, dessen Ton ein kleines bisschen heller ist als Ihre Haut. Cremen Sie Ihre Haut erst mit einer Feuchtigkeitscreme ein und tragen Sie dann vorsichtig den Concealer auf. Verwischen Sie die Schminke danach, damit keine auffälligen Ränder zu sehen sind. Aber Vorsicht: Überschminken Sie keine offenen Wunden, sonst kann sich die Stelle entzünden!

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Welche blauen Flecken sind gefährlich?

Haben Sie einen schmerzhaften Bluterguss, können sich aber partout nicht erinnern, woher er kommt? Keine Sorge, in den allermeisten Fällen müssen Sie sich auch dann keine Sorgen machen, wenn mal ein blauer Fleck ohne klare Ursache entsteht. "Hämatome an bestimmen Stellen oder in ungewöhnlicher Menge können allerdings auf ernsthaftere Probleme hinweisen", betont Wiederhold. Achten Sie deshalb auf diese Warnsignale und sprechen Sie im Zweifelsfall mit einem Arzt:

  1. Sie haben öfter blaue Flecken als sonst: Wenn sich Ihr Blut verändert und zum Beispiel dünnflüssiger wird, können mehr Hämatome entstehen. "Das kann durch bestimmte Medikamente kommen, aber auch an körpereigenen Veränderung liegen", so die Hämatologin. Wenn Sie ungewöhnlich oft Hämatome bekommen oder sie sehr lange nicht verschwinden, kann das im schlimmsten Fall auf eine Krankheit wie etwa eine Gerinnungsstörung oder Leukämie, also Blutkrebs, hindeuten!
  2. Der Bluterguss sitzt in einem Gelenk: Wenn Sie sich am Knie, am Ellenbogen oder an anderen Gelenken verletzen, kann das Blut manchmal zwischen die Knochen und Kapseln laufen. Das tut höllisch weh und Sie können die Stelle meistens auch nicht mehr bewegen. "Bei einem sehr starken oder unbehandelten Bluterguss in diesem Bereich kann sich das Gelenk verformen und ist dann nachhaltig in seiner Bewegung eingeschränkt", warnt Wiederhold.
  3. Das Hämatom ist im Kopfbereich: Das Gehirn ist sehr empfindlich gegen Erschütterungen. Wenn Sie eine Beule am Kopf oder ein blaues Auge bekommen, kann dieser Stoß auch schädlich für das Hirn gewesen sein. Wenn Sie nach so einer Verletzung kurz das Bewusstsein verlieren, Ihnen schwindelig oder übel wird oder Sie sich an einige Momente nicht mehr erinnern können, sind das deutliche Warnzeichen für eine Gehirnerschütterung.
  4. Der Fleck ist in der Nähe von Organen: Wie beim Kopf sollten Sie auch bei blauen Flecken im Brust- oder Bauchbereich wachsam werden. Eine Prellung kann hier nämlich nicht nur kleine Blutgefäße, sondern auch ein Organ oder große Blutgefäße beschädigt haben, ohne dass Sie es sofort merken. Auch wenn nach einem Stoß in die Magengrube erst einmal kein blauer Fleck sichtbar wird, sollten Sie das weiter beobachten. "Der Bauchraum ist nämlich wie eine Höhle, in die sehr viel Blut passt, ohne dass es von außen erkennbar ist", erklärt die Ärztin. Wird der Schmerz nach so einer Verletzung eher schlimmer als besser, lassen Sie das deshalb unbedingt schnell untersuchen.
  5. Ihre Wade wird rötlich-violett: Wenn sich Ihre ganze Wade verfärbt, schmerzhaft anschwillt und heiß wird, liegt das wahrscheinlich nicht an einem Bluterguss, sondern deutet auf eine verstopfte Vene hin. So eine Thrombose kann sich in andere Bereiche verlagern und auch Gefäße wie etwa die zur Lunge verstopfen!

Ein blauer Fleck ist meistens harmlos, auch wenn Sie sich manchmal gar nicht erinnern können, wo er herkommt. Wenn Sie aber häufig Hämatome ohne erkennbare Ursache bekommen, Sie nach einer Verletzung Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen spüren oder starke Schmerzen in dem Bereich haben, gehen Sie lieber frühzeitig zum Arzt.