Misserfolg als Motor: Warum Scheitern Sie erfolgreicher macht

Scheitern als Chance
Sie sehen schwarz? Hier erfahren Sie, wie Sie Fehler für sich nutzen können

Wenn mal was schiefläuft, neigen viele dazu, den Kopf in den Sand zu stecken. Doch statt Fehler zu verurteilen, sollten Sie sie lieben lernen. Warum Scheitern Sie in allen Lebensbereichen besser macht

Sie haben im Job eine Präsentation versemmelt, Ihre Beziehung ist in die Brüche gegangen, Sie haben die Diät wieder nicht durchgehalten oder Ihre geniale Buchidee findet keinen Abnehmer? Niemand scheitert gerne. Für viele Menschen gilt es, Misserfolg um jeden Preis zu vermeiden. Denn der kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern stempelt auch als Versager ab – vor anderen und vor sich selbst.

Aber stimmt das? Machen erfolgreiche Menschen nie Fehler? Im Gegenteil. Sie machen viele – zum Teil gravierende – Fehler aber sie sprechen offen darüber und lernen daraus für die Zukunft. Denn nur wer einmal in ein Fettnäpfchen getreten ist, weiß, wie er es das nächste Mal umgeht oder – besser noch – gar nicht erst Fettnäpfchen in den Weg gestellt bekommt.

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Definition: Der Unterschied zwischen Misserfolg und Scheitern

Im Grunde meinen beide Begriffe dieselbe Sache: Ein Projekt oder ein Vorhaben gelingt nicht. Deutschland ist eine Gesellschaft, in der nicht gern über Fehler gesprochen wird. Fehltritte sind wie eine schwere Krankheit: Glücklich ist, wer davon verschont bleibt, aber jeden kann es treffen. Im Gegensatz zum Wort "Scheitern" klingt "Misserfolg" jedoch weniger drastisch. Wie Sie einen Fehltritt auch nennen mögen, er ist und bleibt ein Griff ins Klo.

Kann Scheitern eine Chance sein?

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich geht es nicht darum, häufiger zu scheitern, damit Sie erfolgreicher sind. Es geht vielmehr darum, dass Sie lernen, Ihnen ihre eigenen Fehltritte zu verzeihen. Denn nichts ist lähmender, als wenn Sie immer wieder zurück zum Scherbenhaufen schauen, statt ihn wegzukehren oder ihm den Rücken zu kehren und nach vorn zu schauen. Scheitern ist menschlich – Sie sind noch lange kein Verlierer, selbst wenn Sie mehrmals Fehler begangen haben oder ein Projekt nicht zum gewünschten Erfolg führte.

Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand
Stecken Sie nicht zu lange den Kopf in den Sand, sonst geht die Puste für Neues aus

Natürlich kratzt so ein Misserfolg am Ego – und das ist auch gut so, schließlich schützt er Sie davor, denselben Fehler noch einmal zu machen. Wer nach einem Misserfolg pessimistisch in die Zukunft schaut, verbaut sich die Aussicht auf Erfolg.

Kann man Scheitern verhindern?

Nein. Egal, wie vorsichtig Sie sind, Misserfolge sind schließlich nicht nur vom eigenen Handeln abhängig. Wer ein erfolgsträchtiges Vorhaben hat, muss damit rechnen, dass er scheitern wird. Wenn Sie beispielsweise als Gründer eine bahnbrechende Idee entwickelt haben, kann es am Patent oder an Investoren scheitern. Wenn Sie auf einen Marathon trainieren, können Sie sich im Training eine Grippe einfangen. Wenn Sie eine Frau heiraten, ist der Trauschein noch lange keine Garantie, dass die Ehe ewig hält. Wer sich etwas traut, geht gleichzeitig immer ein Risiko ein.

Wie geht man mit Misserfolg um?

Zuerst sollten Sie wissen: Sie sind nicht allein. Auch die erfolgreichsten Menschen der Welt sind schon gescheitert. Wussten Sie zum Beispiel, dass Bill Gates vor der Gründung von Microsoft ein kleines Unternehmen gründete und an die Wand fuhr? Wie er damit umging? Er steckte sicher nicht den Kopf in den Sand, sonst wäre er wohl anschließend nicht noch der reichste Mann der Welt geworden.

Mit den folgenden Strategien können Sie einen Misserfolg für sich nutzen – eine Anleitung fürs richtige Scheitern:

1. Sehen Sie Ihren Fehler
Der erste Schritt, um aus Fehlern zu lernen ist, sie auch als solche zu erkennen. An dem Misslingen einer Sache haben nicht stets äußere Umstände Schuld, sondern vielleicht nur eine falsche Entscheidung von Ihnen. Manövrieren Sie sich nicht in die Opferrolle. Akzeptieren Sie, dass Sie selbst zumindest einen Anteil am Nicht-Gelingen haben.

2. Lassen Sie Gefühle raus 
Sie haben allen Grund, wütend oder enttäuscht zu sein, schließlich haben Sie viel Energie in eine Sache gesteckt, die gefloppt ist. Wer einen Fehler nicht wahrhaben will und die dazugehörigen Gefühle unterdrückt, kann ihn nicht verarbeiten und dementsprechend auch nicht daraus lernen. Sprechen Sie mit Menschen in ähnlicher Lage oder einem unabhängigen Berater, um Ihren Emotionen Luft zu machen.

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Analysieren Sie Misserfolge
Statt sich von Emotionen überwältigen zu lassen, sollten Sie Misserfolge analysieren

3. Machen Sie sich nicht fertig
Ja, Sie sollen akzeptieren, dass Sie einen Fehler gemacht haben und Sie dürfen wütend sein. Es ist jedoch wichtig, dass Sie die Wut nicht gegen sich selbst ausufern lassen. Selbstkritik ist hilfreich, aber wer in Selbstmitleid zerfließt, sich unter Schuldgefühlen verbuddelt oder sich selbst als Verlierer degradiert, verbaut sich die Chance, am Misserfolg zu wachsen. Eine Herausforderung ist immer mit der Gefahr des Scheiterns verbunden. Sie sind mutig, dass Sie sie überhaupt angenommen haben!

4. Analysieren Sie den Fehler
Nachdem sich die überschäumenden Gefühle beruhigt haben, sollten Sie sich mit dem Misserfolg auseinandersetzen. Im Idealfall tun Sie das schriftlich. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wie konnte es soweit kommen?
  • Welche Faktoren sind Gründe für das Scheitern?
  • Welchen Anteil hatte ich daran und hätte ich es verhindern können? Haben vielleicht wirtschaftliche, familiäre oder andere äußere Faktoren, die unvorhersehbar waren, mit hineingespielt?
  • Und am wichtigsten: Wie kann ich die Fehler in der Zukunft vermeiden?

Was sollten Sie nach dem Scheitern tun?

In die Ecke setzen und weinen? Meinetwegen, solange Sie wieder da rauskommen. Denn Aufgeben müssen Sie wegen eines Fehlern noch lange nicht, auch wenn er noch so groß war. Selbst Kinder wissen das, die hält ein blutiges Knie auch nicht davon ab, gleich wieder auf den nächsten Baum zu klettern.

Das sind die ersten Schritte, um aus der Krise wieder herauszukommen:

1. Halten Sie den Ball flach
Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie dringend Trost brauchen, sollten Sie genau überlegen, mit wem Sie über Ihren Misserfolg sprechen. Es mag zwar kurzfristig helfen, sich den Frust von der Seele zu reden, aber langfristig bringt es Ihr Selbstbewusstsein nicht wieder auf Vordermann. Denn Bekannte oder lose Freunde haben entweder Mitleid mit Ihnen, wussten es von Vornherein besser oder freuen sich sogar heimlich über Ihr Scheitern.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie nicht mit Ihrem besten Kumpel oder Ihrer Partnerin über die Sache sprechen dürfen. Im Gegenteil: von Menschen, denen Sie vertrauen und die Sie kennen, dürfen Sie sich selbstverständlich emotional den Rücken stärken lassen. Trotzdem sollten Sie am Ende rational und selbstständig über den Misserfolg hinwegkommen.

2. Gemeinsam schöner scheitern
Haben Sie schon einmal von so genannten "Fuckup-Nights" gehört? Es handelt sich um Veranstaltungen bei denen Menschen auf einer Bühne öffentlich über ihr Scheitern sprechen. Den Ursprung haben "Fuckup-Nights" in Mexiko, mittlerweile gibt es sie auch in den meisten deutschen Großstädten. Was es bringen soll, öffentlich die Hosen runterzulassen? Es macht Mut, zu wissen, dass man mit gefloppten Ideen oder Projekten nicht alleine dasteht, dass sie sogar zum Erfolg dazugehören. Dazu kommt: Wenn Sie sich auf einer "Fuckup-Night" mit anderen Leuten unterhalten, ersparen Sie sich besserwisserische Kommentare oder falsches Mitleid – denn jeder, der dort anwesend ist, hat auch schon einmal eine Niederlage erlebt. 

3. Nach vorne schauen 
So wichtig es auch ist, sich mit dem Misserfolg auseinanderzusetzen, irgendwann reicht es. Dann sollten Sie das Erlebte als eine Art Sprungbrett nutzen und mit einer "Jetzt-erst-recht"-Attitüde in die Zukunft springen. Denn, dass Sie Projekte angehen wollen, steht außer Frage. Ob Sie dabei Sorge vorm Scheitern haben sollten? Sagen wir es mal so: Angst wäre unangebracht, aber zu wissen, dass die Möglichkeit des Misserfolgs besteht, ist gesund und eine gute Triebfeder. Stellen Sie sich die Frage, welche Möglichkeiten Sie jetzt haben oder gehen Sie mit offenen Augen durchs Leben. Sie verpassen die besten Ideen, wenn Ihr Kopf bis zum Hals im Sand steckt.

So stoppen Sie das Scheitern!
Es gibt kein Rezept gegen das Scheitern. Aber Sie können dieselben Fehler vermeiden

Wie vermeidet man zukünftige Misserfolge?

Wie schon erwähnt, gibt es kein Patentrezept gegen das Scheitern. Besonders, wenn Sie ein perfektionistischer, fokussierter oder leidenschaftlicher Mensch sind, stehen die Chancen von Erfolg und Misserfolg stets bei 50 zu 50. Denn es besteht die Gefahr, dass Sie stets unzufrieden mit dem Fortschritt sind und so keine klaren Entscheidungen mehr treffen können. Klar, sollten Sie an Ihre Idee glauben – aber mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, ist der Glaube an sich selbst. Wer ein starkes Rückgrat hat, kann auch mehrere Pleiten schultern und dann wegstemmen – so trainieren Sie nämlich Ihre Misserfolgstoleranz. 

Beides bringt sie weiter: Bucket-List und Fuckup-List

Eine Bucket-List hilft, Ideen und Vorhaben nicht aus den Augen zu verlieren und Schritt zu dessen Gelingen zu planen.

>>> Ideen für Ihre Bucket-List

Um Fehler nicht zweimal zu machen, kann es helfen, eine so genannte Fuckup-List anzulegen. Darauf verzeichnen Sie Dinge, die Ihnen in der Vergangenheit nicht gelungen sind. Die Aufzeichnung zur Analyse der Fehler haben Sie vielleicht noch aus der Phase der Auseinandersetzung vergangener Misserfolge. Durch die Nebeneinanderstellung der Fehltritte lassen sich eventuell Muster erkennen – die gilt es in der Zukunft zu verhindern, um zumindest nicht noch einmal in dieselbe Falle zu tappen.

Fazit: Scheitern gehört den Mutigen

Wer nie ein neues Restaurant ausprobiert, kann auch nie enttäuscht werden. Er beraubt sich aber so auch der Chance, auf ein lebensveränderndes Erlebnis. Wer Projekte nicht angeht, aus Angst damit (wieder) zu scheitern, wird das vermutlich irgendwann bereuen. Was meinen Sie, wie oft ein angehender Fußballprofi in seinem Leben vor der großen Karriere das Tor verfehlt hat, bevor er zum Torjäger wurde? Scheuen Sie das Risiko nicht – wer scheitert beweist, dass er Mut hat. Und wer es danach wieder riskiert, hat aus seinen Fehlern gelernt. Was passieren kann? Sie scheitern oder sind erfolgreich. Wenn Sie es gar nicht erst probieren, ändert sich gar nichts – wieviel Risiko sind Sie sich wert?