Papa-Potenzial: Wie dich die KI zu einem (noch) besseren Vater macht

Volles Papa-Potenzial
Wie dich die KI zu einem (noch) besseren Vater macht

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.06.2026
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Vater und Sohn spielen mit einem Roboter
Foto: Getty Images / Westend61

"Wenn Algorithmen immer besser darin werden, menschliche Aufgaben zu übernehmen, müssen Menschen besser darin werden, menschlich zu sein", sagt Marinko Spahić, der zusammen mit seiner Frau Céleste das Buch "Unlock your [aɪ]dentity" geschrieben hat. Darin beschreibt das Ehepaar die wichtigsten Future Skills und erklärt, wie man sie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erlangen kann. Im Interview mit Men's Health Dad erklärt der zweifache Vater und Gründer der Achtsamkeits-App Mindzeit, wie Väter von KI profitieren können.

Viele Männer fühlen sich heute unter einem hohen Erwartungsdruck: erfolgreich im Job, engagiert als Vater und gleichzeitig mental belastbar. Warum ist das für viele so schwierig geworden?

Nehmen wir einen ganz normalen Abend. Der Vater liest seinem Kind eine Geschichte vor. Auf dem Nachttisch vibriert das Handy, eine Nachricht aus dem Job, die eigentlich noch heute beantwortet werden müsste. Er liest weiter, ist aber nur noch mit halbem Kopf bei der Geschichte. Das ist das Problem in einem Bild. Nicht eine einzelne Rolle überfordert, sondern das Gefühl, in jeder Rolle gerade einer anderen nicht gerecht zu werden. Als Vater denkt man an den Job, im Job ans Kind, und für sich selbst bleibt ohnehin kaum noch Raum.

Dazu kommt, dass viele Männer heute kein eindeutiges Bild mehr davon haben, woran sie sich orientieren sollen. Früher war die Rolle enger definiert. Man wusste, was von einem Mann erwartet wurde: versorgen, stark sein, nicht klagen. Das war nicht unbedingt besser, aber die Richtung war vorgegeben. Heute gibt es dieses eine Skript nicht mehr, und das ist eigentlich ein Fortschritt. Gleichzeitig entsteht von vielen Seiten das Gefühl, immer mehr Ansprüchen gleichzeitig gerecht werden zu müssen.

Das Entscheidende ist dabei oft nicht, ob die Zeit da ist, sondern ob man wirklich bei der Sache ist. Der Engpass sitzt selten im Kalender, sondern im Kopf. Das klingt unbequem, ist aber eigentlich die gute Nachricht. Genau dort kann man ansetzen, indem man wieder klarer erkennt, was einem wirklich wichtig ist. So kommt man in den Momenten, die man ohnehin hat, auch wirklich an.

KI-Experte Marinko Spahić
@shotbylewis

Du beschäftigst dich intensiv mit künstlicher Intelligenz. Welche Rolle spielt KI bereits heute im Alltag vieler Väter?

Eine größere, als vielen bewusst ist. Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini haben sich seit Ende 2022 in atemberaubender Geschwindigkeit verbreitet, generationenübergreifend und schneller als fast jede digitale Anwendung zuvor. Entsprechend nutzen längst auch viele Väter sie ganz selbstverständlich, für die Mail an die Lehrerin oder eine Idee fürs Wochenende bei Regenwetter.

Bei den meisten bleibt es dabei. Spannend finde ich aber die Frage, in welche Richtung sie darüber hinaus wirken kann. Eine typische Szene: Man sitzt abends gemeinsam am Tisch, aber jeder schaut auf ein Display. Dadurch werden die Gespräche kürzer und man lebt zunehmend nebeneinanderher. KI kann genau das fortsetzen und verstärken, wenn sie einfach nur die nächste Ablenkung wird. Sie kann aber auch das Gegenteil bewirken, zum Beispiel, dass Menschen wieder klarer denken, den eigenen Unzufriedenheiten auf den Grund gehen oder sich selbst und andere besser verstehen. Dasselbe Werkzeug, zwei völlig unterschiedliche Richtungen. Entscheidend ist, wie wir es einsetzen.

Kann KI Vätern konkret helfen, organisierter, fokussierter und präsenter im Familienalltag zu sein?

Der Hebel liegt weniger in Organisation oder Planung, sondern darin, im eigenen Kopf klarer zu werden. Wir sagen immer: "Alles fängt in unseren Köpfen an." Entscheidend ist dabei, dass man die KI nicht nach Antworten fragt, sondern sich von ihr Fragen stellen lässt. In unserer Prompt-Toolbox im Buch arbeiten wir gezielt mit dem alten Prinzip des sokratischen Dialogs: nicht belehren, sondern durch Fragen das eigene Denken anregen. Ein Beispiel: Man geht mit der Frage rein, ob das Kind genug gefördert wird, und merkt nach ein paar Fragen der KI, dass ein großer Teil dieses Antriebs gar nicht von einem selbst kommt, sondern von den eigenen Eltern, von den Schwiegereltern, von der Partnerin, vom Vergleich mit anderen Kindern. Lauter Maßstäbe, die man übernommen hat, ohne sie je zu prüfen. Das zu durchschauen, entlastet enorm, weil dann die eigentliche Frage wieder Platz hat: Was tut meinem Kind wirklich gut, und was will es eigentlich selbst? Genau diese Fähigkeit, das eigene Denken von fremden Erwartungen zu trennen, ist geistige Autonomie, ein Skill, der gerade im KI-Zeitalter zentral wird und sich auch sehr gut mit KI trainieren lässt. Sie hilft, schneller zu erkennen, welcher Anspruch wirklich der eigene und welcher nur übernommen ist. Das entlastet nicht nur, es schärft auch den eigenen Fokus.

Inwiefern kann KI auch bei persönlicher Entwicklung oder Kompetenzaufbau unterstützen, etwa bei Kommunikation, Selbstmanagement oder mentaler Stärke, gerade bei Vätern, die wenig Zeit für Coaching oder Austausch haben?

Gerade für Väter mit wenig Zeit liegt der Wert weniger in neuem Wissen als darin, eine Situation vorher oder hinterher einmal in Ruhe reflektiert zu haben. Ein einfaches Beispiel: Das Kind lässt zum dritten Mal in der Woche die Sporttasche mitten im Flur liegen, und man fährt deswegen völlig unverhältnismäßig aus der Haut. In so einem Moment kann KI helfen, die eigene Reaktion einmal zu sortieren. Meistens ging es gar nicht um die Tasche, sondern um etwas, das man den ganzen Tag schon mit sich herumträgt. Wer das einmal erkennt, reagiert beim nächsten Mal nicht automatisch genauso, sondern kann zwischen der Kleinigkeit und dem unterscheiden, was wirklich dahintersteckt. Genau da entscheidet sich oft, ob aus einer Nichtigkeit ein Streit wird oder eben nicht.

Viele Gedanken wirken im Kopf größer und unlösbarer, als sie eigentlich sind. Sie einmal auszuformulieren, statt sie stundenlang im Kreis zu drehen, schafft oft schon erstaunlich viel Klarheit. Allein das nimmt der Sache häufig etwas von ihrer Schwere.

Das ersetzt keine echten Beziehungen oder persönlichen Gespräche. Aber es ist ein Trainingsraum, den ich jederzeit betreten kann, abends um elf, wenn die Kinder schlafen, ohne Termin, ohne Wartezeit. Wichtig ist nur, dass es ein Übungsfeld bleibt und kein Ersatz für menschliche Nähe. Für viele Männer, die nie gelernt haben, Gedanken und Gefühle bewusst zu reflektieren, ist das oft überhaupt erst ein einfacher Einstieg.

Podcast-Tipp: Über die vielen Herausforderungen, vor denen Väter heutzutage stehen, haben wir auch schon mal in unserem Papa-Podcast gesprochen, hier geht's zum Gespräch:

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Wo liegen aus deiner Sicht die größten Risiken, wenn KI für Selbstoptimierung oder emotionale Unterstützung genutzt wird, und wo stößt sie an ihre Grenzen, gerade weil Elternschaft von Empathie, Intuition und echter Nähe lebt?

Die Risiken sehe ich dort, wo KI zur emotionalen Auslagerung wird. Sie ist immer verfügbar, widerspricht selten unbequem und urteilt nicht. Das klingt angenehm, kann aber dazu führen, dass jemand den leichteren Weg zur Maschine geht, statt das schwierigere, echte Gespräch mit der Partnerin oder einem Freund zu suchen. Wer sich einsam oder belastet fühlt, zieht sich dadurch unter Umständen noch weiter aus realen Beziehungen zurück, statt wieder stärker in sie hineinzugehen.

Deshalb ist die Grundhaltung entscheidend. KI ist ein Werkzeug, und man muss verstehen, was dieses Werkzeug kann und was nicht. Ich komme ja auch nicht auf die Idee, eine Bohrmaschine als Hammer zu benutzen. Richtig eingesetzt liegt ihre Stärke darin, die richtigen Fragen aufzuwerfen und dabei zu helfen, die eigenen Antworten klarer zu erkennen. Behandelt man sie dagegen wie einen Menschen, erwartet man von ihr etwas, das sie nicht leisten kann.

Gerade in der Elternschaft zeigt sich das besonders deutlich. KI hat keine gemeinsame Geschichte mit meinem Kind, sie spürt nicht, wenn im Raum etwas kippt, und sie trägt die Folgen meiner Entscheidungen nicht mit. Elternschaft lebt von Präsenz, von Blickkontakt, Geduld, Körpergefühl, Empathie und echter Nähe. KI kann helfen, sich selbst bewusster wahrzunehmen und neue Perspektiven zu entwickeln. Entscheidend ist aber, dass wir uns nicht von der Technologie abhängig machen, sondern sie nutzen, um unsere menschlichen Fähigkeiten zu stärken. Nicht die KI sollte empathischer werden, sondern wir.

Glaubst du, dass KI künftig klassische Coaches oder Mentoren teilweise ersetzen kann, oder bleibt menschliche Erfahrung unersetzbar?

Nein, gute Coaches, Mentorinnen und Mentoren und gelebte Erfahrung wird KI nicht ersetzen. Ich sehe sie eher als Ergänzung, oft sogar als Vorstufe. Viele, die nie zu einem Coach gehen würden, fangen über KI überhaupt erst an, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und manche merken dabei zum ersten Mal, dass sich der Schritt zu einem echten Menschen lohnt. Das Interessante ist nicht, ob die KI den Coach abschafft, sondern wie viele Menschen über sie überhaupt erst losgehen und am Ende doch bei einem Menschen ankommen.

Und ganz persönlich gefragt: Gibt es etwas, bei dem KI dich selbst zu einem besseren Vater gemacht hat?

Meine Kinder sind schon groß. Mein Sohn studiert, meine Tochter ist Teenagerin, also genau die Phase, in der man sie auf ihr eigenes Leben vorbereitet. Mit Achtsamkeit und Selbstreflexion beschäftige ich mich schon lange, das hat KI nicht ausgelöst. Aber sie bringt an manchen Stellen einen Blickwinkel rein, auf den ich allein nicht gekommen wäre, weil man im eigenen Denken eben doch seine blinden Flecken hat. Gerade als Vater hilft mir das, eigene Sorgen und Ängste zu hinterfragen, bevor ich sie unbewusst weitergebe. Wenn ich mit meinen eigenen Unsicherheiten im Reinen bin, kann ich meinen Kindern eine echtere, gefestigtere Sicherheit mitgeben, statt ihnen meine ungeklärten Ängste unterschwellig weiterzureichen. Das hat mich an vielen Stellen ruhiger gemacht.

Fazit