Vom Papa zum Opa: Wie Enkelkinder einen Mann verändern

Vom Papa zum Opa
Großvater werden: Wie Enkelkinder einen Mann verändern

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.08.2026
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Sohn, Vater und Großvater lächeln in die Kamera
Foto: Getty Images / PeopleImages

Ein Mann, zwei Bücher, 30 Jahre Altersunterschied: Im Jahr 1996 hat der Journalist und junge Vater Kester Schlenz ein Buch geschrieben, das inzwischen ein Standardwerk ist: "Mensch, Papa!" erzählt vom Abenteuer Vater zu werden.

Dieses Jahr ist mit "Mensch, Opa!" nun eine Fortsetzung erschienen, wieder geht es um Familie und Kinder, diesmal aber aus der Perspektive des Großvaters. Im Interview mit Men's Health Dad erzählt der Bestsellerautor, wie seine Transformation ablief und was man zum Thema Generationskonflikte wissen sollte.

Herr Schlenz, Sie haben vor rund 30 Jahren "Mensch, Papa" geschrieben, jetzt folgte "Mensch, Opa". Wie schauen Sie heute auf diese erste Vaterzeit zurück?

Erstaunlicherweise ist mir diese Zeit noch immer sehr präsent. Als ich damals Vater wurde, war ich Anfang 30 und habe mich gefragt: Schaffe ich das überhaupt? Bin ich reif genug? Ich hatte noch so viele andere Vorstellungen vom Leben, spielte in einer Rockband und dachte natürlich auch daran, was von meiner Freiheit übrigbleiben würde. Aber in dem Moment, als mein Sohn zum ersten Mal "Papa" zu mir sagte, war plötzlich alles klar. Das war nicht nur ein Wort, sondern eine Art Standortbestimmung. Ich wusste: Genau das will ich sein.

Heute, als Großvater, empfinde ich etwas Ähnliches noch einmal. Auch das Opa-Sein ist für mich sehr sinnstiftend. Es kam in einer Lebensphase, in der ich gleichzeitig in Rente ging und mich wieder fragte: Was kommt jetzt? Und wieder war ein Kind ein Teil der Antwort.

Was unterscheidet das Vatersein für Sie am stärksten vom Großvatersein?

Der größte Unterschied ist ganz klar die Verantwortung. Als Vater ist man rund um die Uhr gefragt. Man ist mittendrin, mit allem, was dazugehört: Freude, Erschöpfung, Sorgen, Alltagschaos. Als Opa kann man sich ebenfalls mit ganzer Kraft einbringen, aber man kann sich auch wieder zurückziehen. Das ist der entscheidende Punkt.

Ich kann mit meiner Enkeltochter toben, spielen, Quatsch machen, bis zur Erschöpfung – und fahre danach wieder nach Hause. Das ist eine andere Form von Nähe: sehr intensiv, aber zugleich begrenzt. Als Großvater erlebt man gewissermaßen Quality-Time, ohne dauerhaft die letzte Verantwortung zu tragen. Das macht die Rolle entspannter.

Und was verbindet Vater und Großvater am meisten?

Ganz eindeutig die Begeisterung für Familie. Schon als unsere Kinder klein waren, hatten meine Frau und ich oft das Gefühl: Das ist gerade die schönste Zeit unseres Lebens. Dieses Gefühl, als Familie zusammenzustehen, "wir vier gegen den Rest der Welt", war unglaublich stark.

Mit den Enkelkindern erlebt man davon noch einmal etwas – in einer etwas gelasseneren Form. Familie ist für mich der Kern von allem. Sie gibt Halt, Kraft und Verbundenheit. Das ist als Vater so und als Großvater nicht anders.

Buchautor Kester Schlenz
PR (Isabel Pacini)

Viele Eltern erleben das Empty-Nest-Syndrom, wenn die Kinder aus dem Haus sind — eine Mischung aus Freiheit und Verlust. Wie haben Sie diesen Übergang erlebt, und verändert das Großvaterwerden den Blick auf diese Phase noch einmal?

Das ist tatsächlich ein Einschnitt, den man nicht unterschätzen sollte. Wenn die Kinder ausziehen, wird es plötzlich sehr still. Dinge, die vorher selbstverständlich waren – Stimmen im Haus, Streit, Lachen, Chaos – sind einfach weg. Und man merkt erst dann, wie sehr einen das geprägt hat. Gleichzeitig ist da aber auch eine neue Freiheit. Man hat wieder mehr Zeit für sich, für die Partnerschaft, für Dinge, die liegen geblieben sind. Das kann sehr schön sein, wenn man es zulässt.

Das Großvaterwerden verändert den Blick darauf noch einmal. Es ist, als würde ein Teil dieser Familienenergie zurückkommen – aber anders. Man bekommt noch einmal Nähe, noch einmal Kinderlachen, noch einmal dieses Gefühl von Lebendigkeit. Aber man weiß gleichzeitig: Es ist nicht mehr dieselbe Verantwortung. Vielleicht ist das sogar die ideale Mischung.

Hand aufs Herz: Wenn aus den eigenen Kindern plötzlich Eltern werden, dreht sich die Hierarchie ja gewissermaßen um. Man ist nicht mehr derjenige, der entscheidet. Ist das ein schmerzhafter Rollenverlust – und steckt darin nicht auch ein gewisser Generationskonflikt?

Ja, das kann schon ein kleiner Stich ins Ego sein. Man war jahrzehntelang derjenige, der verantwortlich war, der entschieden hat, der wusste, wie es läuft – und plötzlich sitzt man daneben und muss zusehen, wie die eigenen Kinder es anders machen. Und sie machen es anders. Das ist unvermeidlich. Darin steckt natürlich Konfliktpotenzial. Gerade wenn man überzeugt ist, dass man aus Erfahrung spricht. Aber genau da liegt die Herausforderung: Diese Erfahrung nicht wie eine Waffe einzusetzen. Denn in dem Moment, in dem man belehrend wird, ist man raus aus der Beziehung auf Augenhöhe.

Ich glaube, der eigentliche Lernprozess ist das Loslassen. Zu akzeptieren, dass die eigenen Kinder jetzt die Hauptrolle spielen. Dass sie Entscheidungen treffen, die man vielleicht nicht immer teilt. Und dass das trotzdem in Ordnung ist. Wenn man das schafft, passiert etwas Interessantes: Die Beziehung verändert sich. Sie wird freier, weniger hierarchisch. Man begegnet sich eher als Erwachsene. Und dann kann auch Nähe entstehen, die vielleicht sogar tiefer ist als früher, gerade weil sie nicht mehr auf Abhängigkeit basiert.

Und ganz ehrlich: Ein bisschen Entlastung ist es auch. Man muss nicht mehr alles wissen, nicht mehr alles entscheiden. Man darf auch einfach mal nur Opa sein.

Sie sagen von sich selbst, dass Sie weder als Vater noch als Großvater belehrend auftreten wollen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie unerquicklich das sein kann. Ich wollte nie der Vater sein, vor dem Kinder Angst haben. Respekt ist etwas anderes als Angst. Dieses alte Modell von "Warte nur, bis Papa nach Hause kommt" war für mich immer abschreckend. Meine Kinder sollten keine Angst vor mir haben.

Und als Großvater gilt für mich dasselbe Prinzip in anderer Form: Ich will nicht den allwissenden Alten geben, der ständig erklärt, wie alles richtig geht. Natürlich hat man Erfahrung, und natürlich gibt es Momente, in denen man etwas anders machen würde. Aber wenn man erwachsene Kinder bevormundet, erreicht man meistens das Gegenteil. Ich versuche deshalb, mich zurückzuhalten, Dinge eher vorsichtig anzusprechen und vor allem die Regeln der Eltern zu respektieren.

Podcast-Tipp: Unser Experte Kester Schlenz war auch schon mal zu Gast in unserem Papa-Podcast, hier geht's zum Gespräch:

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Fällt Ihnen diese Zurückhaltung immer leicht? Gerade wenn man überzeugt ist, etwas besser zu wissen?

Nein, leicht ist das nicht immer. Natürlich gibt es Momente, in denen man denkt: Das würde ich anders machen. Aber man muss sich klar machen, dass die Verantwortung nicht mehr bei einem selbst liegt. Das ist die Rolle der Eltern, und die muss man akzeptieren.

Ich glaube, es kommt sehr auf den Ton an. Ob man etwas am Familientisch von oben herab verkündet oder ob man einen Hinweis behutsam weitergibt, macht einen großen Unterschied. Ich versuche, nichts Belehrendes zu haben. Das klappt zum Glück in unserer Familie gut. Wir sind uns in wichtigen Fragen einig, und wo wir Dinge unterschiedlich sehen, bleiben wir vernünftig.

Humor spielt in Ihren Büchern und offenbar auch in Ihrer Familie eine große Rolle. Welche Bedeutung hat er im Zusammenleben mit Kindern und Enkeln?

Eine sehr große. Humor ist für mich eine Form von Nähe. Ich war als Vater viel für das Unterhaltungsprogramm zuständig: albern sein, Geschichten erfinden, Quatsch machen, kleine Rituale entwickeln. Dass mein Sohn heute mit seiner Tochter ganz ähnliche Späße macht, rührt mich sehr. Da habe ich das Gefühl: Das wurde weitergegeben.

Natürlich hat Humor auch Grenzen. Kleine Kinder haben ihre Wutanfälle, sie schreien, werfen sich auf den Boden, und als älterer Mensch merkt man dann schon, dass man nicht mehr dieselbe Belastbarkeit hat wie mit Anfang 30. Aber grundsätzlich ist Humor etwas Verbindendes. Er schafft Vertrauen, Leichtigkeit und schöne Erinnerungen. Vielleicht bleiben genau diese Momente am stärksten.

Was ist heute Ihr wichtigster Rat an junge Väter — und vielleicht auch an künftige Großväter?

Verbringt so viel Zeit mit euren Kindern, wie ihr könnt. Das ist wirklich mein wichtigster Rat. Ein gesundes Kind aufwachsen zu sehen und es begleiten zu dürfen, ist ein großes Geschenk. Man muss das nicht romantisieren — natürlich ist Familienleben auch anstrengend, chaotisch und manchmal unerquicklich. Aber am Ende ist es genau diese gemeinsam verbrachte Zeit, die zählt.

Fazit