Zurück aus der Elternzeit: So gelingt die Rückkehr in deinen Job

Kind und Karriere
Zurück aus der Elternzeit: So gelingt die Rückkehr in den Job

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.05.2026
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Ein Vater sitzt in einem Raum mit einem Besprechungstisch mit aufgeklappten Notebook, daneben sitzt seine kleine Tochter. Ein Baby hält er im Arm
Foto: Getty Images / Westend61

Knapp 46 Prozent der Väter in Deutschland nehmen Elternzeit, gemessen an den Familien mit Elterngeldbezug, so eine aktuelle Statistik. Das ist der Höchstwert seit Einführung des Elterngeldes, dennoch beschränkt sich die große Mehrheit der Väter (etwa drei Viertel) auf zwei Partnermonate, während die Mütter im Schnitt knapp 15 Monate zu Hause bleiben.

"Ein Grund für diese Zurückhaltung ist bei den Unternehmen zu suchen", sagt Dr. Susanne Dietz, Coachin, Personalentwicklerin und Autorin des Buches "Sinnkrieger - Die sechs Stufen zu mehr Sinn in der Arbeit". Im Interview mit Men's Health Dad erklärt sie, was in Unternehmen und Familien noch besser laufen kann, damit mehr Väter mehr Elternzeit nehmen – und danach wieder reibungslos in den Job zurückkehren können.

Warum wird der Wiedereinstieg nach der Elternzeit in vielen Unternehmen noch immer unterschätzt?

Die Unternehmen priorisieren das Thema Wiedereinstieg kaum. Zudem gibt es zu wenig standardisierte HR-Prozesse, die Führungskräften und Wiedereinsteigern Sicherheit geben. Aber warum wird Wiedereinstieg zu wenig priorisiert? Zum einen, weil Eltern hier zu leise Forderungen stellen und insgeheim selbst den Anspruch haben, so zu "funktionieren" wie vor der Elternschaft ohne Kind. Zum anderen, weil Elternzeit meist als "kurze Auszeit" gesehen wird und eben nicht als eine echte längere Abwesenheit vom Arbeitgeber, in der die heftigsten Identitätsentwicklungen im Leben eines Menschen stattfinden. Es braucht Bewusstheit, dass nach der Elternzeit ein gänzlich neuer Mitarbeitender zurückkommt, der auch ein gutes Onboarding braucht.

Haben Väter hier das gleiche Problem wie Mütter?

Bei gleicher Dauer der Elternzeit: ja! Hier sind es strukturelle Probleme. Arbeitgeber und in persona Chefs und Chefinnen haben dafür kaum bis keine standardisierten Prozesse. Meist fehlt auch die Re-Integration ins Team. Was jedoch einen Unterschied macht, ist die Länge der Elternzeit: Das heißt, je länger eine Elternzeit ist, desto intensiver gestaltet sich der Wiedereinstieg. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Väter immer noch meist die klassischen zwei Monate nehmen, was wiederum ein weniger intensives Onboarding braucht.

HR-Expertin Susanne Dietz
PR (Ammy Berent)

Gerade Väter geraten ja in der Vereinbarkeitsdebatte oft aus dem Blick. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Weil es immer noch hauptsächlich Frauen sind, die mehr Monate Elternzeit nehmen und auch in Teilzeit gehen. Während 74 Prozent aller Mütter mit Kindern unter sechs Jahren in Teilzeit sind, sind es bei den Vätern gerade einmal 9 Prozent. Und auch Vereinbarkeit hinsichtlich pflegender Angehöriger wird meist von Frauen in Anspruch genommen. Ein weiterer Aspekt ist aber auch hier, dass es in den Unternehmen an männlichen Vorbildern fehlt, die aktiv und sichtbar über die Herausforderungen des Vaterseins sprechen und mutig neue Karrierewege gehen.

Viele Männer wünschen sich heute mehr Familienzeit – haben aber gleichzeitig Angst vor Karriereeinbußen. Wie präsent ist dieser Druck noch immer?

Das sind ungeschriebene Gesetze in den Unternehmen, die selbstverständlich nie so offen nach außen kommuniziert werden. Jedoch darf man hier auch differenzieren, ob es sich um "echte" Gesetze handelt oder ob es vielmehr Glaubenssätze der Belegschaft sind. Ich habe beispielsweise in der Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung erlebt, dass Mitarbeiter generell eine Elternzeit aufgrund der Branche für sich ausschlossen. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein männliches Mitglied der Geschäftsführung Elternzeit nahm und damit dieses ungeschriebene Gesetz aus der Unternehmenskultur löschte.

Welche Herausforderungen erleben Väter beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit besonders häufig?

Im Grunde sind es dieselben, wie sie auch Mütter erleben: Neufindung im Team, Integration der neuen Lebenssituation in den Alltag, situatives Reagieren auf Unvorhergesehenes wie Krankheit des Kindes, etc. Es geht hier vor allem darum, die eigenen Vorannahmen zu überprüfen. Gerade bei Männern erlebe ich immer wieder, dass bestimmte Ängste vorherrschen: weniger Akzeptanz im Team zu haben oder keine Führungsrolle mehr ausführen zu können, zum Beispiel. Diese Annahmen darf man entlarven, hinsehen und in der Regel entkräften. Ein Klassiker, den ich in meinen Elternzeit- und Wiedereinstiegs-Coachings erlebe.

Podcast-Tipp: Das Thema Elternzeit stand auch schon mal im Mittelpunkt unseres Papa-Podcasts, hier geht's zum Gespräch:

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Welche Rolle spielen Führungskräfte beim Wiedereinstieg von Vätern – und woran hapert es in der Praxis oft?

Auch die Rolle der Führungskraft sehe ich unabhängig vom Geschlecht. Die Führungskraft hat eine entscheidende Rolle, wenn es um Vereinbarkeit geht. In vielen Fällen wissen Führungskräfte gar nicht, dass es ihr Auftrag ist für Vereinbarkeit Sorge zu tragen. Das beginnt bei regelmäßigem Kontakt während der Elternzeit, Pläne zum Wiedereinstieg und ggf. genügend Flexibilität, diese anzupassen. Vor allem beim Thema Wiedereinstieg braucht es einen strukturierten Onboarding-Prozess. Auch das Team benötigt Aufmerksamkeit, um den zurückkehrenden Mitarbeiter gut zu integrieren. Daher empfehle ich nicht nur engen Kontakt vor und während der ersten 100 Tage zwischen Führungskraft und Vater, sondern auch kleine Workshops und Teamentwicklungen, um die Sorgen aller Teammitglieder wahrzunehmen und darauf reagieren zu können. Das minimiert Reibungsverluste ungemein und trägt zu einem gelingenden Wiedereinstieg für das komplette Team bei.

Was macht einen wirklich gelungenen Wiedereinstieg nach der Elternzeit aus? Was kann der Vater dafür tun?

Auch hier wieder Kontakt während der Elternzeit. Idealerweise nicht nur mit der Führungskraft – das ist obligatorisch –, sondern auch zu Kollegen und Kolleginnen. Wer einen Fuß in der Tür behält, kommt leichter zurück. Weiter gilt, selbst einen konkreten Plan zu erstellen und als Entscheidungsvorlage für das Wiedereinstiegsgespräch mit der Führungskraft dabei zu haben. Und zudem wichtig: ein flexibles Mindset. Es ist wichtig, einen Plan zu haben. Aber noch wichtiger ist es zu wissen, dass gerade mit Kindern, alles stetiger Anpassung bedarf und oftmals das Trial-Error-Prinzip die einzig gute Herangehensweise ist.

Verändert Elternzeit aus Ihrer Sicht den Blick vieler Männer auf Karriere, Arbeitszeit und Prioritäten?

Absolut! Durch die Vaterschaft verändern sich immer Werte. Das heißt, was früher gänzlich unwichtig war, kann jetzt Wert Nummer 1 sein. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich der Sinn im Leben neu definiert und dadurch Prioritäten neu gesetzt werden. Wichtig ist hier immer die Auseinandersetzung mit sich selbst. Zu wissen, für was man steht und wofür es sich lohnt jeden Tag aufzustehen. Denn Vereinbarkeit ist immer in erster Linie "vereinbar mit mir selbst!".

Fazit