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Eigenbluttherapie für die Haare So helfen Plasma-Spritzen gegen Haarausfall

Wenn die Haare ausgehen, hilft nur eine Transplantation? Nein, so eine Operation muss nicht sein – denn eine neue Methode verspricht volle Haare dank Eigenblut-Spritzen. So funktioniert's

Haben Sie schonmal was vom Vampir-Lifting gelesen? Dabei wird Blut entnommen und anschließend unter die Haut gespritzt. Was schaurig-schmerzhaft klingt, gilt unter Hollywood-Stars gerade als Garant für einen blutjungen Teint. Deshalb wird die Beahndlung in der Klatschpresse rauf und runter besprochen. Worüber aber kaum jemand schreibt: Die Eigenbluttherapie hilft auch gegen Haarausfall. Men's Health hat mit der Chirurgin Dr. Eveline Urselmann gesprochen, welche die Behandlung in ihrer Hamburger Praxis anbietet. Hier klären wir wie genau und für wen eine Eigenbluttherapie gegen Haarausfall funktioniert.

Was ist eine PRP-Behandlung gegen Haarausfall?

PRP ist die Kurzform für den englichen Begriff "platelet-rich Plasma", zu deutsch: thrombozytenreiches Plasma. "Thrombozyten enthalten Wachstumsfaktoren, welche die Zellerneuerung, Regeneration und Kollagensynthese stimulieren", erklärt Dr. Urselmann und ergänzt: "Bei der Behandlung gegen Haarausfall wird nur das Plasma, also der Teil vom Blut, der besonders reich an Thrombozyten ist, mithilfe von feinen Nadeln in die Kopfhaut injiziert, und zwar genau dort, wo die Haare dünner werden."

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Wie wirkt eine PRP-Behandlung?

Die Wachstumsfaktoren regen intensiv die Neubildung von kleinsten Blutgefäßen um die Haarwurzel an, sodass diese wieder besser mit Nährstoffen versorgt werden. Das Haarwachstum wird stimuliert. Dr. Urselmanns Trick: "Um die Wirkung zu steigern, kann dem PRP noch das stark antioxidativ wirkende Hormon Melatonin hinzugefügt werden."

Für die PRP-Therapie wird nur das Blutplasma verwendet
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Nur das goldgelbe Blut-Plasma ist für die Behandlung relevant

Wie läuft eine Eigenbluttherapie für die Haare ab?

Um an das Plasma zu kommen wird zunächst eine kleine Menge Blut (etwa 20 ml) aus der Vene gezapft, zentrifugiert und anschließend speziell aufbereitet. Zurück bleibt ein goldgelbes Serum, in dem sich die für den Behandlungserfolg ausschlaggebenden Thrombozyten und damit die Wachstumshormone befinden. Die Flüssigkeit wird dann mit einer feinen Nadel in die Kopfhaut injiziert.

Anschließend wird die Kopfhaut mit kleinen Nadeln besetzten Roller (Dermaroller) oder einem Nadelstempel (Mesopen) bearbeitet. Dadurch entstehen unzählige mikroskopisch-kleine Einstiche in die Kopfhaut – das ist übrigens der Grund für die blut-verschmierten Promi-Selfies von Damen, die das Treatment im Gesicht getestet haben.

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Wann ist eine Eigenbluttherapie für Haare sinnvoll?

Bei Ihnen ist der Kopf schon seit Jahren komplett kahl? Dann ist eine Eigenbluttherapie leider wirkungslos. Wenn die Haare aber langsam lichter werden, ist die Methode möglicherweise gut geeignet. Warum die Haare ausfallen – also, ob die Gene oder Stress schuld sind, sei dabei egal. "PRP eignet sich sowohl bei diffusem, androgenetischen und bei kreisrundem Haarausfall. Voraussetzung ist jedoch, dass noch Haar vorhanden ist, da die im PRP enthaltenen Wachstumsfaktoren und Stammzellen die Zellerneuerung an der Haarwurzel stimulieren", erklärt Dr. Urselmann.

Und was sagt die Wissenschaft dazu? "Eine italienische Studie in Padua testete die Therapie an 1033 Patienten mit androgenetischem diffusen Haarausfall und bestätigte eine Zunahme der Haardichte bei 80% der Probanden. In 93% der Fälle kam es zu einer Zunahme der Haardicke. 335 Patienten mit kreisrundem Haarausfall nach zuvor erfolgloser anderweitiger Therapie wurden ebenfalls getestet. Die Ansprechrate lag hier bei 63%", so die Expertin.

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen bei einer Eigenbluttherapie? 

"Ernste Risiken gibt es bei der PRP-Therapie nicht, da es sich um körpereigene Substanzen handelt", sagt Dr. Urselmann, fügt aber noch hinzu: "Grundsätzlich muss aber über die möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung mit Injektionen aufgeklärt werden. Dazu zählen Hämatome, Infektionen oder Irritationen der Hautnerven. Und bei akuten Entzündungen der Kopfhaut, Infektionserkrankungen sowie bei Störungen der Blutgerinnung sollte man von einer Behandlung absehen."

Bleibt noch die Frage: Tut das nicht weh? Nein, keine Sorge! Vor der Behandlung trägt der Arzt eine Anästhesiecreme zur örtlichen Betäubung auf. Schließlich wird die Haut zig-fach gepiekst.

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Volle Haare dank PRP-Therapie
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Um den Erfolg zu halten, muss die Behandlung alle 1-2 Jahre wiederholt werden

Wie oft kann und sollte man eine Eigenbluttherapie machen?

Darüber wie häufig die Behandlung durchgeführt werden sollte, um den Haarausfall dauerhaft zu stoppen und das Wachstum zu stimulieren, streiten sich Experten. Dr. Urselmann empfiehlt etwa 4 Behandlungen im Abstand von je 1 Monat – und das etwa alle 1-2 Jahre.

Was kostet eine Eigenblut-Behandlung gegen Haarausfall?

Das Ganze ist nicht billig. "In meiner Praxis liegen die Kosten einer solchen Behandlung bei zirka 600 Euro", so Dr. Urselmann. Das Geld dafür müssen Sie selbst aufbringen. Die Kassen zahlen in der Regel nicht. Aber: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Behandlung anschlägt.

Eine Eigenbluttherapie bei Haarausfall ist eine Investition – aber eine, die sich in den meisten Fällen auszahlt. Und für alle, die schon länger über eine Transplantation nachdenken, ist die Eigenblutbehandlung sogar eine günstigere Alternative, die nahezu schmerzfrei und ohne Nebenwirkungen funktioniert.

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