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Nichtraucher werden So besiegte Christian die Nikotinsucht

Endlich das Rauchen aufzugeben ist einer der beliebtesten Neujahrsvorsätze – und einer der schwersten. Christian hat es trotzdem versucht. Wie er durchgehalten hat, lesen Sie in hier

Hallo, mein Name ist Christian – und ich bin Raucher – äh, Nichtraucher. Unfassbar! Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz irgendwann mal von mir geben würde. Schließlich begehe ich in diesem Jahr mein 20-jähriges Kippen-Jubiläum. Allerhöchste Zeit also, diese selbstzerstörerische Angewohnheit zu beenden. Dass mein Chef für einen Artikel gerade jemanden suchte, der das Rauchen aufgeben will, kam mir sehr gelegen. Echt hart nach so langer Zeit, aber der Ehrgeiz hat mich gepackt!

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Men's Health Redakteur Christian Schiebold hat mit dem Rauchen aufgehört
Christian Schiebold privat
Men's Health Redakteur Christian Schiebold hat mit dem Rauchen aufgehört

Meine erste Kippe hatte ich schon mit 12 im Schnabel, als ich mit Freunden im Garten campierte. Damals haben wir uns die 5-Mark-Münze aus dem Portemonnaie von Nadines Mutters geliehen, und damit wurde heimlich eine Schachtel aus dem Automaten gezogen. Wir fanden uns irre erwachsen! Dabei hat es total ekelhaft geschmeckt. Aber das hätte ich nie zugeben, sonst wäre meine Credibility in der Clique sofort hinüber gewesen. Mit 16 ging es dann richtig los: Ich stand jede Schulpause mit den anderen vermeintlich coolen Kids in der Raucherecke – vor allem deshalb, weil ich dazugehören wollte. Und ehe ich michs versah, rauchte ich eine halbe Schachtel am Tag ganz locker weg – oft war es auch noch mehr.

Eine Zigarette besteht aus etwa 4800 Substanzen, die vor allem das Krebsrisiko in die Höhe treiben und die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes um ein Vielfaches erhöhen. Studien dazu gibt es en masse. Auch mir war klar, dass das Rauchen schädlich ist, aber das kümmert einen ja nicht, wenn man jung und unsterblich ist. Mit 18 habe ich dann innerhalb von 24 Stunden eine Schachtel vernichtet, und wenn gefeiert wurde, waren es auch mal zwei oder drei. Aber was juckt mich die Vergangenheit, was jetzt zählt, ist die Zukunft – ohne Kippen. Diese 4 Phasen habe ich in den Wochen meines Nikotin-Entzuges durchlebt:

1. Phase: Ich fasse den Entschluss, Nichtraucher zu werden

Ich lege den Schalter um. Klick

Der Gedanke, mit dem Rauchen aufzuhören, geisterte mir schon länger durch den Kopf. Der Gestank in den Klamotten ging mir auf den Zeiger, die ganze Kohle, die ich aus dem Fenster warf, und dass ich wissentlich meine Gesundheit ruinierte. Dann kam es zu einem Schlüsselerlebnis. Auf dem Flug von Bali nach Hamburg hatte ich einen Zwischenstopp in Dubai. Wie immer war mein erster Gang am Flughafen der zur Raucherkabine. Die war so voll und dermaßen zugequalmt, dass ich komplett im Nebel stand. Und plötzlich dachte ich: Wie kippengeil muss man sein, dass man sich das antut?

Einen Tag später habe ich mir eine E-Zigarette zugelegt. Die Nikotin-Alternative wirbt damit, dass das Gesundheitsrisiko um einiges geringer ist. Zudem bleibt der typische Rauchgeruch aus. Das war für mich ein wichtiges Argument. Ich habe das einige Monate durchgezogen, kam mir aber recht blöd vor, an einem Plastikteil zu nuckeln.

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Viele Raucher schätzen das Gesellige am Rauchen
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"Ich vermisse die Momente mit den Lieblingskollegen in der Raucherecke", sagt Ex-Raucher Christian, "Wichtige Erkenntis: Ich bin nicht mehr dabei, aber Freunde sind wir immer noch."

Ein weiterer Moment war, als meine rauchenden Kollegen im Urlaub waren und ich nach einer Weile feststellte, dass ich allein nicht in die Raucherecke ging. Als meine Kollegen dann wieder da waren, beschloss ich, die Rauchpausen ausfallen zu lassen. Meine Idee: Stell dir vor, dein Arbeitstag ist ein 8-Stunden-Flug. Den hatte ich bis dahin auch jedes Mal ohne eine Kippe überstanden, also kann ich das auch im Büro. Das klappte gut – bis ich abends zu Hause war und die am Tag verpassten Rauchpausen mit E-Zigaretten wieder aufholte. Wie bescheuert! Ich musste mir einfach eingestehen, dass ich mir damit nur etwas vormache und dass ich mein Projekt konsequenter angehen muss.

2. Phase: Ich suche die richtige Methode, rauchfrei zu werden

Ich höre auf. Echt jetzt!

Rund 65 Prozent der Raucher versuchen zumindest einmal im Leben, vom Glimmstängel loszukommen, so eine Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums. Jetzt gehöre ich also dazu. Nachdem alle Versuche, meinen Nikotinkonsum einzuschränken, mehr oder weniger gescheitert sind, bin ich froh, dass ich die Herausforderung angenommen habe. Das ist der Tritt in den Hintern, der nötig war – mein Ehrgeiz ist geweckt. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, mit dem Rauchen aufzuhören: Nikotinsprays, -pflaster, -kaugummis und so weiter – 5 Prozent der Entzugswilligen nutzen so was. Dabei sind solche Nikotinersatz-Therapien umstritten. Mir ist sofort klar, dass ich damit nicht herumhantieren will, weil ich mich nur dann als Nichtraucher wirklich ernst nehmen kann, wenn ich mir keinen Ersatz reinpfeife.

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Für mich kommt somit nur die Schlusspunktmethode in Frage: Ich werde von einem Tag auf den anderen aufhören. Bevor ich mich auf einen finalen Tag festlege, suche und finde ich erst mal Ausreden: "Am Wochenende bin ich auf einem Festival." Oder: "Nächste Woche ist Susis Geburtstag." Ich kann mir bestimmte Anlässe oder Momente ohne rituelle Zigarette einfach nicht vorstellen. Gerade beim Feiern gehört zum Bier immer eine Kippe dazu. Mit dem Schwert des Damokles über mir lege ich mich auf den Montag nach meinem Festival- Wochenende fest, wohl wissend, dass nur 3 bis 5 Prozent aller Raucher beim ersten Versuch den Absprung schaffen und auch nach einem Jahr noch rauchfrei sind. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken: Am Sonntagabend zelebriere ich traurig-feierlich meine letzte Zigarette. Ein bizarrer Moment! Immerhin hat mehr als die Hälfte meines Lebens mit Zigaretten stattgefunden. Ich verabschiede mich von der letzten Kippe, beerdige sie im Aschenbecher und freue mich, ab morgen endlich zu den wirklich coolen Kids zu gehören.

3. Phase: die ersten Tage ohne Zigarette durchhalten

Ich halte durch. Doch, doch!

Mein Plan: Ich treffe mich eine Woche lang weder mit Kumpels noch mit meinem Freund, damit ich nicht in Versuchung gerate, sobald andere die Kippen rausholen. Außerdem sage ich mir immer wieder: Es ist meine ureigene Entscheidung, ob ich rauche oder nicht. Ich entscheide mich jedes Mal ganz bewusst, eine Zigarette nicht zu rauchen. Die ersten zwei Tage funktioniert das überraschend gut, aber am dritten Tag geht es los: Ich bin genervt von allem und jedem und will unbedingt eine rauchen. Sofort! Ich komme jeden Abend an den Punkt, dass ich meine Jacke anziehe, um zur Tankstelle zu laufen und Kippen zu kaufen. Niemand würde es mitbekommen, und ich könnte am nächsten Tag erzählen, dass ich nach wie vor nicht geraucht habe. Aber zum Glück meldet sich dann mein Ehrgefühl, und ich ziehe die Jacke wieder aus.

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Als Raucher kann ich mir bestimmte Situationen im Alltag ohne Zigarette einfach nicht vorstellen. Zur Tasse Kaffee gehört ein Glimmstängel, nach dem Essen wird geraucht und so weiter. Ich weiß nicht wohin mit meinen Händen an der Bushaltestelle – 5 Minuten stehen und warten, ohne zu rauchen? Unvorstellbar! Mein Fazit: Ich muss Schritt für Schritt lernen, dass es auch ohne geht, realisieren, dass auch Nichtraucher auf den Bus warten – und es überleben. Für solche Momente suche ich mir Ablenkungen, stelle zum Beispiel auf Spotify Playlists zusammen oder habe immer eine Tüte mit Nüssen parat.

Christians Hobby Tauchen motiviert ihn, nicht mehr zu rauchen
Christian Schiebold privat
Atmen statt husten: "Mein Hobby Tauchen motiviert mich, künftig nicht mehr zu qualmen und meine Lungenkapazität zu erhöhen", sagt Christian.

4. Phase: So fühlt es sich das Leben als Nichtraucher an

Ich feiere mich. Yeah, geschafft!

Die ersten 7 bis 10 Tage sind die schlimmsten, für mich wie für alle Entzugswilligen: Die meisten Rückfälle ereignen sich an Tag 8 nach der letzten Kippe, fand eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heraus. Danach wird es besser. Mit jedem Tag, an dem ich nicht rauche, fällt es etwas leichter. Das ist nicht nur für die Psyche gut, sondern auch für die Fitness: Ich hätte nie gedacht, dass ich in so kurzer Zeit solche Unterschiede merke. Schon nach 24 Stunden hat mein Körper das giftige Kohlenmonoxid ausgeschieden, beginnt die Lunge langsam sich zu reinigen. Nach einigen Tagen stelle ich fest, dass Geruchs- und Geschmackssinn viel sensibler geworden sind, alles auf einmal viel intensiver riecht und schmeckt. Und einige Wochen später hat sich die Haut regeneriert (sie ist nicht mehr so trocken), der Kreislauf stabilisiert und die Durchblutung verbessert.

Fazit: Nichtraucher werden fängt im Kopf an

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass man zuerst im Kopf aufhören muss. Dass man es sich vorstellen können muss, nicht mehr zu rauchen, damit es funktioniert. Bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich die Eier in der Hose hatte, mich mit meiner Sucht auseinanderzusetzen. Dann habe ich festgestellt, dass ich mich leicht verleiten lasse mitzurauchen, sobald in meinem Umfeld gequarzt wird. Deshalb war es für mich extrem wichtig, mich in der ersten Woche weitgehend abzukapseln. Als ich in der dritten rauchfreien Woche zur Geburtstagsfeier eines Freundes eingeladen war, habe ich am meisten mich selbst gefeiert. Wir haben nämlich in einer Raucherkneipe gesessen, und ich war der Einzige, der nicht gequalmt hat. Trotzdem hatte ich Spaß. Und bin mächtig stolz, ein Nichtraucher zu sein.

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