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So wird Verkehr jetzt und zukünftig nachhaltig

Grüne Mobilität So wird Verkehr jetzt und in Zukunft nachhaltig

Erste Verkehrsregel: bei Grün fahren. Wissen wir. Neueste Verkehrsregel: grün fahren. Müssen wir lernen. Wichtig für den Schutz des Klimas sind aber nicht nur alternative Mobilitätskonzepte – es kommt auch auf unsere Einstellung an

Stillstand, das weiß sogar das Sprichwort, ist der Tod. Der Mensch muss sich bewegen. Die Mobilität liegt in unserer Natur und ist eine zentrale Notwendigkeit unserer Kultur. Wir sind vor die Höhle getreten und zum Mond geflogen. Wir pendeln zur Arbeit und führen Fernbeziehungen, spazieren um den Block, kaufen ein und gehen aus, machen Kurztrips und unternehmen Fernreisen oder müssen unbedingt mal wieder die Oma besuchen. Wir wollen mobil sein und müssen mobil sein.

Denn Mobilität verbindet. Sie verbindet uns mit Orten und Einrichtungen, mit Gegenständen und Menschen. Sie verbindet alles mit allem – Soziales, Ökologisches, Ökonomisches. Ohne Mobilität keine Menschheit.

Emissionen senken

Also bewegen wir uns, und zwar immer mehr. Durchschnittlich 85 Minuten des Tages nimmt unsere Mobilität inzwischen in Anspruch. 9 von 10 Menschen in Deutschland machen sich täglich auf irgendeinen Weg. 2017 kamen insgesamt knapp 260 Millionen Wege an jedem einzelnen Tag zusammen. Dabei legten wir über 3,2 Milliarden Kilometer zurück – mehr als 4160-mal zum Mond. Und wieder retour. Ein kurzer Hüpfer im Vergleich zum internationalen Luftverkehr: 2018 verzeichnete er 4,2 Milliarden Passagiere und brachte es auf 8,2 Billionen Flugkilometer. Eine Billion sind 1000 Milliarden. Um das ins Verhältnis zu setzen: Die Sonne glüht keine 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

So funktioniert grüne Mobilität heute und in Zukunft
Olivier Le Moal / Shutterstock.com
Mobilität befindet sich im starken Wandel und mit ihr auch die Antriebsformen

Kommen wir auf den Boden zurück. Da beförderte der Nahverkehr in Deutschland 2019 etwa 12,3 Milliarden Fahrgäste, mehr als 2 Millionen Menschen haben sich fürs Carsharing registriert. Registriert ist jedoch auch ein Bestand von mehr als 48 Millionen Pkws. An einem einzigen Tag werden die rund 2,4 Milliarden Kilometer weit bewegt.

Einen einzigen Liter Benzin zu verfahren, erzeugt 2,37 Kilogramm Kohlenstoffdioxid (CO2). Zwar ist das nicht mal halb so viel, wie die Produktion von einem Liter Milch verursacht. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass unsere Mobilität in ihrer gegenwärtigen Form eine Einbahnstraße ist, da sie viel zu viel Verkehr bedingt. So hat sich die Klimabilanz des Verkehrssektors verglichen mit allen anderen Bereichen seit dem Beginn der 1990er-Jahre nicht verbessert, ganz im Gegenteil: Die vom Verkehr verursachten Emissionen sind gestiegen, um bis zu 28 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. Deutlich mehr als ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen innerhalb der EU gehen allein auf sein Konto. Dieses Konto sehen manche Wissenschaftler schon jetzt als überzogen an. Was also muss sich ändern?

Einfach machen

Die Grundvoraussetzungen für eine ökologische Verkehrswende sind im Prinzip einfach zu beschreiben: Die Mobilität der Zukunft ist keine Fortführung der Mobilität der Gegenwart. „Die Mobilität befindet sich im starken Wandel und mit ihr auch die Antriebsformen. So verkauft Toyota derzeit jährlich weltweit knapp 10 Millionen Autos, darunter bereits 2 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge. Bis zur Mitte des Jahrzehnts wird die Nachfrage so hoch sein, dass es bereits mehr als 5 Millionen sein werden.

Auch der Anteil der Zero-Emission-Modelle, also der Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge, wird stark zunehmen und 2030 jährlich etwa 1 Million Stück betragen“, so Andreas Lübeck, Pressesprecher Technik bei Toyota und Lexus. Wir werden darüber hinaus andere Verkehrsmittel anders bewegen müssen. Und damit ist das Thema auch schon benannt – es manifestiert sich in einem einzigen Wort: anders. Allerdings macht der Mensch nicht gerne etwas anders, wenn er es nicht muss. Der U-Turn unserer Mobilität zu mehr Nachhaltigkeit wird sich also nicht von selbst vollziehen. Mehr Diskussionen noch als über die Umsetzung gibt es über die wichtigen Inhalte. Denn Green Mobility setzt nicht nur umweltschonende, sondern darüber hinaus auch sozial gerechte, widerstandsfähige und ökonomische Verkehrssysteme voraus.

Elektrisch bewegen

Eine zukunftsgerichtete Wende bedingt nicht nur eine, sondern mehrere miteinander verbundene Veränderungen: einen Wechsel der Energieträger sowie der Verkehrsmittel und ihrer Nutzung, einen Wechsel unserer Einstellung und einen Umbau der Infrastruktur. Nicht nur für den Berliner Zukunftsforscher Stephan Rammler vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung steht dabei außer Frage, dass wir "wegkommen müssen vom verbrennungsmotorischen Fahrzeug im Privatbesitz."

Weg ist das eine – aber wohin? Klar ist: Nachhaltige Mobilität wird eine weitgehend dekarbonisierte Mobilität sein müssen. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist aus zwei Gründen essenziell: Erstens sind sie endlich – irgendwann ist Schluss mit Öl und Kohle und Gas. Zweitens verursacht die Nutzung fossiler Energien viele Schadstoffe.

Die Elektrifizierung der Mobilität weist hier in eine nachhaltige Richtung. E-Autos und Plug-in-Hybride werden derzeit gehypt wie nie und sind auf dem Vormarsch. Aber allein bringt auch die E-Mobilität nicht die Wende. Der Physiker Professor Harald Lesch von der Ludwig-Maximilians-Universität in München stellt dazu zwei Zahlen gegenüber: Würden in Deutschland 1 Million E-Autos zur selben Zeit an die Dose gehängt, müsste das Netz auf einen Schlag ungefähr 350 Gigawatt liefern. Das gesamte deutsche Stromnetz habe es 2019 aber auf eine Durchschnittsleistung von gerade einmal 68,5 Gigawatt gebracht.

Wasserstoff nutzen

Demgegenüber würde uns ein eher diverser Ansatz weiterbringen. Das Brennstoffzellenauto zum Beispiel erlaubt es uns, eine Infrastruktur zu nutzen, die ohnehin ein Teil der Energiewende sein muss, nämlich die Power- to-Gas-Speicherung: Wir speichern Stromüberschüsse in Gasform, um bei Bedarf das Gas wieder in Strom zu wandeln. Oder eben um unser Auto mit Wasserstoff zu betanken.

"Das Anwendungsfeld der Brennstoffzelle ist breit. Nahezu überall dort, wo Energie benötigt wird, lässt sich eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff und Sauerstoff betrieben wird, einsetzen. Diese Antriebstechnologie spielt bei Pkws für die Langstrecke eine ebenso wichtige Rolle wie bei Lkws, Bussen oder Gabelstaplern. Weiterhin pilotieren wir momentan Anwendungen für die Schifffahrt und im Schienenverkehr, aber auch im sta- tionären Bereich bei Generatoren. Selbst das zukünftige japanische Mondfahrzeug wird unsere Brennstoffzellentechnologie nutzen", sagt Toyotas Entwicklungsexperte Lübeck.

Statt Fossiles zu verfeuern, bringt uns die Brennstoffzelle mit Hilfe der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff auf den Weg in die Zukunft. Erzeugt wird dabei Wasser statt Abgas. Hier kannst du mehr über die innovative Technologie lesen. Allerdings verursacht jedes Fahrzeug unabhängig von seinem Antrieb auch Fein- staub durch Bremsen- und Reifenabrieb. Es benötigt eine ganze Menge an Infrastruktur und Platz, ob es nun bewegt wird oder, wie die meisten Autos in privater Hand, 90 Prozent der Zeit ungenutzt herumsteht.

"Allein das Antriebssystem zu verändern ist zu kurz gedacht", sagt deshalb auch der Energie- und Klimaforscher Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Klima, Umwelt, Energie in Wuppertal.

Anders denken

Denken wir also weiter. Und anders. Denken wir an unsere Prioritäten, unser Verhalten und unsere Nutzungsstrukturen, unsere – wenn man so will – Mobilitätskultur. In der nämlich zählten Ressourcenschonung und Ökologisches lange Zeit nicht zu den höchsten Gütern. Es ging vielmehr um Transporteffizienz und Bequemlichkeit, und auch Prestige spielte bald eine Rolle.

Ein Beispiel dafür: Reisen waren mal anstrengend. Auch waren sie teuer, dauerten lange und waren unsicher, zuweilen gefährlich. Reisen waren wenigen vorbehalten. Heute sind sie pauschal, online und zwei Stunden vor dem Abflug zu Niedrigpreisen buchbar. Da können wir selbst unsere Gewohnheiten hinterfragen und in Bezug auf unsere persönliche Mobilität Veränderungen vornehmen, unsere Präferenzen verändern und nach neuen Lösungen suchen.

Fest steht aber eben auch: Nachhaltige Mobilität setzt einen anders und stärker geregelten, strukturierten und systematisierten Verkehr voraus. Um den CO2-Ausstoß in Innenstädten zu senken, setzen daher immer mehr europäische Länder darauf, Nutzfahrzeuge, insbesondere Stadtbusse, zu elektrifizieren. Mit Hilfe von modernster Brennstoffzellentechnologie können wasserstoffbetriebene Busse inzwischen nämlich schon eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern vorweisen. Es muss also langfristig das Ziel sein, Konzepte für emissionsfreie Mobilität weiter voranzutreiben und diese Form der Fortbewegung für immer mehr Menschen zugänglich zu machen. Aber nicht nur für Menschen, sondern auch für Waren.

Ab Frühjahr 2022 soll Toyotas erster Brennstoffzellen-Lkw mit einem Gesamtgewicht von 25 Tonnen den Praxistest in Japan starten. Rund 600 Kilometer Gesamtreichweite mit einer Tankfüllung sind möglich. Im Vergleich zu konventionellen Diesel-Lkw wird erwartet, dass durch den Einsatz der wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge bei einer täglichen Route von 500 Kilometern etwa 82 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Auch Züge können künftig mit Brennstoffzellenantrieb fahren. Toyota entwickelt dafür gemeinsam mit Partnern Schienenfahrzeuge, die Wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen und Speicherbatterien für den Antrieb nutzen.

Teilen lernen

So gut wie alle Untersuchungen zum Thema Mobilität der Zukunft betonen auch die Notwendigkeit intermodaler Konzepte, die verschiedene (und besonders öffentliche) Verkehrsmittel derart miteinander vernetzen, dass sie einerseits verlässlich und effizient funktionieren, uns also möglichst schnell dorthin bringen, wo wir hinwollen oder -müssen und andererseits lediglich geringe Zugangshürden aufweisen.

Mobilität muss einfach bleiben, und sie darf letztlich auch nicht zu teuer für den Einzelnen werden, was einer Forsa-Umfrage zufolge sehr viele Menschen befürchten. Wie der technologische, systemische und kulturelle Wandel unserer Mobilität klappen kann, zeigt zum Beispiel die App "Trafi". Seit September 2017 revolutioniert sie den Verkehr in Vilnius. Die integrierte Anwendung zur Routenplanung, Navigation und Koordination von verschiedenen Verkehrsmitteln erlaubt es den Nutzern, den Schwerpunkt beispielsweise auf Komfort, Kosten oder Tempo zu setzen, und rechnet in Anspruch genommene Dienste automatisch ab. Und weil das hervorragend klappt, nutzt in der litauischen Hauptstadt mittlerweile jeder Fünfte die App an Stelle des eigenen Autos.

Seit 2019 gibt es ein solches Angebot unter dem Namen "Jelbi" in Berlin, und seit Februar dieses Jahres nutzt München die Technologie von "Trafi" für eine Plattform geteilter Mobilität. Teilen wird uns zur Gewohnheit werden müssen, nicht nur, was unsere Verkehrsmittel angeht, sondern auch im Hinblick auf die Nutzung öffentlichen Raums, Stichwort: Shared Space. Ein Raum also, in dem das Leben dem Verkehr nicht nachgeordnet wird, wie das in Städten häufig und lange passierte, sondern in dem unsere Bewegung zur Lebendigkeit beitragen kann.

In Ansätzen gelingt das dort, wo das Fahrrad wieder an Bedeutung gewinnt, um damit kürzere und mittlere urbane Wege zurückzulegen, weil Schritt für Schritt eine entsprechende Infrastruktur gefördert wird. In Kopenhagen zum Beispiel wird der Radverkehr von Stadt- und Verkehrsplanern seit fast 50 Jahren explizit mitberücksichtigt und seit den frühen 1990ern auch systematisch und mit hohem finanziellen Aufwand gefördert. Ergebnis: Jeden Tag werden in der Stadt mehr als 1,5 Millionen Kilometer geradelt. Fast zwei Drittel der Menschen nutzen das Fahrrad täglich. Und das gerne. Weil es ihnen Flexibilität, Unabhängigkeit, Freiheit und Freude bringt.

Weiter denken

Neue Mobilität darf auchTransformationsprozesse in anderen Bereichen – etwa Wohnen, Arbeitsorganisation und Freizeitverhalten – nicht ausschließen. Weil eine Verkehrswende für mehr nachhaltige Mobilität nur als ganzheitlicher, soziokultureller Prozess gelingen kann. Dabei geht es nicht allein um nachhaltige Mobilität, sondern um eine nachhaltige Gesellschaft. Ein besonders zukunftsweisendes Projekt ist die Woven City, die Toyota auf einem 175 Hektar großen Gelände am Fuße des Mount Fuji in Japan errichtet. Sie wird ein vollständig vernetztes Ökosystem, in dem Menschen leben und arbeiten – und das vollständig von Toyota Brennstoffzellen angetrieben. Klingt gut, oder?

Freude haben

Das sollte als zentraler Aspekt nachhaltiger Mobilität nicht vergessen werden. Denn wir sind ja keine Kartoffeln, die nur von einem Ort zum anderen gekarrt werden müssen. Wir wollen uns gern bewegen und bewegen lassen. Entscheidend für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte, sagt der Zukunftsforscher Alexander Mankowsky von der Freien Universität Berlin, "ist deshalb auch die Frage: Wie geht es mir, wenn ich mich von A nach B bewege? Das muss und wird ja Effizienz nicht ausschließen."

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