Smartwatches dominieren den Wearables-Markt, doch fürs Recovery-Tracking sind Fitness-Ringe überlegen. Der Grund: die präzisere Messung am Finger.
Warum am Finger messen? Der physiologische Vorteil von Fitness-Ringen
Die Arterie im Finger bietet im Ruhezustand eine deutlich stabilere Messstelle als das Handgelenk. Die Sensoren liegen näher an der Hautoberfläche, die konische Form des Fingers sorgt für gleichmäßigen Kontakt. Das Handgelenk ist anfälliger für Verrutschen, was zu Messfehlern führt.
Entscheidend ist auch der Tragekomfort: Mit nur wenigen Gramm sind Ringe so leicht, dass du sie nachts kaum spürst. Smartwatches werden oft vor dem Schlaf abgenommen – und verlieren so das wichtige Messfenster.
Die Akkulaufzeit verstärkt den Vorteil: 8 Tage (Oura Ring 4) oder 6 Tage (Ultrahuman Ring AIR) bedeuten, dass du nicht jede Nacht laden musst.
Die Königsdisziplinen: Was Fitness-Ringe wirklich auszeichnet
HRV-Tracking für optimales Erholungsmanagement
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist der wichtigste Biomarker zur Überwachung des autonomen Nervensystems und zur Vermeidung von Übertraining. Sie spiegelt das Gleichgewicht zwischen Stress und Erholung wider.
Studien bestätigen die Führungsposition der Fitness-Ringe: Der Oura Ring kommt bei der Messung der Ruheherzfrequenz zu 92 Prozent und bei der HRV zu 83 Prozent an die Genauigkeit eines medizinischen EKGs heran. Eine wissenschaftliche Studie ergab zudem, dass der Oura Ring Generation 3 und 4 sogar Geräte von WHOOP, Garmin und Polar übertraf.
Schlafanalyse ohne Kompromisse
Da Fitness-Ringe aufgrund ihres Komforts die ganze Nacht getragen werden, liefern sie realistischere Schlafprofile. Dazu kommt: In den Apps der Ringe kannst du sogenannte Tags setzen – Markierungen für Ereignisse wie "Alkohol getrunken", "spätes Abendessen" oder "Sauna". Die App zeigt dir dann in Grafiken, wie sich diese Ereignisse auf deinen Schlaf auswirken. So erkennst du beispielsweise, dass dein Tiefschlaf nach Alkoholkonsum um 30 Prozent sinkt, oder dass spätes Essen deine Herzfrequenz erhöht. Diese Funktion ist bei Ringen besonders wertvoll, da sie durch die durchgehende Nachtmessung sehr präzise Zusammenhänge zeigen können.
Wichtig: Jeder Mensch hat unterschiedliche Schlafbedürfnisse. Nutze die Daten als Orientierung, nicht als Dogma.

Readiness Score für intelligente Trainingsplanung
Der Readiness Score aggregiert HRV, Ruheherzfrequenz und Schlafeffizienz zu einer handlungsanweisenden Metrik. Bei niedrigem Score passt die App deine Aktivitätsziele automatisch an oder schlägt einen Ruhetag vor. Dieser datengestützte Anreiz zur Erholung verhindert Übertraining und Verletzungen.
Die 5 besten Fitness-Ringe
1. Oura Ring 4: Der Goldstandard für Recovery-Tracking
Der Oura Ring 4 ist der Branchenprimus und gilt als Technologieführer in der wissenschaftlichen Validierung von HRV- und Schlafdaten. Das im Oktober 2024 vorgestellte Wearable verfügt über 18 Sensorkanäle statt bisher 8, was zu einer bis zu 120 Prozent besseren Signalqualität führen soll. Die Messung des Blutsauerstoffgehalts (SpO2) ist um bis zu 30 Prozent präziser.
Die Highlights:
- Smart Sensing Technologie: Die Sensoren passen sich automatisch an deine Fingerform und deinen Hauttyp an, um auch bei unterschiedlichen Bedingungen (z.B. kalte Hände, Schweiß) präzise zu messen.
- Akkulaufzeit: Bis zu 8 Tage
- Wasserdicht: Bis 100 Meter Wassersäule
- Größen: 4 bis 15 (breiteste Auswahl am Markt)
- Vollständig aus Titan: Erstmals komplett aus Titan (innen und außen), erhältlich in 6 Farben. Seit Oktober 2025 auch in 4 Keramik-Farben
Der Haken: Ein Abonnement ist zwingend erforderlich, um vollen Zugang zu allen detaillierten Insights zu erhalten. Nach einem kostenlosen Probemonat fallen 5,99 pro Monat an. Ohne Abo erhältst du nur drei einfache tägliche Scores.
Preis: Ab 279 Euro bis 549 Euro (je nach Material)
2. Samsung Galaxy Ring: Integration ins Galaxy-Ökosystem
Der Samsung Galaxy Ring überzeugt durch präzise Messungen und tiefe Integration in Samsungs Smartphone-Welt. Labortests bestätigen eine sehr hohe Genauigkeit bei der Pulsmessung.
Die Highlights:
- Keine Abo-Pflicht: Alle Funktionen ohne monatliche Kosten nutzbar
- Akkulaufzeit: 5 bis 7 Tage
- Galaxy-Integration: Tiefe Anbindung an Samsung-Smartphones
- Gestensteuerung: Steuere dein Galaxy-Smartphone per Fingergeste
- Find My Device: Ortungsfunktion integriert
- Gewicht: Nur 2,3 bis 3 Gramm
Das sagen Nutzer: Die Integration ins Samsung-Ökosystem wird gelobt, allerdings ist die Haptik des matten Designs verbesserungswürdig.
Preis: ca. 449 Euro
3. Ultrahuman Ring AIR: Leicht und ohne Abo
Der Ultrahuman Ring AIR überzeugt als abofreie Alternative. Trotz eines offiziellen Preises von 379 Euro ist er bei einigen Online-Händlern bereits deutlich günstiger erhältlich.
Die Highlights:
- Kein Abo erforderlich: Lebenslanger Zugriff auf alle Kerndaten
- Ultraleicht: Mit maximal 3,6 Gramm einer der leichtesten Fitness-Ringe
- Akkulaufzeit: Bis zu 6 Tage
- Dünn: Nur 2,45 bis 2,8 mm dick
- AFib-Monitoring: Erkennung von Vorhofflimmern
- Wasserdicht: Bis 100 Meter
Einschränkung: Der Hersteller rät, den Ring während intensiver Gewichtstrainingseinheiten oder beim Umgang mit schweren Metallobjekten abzunehmen, da dies die robuste Tungstenkarbid-Beschichtung beschädigen kann.
Preis: ca. 379 Euro
4. RingConn Gen2: Schlafapnoe-Erkennung inklusive
Der RingConn Gen2 hebt sich durch seine Schlafapnoe-Erkennungsfunktion ab. Der Ring misst präzise den AHI-Score (Apnoe-Hypopnoe-Index) und erkennt Atemaussetzer in der Nacht. Die Daten werden sicher auf Servern in Großbritannien gespeichert, also innerhalb der europäischen Grenzen.
Die Highlights:
- Schlafapnoe-Erkennung: Automatische Überwachung mit 90,7 Prozent Genauigkeit laut Herstellerstudien (aber kein klinisch zugelassenes Diagnosewerkzeug)
- Akkulaufzeit: 10 bis 12 Tage direkt, 150 Tage mit Ladecase
- Kein Abo: Alle Funktionen ohne monatliche Gebühren
- Ultraleicht: Nur 2,5 bis 3 Gramm
- Dünn: Mit 2 mm der dünnste Smart Ring
- IP68-Zertifizierung: Staub- und wasserdicht
Das Design: Mit einer Dicke von nur 2 mm hat der RingConn einen neuen Maßstab gesetzt und den Ultrahuman Ring AIR als dünnsten und leichtesten Smart Ring der Welt überholt.
Preis: Ab ca. 329 Euro
5. Amazfit Helio Ring: Der Preis-Leistungs-Sieger
Der Amazfit Helio Ring ist unser Tipp bei begrenztem Budget und eignet sich besonders für Nutzer, die bereits eine Amazfit-Smartwatch besitzen.
Die Highlights:
- Günstiger Einstieg: Mit etwa 170 Euro besonders preiswert
- EDA-Sensor: Misst elektrodermale Aktivität zur Stresserkennung
- Akkulaufzeit: 4 bis 5 Tage
- Titanlegierung: Hochwertiges, hautfreundliches Material
- 10 ATM Wasserdicht: Auch beim Schwimmen nutzbar
- Optimale Ergänzung: Entfaltet volles Potenzial in Kombination mit Amazfit-Smartwatches
Der Nachteil: Die Auswahl ist auf nur drei Ringgrößen begrenzt (US-Größen 8, 10, 12) und ein Anprobe-Set wird nicht angeboten.
Preis: Ab ca. 170 Euro

Abo oder nicht? Die versteckten Kosten bei Fitness-Ringen
Die Kostenstruktur ist das kritischste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Anbietern und beeinflusst die Gesamtkosten erheblich.
Das Oura-Abo-Modell
Beim Oura Ring ist ein Abonnement zwingend erforderlich, um vollen Zugang zu allen detaillierten Insights, den täglichen Scores und der gesamten Datenhistorie zu erhalten. Die Kosten liegen bei 5,99 Euro pro Monat. Nutzer, die das Abo nicht verlängern, behalten nur Zugang zu drei einfachen täglichen Scores.
Die abofreie Alternative
Die Markteintritte von Samsung, Ultrahuman und RingConn stellen das etablierte Abo-Modell von Oura infrage. Der Ultrahuman Ring AIR wirbt explizit damit, für den Zugriff auf die Kerndaten keine wiederkehrenden Gebühren zu erheben. Der Kauf ist ein einmaliger Vorgang, der lebenslangen Zugriff auf den Ring und die persönlichen Daten gewährleistet. Gleiches gilt für den Samsung Galaxy Ring und den RingConn Gen2.
Die Rechnung über 3 Jahre:
- Oura Ring 4: ab 279 Euro + (36 Monate × 5,99 Euro) = 495 Euro
- Samsung Galaxy Ring: ca. 449 Euro (einmalig)
- Ultrahuman Ring AIR: ca. 379 Euro (einmalig)
- RingConn Gen2: ca. 329 Euro (einmalig)
- Amazfit: ca. 170 Euro (einmalig)
Was Smartwatches immer noch besser können
Trotz ihrer physiologischen Vorteile bei der Erfassung von Ruhedaten sind Fitness-Ringe keine Universallösung. Ihre Stärken liegen in der Spezialisierung, während Smartwatches bei anderen Aufgaben klar überlegen sind.
Dynamisches Aktivitäts-Tracking und GPS
Smartwatches bieten GPS-Module und eine bessere Integration für Lauf- und Routenverfolgung. Diese Funktionen sind in einem Fitness-Ring aufgrund des Formfaktors nicht vorhanden. Für höchste Messgenauigkeit beim Training bleibt der Brustgurt der Goldstandard.
Interaktivität und Echtzeit-Feedback
Das Fehlen eines Displays bedeutet, dass jegliches Echtzeit-Feedback zur aktuellen Leistung, zur Herzfrequenzzone oder zu Benachrichtigungen während des Trainings fehlt. Smartwatches hingegen dienen als vollwertige Informationszentralen am Handgelenk und sind unschlagbar, wenn es um das Lesen von Nachrichten, die Navigation oder das Steuern von Musik geht.
Whoop: Die Armband-Alternative mit Ring-Philosophie
Das Whoop 5.0 verfolgt einen ähnlichen Recovery-First-Ansatz wie Fitness-Ringe. Das schlanke Armband konzentriert sich auf HRV-Tracking, Schlafanalyse und Readiness-Scores – verzichtet aber bewusst auf Display und GPS.
Der entscheidende Unterschied: Whoop funktioniert ausschließlich mit Abo (ab ca. 200 Euro/Jahr), dafür ist die Hardware im Abo enthalten. Du kannst das Band am Handgelenk, Oberarm oder an spezieller Kleidung tragen und während des Tragens laden. Ringe bieten den physiologischen Vorteil der stabileren Messung am Finger, sind unauffälliger, kosten aber mehr in der Anschaffung.
Whoop eignet sich für dich, wenn du das Gerät beim Sport an verschiedenen Positionen tragen möchtest oder die Community-Funktion zum Vergleich mit anderen Athleten schätzt.
Apple und smarte Ringe: Kommt der Apple Ring?
Kurz gesagt: Nein. Mark Gurman von Bloomberg berichtete im Oktober 2024, dass Apple keine Pläne für einen Smart Ring hat. Der Grund: Apple befürchtet, dass ein Ring Apple Watch-Verkäufe kannibalisieren würde. Zwar erforschte Apple bereits 2019 Prototypen unter dem Codenamen "Project Finger", doch Tim Cook stoppte das Projekt persönlich. Wenn Apple überhaupt einen Ring entwickelt, dann als Controller für AR/VR-Headsets, nicht als Fitness-Tracker.
Die häufigsten Fragen zu Fitness-Ringen
Das kommt auf den Hersteller an. Der Oura Ring 4 benötigt ein Abo (5,99 Euro/Monat) für den vollen Funktionsumfang. Samsung Galaxy Ring, Ultrahuman Ring AIR, RingConn Gen2 und Amazfit Helio Ring funktionieren ohne Abo-Pflicht. Über 3 Jahre gerechnet macht das einen Unterschied von mehreren hundert Euro.
Für Recovery-Daten ja, für Aktivitäts-Tracking nein. Die Messung am Finger bietet im Ruhezustand ein stabileres Signal, was HRV- und Schlaf-Tracking präziser macht. Studien zeigen, dass der Oura Ring mit einer Genauigkeit von 83 Prozent sehr nah am EKG-Goldstandard liegt. Bei dynamischen Aktivitäten wie Laufen oder Krafttraining sind Smartwatches mit Brustgurt jedoch genauer.
Bedingt. Fitness-Ringe tracken Aktivitäten und erkennen Workouts automatisch, aber sie bieten kein Echtzeit-Feedback, kein GPS und kein Display. Für intensive Krafttrainings solltest du manche Modelle sogar abnehmen, um Beschädigungen zu vermeiden. Die Stärke der Ringe liegt in der Erholungsphase, nicht im aktiven Training.





