Etwa 600 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland an Peniskrebs Jacob Lund / Shutterstock.com

Peniskrebs Daran erkennst du ein Peniskarzinom

Peniskrebs ist selten, aber gefährlich. Das sind die Anzeichen, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten eines Peniskarzinoms

Viele Erkrankungen am Penis sind noch immer ein Tabuthema – darunter auch Peniskrebs. Manche Männer wissen noch nicht einmal, dass es diese Form von Krebs, das sogenannte Peniskarzinom, gibt. "Peniskrebs ist eine sehr seltene Erkrankung. In Deutschland gibt es etwa 600 Neuerkrankungen pro Jahr", sagt Gunhild von Amsberg, Onkologin an dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zum Vergleich: Die Zahl an Prostatakrebs-Erkrankungen liegt bei etwa 600.000 Fällen jährlich. Doch obwohl sie selten ist, solltest du dir und deinem Penis zuliebe bestimmte Anzeichen nicht ignorieren.

Was ist Peniskrebs?

"Unter einem Peniskarzinom versteht man eine bösartige Neubildung auf der Penishaut, die vor allem im Bereich der Eichel oder auch an dem Übergang von Penisschaft zur Penisspitze lokalisiert ist", sagt Onkologin Gunhild von Amsberg. Unbehandelt können sich diese bösartigen Tumore auf die Prostata und Harnröhre ausdehnen. Und über das Lympfgefäßsystem können sie sich in den Lymphknoten des Beckens und der Leiste ausbreiten, wodurch dort Schwellungen entstehen können. Zu 95 % handelt es sich bei dem Peniskrebs um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom, also um eine Form von weißem Hautkrebs. Jedoch kommen selten auch schwarzer Hautkrebs oder Weichtteiltumore vor.

Achte auf Veränderungen und auffällige Stellen am Penis.
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Hat sich etwas an deinem Penis geändert? Auffällige Stellen solltest du von einem Arzt untersuchen lassen

Woran erkenne ich Peniskrebs?

Im Anfangsstadium ist der Peniskrebs oft unscheinbar. Das Karzinom wächst meist langsam und verursacht anfangs keine größeren Beschwerden. Wenn du allerdings an der Eichel oder Vorhaut siehst, dass die Haut geschwollen oder verhärtet ist, könnte das ein Anzeichen auf Peniskrebs sein. Aufhorchen solltest du auch, wenn du Hautstellen bemerkst, die leicht bluten und schlecht heilen.

Viele Patienten berichten auch von einem übelriechenden Ausfluss, doch das kann auch ein Anzeichen einer Infektion sein. "Ein wesentlicher Unterschied zu Infektionen ist die Schmerzlosigkeit des Peniskrebses, der meist in Form von Knötchen oder Geschwüren an der Eichel in Erscheinung tritt", sagt von Amsberg. Auch geschwollene Lymphknoten in der Leiste können Ärzten einen Hinweis auf Peniskrebs geben. Dann befindet sich die Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

6 Ursachen und Risikofaktoren von Peniskrebs

Obwohl die Ursachen für Peniskarzinome noch größtenteils ungeklärt sind, gibt es einige Risikofaktoren, die damit in Zusammenhang stehen.

1. Höheres Lebensalter erhöht Peniskrebs-Risiko

Von Peniskrebs sind vor allem Männer über 60 Jahren betroffen, wobei einige auch schon Anfang 40 oder noch früher daran erkranken.

2. Mangelnde Hygiene begünstigt Entstehung von Peniskrebs

Die Hygiene im Genitalbereich sollte kein Mann vernachlässigen. Denn es besteht ein Zusammenhang zwischen Peniskarzinomen und sogenanntem Smegma, also Vorhauttalg. Dieser soll die Eichel schützen, ist aber auch gleichzeitig ein geeigneter Nährboden für Bakterien, wenn du ihn nicht entfernst. Außerdem kann er die Entstehung von Tumoren begünstigen – noch ein Grund, sich regelmäßig untenrum zu waschen.

3. Vorhautverengungen erschweren Hygiene

Hygiene ist auch bei Vorhautverengungen, sogenannten Phimosen, ein Problem: "Bei einer Phimose kommt es häufig zu einer Ansammlung von Smegma", sagt Expertin von Amsberg. So besteht auch zwischen Vorhautverengungen und Peniskrebs ein Zusammenhang. Beschnittene Männer sind seltener von chronischen Entzündungen betroffen, weil es auch nicht so häufig zu einer Smegma-Ansammlung kommen kann.

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4. HPV-Infektionen sind mögliche Risikofaktoren für Peniskrebs

Auch Humane Papilloma-Viren (HPV) stehen unter Verdacht, die Entstehung von Peniskarzinomen zu begünstigen. Besonders einige aggressive Untergruppen (die auch Genitalwarzen hervorrufen) werden damit in Verbindung gebracht.

5. Schleimhaut-Veränderungen gelten als Vorstufen von Peniskrebs

Manche Schleimhaut-Veränderungen gelten als Vorstufen von Peniskrebs und Plattenepithelkarzinomen – vor allem Leukoplakien. Du erkennst sie als weißliche Veränderungen der Schleimhaut.

6. Chronische Entzündungen können zur Peniskrebs-Entstehung beitragen

Ist deine Vorhaut oder Eichel oft entzündet? Auch das erhöht dein Peniskrebs-Risiko.

Mangelnde Hygiene erhöht das Peniskrebs-Risiko
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Beim Duschen nicht dein bestes Stück vergessen! Vernachlässigst du deine Hygiene, erhöht sich dein Peniskrebs-Risiko

Wie gefährlich ist Peniskrebs?

Peniskrebs kann schwerwiegende Folgen haben, wenn sich die Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Zur Behandlung muss der Penis manchmal teilweise oder gar komplett entfernt werden. Bei einer Teilamputation sind oft eine erektile Dysfunktion oder andere sexuellen Störungen nicht vermeidbar. Außerdem können Probleme beim Wasserlassen hinzukommen. "Wird der Tumor jedoch frühzeitig erkannt und behandelt, bestehen verhältnismäßig gute Chancen, dass das Karzinom vollständig entfernt und das Organ erhalten bleiben kann", betont von Amsberg. Die Heilungschancen liegen dann bei 70 bis 90 %.

Im weniger schlimmen Fall ist der Peniskrebs zu Beginn der Behandlung nur oberflächlich und betrifft nur das Bindegewebe. Gute Aussichten auf eine Heilung bestehen auch, wenn Lymphknoten nicht befallen sind und der Tumor noch nicht gestreut hat. Je weiter der Krebs schon fortgeschritten ist, desto verheerender sind jedoch die Folgen. Dann hat der Krebs möglicherweise schon deine Prostata und Lymphknoten befallen und es haben sich Metastasen in anderen Körperorganen gebildet. Sprich: Der Tumor hat gestreut. "Bei 1 bis 10 Prozent aller Neuerkrankungen haben sich bereits Fernmetastasen in anderen Organen gebildet. Diese sind in der Regel nicht mehr heilbar", sagt Onkologin von Amsberg.

Wie wird Peniskrebs diagnostiziert und behandelt?

Besteht der Verdacht auf Peniskrebs wird dir meist zunächst eine Probe vom betroffenen Gewebe entnommen und untersucht. Wenn bei dir ein Peniskarzinom vorliegt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. "Gerade bei korpulenteren oder in der Leiste bereits voroperierten Patienten ist oft ein MRT oder eine Computertomographie notwendig, um besser erkennen zu können, ob der Tumor schon in Lymphgefäße gestreut hat", sagt von Amsberg.

Um den Peniskrebs zu behandeln, muss der Tumor in jedem Fall per Operation entfernt werden. "Ziel einer Behandlung ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, wenn er noch klein ist. In einem fortgeschrittenen Stadium kann sonst eine Teilamputation oder vollständige Amputation des Organs notwendig sein", sagt von Amsberg. Hat der Tumor in andere Organe gestreut, kann auch eine Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll sein.

Wie kann eine Penis-Amputation verhindert werden?

In jedem Fall gilt: Bei auffälligen Veränderungen am Penis schnell handeln. Denn um eine Amputation zu vermeiden, muss der Krebs früh erkannt und behandelt werden. Im Anfangsstadium kann es ausreichen, den Tumor aus dem Gewebe herauszuschneiden oder per Laser zu zerstören. So kann dein Penis und auch seine Funktion erhalten bleiben.

Tumore am Penis müssen operativ entfernt werden, bevor sie andere Organe befallen. Sprich deshalb frühzeitig mit einem Arzt
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Tumore am Penis müssen operativ entfernt werden, bevor sie andere Organe befallen. Sprich deshalb frühzeitig mit einem Arzt

Zögere also nie, zum Arzt zu gehen, wenn dir verdächtige Veränderungen an deinem Penis auffallen. "Bei Veränderungen, die über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen oder länger bestehen, sollten Männer sich ärztlichen Rat bei einem Urologen holen", rät von Amsberg. Eine Früherkennungsuntersuchung im klassischen Sinne gibt es für Peniskarzinomen nicht, da die Erkrankung sehr selten ist. "Bei einer routinemäßigen Prostatauntersuchung ab 45 Jahren werden aber für gewöhnlich auch die äußeren Genitalien beurteilt", so die Expertin.

Was passiert nach einer Behandlung?

Mediziner empfehlen, nach der Therapie regelmäßig zur Nachsorge zu gehen, weil Tumore wieder auftreten können. "In den ersten zwei Jahren nach einer Entfernung des Tumors sollten Männer alle drei Monate zur Nachsorge", rät von Amsberg. Bei manchen OP-Verfahren wird aber auch eine Nachsorge über mindestens fünf Jahre empfohlen.

Fazit: Anzeichen nie ignorieren, sonst riskierst du eine Amputation

Penis-Erkrankungen sind für die meisten Männer sehr unangenehm. Doch du tust niemandem einen Gefallen, wenn du Veränderungen an deinem Penis verschweigst und nicht zum Arzt gehst. Denk immer daran: Wird der Peniskrebs früh erkannt, kannst du meist eine Amputation verhindern – und die Funktion deines besten Stücks bleibt erhalten.

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