Wunschzettel: Was draufsteht und was unterm Christbaum landen sollte

Weihnachtswünsche
Wunschzettel: Was draufsteht und was unterm Christbaum landen sollte

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.10.2026
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Ein kleiner Junge sitzt an einem Tisch und schreibt einen Wunschzettel
Foto: Getty Images / Alena Iagupa

Manche Kinder schreiben an das Christkind, andere an den Weihnachtsmann. Allein die sieben offiziellen Weihnachtspostfilialen in Deutschland erhalten jedes Jahr insgesamt rund 600.000 Wunschzettel von Kindern aus der ganzen Welt. Das Problem dabei: Letztendlich sind es die Eltern, die die Geschenke kaufen müssen. Und ein Blick auf den Wunschzettel bereitet einigen dann ziemliches Kopfzerbrechen. Expertin Sarah Depold kennt das Dilemma nur zu gut: Sie ist selbst dreifache Mama und Gründerin der kostenlosen Wunschzettel-App "bitte.kaufen - mein Wunschzettel" - eine digitale Wunschliste, mit der Familien einfach Wünsche sammeln, teilen und damit doppelte Geschenke vermeiden können. Im Interview erklärt sie, worauf Eltern noch beim Thema Wunschzettel achten sollten.

Was gehört auf einen guten Wunschzettel? Und wie können Eltern ihren Kindern helfen, ihre Wünsche zu formulieren, und wann sollten sie einen Wunsch hinterfragen?

Auf einen Wunschzettel dürfen alle kleinen und großen Wünsche, über die sich Kinder freuen würden. Bei jüngeren Kindern können Eltern beobachten, womit sie sich besonders gerne beschäftigen, und daraus gemeinsam mit ihnen Wünsche formulieren. Schon in der Kita wünschen sich Kinder häufig Trendspielzeug, das vermeintlich alle anderen auch haben. Bei diesen oft kurzlebigen Interessen schaue ich genauer hin: Möchte das Kind das Spielzeug, um mitreden zu können, oder würde es tatsächlich länger damit spielen? Natürlich ist es okay, wenn Kinder Dinge haben möchten, die Erwachsene für unnötig halten. Schließlich gehört es dazu, eigene Erfahrungen mit Wünschen zu machen und dabei auch einmal festzustellen, dass ein Geschenk doch nicht so toll ist wie gedacht.

Sollten Eltern beim Wunschzettel Grenzen setzen, etwa beim Preis, bei der Anzahl der Wünsche oder bei bestimmten Geschenken?

Eine Wunschliste ist kein Einkaufszettel. Daher dürfen selbstverständlich alle Wünsche auf die Liste. Wir fragen unsere Kinder immer, welche drei Wünsche ihnen am wichtigsten sind. Bei Produkten, die wir keinesfalls kaufen würden, lenke ich zugegeben die Richtung. Wenn ein weiteres riesiges Klemmbaustein-Gebäude nicht mehr ins Kinderzimmer passt, weise ich vorab darauf hin. Dann suchen wir gemeinsam nach einer Alternative.

Was können Eltern tun, wenn ein Kind sich etwas wünscht, das nicht ins Budget passt oder aus anderen Gründen nicht infrage kommt? Wie erklärt man das, ohne den Wunsch abzuwerten?

Wir sagen unseren Kindern deutlich, dass teure Sachen ein Familiengeschenk sein können, für das alle zusammenlegen. Dann gibt es nur dieses eine Geschenk zum Fest. Wenn das Geschenk auch als Familiengeschenk zu teuer ist, erklären wir das. Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, dass sein Wunsch trotzdem berechtigt ist, auch wenn wir ihn gerade nicht erfüllen können. Der Wunsch darf trotzdem bleiben und das Kind kann sich Geld zum Sparen wünschen.

Dann gibt es natürlich solche Wünsche, die wir nicht sinnvoll finden, weil diese beispielsweise schon in einer anderen Variante bei uns gibt. Dann überlegen wir, ob wir ihn trotzdem erfüllen oder etwas anderes schenken. Das Kind kann auch entscheiden, ob es sich den Wunsch später vom Taschengeld erfüllt.

Wie verbindlich ist ein Wunschzettel eigentlich? Sollten Kinder damit rechnen, dass Wünsche erfüllt werden, oder gehört die Überraschung ausdrücklich dazu?

Wie schon gesagt: Eine Wunschliste ist keine Einkaufsliste, die abgearbeitet werden muss. Vielmehr bietet sie eine Orientierung und zeigt die aktuellen Interessen des Kindes. Wenn ein konkreter Wunsch erfüllt wird, sollte es aber möglichst genau das gewünschte Geschenk sein und keine anderen Varianten oder Marken. Da in der Regel nicht alle Wünsche erfüllt werden, bleibt das Geschenkeauspacken an Weihnachten trotzdem spannend!

Wie sprechen Eltern mit Großeltern und anderen Angehörigen über Weihnachtswünsche, ohne fordernd oder bevormundend zu wirken?

Wir sprechen das Thema Weihnachtsgeschenke frühzeitig in unseren Familien an. Dabei erzählen wir, wofür sich unsere drei Kinder interessieren, und verweisen auf deren Wunschlisten. Das wird zum Großteil gut angenommen. Wir machen auch deutlich, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden müssen, sondern eine Orientierung sind. Die Großeltern und andere Angehörige können weiterhin selbst entscheiden, was sie schenken möchten.

Was hilft, wenn mehrere Angehörige schenken möchten? Wie lassen sich Absprachen treffen, damit nicht zu viele Geschenke zusammenkommen oder Wünsche doppelt erfüllt werden?

Am besten sprechen Eltern frühzeitig mit den Großeltern und anderen Angehörigen darüber, wer was schenken möchte. Dabei können sie gemeinsam einen Rahmen festlegen und beispielsweise vereinbaren, dass jede Familie nur ein Geschenk macht. Auch eine gemeinsame Wunschliste hilft dabei, den Überblick zu behalten und doppelte Geschenke zu vermeiden. Besonders praktisch sind digitale Wunschlisten wie unsere App "bitte.kaufen", bei denen Angehörige sehen können, welche Wünsche bereits erfüllt werden.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind nach der Bescherung enttäuscht ist? Und dürfen Kinder ihre Enttäuschung offen zeigen?

Zunächst dürfen Eltern lernen, die Enttäuschung ihres Kindes auszuhalten und anzuerkennen: "Du hast dir etwas anderes gewünscht." Erzwungene Dankbarkeit muss allerdings auch nicht sein. Natürlich dürfen Kinder ihre Gefühle und damit auch ihre Enttäuschung offen zeigen, ohne sich verstellen zu müssen. Später können Eltern in Ruhe mit dem Kind sprechen, etwas über liebevoll gemeinte Geschenke und was sich die Schenkenden dabei gedacht haben. So können Kinder lernen, die Geste zu schätzen, und dürfen das Geschenk dennoch blöd finden. Es hilft nicht, Kinder vor allen Anwesenden zurechtzuweisen und von ihnen zu verlangen, dass sie sich freuen sollen. Wenn ein Geschenk nicht gut ankommt, können Eltern das später unter vier Augen mit den Schenkenden besprechen. Dabei sollten sie die gute Absicht wertschätzen und gleichzeitig freundlich erklären, warum das Geschenk nicht so gut gepasst hat.

Wie können Eltern verhindern, dass Weihnachten zu einer reinen Wunsch- und Geschenkeliste wird? Welche Bedeutung können gemeinsame Zeit, Rituale oder selbst gemachte Geschenke haben?

Die Weihnachtszeit fängt bei uns mit dem Plätzchenbacken an. Wir basteln mit jüngeren Kindern und bemalen unsere Fenster mit weihnachtlichen Motiven. Geschenke sind Kindern natürlich wichtig, in der Adventszeit stehen sie bei uns allerdings nicht im Vordergrund. Da wir frühzeitig Geschenke einkaufen, ist spätestens im November Schluss mit neuen Geschenkideen auf der Liste. So verlagern wir den Fokus von den Geschenken auf gemütliche Familienaktivitäten. Die gemeinsamen Rituale bleiben viel länger im Gedächtnis als das Auspacken einzelner Geschenke.

Fazit