Infektionsrisiko Rasur: 4 Infektionen, die Sie sich beim Rasieren einfangen können

Verletzungen nach der Rasur sehen nicht nur blöd aus, sondern machen auch den Weg frei für Bakterien und Pilze

Was kann schon bei der Bartrasur passieren? Eine ganze Menge! Wenn Sie nicht aufpassen, werden Sie schnell Opfer von fiesen Infektionen

Autsch! Wieder mal beim Rasieren geschnitten? Das kann zwar schon mal vorkommen, aber leider auch böse enden. Kleine Schnittwunden sind da Ihr geringstes Problem: Im schlimmsten Fall drohen sogar schmerzhafte Infektionen. Hautarzt Dr. Thomas Meyer vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen erklärt, auf welche Infektionen Sie achten müssen.

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4 fiese Infektionen nach der Bartrasur

1. Follikulitis

Was ist eine Follikulitis? Pickel nach der Rasur kommen Ihnen bekannt vor? So gut wie jeder Mann hat beim Rasieren mal mit Follikulitis Bekanntschaft gemacht. Damit sind Entzündungen der Haarwurzeln gemeint, die sich als Pickel sichtbar machen.

Wie werde ich eine Follikulitis wieder los? Am besten ist es natürlich, wenn Sie es gar nicht erst dazu kommen lassen: Eine vorsichtige und gründliche Rasur kann das Infektionsrisiko deutlich reduzieren, weil die Entzündungen meist nach einer Verletzung der Haut zu Stande kommen. "Bakterien und Keime können in die Haut eindringen und die Haarfollikel befallen – das ist eine häufige Folge", sagt Meyer. Wenn es aber schon zu spät ist, helfen diese Tipps:

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2. Bartflechte

Was ist eine Bartflechte? Wenn der Bart juckt und sich kreisrunde, schuppige Flecken bilden, könnten Sie an Tinea Barbae erkrankt sein, der sogenannten Bartflechte. "Das ist eine Pilzinfektion, die in der Regel mit Antimykotika behandelt wird", erklärt Dr. Meyer. Die Infektion erfolgt meist über Hautkontakt, wobei der Pilz erst einmal einen Weg durch die natürliche Hautflora finden muss – nach der Rasur geht das aber flott. Diese Pilze sind in ländlichen Gegenden üblich, besonders nach Kontakt mit einem infizierten Tier. Dann reicht es schon, wenn Sie sich am Kinn kratzen. Die Erkrankung kann aber auch durch infizierte Rasierklingen, Bürsten oder Handtücher übertragen werden, vor allem, wenn Sie gemeinschaftlich benutzt werden (was Sie ohnehin nicht tun sollten). Die Bezeichnung Bartflechte ist übrigens leicht irreführend, weil die Infektion auch ohne Bart entstehen kann. Der Name erklärt sich, weil nur Männer daran erkranken können.

Juckt's? Das kann ein Anzeichen für Bartflechte sein

Was muss ich bei Bartflechte beachten? Bei einer Infektion ist es wichtig, dass Sie sich trotz des Juckreizes nicht kratzen. Sonst verteilen Sie im schlimmsten Fall den Pilz. Bleibt die Infektion unbehandelt werden sich bärtige Männer ärgern: Dann können nämlich permanente haarlose Narben entstehen. Zur Behandlung können neben Antimykotika auch Cremes und Lotionen mit antibakterieller Wirkung angewendet werden – sprechen Sie sich dafür mit Ihrem Hautarzt ab. Experten-Tipp: "Bei chronischen Infektionen lohnt sich ein Wechsel zwischen Trocken- und Nassrasur. Das sind jeweils andere Reize auf der Haut, die eine Besserung der Erkrankungen bewirken können."

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3. Impetigo

Was ist Impetigo? Diese Hauterkrankung wird durch Streptokokken ausgelöst, die nässende Blasen verursachen. Trocknet die Flüssigkeit, entstehen gelbe oder honigfarbene Krusten. Impetigo ist vor allem eins: hoch ansteckend.

Was kann ich gegen Impetigo tun? Bei Impetigo sollten Sie schnell zum Arzt gehen und mit der Behandlung mit einem Antibiotikum beginnen. Wenn Sie schon einen Entzündungsherd im Gesicht haben, sollten Sie sich auf gar keinen Fall rasieren. "Durch die Rasur verteilt sich die Krankheit über das ganze Gesicht", warnt Meyer. Kratzen ist während einer Infektion daher genauso wie Körperkontakt mit anderen Menschen tabu.

4. Tetanus

Wie kann ich mich bei der Rasur mit Tetanus infizieren? Wenn Sie an Tetanus denken, fällt Ihnen wahrscheinlich als erstes ein rostiger Nagel im Fuß ein. Doch auch eine rostige Rasierklinge kann die tödliche bakterielle Infektion auslösen, wenn Sie sich damit schneiden.

Wie beugt man Tetanus vor? Nicht vergessen: Eine Tetanus-Impfung sollte alle 10 Jahre aufgefrischt werden – so schützen Sie sich am besten dagegen. Vorsichtshalber lohnt sich auch ein Blick auf die Rasierklinge: Ist sie rostig, weg damit! Denken Sie auch stets dran, Ihre Klingen regelmäßig auszutauschen oder desinfizieren Sie sie wenigstens. Bakterien finden sich dort nur zu gerne.

Welche Hautinfektionen können bei der Intimrasur entstehen?

Wie auch bei der Bartrasur, ist Follikulitis eine häufige Folge bei der Intimrasur. Doch es kann auch noch viel härter kommen: Eine Studie der University of California in San Francisco 2016 fand heraus, dass das Risiko für Herpes, Syphilis und Genital- oder Dellwarzen bei Menschen höher ist, die häufig Ihre Schamhaare entfernen. "Herpes kann zwar durch die Rasur allein nicht ausgelöst werden, jedoch durch Hautirritationen provoziert werden", erklärt Dr. Meyer. Im Genitalbereich sollten Sie deshalb besonders vorsichtig sein, wenn Sie sich rasieren wollen.

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Eine saubere, vorsichtige Rasur – wie beim Barbier – ist wichtig

So reduzieren Sie in 5 Schritten das Infektionsrisiko bei der Rasur:

Die Rasur gehört bei vielen Männern zwar zum Alltag dazu, aber nur die wenigsten rasieren sich richtig. Diese Schritte von Barbier Simon Schulz vom BARBER HOUSE in Hamburg sollten Sie stets befolgen – dann bleiben Ihnen Infektionen erspart.

Schritt 1: Hygienecheck

Klinge sauber? Hände gewaschen? Handtuch noch frisch? Wer viel Wert auf Hygiene legt, ist stark im Vorteil. Ihre Rasierklingen sollten auf gar keinen Fall dreckig sein! Mit einem Desinfektionsmittel gehen Sie auf Nummer sicher. Stumpfe oder sogar rostige Klingen gehören zudem ausgetauscht. "Mit alten Klingen ist die Gefahr, sich zu schneiden, viel höher", warnt Schulz.

Schritt 2: Zur richtigen Zeit rasieren

Morgens vor dem Sprung in die Dusche in 5 Minuten zackig rasieren? Falsch! "Wichtig ist es, sich nach dem Duschen zu Rasieren. Beim Kontakt mit Wasser öffnen sich die Hautporen, was die Rasur um einiges leichter macht", so der Rasur-Experte. Wer gerne morgens duscht, sollte sich auch morgens rasieren, aber: "Morgens ist man meist mehr in Eile – so ist das Verletzungsrisiko größer", erklärt Schulz. Auch ganz wichtig: Nicht direkt vor dem Sport nach der Klinge greifen! Schweiß irritiert die frisch rasierte Haut nämlich wieder. 

Ein After Shave ist nach der Rasur Pflicht

Schritt 3: Die richtigen Klingen benutzen

Mehrklingenrasierer versprechen viel, sind jedoch nicht die beste Lösung für die Rasur. Meist können Sie erst bei hartem Aufdrücken glatt und sauber rasieren, das reizt jedoch die Haut zu sehr und hinterlässt oft Wunden. "Besser sind Double Edge Safety Klingen: Sie sind effektiver und sicherer, weil sie zu so gut wie jedem Bart-Typ passen“, erklärt Schulz. Mit Elektrorasierern schneiden Sie sich für gewöhnlich nicht so häufig, jedoch ist auch da Vorsicht geraten: Die Klingen sind sehr scharf und nehmen deshalb nicht selten die obere Hautschicht mit – es kann also trotzdem zu Mikroverletzungen kommen.

Schritt 4: Nicht kreuz und quer rasieren

"Viele Männer kennen die Wuchsrichtung Ihrer Barthaare gar nicht", sagt der Barbier. Das führt dazu, dass viele gegen den Strich rasieren und sich dabei verletzen. Die richtige Rasur sieht laut Schulz anders aus: "Sie sollten immer erst dem Verlauf der Barthaare folgen und anschließend einmal diagonal rasieren."

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Schritt 5: After Shave anwenden

Ja, das brennt, aber das ist ein kleiner Preis, den Sie zahlen. Denn: "Alkoholische After Shaves desinfizieren und verschließen die Poren wieder", sagt Schulz. So blockieren Sie Bakterien und Keimen den Zugang und vermeiden unschöne Pickel auf der Haut. Nur bei sehr empfindlicher Haut sollten sie auf alkoholische After-Shaves verzichten und alternativ Mittel mit Fruchtsäure verwenden. Auch die haben eine antibakterielle Wirkung.

Die Bartrasur ist nicht so harmlos, wie Sie vielleicht dachten. Da, wo Sie die Haut verletzen, bieten Sie Bakterien und Pilzen eine Angriffsfläche. Achten Sie daher immer auf eine gründliche, saubere Rasur.