14 mal furzen pro Tag ist normal Ollyy / Shutterstock.com

Pupsen: Was es über deine Gesundheit verrät

Furzen Was deine Pupse über deine Gesundheit verraten

Ja, es ist unangenehm. Doch Furzen muss jeder. Wir verraten, was deine Darmwinde über deine Gesundheit aussagen und welche Lebensmittel das lästige Gas lahmlegen

Es ist Tabuthema, das außer (stinkender) Luft auch soziale Benachteiligungen produzieren kann: Blähungen, Pupsen, Furzen, oder poetisch "abgehende Darmwinde" – für das rektale Luft-Ablassen gibt es viel Beschreibungen (in der Wissenschaft gilt die Bezeichnung 'Flatus' als international anerkannt). Wer unter starken Blähungen leidet, hat nicht selten mit partnerschaftlichen Problemen zu kämpfen und meidet, so gut es geht, gesellschaftliche Aktivitäten. Doch so verpönt es ist, Furzen ist normal. Wir klären, ab wann es auf Krankheiten hinweisen kann und auf welche Situationen und Lebensmittel du besonders achten solltest, um unnötige Gasbildung zu unterbinden.

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1. Wieviel mal Furzen pro Tag ist normal?

10-20 Mal pupst der Mensch am Tag, sagt  Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Chefarzt der Helios Klinik in Krefeld und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Allerdings hängt dies auch von der Nahrung ab, die wir aufnehmen sowie unserer Verdauung. Die Zahl ist demnach lediglich eine Orientierungshilfe. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Mal Pupsen am Tag – unabhängig von Alter und Geschlecht. Denn der menschliche Darm produziert im Schnitt etwa 700 ml Gas am Tag. Pupst du mehr als 25 Mal am Tag, könnte etwas mit dir nicht stimmen. Das hilft bei Blähungen.

2. Warum furzen Menschen eigentlich?  

Tatsächlich entsteht schon während des Verdauungsvorganges einer einzigen Mahlzeit bis zu 1,5 Liter Darmgas. Der größte Teil ist Kohlenstoffdioxid und wird von den Zellen in der Darmwand absorbiert. Über das Blut gelangt das Gas in die Leber und dann zu den Lungen, wo es ausgeatmet wird. Und der Rest muss auch noch irgendwo hin. Die Gasbildung im Magen-Darmtrakt entsteht aus 4 Hauptquellen, erklärt Frieling, Autor des Buches "Darm an Hirn! Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben":

  1. durch verschluckte Luft 
  2. durch bakterielle Vergärung von Kohlenhydraten im Dickdarm
  3. durch eine chemische Reaktion, bei der es zu einer Bildung von Kohlendioxid aus Magen- und Bauchspeicheldrüsensekreten kommt
  4. wenn sich Gas vom Blut in den Darm ausbreitet

Gerade verschluckte Luft (Aerophagie) ist ein großer Faktor. Denn wir schlucken etwa 1 Mal in der Minute. Und jedes Mal nehmen wir 2 bis 3 ml Luft auf. Dabei gibt es aber Situationen und Faktoren, in denen du mehr Luft schluckst als sonst. Dazu gehören:  

  • Hastiges Essen
  • Angeregtes Sprechen während des Essens, etwa beim Geschäftsessen oder Date
  • Kohlensäurehaltige Getränke  
  • Rauchen
  • Lolli lutschen 
  • Kaugummi kauen  

Dadurch nimmst du vermehrt Sauerstoff und Stickstoff auf, aber auch Kohlendioxid (in Kohlensäure enthalten). Das Resultat: Du musst nicht nur rülpsen, sondern eben auch furzen – denn manchmal wandern die verschluckten Gase durch den ganzen Verdauungstrakt: von Mund und Speiseröhre in den Magen, Dünndarm, Dickdarm, Rektum und schließlich bis zum Anus.  

Der andere Weg der Gasbildung entsteht beim Zersetzen von Lebensmitteln durch Bakterien, die auf unserer Darmflora leben. Diese Stoffwechselvorgänge produzieren Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid. Und die werden anal ausgeschieden.  

3. Welche Ursachen hat häufiges Pupsen? 

Neben den oben genannten Situationen, in denen du mehr Luft als sonst verschluckst, können diese 6 Gründe die Ursachen sein:  

  • Ein gestörter Abtransport von Gas über das Blut in die Lungen.  
  • Erkrankungen: darunter Diabetes, Reizdarmsyndrom, Glutenunverträglichkeit oder Milchzuckerunverträglichkeit. So kommt es bei Betroffenen der Laktose-Intoleranz zwischen 30 Minuten bis 2 Stunden nach der Aufnahme von Milchprodukten zu Krämpfen, Durchfall und starken Blähungen. Grund: Das Verdauungsenzym Laktase fehlt ganz oder ist zu wenig vorhanden. Keine Sorge, du wärst nicht alleine: Etwa 65 % der Menschen weltweit sind Laktose-intolerant, laut Daten des US-Gesundheitsministeriums.
  • Darmflora: Bei Entzündungen im Darm kann es zu einer Überwucherung mit "falschen" Bakterien kommen. Ein Atemtest beim Arzt kann das aufklären. 
  • Flugreisen: In den luftigen Höhen dehnen sich Gase durch den geringen Luftdruck aus.   
  • Medikamente: Metformin, Acarbose oder Miglitol (die bei Diabetes verschrieben werden), sowie penicillinhaltige Antibiotika oder Abführmittel.
  • Ernährung: Sie ist in den meisten Fällen die Ursache. Zuckeraustauschstoffe und bestimmte Kohlenhydrate können die Arbeit für die Bakterien schwer machen und nicht nur zur sogenannten Flatulenz, also vermehrter Gasbildung führen, sondern auch stinkende Pupse produzieren. 

4. Warum stinken einige Fürze mehr als andere?  

Dein Darmgas besteht aus 5 verschiedenen Gasen. Der Großteil dieses Gases ist geruchsneutral, nur 1 %  ist für den Gestank verantwortlich. Manchmal befinden sich zu wenige Enzyme in unserem Magen, die dafür da sind, Lebensmittel aufzuspalten. Das betrifft vor allem Kohlenhydrate wie Zucker, Stärke oder Rohfasern. Die Folge: Bakterien im Dickdarm müssen die Arbeit übernehmen. Problem: Die Bakterien vergären die Lebensmittel dann nur noch, so dass die Gasausscheidung stinkt. Vom Geruch im Allgemeinen lässt sich also mitunter ableiten, dass du wahrscheinlich einige der folgenden Lebensmittel gegessen hast. Diese Körpergerüche solltest du nicht ignorieren.

Welche Lebensmittel verursachen besonders miefende Darmwinde?  

  • Bohnen und Linsen
  • Kohlarten, etwa Brokkoli sowie Blumen- und Rosenkohl
  • Schwefelhaltiges Gemüse wie Zwiebeln, Porree, Knoblauch, Bärlauch, Schnittlauch und Paprika
  • Vollkorn-Lebensmittel, darunter auch Getreide-Müsli und Kekse
  • Obst, weil es Fruchtzucker (Fructose) enthält
  • Milchprodukte (siehe Laktose-Intoleranz)
  • Künstliche Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe. Darunter Mannit (Zusatzstoffnummer E 421), Xylit (E967), und auch Sorbit (E420 und E432–E436), das in Light-Getränken, Zahnpflegekaugummis, aber auch in Wein zu finden ist. Was nicht heißt, dass du nie wieder Wein trinken sollst. Es kommt, wie sooft, auf die Menge an. Viele vertragen 1–2 Gläser Wein, ohne gleich einen Blähbauch zu bekommen.   

Vorsicht: Komm jetzt nicht auf die Idee und verzichte auf Gemüse oder Obst, nur weil du nicht mehr stinken willst. Unangenehmer Geruch gehört nun mal zu deinem Körper dazu. Plus: Das schwefelhaltige Gemüse etwa erfüllt lebenswichtige Aufgaben in deinem Körper. Und bevor du fragst: Nein, zwischen dem Geräusch deines Furzes und seinem Geruch gibt es keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang. Solltest du generell Probleme mit der Verdauung haben: Ballaststoffe sorgen für einen gesunden Darm. 

5. Was passiert, wenn man das Pupsen unterdrückt?

Das ist zwar nicht zwingend schädlich, so der Experte. Aber wer Pupsen unterdrückt, bei dem dehnt sich natürlich durch die Ansammlung der Gase der Darm. Dadurch können Bauchkrämpfe entstehen. Zudem kann sich der Druck auf die Lungen erhöhen und der Betroffene gerät unter Stress – das ist alles nicht lebensbedrohlich, jedoch ausreichend unangenehm.  

6. Was hilft gegen den Pups-Mief?

Es gibt Medikamente, darunter sogenannte Entschäumer (Wirkstoffe: Dimeticon oder Simethicon), die Gasblasen im Darm platzen lassen, sodass das Gas über die Darmschleimhaut aufgenommen werden kann. Aber: Entschäumer reduzieren nicht die Gasproduktion an sich, warnt Prof. Frieling. Betroffene sollten zunächst einmal Kräutermischungen (Phytotherapeutika) ausprobieren: also Zubereitungen aus Kümmel, Anis, Pfefferminze, Kamille, Löwenzahn, bittere Schleifenblume (Iberis amara). Zudem können Probiotika helfen. Sie enthalten natürliche und lebende Mikroorganismen (Bakterienstämme), die eine gesundheitsfördernde Wirkung auf die (angegriffene) Darmflora haben. Das hilft bei den häufigsten Darmbeschwerden.

Beim Reizdarmsyndrom kann zudem die so genannte FODMAP-reduzierte Kost eingesetzt werden, erklärt unser Experte. Hierbei werden Nahrungsmittel reduziert, die einen hohen Anteilen haben von: Fructose, Lactose, Fruktane, Galactane und Polyole. Allerdings: Wer diese Diät länger als 6 Wochen beibehält, riskiert eine Mangelernährung. Daher: Sprich unbedingt mit deinem Arzt darüber.  

Für alle anderen Fälle gibt es Unterwäsche mit Aktivcarbon-Filter. Der neutralisiert deinen Mief, verspricht der Hersteller. Solltest du Schwierigkeiten haben, das zu glauben: Denke einfach an Fußsohlen-Einlagen. Die funktionieren ähnlich, Dunst-Abzugshauben übrigens auch. 

7. Wer in der Beziehung furzt, meint es ernst

Ab wann ist Pupsen in eine Beziehung ok? Ab 2 bis 6 Monaten nachdem du mit dem Dating begonnen haben, so eine Umfrage eines US- Medien- und Internetunternehmens. Das zumindest hatten knapp 30 % der Befragten zwischen 20–30 Jahren geantwortet. Erst dann scheint die Beziehung auf so festen Füßen zu stehen, dass die eine Person sich nicht von dem abgestoßen fühlt, was sie selbst reichhaltig produziert: Gas im Darm. Gut 25 % sagten sogar, sie würden länger als 6 Monate und bis zu 1 Jahr warten. 23 % hatten fürs Warten nichts übrig. Sie fingen direkt nach ein paar Wochen an vor dem Partner zu furzen. Und warum auch nicht? Wer vor seinem Partner pupst, zeigt sich menschlich und beweist, dass er dem anderen vertraut. Daher ist das Furzen vor dem Partner ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er/sie es mit der Partnerschaft ernst meint.

8. Wann sind häufige Blähungen gefährlich?

Gasbildung ist meist harmlos. Einige Faktoren, wie bestimmte Lebensmittel oder vermehrtes Luftschlucken, können die Gasbildung im Körper erhöhen. Wenn du also Probleme haben solltest: Führe zunächst ein Ernährungstagebuch, rät Experte Frieling. So lässt sich festzustellen, welche Lebensmittel die Auslöser sein könnten. 

Einen Arzt oder Gastroenterologen solltest du erst aufsuchen, wenn ausgeprägte Blähungen neu auftreten. Oder, wenn sie länger andauern und zudem als belastend empfunden werden. Vor allem aber dann, wenn die Blähungen von Alarmsymptomen wie Stuhlveränderungen, Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust begleitet werden.

Pupsen ist ein natürlicher Prozess, der zum Menschen dazugehört wie das Atmen. Wenn es dich stört, kannst du es in den allermeisten Fällen durch eine Nahrungsumstellung reduzieren. Bleib ansonsten relaxed und denk daran: Alle Menschen pupsen, es gehört zum Leben einfach dazu.

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