Wie aussagekräftig ist der Nutri-Score bei Lebensmitteln wirklich? Porta / Getty Images

Wie aussagekräftig ist der Nutri-Score?

Nutri-Score Wie aussagekräftig ist der Nutri-Score bei Lebensmitteln wirklich?

Der Nutri-Score soll dir im Supermarkt dabei helfen, gesunde von ungesunden Lebensmitteln zu unterscheiden. Doch wie aussagekräftig ist die Buchstaben-Skala wirklich? Darum solltest du dich nicht blind auf die Bewertung verlassen

Endlich gibt es ein einheitliches Ampel-System für Lebensmittel: den Nutri-Score. Der sorgt für mehr Klarheit im Supermarkt-Dschungel, denn verarbeitete Lebensmittel sind mit einem einfachen Farb- und Buchstaben-System gekennzeichnet. Damit kann man auf den ersten Blick erkennen, wie gesund ein Lebensmittel ist. Oder?

Wir verraten dir, warum Lebensmittel mit einem Nutri-Score "A" oder "B" (Bestnoten) nicht automatisch gesund sind.

Was ist der Nutri-Score und wo ist er zu finden?

Der Nutri-Score ist eine neue Art der Kennzeichnung und Bewertung für verarbeitete Lebensmittel. Der Name vereint daher die englischen Begriffe "nutrition" (Ernährung) und "score" (Punkte oder Bewertung). Das Konzept dafür stammt aus Frankreich. Seit 2020 kann der Nutri-Score auch in Deutschland von Herstellern genutzt werden.

Die Idee hinter dem Nutri-Score? Verbrauchern im Supermarkt eine Entscheidungshilfe zu geben und die komplexen Informationen der Nährwerttabelle einfach darzustellen. Der jeweilige Score befindet sich gut sichtbar und in bunten Farben auf der Vorderseite von Verpackungen.

Aktuell ist die Kennzeichnung für die Hersteller allerdings noch freiwillig. Entscheidet sich ein Lebensmittelhersteller, ein Produkt zu kennzeichnen, so müssen alle Produkte der Marke mit dem Score versehen werden. Diese Regelung soll vermeiden, dass Marken nur den Teil ihrer Produktpalette kennzeichnen, der in der Bewertung gut abschneiden würde.

Ein bundesweiter Ende 2022 hat ergeben, dass der Nutri-Score bisher noch viel zu selten genutzt wird. Nur 579 von untersuchten 1.451 Produkten (40 Prozent) aus verschiedensten Produktgruppen waren mit der farbigen Nährwertkennzeichnung versehen.

Welcher Score ist der Beste?

Der Nutri-Score umfasst eine einfache, fünfstufige Skala, die sowohl farblich als auch alphabetisch mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet ist.

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Die Nutri-Score-Skala A bis E

Der Buchstabe A auf grünem Untergrund ist die bestmögliche Bewertung und deutet auf ein hochwertiges Lebensmittel hin, wohingegen der rote Buchstabe E am untersten Ende der Skala ein vergleichsweise "ungünstiges" Produkt kennzeichnet. Die Buchstaben B bis D stehen für die Abstufungen dazwischen. Wichtig zu verstehen ist dabei, dass es sich immer nur um Vergleichswerte handelt.

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Welche Lebensmittel haben keinen Nutri-Score?

Zunächst einmal die Produkte, bei denen sich der Hersteller gegen die Verwendung des Nutri-Scores entschieden hat. Darüber hinaus gibt es aber auch spezielle Produktgruppen, wie Säuglings- und Sportlernahrung oder Ersatzprodukte für Mahlzeiten, für die der Nutri-Score nicht greift.

Auch Kaffeebohnen, Tee, Kräuter sowie unverarbeitete Produkte (Obst, Gemüse, Eier, Fleisch, Fisch) benötigen keine Nährwertkennzeichnung.

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Um den Nutri-Score eines Lebensmittels zu berechnen, werden die jeweiligen Inhaltsstoffe analysiert. Damit das Ergebnis einfach dargestellt werden kann, wird zwischen guten und schlechten Inhaltsstoffen unterschieden. Alle Inhaltsstoffe werden mit Punkten versehen und fließen entweder positiv oder negativ in die Berechnung ein.

  • Positiv: Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse, Nüsse, Raps- oder Olivenöl
  • Negativ: gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz und ein zu hoher Energiegehalt

Es werden verschiedene Inhaltsstoffe miteinander aufgewogen. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, beziehen sich die Mengen dabei immer auf 100 Gramm / Milliliter des jeweiligen Produktes.

Man kann sich die Berechnung also wie eine Waage vorstellen, auf deren Seiten man einmal die gesunden Inhaltsstoffe und auf der anderen Seite die eher ungesunden Inhaltsstoffe eines Lebensmittels sammelt. Wie auch die Waage, gibt der Score dementsprechend an, welche Seite überwiegt – die gesunden oder die ungesunden Inhaltsstoffe. Da beide Seiten gegengerechnet werden, kann sich hinter einem Produkt mit dem Score A oder B daher aber auch eine Kalorien- oder Zuckerfalle tarnen!

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass nicht alle Inhaltsstoffe berücksichtigt werden, sondern nur eine Auswahl. Genau das ist einer der Kernaspekte, weswegen der Nutri-Score häufig kritisiert wird.

Kritik: Wie aussagekräftig ist der Nutri-Score?

Auch wenn der Nutri-Score von Wissenschaftlern mit dem Ziel, eine Vergleichbarkeit zwischen Lebensmitteln zu schaffen, entwickelt wurde, steht er häufig ausgerechnet wegen fehlender Vergleichbarkeit in der Kritik. Diese 4 Fakten solltest du kennen, bevor du dich beim Einkauf blind auf die Buchstaben verlässt.

1. Wichtige Inhaltsstoffe werden nicht berücksichtigt

Ein Grund für die Kritik ist die vereinfachte Berechnung auf Basis der Nährwerte und nicht aller Inhaltsstoffe eines Produkts. Während zum Beispiel gesättigte Fettsäuren zumindest negativ bewertet werden, spielen die gesunden, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (wie Omega 3) bei der Bewertung nur indirekt eine Rolle, sie bekommen nämlich keine Pluspunkte. Auch der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen sowie der Einsatz von Zusatzstoffen wird nicht berücksichtigt. Dies hat zur Folge, dass in manchen Fällen die gesündere Variante eines Produktes gleichwertig oder sogar schlechter abschneidet. Bei Nudeln ist dies der Fall.

Beispiel: Vollkornnudeln und Hartweizennudeln haben den gleichen Nutri-Score. Im Vergleich zur Hartweizenpasta haben Vollkornnudeln einen höheren Gehalt an Vitaminen, Nähr- und Mineralstoffen und sorgen für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl. Diese Vorteile bleiben unberücksichtigt.

2. Nur sinnvoll beim Vergleich innerhalb einer Produktkategorie

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass der Nutri-Score nur als Vergleich innerhalb einer Produktkategorie zu verstehen ist. Ein mit "A" bewertetes Produkt in einer Kategorie kannst du dementsprechend nicht mit einem A-Produkt aus einer anderen Kategorie vergleichen.

Beispiele: Der Score liefert einen guten Vergleich, wenn du dich zwischen einer Spinat-Pizza (A) und einer Salami-Pizza (C) entscheiden möchtest.

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Viele Tiefkühlpizzen sind mittlerweile mit dem Nutri-Score gekennzeichnet

Der Score hilft dir allerdings nicht, um unterschiedliche Produkte zu vergleichen. Ein Toastbrot hat beispielsweise den Nutri-Score A, ist aber als Lebensmittel deutlich ungesünder als das mit D gekennzeichnete Leinöl. Da der Nutri-Score auf allen Produkten gleich aussieht, kann das irreführend sein.

3. Zusatzstoffe werden vom Nutri-Score ignoriert

Ein weiterer Aspekt, der zu irreführenden Ergebnissen führt, ist die Vernachlässigung von Ersatzstoffen, wie beispielsweise Süßstoffe. Dies bringt eine Manipulierbarkeit der Skala mit sich, da Hersteller damit indirekt beeinflusst werden, Zucker durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen.

Beispiel: Am Beispiel von Cola und Bio-Apfelsaft wird dies besonders deutlich. Der Nutri-Score bewertet Cola light mit einem "B" und Bio-Apfelsaft mit einem C. Die Bewertung ist unangemessen, da Cola light künstliche Zuckerersatzstoffe enthält. Bio-Apfelsaft hingegen enthält lediglich Fruchtzucker, wenn auch eine ganz Menge davon. Warum du nicht zu viel Saft trinken solltest, liest du hier.

4. Der Nutri-Score benachteiligt Bio-Produkte

In Summe führt die beschränkte Berücksichtigung verschiedener Inhaltsstoffe zu einer grundsätzlichen Benachteiligung von Bio-Produkten. Ob ein Produkt nämlich beispielsweise Zusatzstoffe enthält oder weniger stark verarbeitet wurde als ein anderes, spielt bei der Berechnung des Scores auch keine Rolle.

Aus diesem Grund haben sich viele Hersteller des Naturkostfachhandels bisher dagegen entschieden, den Nutri-Score zu nutzen. Eine repräsentative Verbraucherbefragung der Georg-August-Universität Göttingen hat jedoch gezeigt, dass auch das Fehlen des Nutri-Scores sich negativ auf die Kaufentscheidung auswirkt und damit die Bio-Branche zusätzlich benachteiligt.

Fazit: Nutri-Score – Sinn oder Unsinn?

Die Idee ist gut, aber an der Umsetzung des Nutri-Scores hapert es an vielen Stellen. Zumal er bisher keine Pflicht für Hersteller ist. Aber: Der Nutri-Score liefert zumindest eine gute Vergleichbarkeit für verarbeitete Lebensmittel aus einer Kategorie. Bio- und Vollkorn-Produkte sind dabei allerdings differenziert zu betrachten. Hier passen Score und Realität leider oft nicht zusammen und es lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle.

Außerdem ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass ein Einkaufskorb voller Produkte mit dem Nutri-Score A oder B ausgezeichneten Lebensmittel nicht zwangsläufig gesund ist. Denn schließlich handelt es sich dabei immer um verarbeitete Produkte.

Viel wichtiger ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten. Der Nutri-Score hilft bei Einzelentscheidungen zwischen zwei ähnlichen Produkten, aber reicht für eine ausgewogene Ernährung nicht aus. Die kannst du dir mit unseren individuellen Ernährungsplänen erleichtern.

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